Der Zusammenhang zwischen dem Einkommen eines Privathaushaltes und seinen
Konsumausgaben, insbesonders für Nahrung, beschäftigt schon seit Jahrhunderten die Wirtschaftsstatistik. Ernst Engel hat 1857 zum ersten Mal schriftlich festgehalten, dass je höher das Einkommen einer Person oder Familie ist, desto kleiner ist der Anteil der Ausgaben, den sie für Ernährung ausgeben müssen. Ebenso gilt in diesem Fall die Umkehrung, das heißt also, je höher die prozentualen Ausgaben eines Haushaltes für Ernährung sind, desto kleiner ist das gesamte Einkommen dieses Privathaushaltes. Das Gesetz, das sich daraus entwickelt hat, steht im Mittelpunkt dieser Arbeit. Aber nicht nur Engel hat sich Gedanken zu dem Zusammenhang Einkommen – Konsumausgaben gemacht, sondern zum Beispiel auch John Maynard Keynes, allerdings mehr für makroökonomie Zwecke. In seiner “General Theory of Employment, Interest and
Money” von 1936 schreibt er: "The amount that the community spends on consumption obviously depends
(i) partly on the amount of its income,
(ii) partly on the other objective attendant circumstances, and
(iii) partly on the subjective needs and the psychological propensities and habits of the individuals composing it and the principles on which the income is divided between them (...).
Da Keynes annimmt, dass sich die unter (iii) genannten Neigungen und Gewohnheiten kurzfristig nicht ändern, ebenso wie erwartete Umstände bei (ii), geht er davon aus, dass kurzfristige Veränderungen der Verbrauchergewohnheiten hauptsächlich durch Einkommensveränderungen hervorgerufen werden. Jedoch sind die Ausmaße der Veränderungen nicht äquivalent, da er vermutet, dass durch höheres Einkommen auch die Sparquote ansteigt. Keynes bezeichnet diese Erkenntnis als „Fundamental Psychologisches Gesetz“: „We take it as a fundamental psychological rule of any modern community that, when its real income is increased, it will not increase its consumption by an equal absolute
amount (...). The fundamental psychological law, upon which we are entitled to depend with great confidence both a priori from our knowledge of human nature and from the detailed facts of experience, is that men are disposed, as a rule and on the average, to increase their consumption as their income increases, but not by as much as the increase in their income."
Damit hat auch Keynes festgestellt, dass bei einer Steigerung des Einkommens die
Konsumausgaben nicht im gleichen Umfang zunehmen, wie im weiteren Verlauf der Arbeit noch gezeigt werden wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitende Gedanken und Hinführung zum Thema
2. Das Leben und Schaffen Ernst Engels
2.1 Biographischer Abriss seines Lebens
2.2 Ernst Engel und die Statistik
3. Der Weg zum Engelschen Gesetz
3.1. Folgerungen Engels aus den Statistiken von Ducpétiaux
3.2. Folgerungen Engels aus den Statistiken von Le Play
3.3. Engels Darstellung der Gesetzmäßigkeit
4. Darstellung des Engelschen Gesetzes
4.1 Engelkurven
4.2 Einkommenselastizitäten und ihre Unterschiede
5. Die Statistiken des Zusammenhangs zwischen Einkommen und Konsum
5.1 Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung
5.2 Die laufenden Wirtschaftrechnungen
5.3 Die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe
5.3.1 Allgemeines zur Durchführung des EVS
5.3.2 Ergebnisse der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2003
5.4 Vergleich und kritische Analyse der Möglichkeiten
6. Empirische Überprüfung des Engelschen Gesetzes
6.1 Zeitreihenanalysen
6.2 Weitere Ergebnisse aus empirischen Daten
6.2.1 Ergebnisse für Europa
6.2.2 Ergebnisse für die USA
7. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen dem Einkommen eines Privathaushalts und dessen Konsumausgaben, insbesondere für Nahrungsmittel, basierend auf dem Engelschen Gesetz. Ziel ist es, die empirische Evidenz dieses Gesetzes über verschiedene historische Zeiträume und Regionen hinweg zu beleuchten und den Einfluss steigender Einkommen auf das Ausgabeverhalten von Haushalten zu analysieren.
