Inklusion im Sportverein. Auftrag und Herausforderungen der Sozialen Arbeit an die Umsetzung der Inklusion in Sportvereinen


Bachelorarbeit, 2021

45 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Inklusion
2.1 Inklusion und Sport
2.2 Rahmenbedingungen für Inklusion im Sportverein
2.3 Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit

3 Institution Sportverein
3.1 Sportvereine in Deutschland
3.2 Ehrenamt im Sportverein

4 Relevanz für die Mitgliedschaft im Sportverein
4.1 Bildungsfunktionen von Sportvereinen
4.2 Gesundheitsfunktionen von Sportvereinen
4.3 Soziale Funktionen von Sportvereinen

5 Auftrag und Herausforderungen der Sozialen Arbeit an die Umsetzung der Inklusion in Sportvereinen
5.1 Sportsozialarbeit
5.2 Inklusive Pädagogik im Sport
5.3 Herausforderungen für die Soziale Arbeit
5.4 Ansätze des inklusiven Sports im Verein
5.4.1 Freiwurf Hamburg e.V.
5.4.2 Judoabteilung des Eimsbütteler Turnverbandes e.V.

6 Fazit

I Literaturverzeichnis

II Anhänge

Abstract

This paper deals with the topic of inclusion in sports clubs. It presents the current state of inclusive processes in sports and looks at them from a socio-pedagogical perspective. The sports club turns out to be a suitable place for the success of in­clusion, since it combines sports, activity and fun and people regularly come into social contact at this place. The critical view of inclusion in the sports club is intended to show how laborious this concept is and what a possible successful realization looks like.

In this work, reference is made to the structures in sport clubs and the social func­tions that membership brings with it. Finally, pedagogical approaches for inclusion in sports clubs are discussed and existing obstacles are critically discussed.

Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Inklusion im Sportverein. Es wird der aktuelle Stand über inklusive Prozesse im Sport dargestellt und sozial­pädagogisch betrachtet. Der Sportverein stellt sich als geeigneter Ort für den Erfolg der Inklusion heraus, da er Sport, Spiel und Spaß miteinander vereint und Men­schen an diesem Ort regelmäßig in den sozialen Kontakt kommen. Der kritische Blick auf die Inklusion im Sportverein soll darlegen, wie aufwendig dieses Konzept ist und wie eine mögliche erfolgreiche Umsetzung aussehen könnte.

In dieser Arbeit wird Bezug auf die Strukturen im Sportverein und die gesellschaftli­chen Funktionen, die eine Mitgliedschaft mit sich bringt, genommen. Abschließend werden pädagogische Ansätze für die Inklusion im Sportverein thematisiert und be­stehende Herausforderungen kritisch beleuchtet.

1 Einleitung

Die Inklusion ist spätestens seit der 2009 in Kraft getretenen UN-Behindertenrecht­konvention ein immer aktueller werdendes Thema in der deutschen Gesellschaft. Menschen mit Behinderung sind in ihrem Alltag Barrieren ausgesetzt. Diese Barrie­ren hindern Menschen mit Behinderung an einer solchen Teilhabe des gesellschaft­lichen Lebens, wie es Menschen ohne Behinderung möglich ist. Der Sport zum Bei­spiel vereint eine Vielzahl von Menschen in Deutschland, durch den die Mitglieder der Sportvereine individuelle Vorteile für ihre persönliche Entwicklung, Bildung und Weiteres gewinnen können. Im Folgenden werden die Inklusion im Sportverein und deren Potenziale genauer beleuchtet. Dafür wird zu Beginn der Begriff der Inklusion mit dem Sport in Verbindung gebracht (Kapitel 2) und anschließend der Sportverein in seiner Struktur genauer dargestellt (Kapitel 3). Darauffolgend werden Funktionen der Mitgliedschaft in einem Sportverein vorgestellt und sozialpädagogisch betrach­tet (Kapitel 4). Abschließend werden Herausforderungen der Sozialen Arbeit für die Inklusion im Sportverein beschrieben, und sogenannte Best-Practice-Beispiele vor­gestellt, die sich mit dem inklusiven Sport und der Umsetzung beschäftigt haben (Kapitel 5).

