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„Dann werden die Jahre durchlässig“ - Der Brief als Medium der Erinnerung in Monika Marons Familiengeschichte „Pawels Briefe“

Gedächtnisdiskurs/theorien und Briefroman

Title: „Dann werden die Jahre durchlässig“ -  Der Brief als Medium der Erinnerung in Monika Marons Familiengeschichte „Pawels Briefe“

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 22 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Meike Kohl (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Mitte des 18. Jahrhunderts etablierte sich das Schreiben von Briefen zu einer gesellschaftlich
akzeptierten literarischen Form, in der vor allem Frauen eine ihnen bislang verweigerte
öffentliche Ausdrucksform fanden. Der Brief war das Kommunikationsmedium schlechthin.
Mit dem Aufkommen neuer literarischer Formen und nicht zuletzt technischer
Errungenschaften wie der Telekommunikation nahm seine Bedeutung jedoch
gesamtgesellschaftlich wieder ab. Monika Marons Familiengeschichte Pawels Briefe basiert
auf der Wiederentdeckung eines vergessenen Briefwechsels zwischen ihrem Großvater und
seinen Kindern, welche die Rekonstruktion der eigenen Familienvergangenheit nach sich
zieht. Diese Familiengeschichte ist von Brüchen in den Lebensläufen der einzelnen Individuen
geprägt, welche in der Textstruktur durch das Vergessen und Wieder-Erinnern gespiegelt
werden. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie Vergessen und Erinnern zu
den Eckpfeilern eines Familienbildes und einer Identitätskonstruktion werden. Die Briefe
spielen hierbei als ein die Brüche in der Familiengeschichte überdauerndes Medium eine
zentrale Rolle. Das kommunikative Gedächtnis wird mittels ihnen überbrückt, sodass ein
mehr oder minder unmittelbarer Zugang zu Geschehnissen außerhalb der eigenen Biographie
(der Erzählerin) möglich ist.

Excerpt


Struktur der wissenschaftlichen Arbeit

1.1. Pawels Briefe als Briefroman

1.2. Der Brief als literarische Form

1.2.1.Der Brief als Gespräch

1.2.2. Der Brief als Informationsträger

1.3. Fazit

2 Strukturelle und formale Annäherung an die Familiengeschichte

2.1. Rekonstruktionsverfahren

2.2. Auslösendes Moment und Erzählphasen

2.3. Fotografien als Medium der Rahmenbildung

2.4. Orte als Erinnerungsträger

3. Brüche in der Familiengeschichte

3.1. Brüche als Kontinuität/strukturierendes Element

3.2. Brüche in der Autobiographie

3.3. Brüche im kommunikativen Gedächtnis

4. Erinnern und Vergessen

4.1. Das autobiographische Gedächtnis

4.2. Das Familiengedächtnis/ das kollektive Gedächtnis

4.3. Verortung literarischer Texte

4.4. Kritisches und nostalgisches Erinnern

4.4.1. Die Figur Pawels

4.4.2. Die Figur Hellas

5 Identitätskonstruktion / Pawels Vermächtnis

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht Monika Marons Werk „Pawels Briefe“ unter dem Aspekt, wie Briefe als Medium der Erinnerung und Identitätskonstruktion in einer durch Brüche geprägten Familiengeschichte fungieren und dabei helfen, die Vergangenheit gegen das Vergessen zu rekonstruieren.

  • Die Funktion des Briefes als literarische Form und Kommunikationsmedium.
  • Strukturelle Rekonstruktion von Familiengeschichte durch Fotografien und Orte.
  • Analyse von Brüchen in Autobiographie und kommunikativem Gedächtnis.
  • Unterscheidung zwischen kritischem und nostalgischem Erinnern.
  • Die Konstruktion von Identität über Generationen hinweg.

Auszug aus dem Buch

2.4 Orte als Erinnerungsträger

Als eine dritte Erinnerungsinstanz erfolgt das Nachspüren der eigenen Geschichte durch physikalischen Kontakt zu den Orten des Geschehens. In Pawels Briefe wird jedoch deutlich, dass Orte inhaltslose Erinnerungsträger sind, wenn die sie bewohnenden Personen nicht mehr in der Lage sind, sich zu erinnern. So kann die Erzählerin zwar anhand der eigenen Orte der Kindheit versuchen, die Bilder, die sich ihr aus Erzählungen aufdrängen, in diese vertrauten Orte zu projezieren, aber lebendig werden sie dadurch nicht. Der Ausflug nach Ostrow-Masowiecka erweist sich als ebenso enttäuschend. Die Einwohner sind unkooperativ, und die jüdische Gemeinde in Folge des zweiten Weltkriegs komplett ausgelöscht. Die Geschichte von Pawels und Josefas Herkunft bleibt daher mit dem Tod der Zeitgenossen und Augenzeugen auf immer verloren. Ihr Urenkel Jonas konstatiert denn auch: „Eigentlich hat ja dein Vater mit dem Vergessen angefangen“.(109) Vergessen ist demnach sowohl politisch ursächlich als auch durch die vergessenden, nicht kooperierenden Personen selbst gekennzeichnet.

