WebTV. Analyse eines neuen Geschäftsfelds von Zeitungsverlagen

Am Beispiel der Heilbronner Stimme


Diplomarbeit, 2008

139 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Vorgehensweise
1.2 Aktualität und Quellen
1.3 Tätigkeitsund Aufgabenbereich des Verfassers

2 IPTV und WebTV
2.1 Begriffliche Abgrenzung
2.1.1 Differenzierungsmerkmale
2.1.2 Vergleich
2.2 Anbieter
2.2.1 Die Gruppe der IPTV-Anbieter
2.2.2 Verbreitung von WebTV-Anbietern
2.3 Zukunftsprognose

3 Technische Rahmenbedingungen von WebTV
3.1 Netzinfrastruktur und Software
3.1.1 Breitband und Flatrate als Voraussetzung für WebTV.
3.1.2 Zukunftsprognosen zur Breitbandentwicklung und deren Auswirkungen auf WebTV
3.1.3 Nutzung von WebTV mittels Videoplayer
3.1.4 Adobe Flash Player
3.2 Übertragungsund Kompressionsverfahren
3.2.1 Streaming
3.2.2 Progressiver Download
3.2.3 Vergleich der Verfahren
3.2.4 Kompressionsverfahren

4 Mediennutzung
4.1 Entwicklungen des Fernsehens
4.1.1 Klassisches Fernsehen unter Konkurrenzdruck
4.1.2 Veränderung in der Fernsehnutzung
4.1.3 Reaktionen der Rundfunkanstalten
4.2 Videonutzung im Internet
4.2.1 Motive für die WebTV-Nutzung
4.2.2 Nutzergruppen und Nutzungsverhalten
4.2.3 Bekanntheit von WebTV

5 Zeitungsmarkt
5.1 Lage der Zeitung in Deutschland
5.1.1 Auflagenentwicklung
5.1.2 Veränderung der Werbeeinnahmen
5.1.3 Merkmale und Funktionen einer Tageszeitung
5.2 Strategien und Geschäftsmodelle von Zeitungsverlagen
5.2.1 Reaktionen auf veränderte Marktbedingungen
5.2.2 Neue Geschäftsfelder von Zeitungen
5.2.3 WebTV als neues Angebot

6 Aufbau eines WebTV-Portals am Beispiel von STIMME.TV
6.1 Grundfragen der Videoproduktion
6.1.1 Zielsetzung und Strategie
6.1.2 Eigene Produktion oder externer Zulieferer
6.1.3 Personal
6.1.4 Digitale Videoproduktion
6.2 Produktionspraxis
6.2.1 Schnittstelle zur Redaktion
6.2.2 Produktionsablauf
6.2.3 Einbindung von STIMME.TV im Onlineportal und der Zeitung
6.2.4 Formate und Sendungen
6.2.5 Erfolgskriterien für WebTV-Videos

7 Medienrecht
7.1 Rechtliche Grundfragen bei WebTV
7.1.1 Recht am eigenen Bild
7.1.2 Ausnahmen
7.1.3 Urheberrecht
7.1.4 Verwertungsgesellschaften
7.1.5 Ist WebTV Rundfunk?

8 Vermarktung
8.1 WebTV als Werbeträger
8.1.1 Vorbild TV-Werbung
8.1.2 Werbeformen im WebTV
8.1.3 Stärken und Schwächen von Video Ads
8.1.4 Vermarktung von Video Ads
8.2 Zusätzliche Einnahmequellen
8.2.1 Infomercials
8.2.2 Auftragsproduktionen
8.2.3 Crossmedia-Vermarktung
8.2.4 Nutzergenerierte Videos

9 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Prognostizierte Bandbreitenverteilung

Abbildung 2: Mediennutzung im Tagesverlauf

Abbildung 3: Mediennutzung in Deutschland

Abbildung 4: Nutzung von Videos im Internet

Abbildung 5: Reichweitenentwicklung der Tageszeitungen in Deutschland

Abbildung 6: Vergleich der Verbraucherfunktionen von Zeitung und Internet

Abbildung 7: Glaubwürdigkeit der Medien

Abbildung 8: Nonlinearer Videoschnittplatz

Abbildung 9: Produktionsablauf bei STIMME.TV

Abbildung 10: STIMME.TV Hinweis in der Zeitung

Abbildung 11: Wertungspyramide für STIMME.TV-Videos

Abbildung 12: Schema zur Prüfung der Verletzung des KUG

Abbildung 13: Beispiel eines Pre Roll Ad

Abbildung 14: Beispiel für ein crossmediales Medienpaket

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Vorund Nachteile von IPTV und WebTV

