Schon seit Jahrtausenden werden sexuelle Dienstleistungen gegen Bezahlung angeboten. In der heutigen Zeit stehen Sexarbeiterinnen aber häufig eher am Rand der Gesellschaft und sehen sich einer Vielzahl von Vorurteilen gegenüber. Besonders seit dem Aufkommen und der Verbreitung von HIV/Aids und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten werden Prostituierte als gefährliche Infektionsquelle angesehen, die bedingt durch ihre Tätigkeit einen gesundheitsgefährdenden Lebensstil haben. Hieraus ergibt sich die Fragestellung, ob dies tatsächlich der Fall ist und ein Zusammenhang zwischen der Ausübung der Prostitution und der Gesundheit besteht.
Um diese Frage zu klären, wird unter Punkt 2 zuerst der Begriff „Sexarbeit“ erläutert, indem die Voraussetzungen für Selbige und zudem die wichtigsten Arten und Formen vorgestellt werden. In Punkt 2.1 wird ein kurzer historischer Überblick über die Entwicklung der Prostitution gegeben und aufgezeigt, wie sich die Moralvorstellungen in Bezug auf sexuelle Dienstleistungen im Laufe der Zeit veränderten. In Punkt 2.2 wird die aktuelle rechtliche Situation der Sexarbeit in Deutschland vorgestellt und die wichtigsten Neuerungen und Regelungen benannt.
Auf die gesundheitlichen Risiken, die durch die Ausübung der Prostitution entstehen können, wird in unter Punkt 3 eingegangen. Zugleich werden aber auch die gesundheitlichen Ressourcen dargestellt, die sich aus der Sexarbeit ergeben. Hierfür wird u.a. eine Auswahl an Belastungen, die sich aus dem Arbeitsumfeld oder den persönlichen Bedingungen der Frau ergeben, benannt und auf die Arbeit von unterstützenden Beratungsstellen eingegangen.
In Punkt 4 werden empirische Ergebnisse zu dem Zusammenhang von Sexarbeit und Gesundheit vorgestellt. Als Beispiele hierfür wurden die Ergebnisse von zwei Berichten des Robert Koch Institutes und des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ausgewählt.
In der abschließenden Diskussion in Punkt 5 wird sich u.a. mit den Auswirkungen des Prostitutionsgesetzes auf die Gesundheit der Sexarbeiterinnen auseinandergesetzt und überlegt, welche Chancen und Herausforderungen sich daraus ergeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition von Sexarbeit
2.1 Historie
2.2 Rechtliche Grundlage
3. Gesundheitliche Risiken und Ressourcen bei Sexarbeiterinnen
4. Empirische Ergebnisse zum Zusammenhang von Sexarbeit und Gesundheit
5. Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Ausübung von Prostitution und der gesundheitlichen Situation von Sexarbeiterinnen. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen, psychosozialen Belastungsfaktoren sowie gesundheitlichen Ressourcen und empirischen Daten zu sexuell übertragbaren Krankheiten.
- Historische Entwicklung und gesellschaftliche Einordnung der Prostitution
- Rechtliche Situation nach dem Prostitutionsgesetz (ProstG) in Deutschland
- Psychosoziale Stressfaktoren und salutogene Ressourcen im Arbeitsumfeld
- Analyse gesundheitlicher Risiken und infektionspräventiver Maßnahmen
- Diskussion der Auswirkungen der Gesetzgebung auf die Gesundheitsförderung
Auszug aus dem Buch
Aufgabenbezogene Bedingungen:
Zu den psychisch belastenden, aufgabenbezogenen Risikofaktoren gehört z.B. die „Gefühlsarbeit“. Hierbei entwickelt die Sexarbeiterin aus beruflichen Gründen Emotionen – oder muss sie sogar zum Ausdruck bringen -, die ihre wahre Gefühlswelt nicht widerspiegeln. „Prostituierte gelten als Verkörperung ihrer Tätigkeit: sie arbeiten nicht als Prostituierte, sondern sind Prostituierte und als solche Projektionsflächen für viele nachteilige Vorurteile und Phantasien. Der Körper wird in besonderer Weise zur Ware, weshalb Prostituierte in der Regel eine klare Grenze zwischen ihrem Körper und ihren Gedanken und Gefühlen ziehen.“ Da diese klare Trennung zwischen dem Beruf und dem Privaten aber häufig schwer fällt, ist es möglich dass die emotionalen Abwehrmechanismen auch in das Privatleben übertragen werden. Auch die Wünsche der Kunden und die Erniedrigung durch Selbige ist eine psychische Belastung für die Sexarbeiterinnen. Zudem sind es oftmals ausschließlich die Prostituierten, die die Verantwortung für die gesundheitlichen Aspekte der Dienstleistung tragen müssen. Jedoch kann auch die Langeweile, die in der Zeit zwischen zwei Kundenbesuchen aufkommt, eine aufgabenbezogene Belastung sein.