Zusammenfassung der Kapitel

1.1. Pawels Briefe als Briefroman: Einführung in die Bedeutung des Briefes als Medium und die Relevanz der Briefe Pawels für die Rekonstruktion der eigenen Familienvergangenheit.

1.2. Der Brief als literarische Form: Betrachtung der historischen Entwicklung des Briefes und seiner Rolle als Medium der Reflexion und des Gesprächs.

1.3. Fazit: Zusammenfassende Einordnung von Marons Werk als kein Briefroman im klassischen Sinne, sondern als ein Prozess der aktiven Wiederentdeckung durch das Medium Brief.

2 Strukturelle und formale Annäherung an die Familiengeschichte: Untersuchung der verschiedenen Quellen und Erzählphasen, die der Rekonstruktion der Familiengeschichte dienen.

3. Brüche in der Familiengeschichte: Analyse der Brüche in den Lebensläufen als zentrales strukturelles Element der Erzählung.

4. Erinnern und Vergessen: Theoretische Auseinandersetzung mit dem autobiographischen und kollektiven Gedächtnis sowie der Abgrenzung von kritischem und nostalgischem Erinnern.

5 Identitätskonstruktion / Pawels Vermächtnis: Untersuchung der Versöhnung mit der Vergangenheit und der Rolle Pawels als Identitätsanker für die Erzählerin.

Schlüsselwörter

Monika Maron, Pawels Briefe, Familiengeschichte, Erinnerung, Vergessen, Identitätskonstruktion, Briefroman, kommunikatives Gedächtnis, autobiographisches Gedächtnis, Rekonstruktion, Brüche, NS-Zeit, DDR, Generationen, Vermächtnis.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert Monika Marons „Pawels Briefe“ und untersucht, wie die Autorin durch die Aufarbeitung von Briefen, Fotografien und Erinnerungen ihre eigene Familiengeschichte rekonstruiert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Spannungsfeld zwischen Erinnern und Vergessen, die Identitätskonstruktion im Kontext von Familiengeschichte und der Umgang mit Brüchen in Lebensläufen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie Maron mittels des Mediums Brief versucht, eine verlorene Vergangenheit greifbar zu machen und sich mit ihrer Familiengeschichte auszusöhnen.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die Konzepte wie das kommunikative Gedächtnis (u.a. nach Halbwachs und Welzer) auf das Werk anwendet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Rekonstruktion der Familiengeschichte, der Rolle von Medien wie Briefen und Fotografien sowie der theoretischen Reflexion über Erinnerungsprozesse.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist charakterisiert durch Begriffe wie Erinnerung, Vergessen, Identität, Familiengeschichte, Brüche und die mediale Bedeutung von Dokumenten.

Wie spielt der Analphabetismus der Großmutter eine Rolle für das Vergessen?

Der Analphabetismus der Großmutter führt dazu, dass keine schriftlichen Zeugnisse von ihr existieren, was ihre Existenz im Familiengedächtnis auslöscht und das Vergessen für nachfolgende Generationen verstärkt.

Welche Bedeutung hat Pawels Brief an die Kinder für die Versöhnung?

Pawels Brief appelliert an den Zusammenhalt der Familie. Obwohl die Kinder dies zu Lebzeiten nicht umsetzten, dient der Brief der Enkelin als Medium, um den Familienzusammenhalt in ihrem Gedenken symbolisch wiederherzustellen.

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Details

Title
„Dann werden die Jahre durchlässig“ - Der Brief als Medium der Erinnerung in Monika Marons Familiengeschichte „Pawels Briefe“
Subtitle
Gedächtnisdiskurs/theorien und Briefroman
College
University of Münster
Grade
1,3
Author
Meike Kohl (Author)
Publication Year
2007
Pages
22
Catalog Number
V116481
ISBN (eBook)
9783640186464
Language
German
Tags
Jahre Brief Medium Erinnerung Monika Marons Familiengeschichte Briefe“
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Meike Kohl (Author), 2007, „Dann werden die Jahre durchlässig“ - Der Brief als Medium der Erinnerung in Monika Marons Familiengeschichte „Pawels Briefe“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116481
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