Tabelle 2: Internetzugänge in Deutschland 1997 bis 2006

Tabelle 3: Stärken und Schwächen von Video Ads

1 Einleitung

„Denn davon bin ich überzeugt: Die Zukunft der Zeitung ist digital. […] an unserem Geschäftsmodell aber hat sich nichts geändert. Information und Unterhaltung für verschiedene Zielgruppen.“1 (Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG)

Das „digitale Zeitalter“ hat den Journalismus vor neue Herausforderungen gestellt. Die Branche der Zeitungsverleger, deren Heimat zuvor ausschließlich der Druck war, geht Mitte der neunziger mit Ihren Produkten online. Das Internet verändert seitdem die Zeitungsbranche und eröffnet neue Geschäftsfelder. WebTV ist eines davon, das derzeit die Verlage stark beschäftigt.

Das Thema der vorliegenden Diplomarbeit entstand aus der beruflichen Tätigkeit des Autors, dem Aufbau des WebTV-Portals „STIMME.TV“2, für das Medienunternehmen Heilbronner Stimme GmbH & Co.KG3. Gegenwärtig gibt es keine detaillierten Untersuchungen dazu, wie eine WebTV-Produktion innerhalb eines Zeitungsverlags bestmöglich integriert werden kann. Demzufolge existieren kaum Erkenntnisse zur optimalen Vermarktung von WebTV. Selbiges gilt für das Potenzial, welches in diesem Geschäftsfeld steckt.

Der dringende Klärungsbedarf, der sich hieraus ergibt, wirft unter anderem, folgende Fragestellungen auf: Welche Motive und Ziele verfolgen Zeitungsverlage mit WebTV? Welche technischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind wesentlich für eine erfolgreiche Umsetzung? Was ist beim Aufbau einer hauseigenen Videoproduktionsabteilung zu beachten? Welches Vermarktungspotenzial hat WebTV? Und: wie könnte sich dieses zukünftig entwickeln? Neben der Klärung dieser Fragen liefert die Arbeit ein Gesamtverständnis von WebTV und Beispiele für praktische Umsetzungen in Zeitungsverlagen.

1.1 Vorgehensweise

Die Diplomarbeit gliedert sich in insgesamt neun Kapitel. Nach dieser Einleitung dient das zweite Kapitel der klaren Abgrenzung und Definition des bislang noch abstrakten Begriffs WebTV. Eine Vorstellung der derzeitigen und potenziellen Marktteilnehmer erlaubt die Abschätzung der Konkurrenzsituation für Zeitungsverlage im Allgemeinen. Zum Schluss des Kapitels wird mit einem Ausblick eine mögliche Konvergenz zwischen den abgegrenzten Videoübertragungsformen geprüft.

Die Untersuchung der Internetbandbreiten in Kapitel drei soll Rückschlüsse auf die aktuelle und zukünftige Reichweite von WebTV zulassen. Neben dem Internetzugang gilt auch der Videoplayer als wichtige Komponente, die die Nutzungsmöglichkeiten und Funktionen von WebTV bestimmen. Dabei spielt der Flash Player eine zentrale Rolle und wird daher genauer untersucht. Die Beschreibungen zu den möglichen Übertragungsund Kompressionsverfahren erlauben dem Leser eine Abwägung und Beurteilung der jeweiligen Verfahren.

Das Fernsehen steht in enger Verwandtschaft zu WebTV und fließt daher in die Untersuchungen in Kapitel vier mit ein. Die Veränderungen im Fernsehmarkt und die damit verbundenen Reaktionen liefern Hinweise auf die veränderte Mediennutzung. Die genauere Betrachtung von Nutzergruppen und deren Verhalten, im Bezug auf WebTV, soll Bewertungen zur Formatentwicklung und Reichweite ermöglichen. Zum Abschluss des Kapitels wird auf die Notwendigkeit zur Bekanntmachung von WebTV eingegangen.