2 Inklusion

Der Begriff der Inklusion ist seit der im Jahr 2009 in Deutschland in Kraft getretenen UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) ein immer wieder aufkommender Be­griff. In der UN-BRK sind die Grundrechte von Menschen mit Behinderung formu­liert, um deren Gleichberechtigung, Grundfreiheit und Menschenrechte zu fördern, zu schützen und zu gewährleisten (Aktion Mensch e.V., 2019). Artikel 30 der UN- BRK beschäftigt sich mit der Teilhabe am kulturellen Leben, Freizeit und Sport. Im fünften Absatz geht es um den gleichberechtigten Zugang und die gleichberechtigte Teilnahme an Sportaktivitäten von Menschen mit Behinderung.

In der Präambel der UN-BRK wird der Begriff der Behinderung neu definiert. Dort heißt es, dass sich das Verständnis der Behinderung ständig weiterentwickelt und eine Behinderung nicht ausschließlich aus Beeinträchtigungen besteht, sondern auch im Behindertwerden, zum Beispiel durch Barrieren, durch die nicht jeder Mensch die gleiche Möglichkeit hat, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben (Be­auftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, 2017). Aus diesem Grund müssen sich nicht die Menschen mit Behinderung an die Umwelt anpassen, sondern die Umwelt muss sich für die Menschen so verändern, dass die Teilhabe für alle möglich ist und niemand aufgrund von bestehenden Bar­rieren ausgeschlossen werden kann (Deutscher Behindertensportverband e.V., 2014).

In Artikel 30 Absatz 5a UN-BRK wird das Ziel formuliert, Menschen mit Behinderun­gen die gleichberechtigte Teilnahme an Erholungs-, Freizeit- und Sportaktivitäten zu ermöglichen und dass die Vertragsstaaten geeignete Maßnahmen hierfür treffen, um Menschen mit Behinderungen zu ermutigen, so umfassend wie möglich an brei­tensportlichen Aktivitäten auf allen Ebenen teilzunehmen, und ihre Teilnahme zu fördern.

Nach Artikel 30 Absatz 5b haben Menschen mit Behinderung die Möglichkeit, sport­liche Aktivitäten mitzugestalten und bei Teilnahme einen Anspruch auf die notwen­dige Unterstützung.

Die UN-BRK verfolgt das Ziel, Menschen dahingehend aufzuklären, dass alle die gleichen Chancen und Rechte haben und somit niemand aufgrund seiner/ihrer Be­hinderung, Herkunft etc. ausgeschlossen werden darf (Blohme, Baumhöfer-Wieting, Hinrichs & Langner).

Die Soziale Arbeit ist eine menschenrechtsorientierte Profession, die die soziale Gerechtigkeit und Achtung der Vielfalt anstrebt. Daraus lässt sich schließen, dass die Soziale Arbeit auch das Ziel einer inklusiven Gesellschaft verfolgt und ihre Kli- ent*innen dazu ermutigt, ihre Rechte und Chancen einzufordern und zu nutzen, da­mit sie ihr Wohlergehen verbessern (Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e.V., 2016).

2.1 Inklusion und Sport

Sport ist in der heutigen Gesellschaft ein sehr aktuelles Thema und sehr vielseitig. Er wird aus unterschiedlichen Gründen betrieben. Einige Menschen treiben Sport, weil sie Spaß daran haben. Andere möchten ihre Gesundheit fördern, während an­dere wiederum leistungsfähiger werden möchten. Fast die Hälfte aller in Deutsch­land lebenden Menschen ohne Behinderung treibt regelmäßig Sport. Bei Menschen mit Behinderung sind nur ein Drittel sportlich aktiv und über die Hälfte von ihnen sind sportlich gar nicht aktiv (siehe Anhang 1) (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, 2021). Der Deutsche Behindertensportverband sieht die zum Großteil nicht ausreichende Barrierefreiheit der Sportinstitutionen als Grund für diesen Un­terschied (Deutscher Behindertensportverband e.V., 2019).

Neben der körperlichen Fitness haben sportliche Aktivitäten noch viele weitere po­sitive Aspekte wie zum Beispiel die Förderung der sozialen Kontakte. Inklusion in Verbindung mit Sport hat das Potenzial, Menschen mit Behinderung mit Menschen ohne Behinderung in engeren Kontakt zu bringen und somit den Abbau von Vorur­teilen, von sozialer Distanz und von Berührungsängsten zu fördern. Zusätzlich för­dert die gemeinsame Teilnahme am Sport die Akzeptanz und Toleranz von Men­schen mit und ohne Behinderung (Blohme et al.).