- Historische Entwicklung und Einordnung des Engelschen Gesetzes
- Methodische Grundlagen der statistischen Erfassung von Einkommen und Konsum
- Analyse von Engelkurven und Einkommenselastizitäten
- Empirische Untersuchung des Konsumverhaltens in Deutschland (EVS/VGR)
- Internationaler Vergleich der Konsumstrukturen in Europa und den USA
Auszug aus dem Buch
1. Einleitende Gedanken und Hinführung zum Thema
Der Zusammenhang zwischen dem Einkommen eines Privathaushaltes und seinen Konsumausgaben, insbesonders für Nahrung, beschäftigt schon seit Jahrhunderten die Wirtschaftsstatistik. Ernst Engel hat 1857 zum ersten Mal schriftlich festgehalten, dass je höher das Einkommen einer Person oder Familie ist, desto kleiner ist der Anteil der Ausgaben, den sie für Ernährung ausgeben müssen. Ebenso gilt in diesem Fall die Umkehrung, das heißt also, je höher die prozentualen Ausgaben eines Haushaltes für Ernährung sind, desto kleiner ist das gesamte Einkommen dieses Privathaushaltes. Das Gesetz, das sich daraus entwickelt hat, steht im Mittelpunkt dieser Arbeit.
Aber nicht nur Engel hat sich Gedanken zu dem Zusammenhang Einkommen – Konsumausgaben gemacht, sondern zum Beispiel auch John Maynard Keynes, allerdings mehr für makroökonomie Zwecke. In seiner “General Theory of Employment, Interest and Money” von 1936 schreibt er: "The amount that the community spends on consumption obviously depends (i) partly on the amount of its income, (ii) partly on the other objective attendant circumstances, and (iii) partly on the subjective needs and the psychological propensities and habits of the individuals composing it and the principles on which the income is divided between them (...)."
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitende Gedanken und Hinführung zum Thema: Dieses Kapitel führt in den Zusammenhang zwischen Einkommen und Konsumausgaben ein und stellt die Relevanz des Engelschen Gesetzes dar.
2. Das Leben und Schaffen Ernst Engels: Hier wird der biographische Hintergrund von Ernst Engel sowie seine Bedeutung für die amtliche Statistik beleuchtet.
3. Der Weg zum Engelschen Gesetz: Dieses Kapitel erläutert die historische Entwicklung des Gesetzes anhand der statistischen Daten von Ducpétiaux und Le Play.
4. Darstellung des Engelschen Gesetzes: Hier werden theoretische Konzepte wie Engelkurven und die Berechnung von Einkommenselastizitäten detailliert vorgestellt.
5. Die Statistiken des Zusammenhangs zwischen Einkommen und Konsum: Dieses Kapitel analysiert verschiedene Methoden der statistischen Erfassung von Einkommen und Konsum, insbesondere in der BRD.
6. Empirische Überprüfung des Engelschen Gesetzes: Der Hauptteil bietet eine umfassende Analyse empirischer Daten zur Bestätigung des Gesetzes, sowohl zeitlich als auch regional.
7. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Relevanz des Gesetzes.
Schlüsselwörter
Engelsches Gesetz, Einkommen, Konsumausgaben, Wirtschaftsstatistik, Ernst Engel, Engelkurven, Einkommenselastizität, private Haushalte, Konsumstruktur, Verbraucheralltag, empirische Evidenz, Nahrungsmittelausgaben, Wohlstand, Lebenshaltungskosten, Haushaltsbudget.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die empirische Bestätigung und theoretische Einordnung des "Engelschen Gesetzes", welches den Zusammenhang zwischen Haushaltseinkommen und den Ausgaben für Nahrungsmittel beschreibt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Statistik, die Haushaltsökonomie, die Analyse von Einkommenselastizitäten und der Vergleich von Konsumstrukturen über verschiedene Zeiträume und Länder hinweg.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass der Anteil der Nahrungsmittelausgaben an den Gesamtausgaben eines Haushalts mit steigendem Einkommen sinkt, und diese Gesetzmäßigkeit anhand umfangreicher empirischer Daten zu belegen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt Literaturanalysen, die Auswertung historischer statistischer Berichte sowie moderne empirische Daten wie die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) und die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Modelle (Engelkurven) als auch umfangreiche empirische Analysen für Deutschland, Europa und die USA präsentiert, um die Gültigkeit des Engelschen Gesetzes zu untermauern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Engelsches Gesetz, Einkommenselastizität, Konsumverhalten, Statistik und Haushaltsökonomie beschreiben.
Wie unterscheidet sich die EVS von anderen statistischen Erhebungen?
Die EVS (Einkommens- und Verbrauchsstichprobe) zeichnet sich im Vergleich zu laufenden Wirtschaftsrechnungen durch eine wesentlich höhere Fallzahl und eine feinere Untergliederung der Gütergruppen aus, was sie zu einem präziseren Instrument der Konsumanalyse macht.
Gilt das Engelsche Gesetz auch heute noch?
Ja, die Analyse zeigt, dass das Gesetz trotz 150 Jahren seit seiner Formulierung weiterhin eine relevante ökonomische Gesetzmäßigkeit darstellt, wenngleich sich die absolute Höhe der Anteile aufgrund des allgemeinen Wohlstandsanstiegs verschoben hat.
- Quote paper
- Sebastian Bretzner (Author), 2008, Das Engelsche Gesetz und seine empirische Evidenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116500