Das fünfte Kapitel behandelt den Zeitungsmarkt, ausgehend von den Veränderungen der Branche bis hin zu den Alleinstellungsmerkmalen der Tageszeitung, unter Verwendung aktueller Studien. Dies erlaubt eine Abschätzung der Bewegründe von Zeitungsverlagen zur Ausweitung ihrer Geschäftsfelder und deren Erfolgsaussichten. Anschließend wird das neue Angebot WebTV näher untersucht.

Die praktische Umsetzung eines WebTV-Portals am Beispiel der Heilbronner Stimme ist Gegenstand des sechsten Kapitels. Ausgehend von den strategischen Zielen, die der Verlag mit STIMME.TV verfolgt, wird die personelle und technische Umsetzung praxisnah erläutert. Besonders die Erfahrungen aus dem Produktionsablauf liefern neue Erkenntnisse zur Formatentwicklung und zeitlichen Optimierung von Videoproduktionen. Diese werden ergänzt und belegt durch die innerbetrieblichen Auswertungen aus über 200 WebTV-Produktionen.

In Kapitel sieben werden wesentliche rechtliche Aspekte im Zusammenhang mit der Produktion von Videos geprüft. Im Besonderen die Fragen zum Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht und zum Thema Rundfunkregulierung.

Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit der Frage der Vermarktung von WebTV. Analogien zur TV-Werbung lassen Schlussfolgerungen auf die Werbeund Vermarktungsformen von WebTV zu. Eine Betrachtung nationaler und internationaler Nachrichtenportale zeigt Beispiele für die praktische Umsetzung von Werbung im WebTV. Im Weiteren werden verschiedene Werbeformen vorgestellt und bewertet. Eine Abwägung der Stärken und Schwächen von Videowerbung dient als Grundlage zur nachfolgenden Beurteilung der Vermarktungsstrategien. Unter Verwendung praxisnaher Zahlenbeispiele werden die Erlöspotenziale von WebTV untersucht. Neben der reinen Werbefinanzierung werden weitere mögliche Einnahmequellen und Geschäftsfelder im Umfeld der Videoproduktion vorgestellt.

Die Schlussbetrachtung liefert die Antworten auf die zur Einführung gestellten Fragen, zeigt die Grenzen der Untersuchung und mögliche Schwächen des neuen Geschäftsfelds WebTV auf.

1.2 Aktualität und Quellen

Die hohe Aktualität und Dynamik des Themas verlangen zum einen gegenwärtige Informationsquellen, aber auch solche, die zukünftige Entwicklungstendenzen berücksichtigen. Häufig können Autoren nicht so schnell Bücher über die Informations- und Kommunikationswelt schreiben, wie der technologische Fortschritt diese verändert. Die klassische Literaturrecherche stößt schnell an ihre Grenzen sobald es sich um neuartige Themen wie WebTV, dessen technische Umsetzung, Nutzung und Vermarktung handelt. Aus diesem Grund beruht ein großer Teil dieser Arbeit, neben der bekannten Primärliteratur, auf aktuellen Studien, Zeitschriftenartikeln, Internetquellen, und Erfahrungen aus der beruflichen Tätigkeit des Autors. Über die Auswahl der Quellen wird zum einen sichergestellt, dass die Ergebnisse der vorliegenden Diplomarbeit die heutige Situation des Untersuchungsfeldes klar wiedergeben. Darüber hinaus ermöglichen sie einen Ausblick auf denkbare zukünftige Entwicklungen.

In der Welt der Internet Service Provider (ISP) gibt es derzeit kaum ein stärker diskutiertes Thema als IPTV. Im Gegensatz dazu ist der Bereich WebTV kaum erforscht. Obwohl IPTV und WebTV nur in Teilen vergleichbar sind, können Publikationen zu IPTV bei der Untersuchung von WebTV sehr aufschlussreich sein. Das gilt sowohl für Forschungen zur Akzeptanz, wie auch für die technische Realisierung von Videoübertragungen mittels des Internet Protokolls.

1.3 Tätigkeitsund Aufgabenbereich des Verfassers

Der Autor verantwortet den Aufbau der Abteilung „Videoproduktion“ im Medienunternehmen Heilbronner Stimme. Dazu gehört das WebTV-Angebot STIMME.TV, welches im März 2007 auf dem hauseigenen Nachrichtenportal www.stimme.de implementiert wurde. Nach einer erfolgreichen Testphase befindet sich das Projekt nun im zweiten Jahr der noch andauernden Entwicklungsphase. Seither wurden über 240 Videobeiträge produziert.4 Neben der Optimierung und Koordination von Videoproduktionen zählen die Entwicklung von WebTV-Formaten und deren Vermarktung zu den Hauptaufgaben des Autors. Dieser Praxisbezug wird vor allem in die Kapitel 6 und 8 einfließen und bietet so eine realistische Betrachtung der theoretischen Inhalte.

