Exegese einer neutestamentlichen Textstelle: Markusevangelium 10,46-52

Die Heilung des blinden Bartimäus


Seminararbeit, 2006
11 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bestimmung der Gattung

3. Gliederung der Perikope

4. Einzelinterpretation
4.1 Der Durchzug durch Jericho
4.2 Bitte an Jesus und Bekennung des Glaubens
4.3 Heilung des Kranken

5. Vergleich der Perikope mit anderen dieser Gattung

6. Rekonstruktion der ursprünglichen Fassung und ihr „Sitz im Leben“_

7. Die Stellung im Kontext des Markusevangeliums

8. Gesamtinterpretation der Perikope

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung:

Die Biblische Exegese ist die Auslegung der Bibel als Heilige Schrift in der christlichen Theologie und klärt die Bedeutung eines biblischen Textes.

Schon innerhalb der ersten Generationen des Christentums finden sich Beispiele dafür, dass die neutestamentlichen Texte nicht klar zu verstehen waren. So bescheinigt der 2. Petrusbrief den Briefen des Paulus und anderen Schriften, dass in ihnen "einige Dinge schwer zu verstehen sind" (2. Petr 3,16).

Im folgenden werde ich die Textstelle Markus 10,46-52 analysieren, die Gattung bestimmen, die einzelnen Textstücke gliedern und interpretieren.

2. Bestimmung der Gattung:

In der Perikope „Der blinde Bartimäus wird durch seinen Glauben geheilt“ wird von Anfang an deutlich, dass der Glaube des Bartimäus im Vordergrund steht. Wenn auch Jesus sechs mal mit Namen erwähnt wird, wird die Perikope aus der Perspektive des blinden Bettlers berichtet. Es ist zu vermuten, dass die Perikope aus dem markinischen Gedanken der Nachfolge Jesu entstanden ist.1 Aufgrund der angedeuteten Perspektivenwechsel wurde die Perikope fälschlicherweise nicht als Wundergeschichte erkannt, sondern als Personallegende verstanden.2 In heutiger Betrachtung erkennt man, dass das persönliche Element des Bettlers in dieser Perikope viel zu blass ist, „es liegt hier eine veränderte und spezifisch christliche Form einer Wundergeschichte vor, die man wegen der Betonung des Glaubens Glaubensgeschichte nennen könnte.“3 Einzuordnen ist sie charakteristisch zum palästinischen Judentum4

3. Gliederung der Perikope:

Die Perikope lässt sich in drei Teile gliedern: Mk 10,46 stellt den Durchzug durch Jericho dar, Mk 10,47-50 zeigt die Bitte des Bettlers, dass Jesus sich ihm erbarmt. Mk 10,51-52 ist die Heilung des Blinden durch seinen Glauben. Im nächsten Punkt werde ich die einzelnen Teile interpretieren.

4. Einzelinterpretation

4.1. Der Durchzug durch Jericho

Jesus und seine Jünger erreichen auf dem Weg nach Jerusalem Jericho, eine 250m unter dem Meeresspiegel liegende Oasenstadt im Westjordanland. Sie ist die tiefstgelegene Stadt der Erde.5 „Das neutestamentliche Jericho, südwestlich des altbiblischen Jericho gelegen, verdankt seine Entstehung der Bautätigkeit des Herodes.“6 Aus Lukas 18,35-1,10 lässt sich schließen, dass der Zug Jesu ohne Aufenthalt in Jericho durch die Stadt zieht und erst beim Verlassen auf den blinden Bettler Bartimäus trifft.7 Unklar bleibt in der Perikope, was es mit der mitziehenden Volksmenge auf sich hat. Es wird nicht näher definiert, ob es sich um Pilger handelt, die zufällig auch auf dieser Route sind, oder ob es Anhänger Jesu sind. Der Name des Bartimäus spielt in dieser Perikope eine untergeordnete Rolle. Im Markusevangelium steht er sekundär im Sinn von Sohn des Timäus, im Lukas- und Matthäusevangelium wird er hingegen ganz gestrichen.8 Deshalb wird eine symbolische Bedeutung des Namens heute nicht mehr vertreten.

