Prozess Modell von Westley-McLean und die verschiedenen Modifikationen des ABX Modells mit einer vergleichenden Analyse


Seminararbeit, 2002

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Hinführung zum gestellten Thema

2. Der Gedanke zum Prozess – Modell

3. Die Entwicklung des Westley/MacLean Prozess-Modells

4. Das ABX-Modell von Newcomb

5. Die erste Modifikation des ABX-Modells durch Westley / MacLean
5.1. Die Advocacy Roles (A)
5.2. Die Behavioral System Roles (B)
5.3. Die Ereignisse und Objekte (X)
5.4. Die Rückkoppelung (fBA)

6. Die Zweite Modifikation des ABX-Modells
6.1. Die Channel Roles (C)
6.2. Die Rückkoppelungen (fBC, fBA, fCA)

7. Beispiel

8. Das Prozess-Modell im Vergleich mit anderen Kommunikationsmodellen

9. Vorteile des Westley/MacLean Prozess-Modells

10. Kritik am Westley/MacLean Prozess-Modell

11. Abschliessende Zusammenfassung

II. Literaturverzeichnis

1. Hinführung zum gestellten Thema

Die Kommunikationswissenschaft ist eine relativ junge Wissenschaftsdisziplin. Erst 1916 wurde in Leipzig der erste Lehrstuhl für Zeitungswissenschaften und somit auch die erste Forschungseinrichtung begründet.[1] Schon immer galt der Medienwirkungsforschung besondere Aufmerksamkeit. Wie genau verläuft ein Kommunikationsprozess und welche Effekte zieht er nach sich? Sind Massenmedien wirklich allmächtig wie in den ersten Kommunikationsmodellen behauptet wurde? Auf all diese Fragen versucht die Medien-wirkungsforschung eine Antwort zu finden. Jedoch lässt sich sagen, dass bis dato kein Modell entwickelt wurde, dass auf diese Fragen in allen Bereichen der Kommunikation eine ausreichende Antwort liefern kann. Für die Medienwirkungsforschung besonders wichtig sind die psychologischen Aspekte. Hierzu H. Pürer: „...in der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (untersucht man; Anm. d. Verf.) unter psychologischem Aspekt jene Prozessabläufe zwischen Kommunikator, Medieninhalt und Rezipient, die sich (...) in der Massenkommunikation ereignen und mittelbar oder unmittelbar Wirkungen beim Rezipienten auslösen können.“[2]

In nur wenigen Jahrzehnten wurden eine Fülle an Kommunikationsmodellen entwickelt. Oftmals handelte es sich hierbei um Weiter- oder Fortentwicklungen vorangegangener Modelle, teilweise jedoch auch um ganz neue Gedanken. Bei dem Prozess-Modell von Westley/MacLean handelt es sich um eine Weiterführung der Gedanken aus früheren Modellen, gleichzeitig wurden aber auch einige neue Ideen eingebracht.

Im nachfolgenden soll das Prozess-Modell vorgestellt werden. Zuerst werden die Genese und das Ausgangsmodell erläutert. Anschließend werden die einzelnen Schritte (Modifikationen) vom Ursprungs- zum Endmodell verfolgt. Anhand kurzer Beispiele sollen diese anschaulich gemacht werden. Es werden des weiteren kurz die einflussreichen vorangegangenen Kommunikationsmodelle erklärt und mit dem Prozess-Modell verglichen. Abschließend werden Vorteile und Kritikpunkte erläutert und die Arbeit mit einer abschließenden Zusammenfassung abgerundet.

2. Der Gedanke zum Prozess-Modell

In einer Zeit, in welcher eine Vielzahl von verschiedenen Kommunikationskonzepten und auch -theorien entwickelt wurden, unternahmen B. Westley und M. MacLean den Ver-such, mit Hilfe eines einfachen Modells eine Art Orientierungshilfe zu schaffen. Das von ihnen entwickelte Prozess-Modell sollte ausdrücklich keine neue Kommunikationstheorie darstellen. Vielmehr soll jenes Modell “... help to order existing findings. It also may provide a system of concepts which will evoke new and interrelated and disciplinary differences, and bring some order out of a chaotic situation.”[3]

Die Hauptaufgabe des Prozess-Modells ist es, den komplexen Vorgang der Massenkom-munikation (MK) in einer vereinfachten Form darzustellen, ohne dabei jedoch ein minderwertiges Modell zu liefern.