2 IPTV und WebTV

Der stetige Ausbau der DSL-Infrastruktur und sinkende Anschlusspreise haben dazu beigetragen, das Angebot und die Nachfrage nach Videobeiträgen im Internet rasant wachsen zu lassen. Bewegtbilder können jedoch schon seit rund 10 Jahren via Internet übertragen werden.5 In dieser Zeit sind unterschiedliche Techniken und Definitionen für die Übertragung von Video via Internet entstanden.

Zu Beginn dieses Kapitels wird eine klare Abgrenzung zwischen den Begrifflichkeiten geschaffen und deren Unterschiede sowie Vorund Nachteile näher beleuchtet. Neben Verlagshäusern und Medienunternehmen gibt es weitere Anbieter, die im Markt von IPTV und WebTV eine Rolle spielen. Deren Absichten und Verbreitung sind Gegenstand des darauffolgenden Unterkapitels 2.2. Im Unterkapitel 2.3 erfolgt ein hypothetischer Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der Videoübertragung mittels des Internetprotokolls.

2.1 Begriffliche Abgrenzung

„Internet Video“, „Streamingmedia“, „Internetfernsehen“, „Video-Podcast“, „Internet Television“, „IPTV“ und „WebTV“ sind nur einige der Begriffe, die für Videoübertragung via Internet stehen. Genaue Abgrenzungen und Definitionen der genannten Begriffe sind derzeit in der Literatur schwer zu finden. Eine Gemeinsamkeit lässt sich aber bei allen genannten Bezeichnungen feststellen: Das Trägermedium ist das Internet, beziehungsweise die Übertragung basiert auf Grundlage des Internet Protokolls. Unterschiede liegen hauptsächlich in der Bildqualität und den Inhalten der „Internet-Videos“.

Nach Ansicht des Autors lassen sich alle genannten Begriffe zwei Hauptgruppen zuordnen: Zur ersten Gruppe zählt die Übertragung von Videos in geschlossenen Breitbandnetzen von Telekommunikationsunternehmen. In diesem Fall werden die Videos vorrangig über ein Fernsehgerät mit ausgestrahlt.6 Diese Form wird im folgenden Text als IPTV bezeichnet. Da dieser Begriff von den großen Telekommunikationsunternehmen geprägt wurde und über groß angelegte Marketingkampagnen innerhalb von Triple-Play-Angeboten7 verbreitet wird, gibt es keine konkreten Synonyme. Zur zweiten Gruppe gehört die Bereitstellung von Videos über das Internet, mit dem vorrangigen Ziel der Darstellung auf Computermonitoren. Die Bezeichnungen Internet Video, Internet TV und WebTV werden in diesem Zusammenhang am häufigsten genannt und synonym verwandt. Um Irritationen zu vermeiden, legt sich der Autor an dieser Stelle auf den Begriff WebTV fest.8

Eine Sonderform des WebTVs ist der Video-Podcast. Darunter versteht man einen Videobetrag, der mittels RSS-Feed9 abonniert werden kann. Ein prominentes Beispiel ist der Video-Podcast von Angela Merkel,10 indem die Bundeskanzlerin eine wöchentliche Videobotschaft zu aktuellen Themen veröffentlicht.

Die digitale Übertragung von Videosignalen via Internet unterscheidet sich deutlich vom Digitalfernsehen.11 IPTV und WebTV nutzen im Gegensatz dazu das Internet als Distributionsweg und den daran gekoppelten direkten Rückkanal. Ihr Alleinstellungsmerkmal ist die dadurch gewonnene Interaktivität.

