Was kann ein Unternehmen tun, um Stress ausgelöst durch Informationsüberflutung am Arbeitsplatz zu reduzieren?


Seminararbeit, 2007

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung: Informationsüberflutung als Nebenwirkung der Informationsgesellschaft

2 Informationsüberflutung und Stress
2.1 Definition von Information: Potentielle und aktuelle Information
2.2 Das Phänomen der Informationsüberflutung
2.3 Stress als Folge von Informationsüberflutung

3 Maßnahmen des Unternehmens gegen Informations-überflutung
3.1 Fokussierung auf die E-Mail und Abgrenzung der Kommunikations- medien
3.2 Maßnahmen, die potentielle Informationsflut minimieren
3.2.1 Potentielle Information selektieren
3.2.2 Begrenzung der potentiellen Information
3.3 Maßnahmen zur Verbesserung des kognitiven Verarbeitungs- prozesses
3.3.1 Kompetenzvermittlung
3.3.2 Qualität der potentiellen Information verbessern

4 Zusammenfassung und Ausblick: Maßnahmen der Unternehmen versus Netzwerkeffekte

1 Einleitung: Informationsüberflutung als Nebenwirkung der Informationsgesellschaft

Ziel der Arbeit ist geeignete Maßnahmen von Seiten der Unternehmen zu finden, um den durch Informationsüberflutung entstandenen Stress am Arbeitsplatz zu reduzieren. Wichtig ist zunächst den Begriff der Informationsüberflutung zu definieren und von mehreren Seiten zu beleuchten. In der Öffentlichkeit wird häufig davon gesprochen, dass die Informationsüberflutung eine Nebenwirkung der Informationsgesellschaft ist (Voigt, 2003). In der Informationsgesellschaft nimmt die Informationsdichte, die Anzahl der Informationskanäle und die Informationsvielfalt stetig zu. Diese Entwicklung ist an sich positiv zu werten, da Informationen eine wichtige Ressource für Unternehmen darstellen. Ein Informationsvorsprung gegenüber Konkurrenten führt zu Wettbewerbsvorteilen. Es muss nicht automatisch bedeuten, dass die Zunahme von Information zu einer Informationsüberflutung führt. Nach einer Studie von Prof. Dr. Klaus Moser (Moser et al., 2002) gaben nur 10% von 195 befragten Personen an, dass sie sich durch die Informationszunahme überflutet fühlten. Auf der anderen Seite führte 1997 die Universität in York eine aufwendige Studie auf Wunsch eines großen internationalen Unternehmens durch. Grund der Forschung waren Probleme mit der Informationsüberlastung durch E-Mails. Informationsüberflutung kann offensichtlich sehr unterschiedlich wahrgenommen und empfunden werden. Es spielen neben der Quantität (mit wie viel Information ist die Person konfrontiert) auch qualitative (wie gut ist die Informationsquelle), persönliche (wie belastbar ist eine Person), situative (wie ist das Umfeld) und soziale Aspekte (wer gab die Information und wie stehen Informationsnehmer und –geber zueinander) eine Rolle. Daher wird im nächsten Kapitel näher auf die Begrifflichkeiten Information, Informationsüberflutung und Stress eingegangen und deren Zusammenhang erläutert, bevor im zweiten Teil der Arbeit auf die konkreten Maßnahmen der Unternehmen zur Reduktion der Informationsüberflutung eingegangen wird .

2 Informationsüberflutung und Stress

In diesem Kapitel wird deutlich wie über mehrere Stufen die Informationsüberflutung am Arbeitsplatz zu einem Stressfaktor für den Arbeitnehmer werden kann. Für das Stressempfinden sind mehrere Faktoren verantwortlich, die im Folgenden eingehend erläutert werden.

2.1 Definition von Information: Potentielle und aktuelle Information

Basis für die Erklärung des Zusammenhangs zwischen Informationsüberflutung am Arbeitsplatz und dem empfundenen Stress der Arbeitnehmer ist ein in Abbildung 1 entwickeltes Modell, das sich auf die Aussagen von Voigt (2003) stützt.