Wie bereits erwähnt, haben Menschen mit Behinderung das Recht auf die gleich­berechtigte Teilnahme an Sport- und Freizeitaktivitäten (UN-BRK Art. 30 Abs. 5). Durch Artikel 30 Absatz 5 der UN-BRK wird gewährleistet, dass jeder Mensch selbstbestimmt entscheiden kann, ob er ein Sportangebot nutzen möchte und falls ja, welches er nutzen möchte.

Inklusion und Sport bedeutet nicht nur, dass jede*r beim Sport mitmachen kann und alle individuellen Teilnehmer*innen die gleichen Chancen und Möglichkeiten in der Ausführung des Sports haben. Die Partizipation neben dem Sport spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, denn das organisatorische Mitgestalten des Sports durch haupt­oder ehrenamtliche Beschäftigungen, wie zum Beispiel durch Helfer*innen, Trai- ner*innen, Schiedsrichter*innen etc., ist genauso wichtig wie die aktive Ausübung des Sports und soll jedem/jeder offenstehen (Deutscher Behindertensportverband e.V., 2019). Ein inklusiver Sportverein zeichnet sich dementsprechend nicht nur durch das Anbieten inklusiver Sportangebote aus, sondern auch dadurch, die glei­che Verteilung an Rechten zur Mitbestimmung und Mitgestaltung des Vereins zu ermöglichen. Deshalb ist für die Teilhabe aller im Verein neben der Barrierefreiheit ebenso die Umsetzung der Partizipation in allen Bereichen des Sportvereins wichtig (Meier, 2018).

Inklusive Sportangebote besitzen gesellschaftlich betrachtet ein großes Potenzial für die Auseinandersetzung und das Verständnis für Behinderungen. Doch die In­klusion im Sport hat Grenzen und ist nicht in jedem Bereich des Sports voll umsetz­bar. Spätestens im Leistungssport wird klar, dass die körperliche Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Sportler*innen Grundvoraussetzungen sind. Das bedeutet, dass beispielsweise Menschen mit einer schweren körperlichen Behinderung nicht im Rahmen der Inklusion in der wettkampforientierten Leichtathletik teilnehmen kön­nen und besser in der Para-Leichtathletik aufgehoben sind (Radtke, 2016). Meier (2018) sagt hierzu: „Dieser Exklusionsmechanismus prägt den Spitzensport gene­rell, weshalb die Partizipationschancen hier ohnehin hochschwellig sind“ (S.153). Diese Aussage verdeutlicht, dass der Inklusion in Verbindung mit Sport Grenzen gesetzt sind, da im Spitzensport das körperliche Potenzial und die Leistungsfähig­keit notwendig sind.

Aus dieser Perspektive betrachtet, ist die Inklusion im Sportverein primär im Frei­zeitsport unterzubringen. Bei der Inklusion sollte der Fokus vor allem mehr auf das gemeinsame Sporttreiben und den Austausch von Menschen mit und ohne Behin­derung liegen (Blohme et al.) Die Leistung hingegen sollte dabei eher zweitrangig sein und der Spaß im Vordergrund stehen (ebd.) Menschen mit Behinderung kön­nen dennoch auf Leistungsebene Sport treiben. Ein Beispiel hierfür sind die Para- lympischen Spiele. Es stellt sich zwar als herausfordernd dar, die paralympischen Athlet*innen auf die gleiche Wettkampfebene wie die olympischen Athlet*innen zu stellen, allerdings ist es möglich, das Trainingsumfeld des Leistungssports inklusiv zu gestalten. Hierbei werden weiterhin der Abbau von Vorurteilen und der Aufbau von Toleranz und Akzeptanz gefördert. Des Weiteren regt es den Sportgeist der Menschen mit Behinderung sehr an, sich mit Menschen ohne Behinderung zu mes­sen. Es fordert sie heraus und regt den Ehrgeiz an, sich trotz ihrer Einschränkungen weiter zu verbessern (Radtke, 2016).

Hierbei ist zu erwähnen, dass solche inklusiven Trainingsgruppen nicht für jede Sportart im Leistungssport umsetzbar sind, da beispielsweise im Mannschaftssport bestimmte Spielzüge von dem Team gemeinsam genau einstudiert werden müssen und inklusive Trainingsgruppen in solchen Fällen stören können. Im Individualsport allerdings, liegt der Fokus auf der Entwicklung und dem Fortschritt des/der einzel­nen Sportlers/Sportlerin und lässt sich somit leichter im Training inklusiv gestalten. Nichtsdestotrotz ist es nicht einfach für Sportler*innen mit Behinderung, Trainings­gruppen zu finden, die offen für Menschen mit Behinderung sind. Dies ist auf beste­hende Vorurteile auf Menschen mit Behinderung im Leistungssport und Breitensport zurückzuführen (ebd.).