2.1.1 Differenzierungsmerkmale

Der Begriff IPTV umfasst mehr als seine beiden Bestandteile „internet protocol“ und „television“. IPTV ist also mehr als Fernsehen auf Basis des Internetprotokolls. Wäre dem so, müssten ebenfalls alle anderen Techniken der Video- übertragung via Internet als IPTV bezeichnet werden.12 IPTV ist im Zusammenhang mit der Triple-Play-Strategie der ISPs entstanden. Der Unternehmensberater und Publizist Werner Lauff formulierte 2007 folgende Definition für IPTV:

„Von IPTV kann man immer dann sprechen, wenn lineare Programme und on-demand-Bewegtbildinhalte auf individuelle Anforderung mittels des IP- Protokolls von einer Plattform unter Nutzung eines Servers oder eines als Server dienenden Clients (peer to peer) über ein Punkt-zu-Punkt- Breitbandnetz (gegebenenfalls auch hybrid unter Nutzung eines Rundfunknetzes) auf Fernsehgeräte oder PCs aus dem kontrollierten Bereich eines Netzbetreibers (»walled garden«) oder aus dem Internet in Echtzeit übertragen werden.“13

Nach dieser Definition ist es unerheblich, ob das Programm auf einem Fernsehgerät oder einem PC-Monitor betrachtet wird. Auch wenn andere Quellen das Fernsehgerät als Differenzierungsmerkmal von IPTV betrachten14, scheint die genannte Argumentation sinnvoll. Schon heute gibt es eine Vielzahl an Geräten15, die über zusätzliche Anschlüsse analoge Rundfunksignale verarbeiten können und zugleich als PC-Monitor dienen.

Ein weiterer Punkt, bei dem sich die Experten uneinig sind, ist das Kriterium des sogenannten „walled garden“. Damit ist ein in sich geschlossenes Übertragungsnetzwerk gemeint. Die Definition von Lauff aus 2007 ist in doppelter Hinsicht, im Bezug auf die Technik, offen. Zum einen beschränkt sie die Übertragung von IPTV nicht zwangsläufig auf DSL – auch via Kabel soll IPTV übertragbar sein.

Zum anderen ist auch eine Verbreitung über das Internet möglich.16 Dagegen erläutert der Autor Breunig, die Telekommunikationsunternehmen hätten sich auf eine Walled-Garden-Strategie geeinigt, um die Kontrolle über ihre Inhalte zu behalten.17 Somit soll IPTV, auch wenn es technisch möglich ist, nicht offen zugänglich, sondern über geschlossene Netze nur für Kunden des ISPs abrufbar sein. Auch aus lizenzrechtlicher Sicht dürfen viele Programmangebote der Rundfunkanstalten nicht weltweit bereitgestellt werden.18

Ob IPTV letztendlich ausschließlich in geschlossenen Netzen angeboten wird, lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit Bestimmtheit sagen. Unabhängig davon, über welchen Distributionsweg der Konsument IPTV empfangen möchte: er braucht dafür einen speziellen Empfänger in Form einer Set-Top-Box. Diese übernimmt neben dem Enkodieren des Signals auch die Verschlüsselung und das DRM-System19. WebTV hingegen benötigt außer einem Internetanschluss nur die entsprechenden Plug-ins20 im Browser.

„IPTV soll sich an den bisherigen Fernsehgewohnheiten und Qualitätsansprüchen der TV-Zuschauer orientieren, und nicht an der Leidensfähigkeit der Internetnutzer.“21

Demnach hebt sich IPTV hauptsächlich durch Quality of Service (QoS) von WebTV ab. Dazu zählen unter anderem eine fest definierte Verzögerungszeit, eine entsprechende Bildqualität durch hohe Übertragungsdatenraten und eine für Programmlieferanten wichtige Funktion zum Schutz der Urheberrechte.22 Visuell anspruchsvolle Inhalte, wie zum Beispiel „Hollywood Blockbuster“ erfordern demnach eine hochauflösende Bildqualität, die über WebTV zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich ist. Um diese hohe Bildqualität zu erreichen, bedarf es sehr hoher Datenraten, die für eine geschlossene Netzstruktur sprechen.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal liegt in den Programmformaten. Weitläufig wird unter dem Begriff IPTV die Verbreitung herkömmlicher Fernsehinhalte verstanden. Dazu gehören neben den Free-TV-Programmen, auch Pay-TV Sender wie zum Beispiel Premiere.23 Neue, extra für IPTV produzierte, Formate gibt es momentan noch nicht. Im Gegensatz werden für WebTV bereits eine Vielzahl eigenständiger Formate angeboten, wie zum Beispiel ehrensenf.tv24 oder auch STIMME.TV.

