Franz Brentano und René Descartes spielen beide auf sehr unterschiedliche Weise eine sehr wichtige Rolle in der Geschichte der Philosophie des Geistes. Doch obwohl ihre Ansätze so unterschiedlich waren und etwa zweihundert Jahre zwischen ihnen liegen, sind bei der Lektüre ihrer Theorien erstaunliche Ähnlichkeiten zu beobachten. Doch sind diese Ähnlichkeiten nur scheinbar und oberflächlich, oder handelt es sich eigentlich um ein und dieselbe Theorie?
Im Folgenden soll dieser Frage auf den Grund gegangen und die Ideentheorie von Descartes mit Brentanos Theorie zur Intentionalität vergleichen werden. Dies soll unter der Frage geschehen, ob und was Brentanos Theorie an Neuerungen bieten kann und inwiefern sie als identisch oder als Update zu Descartes Theorie gesehen werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Descartes‘ Ideentheorie
2.1 Einführung
2.2 Mentale Gegenstände bei Descartes
2.3 Mentale Zustände bei Descartes
2.4 Die Vielfalt der Phänomene bei Descartes
2.4.1 Die Vielfalt mentaler Gegenstände
2.4.2 Die Vielfalt mentaler Zustände
2.5 Gegenstände der Außenwelt bei Descartes
3. Brentanos Theorie im Vergleich
3.1 Einführung
3.2 Mentale Gegenstände bei Brentano
3.3 Mentale Zustände bei Brentano
3.4 Gegenstände der Außenwelt bei Brentano
3.5 Die Vielfalt der Phänomene bei Brentano
3.5.1 Die Vielfalt mentaler Gegenstände
3.5.2 Die Vielfalt mentaler Zustände
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen der Ideentheorie von René Descartes und der Theorie der Intentionalität von Franz Brentano. Dabei wird analysiert, inwieweit Brentanos Ansatz als Erweiterung oder Neuausrichtung cartesischen Denkens betrachtet werden kann, wobei der Fokus auf der Struktur mentaler Gegenstände, mentaler Zustände und der Wahrnehmung der Außenwelt liegt.
- Vergleich der Ideentheorie von Descartes mit Brentanos Intentionalitätstheorie
- Analyse der Konzepte mentaler Gegenstände und mentaler Zustände
- Untersuchung der Entstehung und Vielfalt geistiger Phänomene
- Erörterung der Rolle der Außenwahrnehmung bei beiden Philosophen
- Bewertung der erkenntnistheoretischen versus psychologischen Ausrichtung beider Ansätze
Auszug aus dem Buch
2.2 Mentale Gegenstände bei Descartes
Mentale Gegenstände sind bei Descartes die Gegenstände der Ideen, also dasjenige wovon die Idee Idee ist: „[...] weil es keine Ideen gibt, die nicht gleichsam Ideen von Dingen wären.“ (Descartes, Med. III, 19). Es gibt beispielsweise die Ideen „von Wärme und Kälte“ (ebd), „die Ideen der Dauer und der Zahl“ (ebd), „Ideen körperlicher Dinge“ (ebd) usw. Dabei ist der Gegenstand der Idee kein materieller Gegenstand, sondern ein mentaler. Das ist unter anderem daran erkennbar, dass es auch Ideen von abstrakten und nicht existierenden Gegenständen geben kann (z.B. Chimären (vgl. Descartes, Med. III, 6)). Für Descartes bedeutet es für einen Gegenstand im Mentalen zu existieren, auf objektiver Seinsweise zu existieren:
„Sollte aber gefragt werden, was die Idee der Sonne ist, und würde man antworten, dass sie die gedachte Sache ist, sofern sie objektiv im Verstand ist, so verstünde das wohl niemand so, dass es die Sonne selbst ist, sofern in ihr jene extrinsische Bezeichnung ist, und es wird dann »objektiv im Verstand sein« nicht bedeuten, seine Tätigkeit nach Art und Weise des Objekts zu begrenzen, sondern im Verstand in der Weise zu sein, wie es seine Objekte zu sein pflegen, so dass die Idee der Sonne, die im Verstand – zwar nicht formaliter, wie am Himmel, aber objektiv, d.h. in der Weise, wie die Objekte im Verstand zu sein pflegen – existierende Sonne selbst ist Gleichzeitige sind die Gegenstände der Idee auch Teil der Idee selbst.“ (Descartes, Erw. I, S. 74)
Es ist also nicht die Sonne selbst, die im Geist existiert, sondern ein mentaler Gegenstand, der diese repräsentiert. Dieser Gegenstand existiert auf objektive Weise, also auf die Art und Weise, wie die Dinge im Verstand existieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Fragestellung nach der theoretischen Verwandtschaft zwischen Descartes und Brentano und definiert den Fokus auf die Analyse mentaler Gegenstände und Zustände.
2. Descartes‘ Ideentheorie: Dieses Kapitel arbeitet Descartes' erkenntnistheoretische Grundlagen heraus, insbesondere die Definition von Ideen als mentale Gegenstände und Zustände.
3. Brentanos Theorie im Vergleich: Der Vergleichsteil beleuchtet Brentanos Intentionalitätsbegriff, seine Abgrenzung von physischen und psychischen Phänomenen sowie die Differenzen zur cartesischen Position.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass trotz ähnlicher Ausgangspunkte unterschiedliche methodische Interessen und Zielsetzungen zu divergierenden Ausarbeitungen führen.
Schlüsselwörter
Descartes, Brentano, Ideentheorie, Intentionalität, mentale Gegenstände, mentale Zustände, psychische Phänomene, physische Phänomene, Erkenntnistheorie, empirische Psychologie, Vorstellung, Urteil, Außenwahrnehmung, Repräsentation, Intentionalität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht vergleichend die Konzepte des Geistes bei René Descartes und Franz Brentano, um Ähnlichkeiten und signifikante Unterschiede in ihrer theoretischen Fundierung aufzuzeigen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Ideentheorie von Descartes, Brentanos Theorie der Intentionalität, die Struktur von mentalen Gegenständen sowie die Klassifikation psychischer Phänomene.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu klären, ob Brentanos Theorie als Update oder Weiterentwicklung cartesischen Denkens gesehen werden kann, unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Zielsetzungen (erkenntnistheoretisch vs. psychologisch).
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Text- und Ideengeschichtliche Analyse der zentralen Werke, insbesondere der Meditationen von Descartes und der Psychologie vom empirischen Standpunkte von Brentano.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Begriffe mentaler Gegenstände und Zustände bei beiden Philosophen, die Ursprünge ihrer Ideen/Phänomene sowie ihre Ansichten zur Außenwelt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Intentionalität, mentale Repräsentation, objektive Seinsweise, psychische Phänomene und die Differenzierung zwischen einfachem und komplexem Denken.
Wie unterscheidet sich die Auffassung der Außenwelt?
Während Descartes ein erkenntnistheoretisches Interesse an der Korrespondenz zwischen Geist und Außenwelt hat, bleibt Brentano aufgrund seines empirischen Vorhabens skeptisch und beschränkt sich auf die phänomenale Ebene.
Was ist der wesentliche Unterschied in der Kategorisierung mentaler Zustände?
Ein zentraler Unterschied liegt in Brentanos Zusammenführung der cartesischen Kategorien Willensakt und Affekt unter dem Begriff der Gemütsbewegungen sowie seiner Einteilung in Vorstellung, Urteil und Gemütsbewegung.
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- Felix Haus (Author), 2021, Inwiefern unterscheiden sich Descartes‘ und Brentanos Theorien des Geistes?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1164514