Die Prognosen für die deutsche Wirtschaft und den deutschen Arbeitsmarkt sind ernüchternd: Die weltweite Wirtschaftsflaute hat dazu geführt, dass seit August 2001 die Arbeitslosenzahlen wieder über dem Stand des Vorjahres liegen und der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda, geht nach dem weitgehend ausgebliebenen Herbstaufschwung von 3,85 Millionen Erwerbslosen im Jahresdurchschnitt 2001 aus1. Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) prognostiziert für die nächsten Monate mehr als vier Millionen Arbeitslose und es zeichnet sich bereits jetzt ab, dass das Ziel von Finanzminister Hans Eichel (SPD) nicht einzuhalten ist den Bundeszuschuss für die Bundesanstalt für Arbeit im kommenden Jahr auf Null zu fahren. Aufgrund der Flaute am Arbeitsmarkt wird die Bundesanstalt für Arbeit im laufenden Jahr einen Nachschlag von 2,4 Milliarden DM benötigen.
Die anhaltende Massenarbeitslosigkeit stellt in wirtschaftlicher Hinsicht eine grobe Verschleuderung der möglichen Ressourcen dar, weil ein erheblicher Anteil des Produktionsfaktors Arbeit ungenutzt bleibt und das tatsächlich realisierte Volkseinkommen beträchtlich hinter dem eigentlich möglichen Volksaufkommen zurückbleibt. Die Massenarbeitslosigkeit ist aber auch in bezug auf ihre politisch-gesellschaftlichen Konsequenzen außerordentlich bedenklich. Die Lage des Arbeitsmarktes beeinflusst in erheblichem Ausmaße die Bürger bei ihren Entscheidungen an der Wahlurne. Die Gefahr einer politischen Radikalisierung wächst mit der Zahl der vom Arbeitsmarkt Ausgeschlossenen.
Das Selbstwertgefühl der Arbeitslosen sinkt mit zunehmender Dauer, da die Gesellschaft noch immer den moralischen Anspruch an jedes Mitglied der Gemeinschaft, hat seine individuellen Fähigkeiten in den Arbeitsprozess mit einzubringen. Die Bereitschaft zur Kriminalität steigt und das Bekenntnis zur sozialen Marktwirtschaft und Demokratie nimmt ab. Seit zwei Jahrzehnten ist die Arbeitslosigkeit in Deutschland und Europa zu einem Problem geworden, das den gesellschaftlichen Zusammenhalt wie kein anderes gefährdet.
Im Streit über Rezepte zum Abbau der Arbeitslosigkeit sind Regierung und Opposition unterschiedlicher Meinung. Während die CDU härteres Vorgehen gegen arbeitsunwillige Erwerbslose und generell flexiblere Regelungen fordert, versucht die Regierung durch das neue „Job-Aktiv-Gesetz“, das eine Lockerung der Restriktionen für Beschäftigungsgesellschaften beinhaltet, [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Die Lage des Arbeitsmarktes
2. Definition des zweiten Arbeitsmarktes
3. Die Entwicklung des zweiten Arbeitsmarktes:
4. Instrumente des zweiten Arbeitsmarktes:
4.1 ABM:
4.2 Hilfe zur Arbeit:
4.3 Sonderarbeitsbeschaffungsmaßnahmen gemäß §249h AFG:
4.4 ABS-Gesellschaften:
5. Argumente für den zweiten Arbeitsmarkt:
6. Kritik am zweiten Arbeitsmarkt:
7. Zusammenfassung:
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den sogenannten zweiten Arbeitsmarkt als arbeitsmarktpolitisches Instrument im Kontext der anhaltenden Beschäftigungskrise in Deutschland. Das Ziel ist es, die Rolle, Funktionsweise sowie die Vor- und Nachteile dieses Sektors kritisch zu beleuchten, um dessen Wirksamkeit und politische Legitimation zu bewerten.
- Analyse der historischen Entwicklung und Definition des zweiten Arbeitsmarktes.
- Untersuchung der zentralen Instrumente (ABM, Hilfe zur Arbeit, ABS-Gesellschaften).
- Diskussion der ökonomischen, sozialen und politischen Argumente für staatlich geförderte Beschäftigung.
- Kritische Würdigung der Risiken wie Mitnahmeeffekte und Verdrängung regulärer Arbeitsplätze.
Auszug aus dem Buch
4. Instrumente des zweiten Arbeitsmarktes:
Die von der Bundesanstalt für Arbeit finanzierten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) gemäß §§ 260-271 und § 416 SGB III vom 24.3.1997 sind ein elementarer Teil des zweiten Arbeitsmarktes in der Bundesrepublik Deutschland. ABM sind für Arbeiten vorgesehen, die ohne Förderung nicht in demselben Umfange oder erst zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt würden und im öffentlichen Interesse liegen. Sie sollen die Vorraussetzung für die Beschäftigung von Erwerbslosen in Dauerarbeit schaffen, strukturverbessernde Maßnahmen vorbereiten, Arbeitsgelegenheiten schaffen und die soziale und ökologische Infrastruktur verbessern.