Ein anderes wichtiges Differenzierungsmerkmal ist das Nutzungsverhalten. Während der Konsument bei der Betrachtung von WebTV am PC eine aktive Rolle einnimmt, hat er bei der Nutzung von IPTV Angeboten eine passive Haltung, vergleichbar mit der während des Fernsehkonsums. Man spricht bei ersterer auch von „lean forward“, wörtlich übersetzt „nach vorne gelehnt“. Also dem Bildschirm zugewandt und mit einer aktiven, angeregten Haltung. „Lean backward“ meint dagegen, die „zurückgelehnte“ Position, z.B. auf der Couch, mit dem Ziel der passiven Unterhaltung durch ein vorbestimmtes Programm.25 Die bereits angesprochene technische Konvergenz von TV-Gerät und PC-Monitor und die steigende Verbreitung mobiler Displays26 erschweren längerfristig die genaue Zuordnung des lean forward und lean backward Konsumverhaltens über ein bestimmtes Gerät.

Zusätzliches kann der Kostenfaktor als ein aus ökonomischer Sicht sehr bedeutsames Unterscheidungskriterium genannt werden, das in der Literatur nur selten erwähnt wird. Die Preise für IPTV sind zwar in der Vergangenheit stark gefallen und liegen aktuell beim günstigsten Anbieter bei 9,90 Euro pro Monat, zuzüglich 24,90 Euro für eine DSL-Flatrate27. Doch im Gegensatz dazu sind WebTV- Angebote in der Regel kostenlos verfügbar. Es fallen lediglich die Kosten eines DSL-Anschlusses an. Jegliche Kosten, auch in sehr geringer Höhe, bilden schnell eine Barriere für potentielle Nutzer. Hier kann ein über Werbung finanziertes WebTV-Angebot ansetzen.

2.1.2 Vergleich

Mittels der oben genannten Unterscheidungsmerkmale und der begrifflichen Eingrenzung von IPTV und WebTV lassen sich deren Stärken und Schwächen aufzeigen. Zukünftige Veränderungen in der Übertragungsqualität und im Nutzerverhalten können in der Bewertung nicht berücksichtigt werden. In Tabelle 1 werden demnach ausschließlich die gegenwärtigen Vorund Nachteile von IPTV und WebTV gegenübergestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten28

Tabelle 1: Vorund Nachteile von IPTV und WebTV

Quelle: eigene Darstellung

2.2 Anbieter

In diesem Unterkapitel werden die bisher am Markt agierenden Anbieter von IPTV und WebTV vorgestellt. Diese lassen sich wiederum in zwei Gruppen unterteilen, die sich stark in der Anzahl Ihrer Mitglieder unterscheiden. Während IPTV in Deutschland von einer regelrecht kleinen monopolistischen Gruppe angeboten wird, finden sich im Internet unzählige WebTV-Angebote unterschiedlicher Anbieter und Inhalte.

2.2.1 Die Gruppe der IPTV-Anbieter

Der Hauptgrund für diesen Zustand liegt in der hohen technischen und finanziellen Marktbarriere von IPTV. Nur große Telekommunikationsunternehmen beziehungsweise ISPs haben die Möglichkeit, über geschlossene Netzwerke, Programme anzubieten und dabei die Quality of Service einzuhalten.

Aktuell gibt es in Deutschland nur drei IPTV-Anbieter. Mit Alice homeTV startete die Firma HanseNet29 im Mai 2006 das erste IPTV-Angebot. Die Deutsche Telekom AG folgte im Oktober 2006 mit dem Angebot T-Home. Arcor, ein Tochterunternehmen von Vodafone, startete im Mai 2007 einen ersten IPTV-Pilotversuch in Kassel und ist seit Dezember 2007 mit Arcor-Digital TV am Markt vertreten.30

IPTV muss nicht zwangsläufig über einen Breitbandanschluss empfangen werden. Auch über die traditionellen Distributionswege, Kabel und Satellit, kann IPTV übertragen werden. Ein Einstieg der Kabelnetzund Satellitenbetreiber in den IPTV- Markt würde sich anbieten, um den bislang fehlenden interaktiven Rückkanal zu erhalten.