Durch die Bewegung „Sport für alle“ sollen inklusive Sportprojekte unterstützt und gefördert werden. Die Stadt Hamburg stellt für bestimmte inklusive Sportangebote bis zu 1.000 € finanzielle Mittel zur Verfügung, um Menschen mit Behinderung bes­ser in den aktiven Sport zu inkludieren. Dadurch soll das gegenseitige Verständnis gefördert werden und die Teilnehmenden sollen von- und miteinander lernen (Ham­burger Sportbund e.V.,2021). Durch Initiativen wie diese, gelingt es, soziale Grup­pen, die einen erschwerten Zugang zu Sport haben, besser in Sportangebote ein­zubinden (Löwenstein, Steffens & Kunsmann, 2020a).

2.2 Rahmenbedingungen für Inklusion im Sportverein

Um ein inklusives Sportangebot anbieten zu können, muss der Rahmen dafür ge­schaffen werden. Damit der Zugang zum inklusiven Sport für alle ermöglicht werden kann, müssen die Sportvereine, die inklusiven Sport anbieten wollen, auf mehreren Ebenen die Zugänge und Angebote niedrigschwellig gestalten, um ein sicheres und barrierefreies Umfeld zu gewährleisten.

Die Grundvoraussetzung für Inklusion im Sportverein fängt bei der Einstellung des Vereins gegenüber der Inklusion an. In diesem Sinne ist es wichtig, dass die Sport­vereine für jede*n zugänglich gemacht werden, jede*r willkommen ist und die Tole­ranz und Offenheit die Basis des Vereins bilden. Des Weiteren sollte die Gleichbe­rechtigung und die Partizipation aller Mitglieder oberste Priorität haben, damit jede*r den Respekt und die Wertschätzung erhält, die er/sie verdient. Auch die durch die Inklusion entstehende Vielfalt im Verein sollte als Chance und Bereicherung wahr­genommen werden, da durch die Heterogenität der Sportgruppen vieles über den Umgang mit beispielsweise Menschen mit Behinderung gelernt werden kann und Berührungsängste gelöst werden können (Blohme et al.).

In Bezug auf das Thema des Freizeit- und Breitensports gibt es weitere Hürden in der Umsetzung des inklusiven Sports mit Menschen mit Behinderung. Trainer*innen beziehungsweise Übungsleiter*innen haben häufig zu Beginn keinerlei Erfahrung im Umgang mit Menschen mit Behinderung und sind somit zunächst unsicher. In erster Linie sind zum Abbau dieser Berührungsängste Schulungen nötig, damit sich die Übungsleiter*innen sicher fühlen, ein inklusives Sportangebot anzubieten und durchzuführen. Dies trägt zu Beginn Kosten mit sich, ist aber essenziell für den rich­tigen Umgang mit Menschen mit Behinderung und ihren Behinderungen im Sport­kontext. Der Nutzen aus der Investition in die Ausbildung der Übungsleiter*innen im Behindertensport schafft eine Chancengleichheit für die Nutzung des Sportange­bots. Zusätzlich ist mehr Personal notwendig, denn manche Menschen mit Behin­derung benötigen mehr Unterstützung bei der Ausübung eines Sports. Ehrenamtli­che Helfer*innen sind hierfür eine unterstützende Bereicherung für die Inklusion im Sport (Behinderten- und Rehabilitations- Sportverband Bayern e.V., 2018). Das ausgebildete Personal muss den Teilnehmenden Sicherheit in der Ausübung des Sports geben. Dazu gehört die Aufsichtspflicht, um beispielsweise bei Zweckent­fremdung von Sportgeräten rechtzeitig einzugreifen und somit Unfälle zu verhindern oder im Fall von Unfällen schnell zu reagieren und Erste-Hilfe zu leisten. Eine Pla­nung der Sporteinheiten durch die Übungsleiter*innen ist ebenfalls wichtig, um zum Beispiel einen behindertengerechten Geräteaufbau zu gewährleisten (ebd.). Durch die vorherige Planung der Sporteinheiten, kann zusätzlich das größte Potenzial der Teilnehmenden des Sportangebots genutzt und dadurch effektiver gefördert werden (ebd.).