3. Die Entwicklung des Westley/MacLean Prozess-Modells

Bei der Entwicklung ihres Prozess-Modells stützen sich Westley und MacLean zunächst auf das von Newcomb entwickelte ABX-Modell. Ausgehend von diesem Grundmodell für interpersonale Kommunikation erweiterten sie es zunächst in einer ersten Modifikation um den Rückkoppelungsprozess vom Empfänger zum Sender. In einer zweiten Modifikation fügten sie eine weitere Kommunikationsinstanz – die Kanalrolle – ein. Mit entsprechend erweiterten Möglichkeiten der Rückkoppelung (drei statt einer), machten Westley und MacLean ihr Prozess-Modell somit zu einem Modell der MK.

Dieses Modell lässt sich auch auf heutige Kommunikationsvorgänge anwenden. Natürlich ist es nicht frei von Kritik geblieben, und es folgten weiter (komplexere) MK-Modelle. Als eines der berühmtesten MK-Modelle ist an dieser Stelle das Werk von G.Maletzke zu dem Thema „Psychologie der Massenkommunikation“ (Feldschema) zu nennen.[4]

4. Das ABX-Modell von Newcomb

Das von Newcomb 1953 erweiterte Modell stammt in seiner ursprünglichen Form von dem Psychologen Heider (1946). Während Heider mehr an den kognitiven Prozessen interessiert war, welche in den Personen selbst ablaufen, setzte Newcomb seinen Fokus auf die Kommunikation zwischen den Personen.

Das ABX-Modell: Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Dreiecksform des Modells lässt sich anhand der Orientierung der einzelnen Teilnehmer erklären. A und B sind hier Individuen, welche sich zu X (einem Objekt) hin orientieren. Beide Individuen A und B führen ein Gespräch - interpersonale Kommuni-kation - (wechselseitige Pfeile zwischen A und B) über das Objekt X (Pfeile zu X). Jedoch haben A und B verschiedene Auffassungen über jenes X, was zu Diskrepanz zwischen ihnen führt. Diese Diskrepanzen versuchen A und B mittels ihres Gespräches aufzulösen (hier wieder die interpersonale Kommunikation).[5]

Nachträglich fügte Newcomb (1959) noch drei Voraussetzungen hinzu, von welchen mindestens eine erfüllt sein muss, damit es zwischen A und B zur Kommunikation kommt:

a) es muss eine starke Anziehung zwischen den Personen herrschen
b) das Objekt X muss wenigstens für einen der Gesprächspartner wichtig sein
c) X hat für beide Individuen A und B eine gemeinsame Bedeutung.[6]

5. Die erste Modifikation durch Westley / MacLean

Das ABX-Modell kann nur den Fall einer linearen interpersonalen Kommunikation darstellen. Die erste Modifikation dieses Modells sollte nun auch den Rückkoppelungs-prozess darstellbar machen. Des weiteren wird A hier eine etwas andere Rolle zuteil.

5.1. Die Advocacy Roles (A)

A („Advocacy Roles“) nimmt in diesem Modell die Rolle eines Vermittlers ein. Hierbei kann A ein Individuum sein, aber auch ein soziales System. Ein soziales System wäre beispielsweise die Gesellschaft. Der Vermittler wählt aus einem großen Angebot von Objekten (auch als „Universum von Objekten“ bezeichnet) Nachrichten aus (Xa), welche A dann an B weitergibt (X‘). Er hat somit die Rolle eines Agenten. Jedoch verläuft die Vermittlung der Nachricht zielorientiert. Zielorientiert bedeutet, dass A die Vorstellung von B über ein Objekt X beeinflussen und verändern möchte.[7] Somit bekommt B nicht dieselben Informationen, wie B von X selber erhalten würde.