2.2.2 Verbreitung von WebTV-Anbietern

Ganz im Gegensatz zur Markttransparenz der IPTV-Anbieter ist das WebTV- Angebot sehr groß, unübersichtlich und steigt kontinuierlich an. Die vielfältigen Angebote richten sich an sehr individuelle Zielgruppen. Laut einer Auflistung des „Global InternetTV Portals“ gibt es in Deutschland aktuell über 750 WebTV- Anbieter. Darunter befinden sich rund 150 WebTV-Programme konventioneller TV-Sender und 115 lokaler Fernsehsender.31 Die tatsächliche Anzahl wird vermutlich um einiges höher liegen, da eine verlässliche Zählung, auf Grund der fehlenden Transparenz im World Wide Web, nicht möglich ist. Das WebTV-Angebot der Heilbronner Stimme wurde zum Beispiel nicht aufgelistet.32 Nahezu alle Onlineportale der großen Verlagshäuser in Deutschland haben WebTV als festen Bestandteil integriert.33

Da sich WebTV relativ kostengünstig und technisch einfach umsetzen lässt, ist nahezu jede Person oder Institution in der Lage, als WebTV-Anbieter aufzutreten. Auf diese Gruppe von Anbietern wird an dieser Stelle nicht näher eingegangen, da sich die Untersuchungen dieser Arbeit auf kommerzielle WebTV-Angebote mit vorwiegend journalistischen Inhalten beschränken.

Technologisch sehr fortschrittlich sind die Auftritte der Automobilkonzerne. Sie nutzen WebTV, um dem Kunden die Emotionalität und Faszination der Automobilmarke zu vermitteln. Die Zielgruppe, die diese Anbieter ansprechen wollen, ist überwiegend männlich, wohlhabend, besser gebildet und verfügt über einen Breitbandinternetzugang.34

Die große Vielfalt des WebTV-Angebots macht es dem Konsumenten schwer, einen Überblick vom Programmangebot zu bekommen. Hier liegt ein Vorteil von regionalen Zeitungsverlagen, die WebTV in einem rein theoretisch begrenzten Verbreitungsgebiet einfacher bekannt machen können.

Als Beispiel zielt das Angebot von STIMME.TV hauptsächlich auf das Verbreitungsgebiet der angeschlossenen Tageszeitung und lässt sich über diese bewerben. In Zukunft werden Videosuchmaschinen und Guides durch das Auswerten der Bildund Tonspuren versuchen, das Angebot an Videos im Internet zu erfassen, zu kategorisieren und dem User überschaubar zu präsentieren - ähnlich einer Programmzeitschrift.35

2.3 Zukunftsprognose

Gegenwärtig finden sich wenige Ansatzpunkte für eine Konkurrenzsituation zwischen IPTV und WebTV. Vielmehr ergänzen sich beide Angebote und könnten mittels einer Zusammenlegung eine Alternative zum digitalen Fernsehen darstellen.36 Der Konsument hätte dadurch die Möglichkeit, sein traditionelles Fernsehprogramm über IPTV zu beziehen und mit WebTV seine spezifischen Interessen an Videonachrichten und Unterhaltung kostenlos zu befriedigen.

Die in Unterkapitel 2.1.2 angesprochenen Differenzierungsmerkmale zwischen IPTV und WebTV könnten im Laufe der Zeit verschwinden und zu einer Konvergenz der bis dato getrennten Videoübertragungsformen führen. Dafür sprechen die rasant voranschreitende technische Entwicklung von leistungsstarken Video- Codecs37 und der weitere Ausbau von xDSL-Leitungen38. Dies führt dazu, dass die Qualität der WebTV-Angebote weiter zunimmt und sich den hochwertigen Programmen von IPTV nähert. Nach Wöhler-Moorhoffs Ansicht ist es fraglich, ob der Ausbau der Breitbandnetze die Quality of Service einer geschlossenen Netzstruktur inklusive Set-Top-Box ersetzen mag.39 Dagegen vertritt Breunig die Meinung, IPTV dürfte sich in Zukunft als gemeinsamer Begriff durchsetzen.40

Solange der Konsument den Mehrwert von IPTV gegenüber seinem bisherigen Fernsehprogramm nicht schätzt, befindet sich WebTV im Vorteil.