Träger von ABM-Stellen können natürliche oder juristische Personen sein, die die Maßnahme selbst durchführen oder durch dritte durchführen lassen. Die Förderung besteht in Zuschüssen in Höhe von 30 bis 75 Prozent des berücksichtigungsfähigen Arbeitsentgelts des zugewiesenen Arbeitnehmers. Das Arbeitsentgelt ist berücksichtigungsfähig, soweit es 80 Prozent des bis zu einer Obergrenze maßgeblichen Arbeitsentgelts für eine gleiche oder ähnliche ungeförderte Tätigkeit nicht übersteigt. Bei Einstiegstarifen für Langzeitarbeitslose oder besonders niedrigen Löhnen gelten abweichende Regelungen.
Zusätzlich können auch Darlehen und zusätzliche Zuschüsse gewährt werden. Arbeitnehmer sind förderungsbedürftig, wenn sie langzeitarbeitslos sind und die Vorraussetzungen für Entgeltersatzleistungen bei Arbeitslosigkeit, bei beruflicher Weiterbildung oder bei beruflicher Eingliederung Behinderter erfüllen. Auf the Leistungen besteht jedoch kein Rechtsanspruch, sie werden nur gewährt, wenn ausreichend Haushaltsmittel zur Verfügung stehen. Die durchschnittliche Dauer von ABM lag im Zeitraum von Oktober 1998 bis März 1999 bei circa 9 Monaten, wobei eine erhebliche Streuung zu beobachten war.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Lage des Arbeitsmarktes: Die Einleitung skizziert die ernüchternde Beschäftigungslage in Deutschland und die daraus resultierenden sozialen und politischen Risiken.
2. Definition des zweiten Arbeitsmarktes: Dieses Kapitel grenzt den Begriff des zweiten Arbeitsmarktes als Instrument der aktiven Arbeitsmarktpolitik vom ersten Arbeitsmarkt ab.
3. Die Entwicklung des zweiten Arbeitsmarktes:: Es wird die historische Genese der aktiven Arbeitsmarktpolitik seit den 1960er Jahren bis zur Einführung des SGB III nachgezeichnet.
4. Instrumente des zweiten Arbeitsmarktes:: Detaillierte Vorstellung der staatlichen Fördermaßnahmen wie ABM, Hilfe zur Arbeit, Sonder-ABM und ABS-Gesellschaften.
5. Argumente für den zweiten Arbeitsmarkt:: Untersuchung der ökonomischen, sozialen und politischen Legitimation staatlich geförderter Beschäftigung.
6. Kritik am zweiten Arbeitsmarkt:: Darstellung der wirtschaftlichen Bedenken hinsichtlich Mitnahmeeffekten, Verdrängung und ineffizienter Mittelverwendung.
7. Zusammenfassung:: Abschließende Bewertung des zweiten Arbeitsmarktes als Ergänzungsstrategie, die nur unter spezifischen Bedingungen zur Krisenbewältigung beitragen kann.
Schlüsselwörter
Arbeitsmarkt, zweite Arbeitsmarkt, Arbeitslosigkeit, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, ABM, aktive Arbeitsmarktpolitik, Beschäftigung, SGB III, Strukturentwicklung, ABS-Gesellschaften, Langzeitarbeitslosigkeit, Sozialhilfe, Hilfe zur Arbeit, Lohnkostenzuschüsse, Arbeitsförderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den „zweiten Arbeitsmarkt“ in Deutschland, seine Instrumente und seine Rolle bei der Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Definition und Entwicklung des zweiten Arbeitsmarktes, seine gesetzlichen Instrumente sowie die kontroverse Debatte über seinen Nutzen und seine Risiken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine kritische Bewertung, ob der zweite Arbeitsmarkt als sinnvolle Ergänzung zur aktiven Arbeitsmarktpolitik dienen kann oder ob er ökonomisch und sozial problematische Folgen hat.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die theoretische Grundlagen, statistische Zusammenhänge und empirische Untersuchungen zum zweiten Arbeitsmarkt zusammenführt.
Was sind die wesentlichen Inhalte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung, eine detaillierte Erläuterung der Instrumente (wie ABM und ABS-Gesellschaften) sowie eine Gegenüberstellung von Argumenten für und gegen diese staatliche Förderung.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Analyse?
Die Analyse wird durch Begriffe wie aktive Arbeitsmarktpolitik, Verdrängungseffekte, Beschäftigungsgesellschaften und soziale Legitimation geprägt.
Warum wird der zweite Arbeitsmarkt von Arbeitgeberverbänden kritisiert?
Die Kritik richtet sich vor allem gegen Mitnahmeeffekte und die Befürchtung, dass staatlich subventionierte ABM-Tätigkeiten reguläre Arbeitsplätze verdrängen könnten.
Welche Bedeutung hat das „Job-Aktiv-Gesetz“ in diesem Kontext?
Das Gesetz wird als Versuch diskutiert, den zweiten Arbeitsmarkt durch flexiblere Regelungen auszubauen, um Arbeitslose schneller in Maßnahmen zu vermitteln, stößt jedoch auf Widerstand aus der Wirtschaft.
- Quote paper
- Katja Dittrich (Author), 2001, Der zweite Arbeitsmarkt - ein Ausweg aus der Beschäftigungskrise?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11648