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Barrierefreiheit. Diese sollte sowohl physisch als auch psychisch umgesetzt werden. Physische Barrieren, sind Hindernisse im Alltag, an die nicht jeder Mensch vorbeikommt. Dazu gehören zum Beispiel Treppen oder schmale Türen, durch die ein Rollstuhl nicht hindurch passt. Durch die psychische Barrierefreiheit soll niemand, aus welchen Gründen auch immer, in der Gesellschaft ausgeschlossen werden, um ein vorurteils- und diskriminierungsfreies Miteinander zu fördern (ebd.).

Um die physische Barrierefreiheit umzusetzen, ist es erforderlich, sich in der Pla­nung regelmäßig auszutauschen beziehungsweise die Menschen, die häufig solchen Barrieren ausgesetzt sind, aktiv einzubinden. Die gemeinsame Planung der Maßnahmen für die Barrierefreiheit mit betroffenen Menschen ist einerseits die Auf­hebung einer psychischen Barriere und andererseits zielorientierter und effektiver, denn Menschen, die regelmäßig mit Barrieren im Alltag konfrontiert werden, wissen am besten, wie sie mit diesen umgehen und wie eine effektive Alternative aussieht. Um weitere psychische Barrieren aufzulösen, müssen die Vereinsmitglieder mit dem Thema Inklusion vertraut sein und die Bedeutung der Inklusion verinnerlicht haben. Ein wertschätzender und respektvoller Umgang miteinander ist essenziel für die Inklusion (ebd.).

2.3 Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit

Ein wichtiger Schritt für die erfolgreiche Umsetzung von Inklusion in Sportvereinen ist die Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit. Ein gut funktionierendes Netzwerk aus mehreren Institutionen, wie Behindertensportvereinen, inklusiven Sportvereinen oder ähnlichen Institution, erregt größere öffentliche Aufmerksamkeit und entwickelt sich durch den regelmäßigen Austausch immer weiter.

Mithilfe eines aktiv im Austausch stehenden Netzwerks von Institutionen, die sich für ein niedrigschwelliges inklusives Sportangebot engagieren, können beispiels­weise größere Veranstaltungen für den Freizeit- und Breitensport ermöglicht wer­den, bei denen die Vielfalt der Menschen im Vordergrund steht. Durch ein solches Netzwerk können ebenfalls die bereits erwähnten inklusiven Trainingsgruppen ge­fördert und realisiert werden. Mit der Vernetzung von Sportvereinen und sozialen Einrichtungen, wie zum Beispiel Kinder- und Jugendzentren oder Institutionen der Behindertenhilfe, werden mehr Menschen auf die Nutzung eines inklusiven Sport­angebots im Sportverein aufmerksam gemacht (Deutscher Behindertensportver­band e.V., 2014).

Die Öffentlichkeitsarbeit stellt einen weiteren bedeutsamen Punkt für die Inklusion im Sportverein dar. Damit solche inklusiven Projekte umgesetzt werden können, benötigt es interessierte Teilnehmer*innen beziehungsweise Mitglieder, die sich mit dem Thema des inklusiven Sports beschäftigen möchten. Mithilfe der

Öffentlichkeitsarbeit soll der Gesellschaft bewusstgemacht werden, dass nicht jeder Mensch die gleichen Möglichkeiten hat, seine sportliche Freizeit im Verein zu nutzen und regt sie somit an, sich damit auseinander zu setzen. Das heißt, die Öffentlich­keitsarbeit verfolgt das Ziel der Sensibilisierung der Gesellschaft für inklusiven Sport. Dies geschieht beispielsweise durch Sportveranstaltungen oder Aktionstage, die Sport und Vielfalt miteinander vereinen (Blohme,et al.).

3 Institution Sportverein

Sportvereine haben in Deutschland eine lange Tradition. Im Jahr 1811 eröffnete Friedrich Ludwig Jahn den ersten deutschen Turnplatz mit dem Ziel, die preußi­schen Soldaten fit und leistungsfähig zu halten. Kurz darauf, im Jahr 1814, wurde der erste deutsche Sportverein gegründet. Bis heute ist der organisierte Sport in Sportvereinen unverzichtbar für die Gesellschaft, da er viele Menschen in den sozi­alen Kontakt miteinander bringt (Marschke, 2015).

Heute gibt es ungefähr 88.000 Sportvereine in Deutschland. Die Anzahl der Sport­vereine in Deutschland sinkt jedoch. Im Jahr 2012 gab es noch ungefähr 91.000 Sportvereine (Deutscher Olympischer Sportbund e.V. 2020). Ein sogenanntes „Ver­einssterben“ konnte allerdings noch nicht empirisch bestätigt werden (Ahlrichs & Fritz, 2020). Etwa acht Prozent der heute existierenden Sportvereine wurden noch vor dem 20. Jahrhundert gegründet (Breuer & Feiler, 2015). Nur knapp ein Viertel aller Sportvereine wurden innerhalb der letzten 30 Jahre gegründet (Breuer, Feiler & Rossi, 2020).