Informationen können viele Formen haben: Signale, Gesten, Worte, komplexe Daten oder sichtbare Zustände. Nach dem konstruktivistischen Ansatz werden diese Ausdrucksformen erst zur Information, wenn sie durch den Informationsempfänger kognitiv wahrgenommen werden (Kimble et al, 1998). Alles was gesendet wird sind zunächst potentielle Informationen, sie sind ein Menge von Daten mit verwirrendem Inhalt. Erst durch die Erkenntnis und Wahrnehmung des Empfängers, dem kognitiven Verarbeitungsprozess, werden sie zu aktuellen Informationen (Bentele & Beck, 1994). Folglich wird ein ausgeglichener, aufmerksamer und durchschnittlich intelligenter Mensch in der gleichen Situation mehr Datenmenge zu aktuellen Informationen verarbeiten können, als ein mit persönlichen Problemen beladener Mensch, der momentan eine schlechte Auffassungsgabe besitzt. Bei ihm ist die Diskrepanz zwischen potentiellen und aktuellen Informationen größer.

Wilson (1984) fasst dies in seiner Definition für Information zusammen: Informationen sind Daten mit Zusammenhang, d.h. Informationen denen eine Bedeutung zugeteilt wird. Er spricht demnach von transformierten, also von aktuellen Informationen. Inwieweit eine Person mit potentiellen oder aktuellen Informationen konfrontiert ist, hängt stark von der Kapazität des kognitiven Verarbeitungsprozesses ab. Die Art der Information hat wiederum Auswirkungen auf das Phänomen der Informationsüberflutung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Entstehungsprozess von Stress durch Informationsüberflutung

2.2 Das Phänomen der Informationsüberflutung

In der heutigen Zeit strömen immer mehr Informationen aufgrund der Zugänglichkeit der Neuen Medien und der Entwicklung weiterer Kommunikationstechnologien auf den Arbeitnehmer ein (Moser et al., 2002). Beispielsweise ist ein durchschnittliches E-Mail Aufkommen von 50 bis 100 E-Mails pro Tag am Arbeitsplatz für einen Arbeitnehmer durchaus im Normbereich (Voigt, 2003). Die Anforderungen an die individuelle Informationsverarbeitung werden immer größer und wenn keine Maßnahmen ergriffen werden (vgl. Kapitel 3.3), bleibt auf der anderen Seite die Kapazität des kognitiven

Verarbeitungsprozesses konstant. Anders ausgedrückt, es gibt einen Überschuss an Daten hinsichtlich der kognitiven Verarbeitungsmöglichkeiten (Voigt, 2003) und es kommt zu einer Reizüberflutung, was als Informationsüberflutung wahrgenommen wird. Informationsüberflutung ist demnach nicht die Masse an Informationen an sich, sondern die Diskrepanz zwischen der Menge an Informationen (potentielle Informationen) und den Mitteln (kognitive Verarbeitung), die Information in nutzbringendes Wissen (aktuelle Informationen) zu transformieren (Voigt, 2003). Moser et al. (2002) hingegen sieht für die Informationsüberflutung konkret vier Ursachen: Zum einen die Veränderung der Arbeitsaufgaben im Laufe der Zeit, des weiteren die einfache Zugänglichkeit von Informationen aufgrund der Neuen Medien. Als dritte Ursache sieht er die Tatsache, dass die beteiligten Technologien defizient sind und als letztes die geringere Wirksamkeit von konventionellen Filtern aufgrund der zunehmenden Verbreitung von Informations- und Kommunikationstechnologien.