Ein Beispiel für ein typisches A wäre jemand, der einer anderen Person etwas verkaufen möchte (face to face). Hierfür muss A in B unter Umständen erst das Bedürfniss wecken, das Objekt X kaufen zu wollen. Oder B möchte von A mehr über den Gegenstand X erfahren, und A macht B dieses Objekt durch Hervorhebung aller Vorzüge besonders schmackhaft.

5.2. Die Behavioral System Roles (B)

B („Behavioral System Roles“) beschreibt die Rolle des Verhaltenssystems, also die Rolle des Empfängers. Wie A kann B sowohl ein Individuum als auch ein soziales System sein. B benötigt die Informationen von X für seine Bedürfnisbefriedigung und zur Lösung von Problemen. Aus diesem Grund kommuniziert B mit A.

Das Modell suggeriert, dass B die meisten seiner Informationen durch A erhält (X‘). Diese sind, wie oben bereits erwähnt, von A zielorientiert ausgerichtet und beabsichtigen, B’s Vorstellung über X zu beeinflussen. Jedoch kann in dieser ersten Modifikation B auch direkte Informationen von X bekommen (Xb).[8]

In dem Falle, dass B als neugierige Hausfrau gerne mehr über ein bestimmtes Gerücht X (über Frau P) wissen möchte, kann B entweder weitere Informationen von der Nachbarin A erhalten. In diesem Falle erhielt B die Nachricht X‘ von A. Allerdings könnte B auch direkt zu der Nachbarin P gehen und mit ihr persönlich über die Angelegenheit sprechen. In diesem Falle erhielte unser B die Nachricht Xb.

5.3. Die Ereignisse und Objekte (X)

X repräsentiert die Gesamtheit aller Objekte und Ereignisse. Über jenes X möchte B mehr erfahren. Über X kann A der Person B berichten. Hierbei stellt Xb eine direkte Nachricht vom Objekt/Ereignis an B dar. X‘ ist die von A übermittelte Nachricht, welche gleichzeitig die von A beabsichtigten Intentionen enthält.[9] Somit sind X und X‘ je nach der Übermittlungsweise von A mehr oder weniger identisch.

5.4. Die Rückkoppelung (fBA)

Die in diesem Modell neu eingeführte Rückkoppelung (fBA) bezeichnet die Rückmeldung (feedback), welche B an A gibt. Anhand dieser Reaktion kann A erkennen, ob B die Nachricht verstanden hat, und ob B diese auch in der beabsichtigten Art (Intention) aufgenommen hat.[10]

Rückkoppelungen können in verschiedenen Formen stattfinden. So kann B seine Reaktion an A einerseits durch Sprache weitergeben, andererseits aber auch nonverbal durch Aktionen/Handeln bzw. nicht Handeln. Auch schon ein Gesichtsausdruck kann für A eine Art des Feedback sein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Vgl. H.Pürer (1998), S.9.

[2] H.Pürer (1998), S.99.

[3] B.Westley, M.MacLean (1957), S.31.

[4] vgl. G.Maletzke (1978): Psychologie der Massenkommunikation. Hamburg.

[5] Vgl. Newcomb (1953), S. 393 ff.

[6] Vgl. D.McQuail, S.Windahl (1998), S.27ff.

[7] Vgl. B.Westley,M.MacLean (1953), S.38.

[8] Vgl. B.Westley,M.MacLean (1953), S.38.

[9] Vgl.B.Westley, M.MacLean (1953), S.38.

[10] Vgl. B.Westley, M.MacLean (1953), S.37.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Prozess Modell von Westley-McLean und die verschiedenen Modifikationen des ABX Modells mit einer vergleichenden Analyse
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Kommunikationswissenschaften)
Veranstaltung
Kommuniktionswissenschaften
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
15
Katalognummer
V11652
ISBN (eBook)
9783638177580
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Prozess Modell, Westley, MacLean, ABS-Modell, Modifikationen
Arbeit zitieren
Knut Bodeewes (Autor), 2002, Prozess Modell von Westley-McLean und die verschiedenen Modifikationen des ABX Modells mit einer vergleichenden Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11652

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