4.2 Bitte an Jesus

Als der blinde Bettler erfährt, dass Jesus, der Nazarener vorüberzieht, ruft er ihn laut als Davidsohn an. Es ist vorauszusetzen, dass er vom Wirken Jesu gehört hat und Bescheid weiß. Aus diesem Grund bittet er um Erbarmen.9 Der Titel Davidssohn ist messianologisch zu interpretieren, da man aber keine Krankenheilung, sondern eher die Befreiung des Volkes und ein Heilswirken, dass auf ganz Israel gerichtet ist erwartete, wird die Anrufung als bereits in Gebetform gekleidete christliche Wendung gewertet.10 In der Anrufung des Erbarmens lässt sich eine breitere Tradition erkennen, die sich auch gegenüber dem König in der Salomo-Überlieferung wiederfinden lässt. „Der als Davidssohn prädizierte König ist mit Weisheit, Lehrautorität und Vollmacht über Dämonen ausgestattet.“11 An diese Vorstellung lehnt sich wohl die Anrufung des Bettlers an, mit der er seinen Glauben bekennt. In Vers 48 gebieten dem Bettler einige, dass er schweigen soll. Dieses Gebot soll nicht die Kundgabe des Messiasgeheimnisses unterbinden, denn diese versteht sich vom markinischen Messiasgeheimnis aus, welches hier im Zusammenhang nicht vorhanden ist, sondern lässt sich hier als Glaubensprobe ansehen. Da er wiederholt Jesus um das Erbarmen und die Hilfe bittet, hält der Zug mit Jesus an. Die Aufforderung „fasse Mut“12 bereitet im Kontext das Heilungswunder vor, und ist nicht psychologisch aufzufassen. Wichtig ist nun zu sagen, dass der Bettler seinen Mantel anzieht13. Verschiedene Interpreten, erstmals Lohmeyer, sehen darin ein orientalisches Kolorit, beschreibt also die künstlerische Wirkung des Autors. Normalerweise hat ein Bettler seinen Mantel vor sich ausgebreitet um Geld zu sammeln, „nach dem vorliegenden Text jedoch wirft Bartimäus seinen Mantel, den er demnach anhat, weg, um zu Jesus zu eilen.“14 Diese Handlung gilt aber nicht als hellenistisch, da das Wegwerfen des Kleides Ausdruck höchster Erregung ist.15 Hierfür findet man Parallelen in dem zweiten Buch der Könige, die Rettung aus Hungersnot (2Kön 7,15).

4.3 Heilung des Blinden / Mk 10,51-52

Die Reaktion Jesu „was willst du, daß ich dir tun soll?“16 zeigt die persönliche Hinwendung Jesu zum Bettler. Die Frage, was Jesus ihm tun soll, ähnelt sehr der Textstelle Mk 10,36 und soll die königliche Vollmacht, die ihm auch schon in der Anrede zu Teil wurde, unterstreichen. Der Bettler bekommt sozusagen eine Audienz. Die Anrede „Rabbuni“ im Vers 51 ist eine Steigerung von Rabbi (=mein Gebieter) und wird nicht aus dem aramäischen übersetzt. In Vers 52 wird der Blinde nun geheilt, dieses geschieht aber ganz anders als in der anderen markinischen Blindenheilung (vlg. Mk 8,22-26): Hier wird kein geheimisvoller Heilungsvorgang oder stufenweiser Prozess beschrieben, sondern die Heilung findet durch die Feststellung Jesu, dass der Glaube den Blinden gerettet hat, statt.17 Hier hat also die Feststellung des Glaubens, die schon aus Mk 5,34 bekannt ist, noch mehr Gewicht als die Berührung bei der blutflüssigen Frau. Bei dem Blinden basiert die ganze Heilung auf seinen eigenen Glauben. Der Blinde hat somit nicht nur sein Augenlicht zurückgewonnen, sondern auch durch seinen Glauben Zugang zu Jesus erhalten.

Diesen intensiven Glauben hat Markus im Anschluss weiter ausgebaut, denn der Blinde wird zum Nachfolger Jesu, zum Jünger. Er schlägt zusammen mit Jesu den Weg zur Passion ein.18

[...]


1 Vgl. zum Folgenden: Gnilka, Joachim, Das Evangelium nach Markus, Band 2, S. 109

2 Ebd.

3 Ebd.

4 Ebd.

5 Vgl. zum Folgenden: Brockhaus in Text und Bild 2006 Computerausgabe

6 A.a.O. Gnilka, Joachim, S. 109

7 Vgl. zum Folgenden: Die Bibel - Einheitsübersetzung, Lk 18,35-19,10

8 A.a.O. Gnilka, Joachim S.108

9 A.a.O. Gnilka, Joachim, S. 110

10 Ebd.

11 Vgl. ebd,

12 A.a.O. S. 108

13 Vgl. ebd. „seinen Mantel umgeworfen“ in Gnilka vers 48

14 ebd.

15 A.a.O. S. 110

16 vgl. zum Folgenden: Die Bibel

17 A.a.O Gnilka, Joachim, S.111

18 Ebd.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Exegese einer neutestamentlichen Textstelle: Markusevangelium 10,46-52
Untertitel
Die Heilung des blinden Bartimäus
Hochschule
Technische Universität Dortmund  (Fachbereich 14 - Theologie)
Veranstaltung
Exegese und Theologie atl./ntl. Textgruppen, ntl. Textgruppen
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
11
Katalognummer
V116492
ISBN (eBook)
9783640186525
Dateigröße
359 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Exegese, Textstelle, Markusevangelium, Theologie, Textgruppen
Arbeit zitieren
Clemens Korte (Autor), 2006, Exegese einer neutestamentlichen Textstelle: Markusevangelium 10,46-52, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116492

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