Allerdings kann auch gerade die Gefühlsarbeit den positiven Effekt haben, dass die sozialen Kompetenzen der Sexarbeiterin erweitert werden, woraus ein höheres Selbstwertgefühl resultiert. Das Selbstbewusstsein wird durch Machtgefühl vermittelnde Arbeitsabläufe, wie z.B. der Auswahl von Kunden, dem Setzen von Grenzen etc. gestärkt. Zudem sind positive Erlebnisse mit den Kunden eine persönlich aufbauende Erfahrung. Diese durch die Sexarbeit angeeigneten oder erweiterten sozialen Kompetenzen können so auch in das Privatleben übertragen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein und stellt die zentrale Fragestellung vor, ob ein kausaler Zusammenhang zwischen der Prostitution und dem Gesundheitszustand der betroffenen Frauen besteht.
2. Definition von Sexarbeit: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Sexarbeit, gibt einen historischen Abriss und stellt die aktuelle rechtliche Ausgangslage in Deutschland dar.
2.1 Historie: Ein historischer Rückblick beleuchtet die Entwicklung der Prostitution von der Tempelprostitution bis hin zu den gesetzlichen Regulierungen in der industriellen Revolution.
2.2 Rechtliche Grundlage: Dieses Kapitel analysiert das Prostitutionsgesetz von 2002 und dessen Auswirkungen auf die soziale und arbeitsrechtliche Situation von Sexarbeiterinnen.
3. Gesundheitliche Risiken und Ressourcen bei Sexarbeiterinnen: Hier werden soziale, aufgabenbezogene und umgebungsbedingte Belastungsfaktoren den vorhandenen salutogenen Ressourcen gegenübergestellt.
4. Empirische Ergebnisse zum Zusammenhang von Sexarbeit und Gesundheit: Das Kapitel wertet aktuelle Daten des RKI und Regierungsberichte aus, um den Zusammenhang zwischen Prostitution und dem Infektionsrisiko sowie der allgemeinen Gesundheit zu untersuchen.
5. Diskussion: Die Diskussion fasst die Ergebnisse zusammen und beleuchtet die Chancen und Herausforderungen für die Gesundheitsförderung unter den neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen.
Schlüsselwörter
Sexarbeit, Prostitution, Gesundheit, Gesundheitsförderung, Prostitutionsgesetz, Prävention, Arbeitsbedingungen, psychosoziale Belastung, Infektionsrisiko, soziale Kompetenzen, Krankenversicherung, Arbeitsrecht, Selbstwertgefühl, Geschlechtskrankheiten, Risikofaktoren.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die gesundheitlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen von Sexarbeiterinnen unter Berücksichtigung der aktuellen rechtlichen Lage in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Mittelpunkt stehen die Definition von Sexarbeit, die rechtlichen Grundlagen durch das Prostitutionsgesetz sowie die gesundheitlichen Risiken und Ressourcen, die mit dieser Tätigkeit verbunden sind.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, ob tatsächlich ein direkter Zusammenhang zwischen der Ausübung der Prostitution und dem Gesundheitszustand der Frauen besteht und welche Faktoren diesen Prozess beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung empirischer Daten, insbesondere von Berichten des Robert Koch-Instituts und des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche und historische Einordnung, eine Darstellung der rechtlichen Neuerungen sowie eine detaillierte Analyse gesundheitlicher Stressoren und Ressourcen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Sexarbeit, Prostitutionsgesetz, Gesundheitsrisiken, Prävention, Arbeitsbedingungen und psychosoziale Belastung.
Welche Rolle spielt das "Gefühlsarbeit"-Konzept für die Gesundheit?
Die Arbeit stellt heraus, dass die notwendige emotionale Distanzierung im Beruf sowohl psychische Belastungen als auch durch die Stärkung sozialer Kompetenzen positive Effekte auf das Selbstbewusstsein haben kann.
Hat das Prostitutionsgesetz die Situation für Sexarbeiterinnen grundlegend verbessert?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass das Gesetz zwar Hürden abgebaut und die soziale Anerkennung gefördert hat, jedoch kaum direkte, substanzielle Verbesserungen der alltäglichen Arbeitsbedingungen bewirkt hat.
Warum ist die Datenlage zur Gesundheit von Sexarbeiterinnen laut Autor problematisch?
Die Datenlage ist aufgrund der Stigmatisierung und der Schwierigkeit, repräsentative Stichproben in einem oft im Verborgenen ausgeübten Berufsfeld zu ziehen, bisher unzureichend.
- Quote paper
- Hendrik Heitland (Author), 2008, Gesundheit bei Sexarbeiterinnen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116538