Die Mitgliedschaften hingegen steigen. Im Jahr 2012 gab es ca. 23,7 Millionen Mit­glieder in Sportvereinen, im Jahr 2020 waren es ca. 24,2 Millionen. Unabhängig von diesen Zahlen bedeutet dies, dass knapp 29% der deutschen Bevölkerung Mitglied in einem Sportverein sind (Deutscher Olympischer Sportbund e.V. 2020).

Etwas weniger als ein Drittel aller Sportvereine in Deutschland bieten Programme zur Gesundheitsförderung an. Ein Sportangebot für Menschen mit Behinderung bie­ten nur 4.300 aller Sportvereine in Deutschland an (Breuer & Feiler, 2019). In den folgenden Abschnitten wird die Struktur in einem Sportverein genauer dargestellt, die Wichtigkeit des Ehrenamts im Sportverein thematisiert und allgemein der Sport im Sportverein erläutert.

3.1 Sportvereine in Deutschland

Der organisierte Sport in Deutschland wird im Rahmen der Sportverbände betrie­ben. Für jede spezifische Sportart gibt es nur einen Spitzenverband. Zu den Spit­zenverbänden mit den meisten Mitgliedern gehören zum einen der deutsche Fuß­ball-Bund mit ca. 7,2 Millionen Mitgliedern und zum anderen der deutsche Turner­Bund mit ca. 5 Millionen Mitgliedern. Der deutsche Behindertensportverband hat aktuell knapp 600.000 Mitglieder und gehört damit zu einem der zehn größten Sport­verbände in Deutschland (Deutscher Olympischer Sportbund e.V., 2020).

In der Hierarchie der Verbände folgen auf die Spitzenverbände die Landesfachver­bände, wie zum Beispiel der Hamburger Fußball-Verband. Die Landesfachver­bände regeln und organisieren den Sport auf Wettbewerbsebene in ihrem jeweiligen örtlichen Bereich. Sie sind Mitglieder ihrer zugehörigen Spitzenverbände. Jeder Verein ist Mitglied seines Landesfachverbandes. Bietet beispielsweise ein Sportver­ein aus Hamburg mehrere verschiedene Sportarten an, wie Fußball, Handball und Tennis an, ist er zum einen ein Mehrspartenverein und gehört zum anderen dem Hamburger Fußball-Verband, dem Hamburger Handball-Verband und dem Ham­burger Tennis-Verband an (Pfister). Die meisten aller deutschen Sportvereine sind sogenannte Einspartenvereine, bieten also nur eine Sportart an. Größere Sportver­eine bieten mehrere verschiedene Sportarten an, um ihren Mitgliedern ein breites Spektrum zu bieten. Solche Vereine werden Mehrspartenvereine genannt. Dadurch, dass die größeren Sportvereine mehrere Sportarten anbieten, kommen im Durchschnitt auf jeden deutschen Sportverein drei verschiedene Sportangebote (Breuer & Feiler, 2013).

In Deutschland werden regelmäßig Sportentwicklungsberichte (SEB) vom Bundes­institut für Sportwissenschaft (BISp) angefertigt, um durch eine stetig aktuelle Wis­sens- und Informationsbasis den deutschen Sportvereinen eine Möglichkeit zu ge­ben sich anhand der erhobenen Daten weiterzuentwickeln. Die Teilnahmebereitschaft der Sportvereine an den Sportentwicklungsberichten hat immer weiter zugenommen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Inklusion im Sportverein. Auftrag und Herausforderungen der Sozialen Arbeit an die Umsetzung der Inklusion in Sportvereinen
Hochschule
Medical School Hamburg
Note
2,3
Autor
Jahr
2021
Seiten
45
Katalognummer
V1164507
ISBN (Buch)
9783346568717
Sprache
Deutsch
Schlagworte
inklusion, sportverein, auftrag, herausforderungen, sozialen, arbeit, umsetzung, sportvereinen
Arbeit zitieren
Marcel Bodemann (Autor:in), 2021, Inklusion im Sportverein. Auftrag und Herausforderungen der Sozialen Arbeit an die Umsetzung der Inklusion in Sportvereinen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1164507

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