Auf zwischenmenschlicher Ebene führt die Informationsüberflutung zu Misserfolgen in der Kommunikation (Winograd & Flores, 1987). Das Begreifen des Zusammenhangs als Grundvoraussetzung der Kommunikation ist wegen dem überlasteten kognitiven Verarbeitungsprozess erschwert. Als Konsequenz müssen die Kommunikationspartner oft nachfragen, um den Kontext zu verstehen, was zeitintensiv ist. Im anderen Fall wird auf die Zusammenhangsklärung verzichtet. Dabei kommt es zu Missverständnissen und falsche Arbeitsanweisungen bzw. Fehler sind die Folge. Dies im Nachhinein zu beheben, kostet viel Zeit.

2.3 Stress als Folge von Informationsüberflutung

Die Informationsüberflutung empfindet der Arbeitnehmer als Stress, da auf der einen Seite für die fehlerfreie Erfüllung seiner täglichen Aufgaben eine vollständige Verarbeitung der Informationen notwendig ist und auf der anderen Seite soviel Informationen auf ihn einströmen, dass seine kognitive Verarbeitungskapazität nicht ausreicht (Voigt, 2003). Der kognitive Verarbeitungsprozess des Menschen ist biologisch begrenzt (Voigt, 2003) und er wird besonders beansprucht bei der Verwertung von kommunikationstechnischen Anwendungen wie E-Mail, Telefon, Voice Mail, Instant Messenger, Fax und Pagers. Der Arbeitnehmer wird häufig bei seiner Arbeit unterbrochen, es kommt zu Planungsunsicherheiten, technische Störungen verhindern das Weiterarbeiten und er wird abgelenkt (Moser et al., 2002). Bei der Arbeit mit

Informationstechnologien werden demnach hohe kognitive Anforderungen an das Gedächtnis, an die Aufmerksamkeit, an die Selektionsleistungen und an die Organisation von Informationen und Entscheidungsprozessen gestellt (Esposito, 1993).

Eine Ursache, dass die Informationsüberflutung zu Stress führt, ist die begrenzte Ressource Zeit am Arbeitsplatz (Voigt, 2003). Ist mehr Zeit vorhanden, kann der Arbeitnehmer der Informationsflut entgegenwirken: Er kann die Kapazität des kognitiven Verarbeitungsprozesses erhöhen, da er mehr Zeit hat, Hintergründe und Zusammenhänge zu erfragen. Die Ressource Zeit kann durch zusätzliche Arbeitskräfte erhöht werden, was eine Kostenfrage ist. Die zeitliche Kapazität eines Einzelnen ist schon alleine aufgrund von Arbeitsschutzbestimmungen limitiert, zumal die Konzentration begrenzt ist und es aus ökonomischer Sicht zu einem Abfall der Leistung kommt.

Im nächsten Kapitel werden die Maßnahmen zur Stressvermeidung durch die Informationsflut von Seiten der Unternehmen diskutiert. Dabei wird nach dem oben beschriebenen Modell zwischen zwei Maßnahmenbündel unterschieden. In Abbildung 2 ist graphisch veranschaulicht in welcher Phase des Prozesses die Maßnahmen wirken. Der erste quantitativ ausgerichtete Ansatzpunkt minimiert die Fülle der potentiellen Informationen (Daten, Signale, Wörter, Gesten…). Somit werden die Anforderungen an den kognitiven Verarbeitungsprozess geringer. Der zweite Ansatzpunkt erhöht und verbessert den kognitiven Verarbeitungsprozess (qualitativer Ansatz). Das verfolgte Ziel ist dabei die Kapazität der Informationsverarbeitung zu erweitern.

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Was kann ein Unternehmen tun, um Stress ausgelöst durch Informationsüberflutung am Arbeitsplatz zu reduzieren?
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Lehrstuhl für Psychologie, insb. Wirtschafts- und Sozialpsychologie)
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V116513
ISBN (eBook)
9783640186570
ISBN (Buch)
9783640188345
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unternehmen, Stress, Informationsüberflutung, Arbeitsplatz
Arbeit zitieren
Nicole Kaßecker (Autor), 2007, Was kann ein Unternehmen tun, um Stress ausgelöst durch Informationsüberflutung am Arbeitsplatz zu reduzieren?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116513

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