3 Technische Rahmenbedingungen von WebTV

WebTV kann mittels Internet Protokoll, unabhängig vom verwendeten Betriebssystem, über ein Ethernet, Modem, W-LAN oder sogar einer Mischung aus verschiedenen Netzwerktechnologien übertragen werden. Ökonomisch betrachtet bietet der Distributionsweg über das Internet günstige Übertragungskosten und eine vorhandene Infrastruktur. Nahezu alle momentan auf dem Markt erhältlichen PCs und Notebooks sind mit Ethernet-Schnittstellen ausgestattet und die IP- Software ist in der Regel kostenlos vorinstalliert. IP-Netzwerke sind nahezu weltweit vorhanden, alleine in den USA gibt es über 195 Millionen private IP-Netze. Sogar in Grönland und der Antarktis sind zusammen über 8.000 Internetanschlüsse vorhanden.41 Neben privaten Zugängen gibt es auch immer mehr W- LAN Spots42 in Hotels, Flughäfen, Cafés usw. Diese Flexibilität ist eine der großen Stärken der Übertragung von Video über das Internet Protokoll und damit auch von WebTV.

In diesem Kapitel werden die technischen Grundlagen und strukturellen Voraussetzungen vorgestellt, die für WebTV erforderlich sind. Abgesehen von der Breitbandentwicklung spielt auch das Programm, mit Hilfe dessen der Videobeitrag abgespielt wird, der Videoplayer, eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung von WebTV. Im weiteren Verlauf werden die gängigen Übertragungsund Kompressionsverfahren beschrieben und miteinander verglichen.

Bevor über journalistische Qualität und mögliche Formate nachgedacht werden kann, muss sich jedes Medienunternehmen über die technischen Rahmenbedingungen für die Einführung von WebTV im Klaren sein.

3.1 Netzinfrastruktur und Software

Bis Mitte der neunziger Jahre war es üblich, für den Hörfunk ein Radiogerät zu benutzen, für das traditionelle Fernsehprogramm ein Fernsehgerät und für die täglichen Nachrichten eine Zeitung zu lesen. Heute hebt der PC43 mit Internetzugang diese Trennung auf. Ein Computer bietet dem Konsumenten erstmals die Möglichkeit, alle drei genannten Medien in einem Gerät zu empfangen. Radiosender lassen sich mittels Streaming44 empfangen, Fernsehprogramme und Videos über WebTV und die Zeitung ist als E-Paper45 auf dem PC-Monitor lesbar. Der PC hat sich im Laufe der Zeit zu einem multimedialen „Alleskönner“ entwickelt.

3.1.1 Breitband und Flatrate als Voraussetzung für WebTV

Vor rund zehn Jahren war eine flüssige Übertragung von Videos über ISDN- Leitungen nahezu undenkbar. Mit analogen Modems war für rund 80 Prozent aller Internetnutzer die Übertragungsrate auf 28,8 Kbit/s beschränkt. Ein Datenpaket mit einer Größe von zwei Megabyte benötigt bei dieser Datenrate fast zehn Minuten. Die Einführung der DSL-Übertragungstechnik im Jahre 2003, mit Datenraten von über 700 Kbit/s, ermöglichte erstmals die Übertragung von Videos mit höheren Datenraten und damit ansprechender Bildund Tonqualität.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Internetzugänge in Deutschland 1997 bis 2006 (in Prozent)

Quelle: Studie „Internet zwischen Hype, Ernüchterung und Aufbruch“ (2007), S. 7

Tabelle 2 zeigt, dass erst der schnelle Anstieg von Breitbandverbindungen ab dem Jahr 2005, WebTV für eine breite Bevölkerungsschicht zugänglich machte. Momentan besitzen 63 Prozent der Onlinenutzer einen DSL-Zugang, 20 Prozent nutzen ISDN und nur noch sieben Prozent gehen analog per Modem ins Internet.46 Führende Nachrichtenportale wie beispielsweise SPIEGELONLINE.de47 oder CNN.com48 setzen bereits für die Nutzung ihres WebTV-Angebots, einen DSL-Anschluss voraus.49 Damit beschränken sie ihre potenzielle Reichweite bewusst auf Breitbandnutzer und definieren eine Mindestqualität analog zu Quality of Service bei IPTV. Vereinzelt finden sich noch WebTV-Anbieter wie ksta.tv50, die eine geringere Qualität für ISDN- und Modemnutzer zur Auswahl bereitstellen.

Neben einer ausreichenden Bandbreite gilt die Internetabrechnung in Form einer „Flatrate“ als elementare Voraussetzung für die steigende Verbreitung von datenund zeitintensiven Internetanwendungen wie WebTV. Im Jahre 2005 verwendeten 18 Prozent der Internetnutzer noch eine zeitund datenvolumenabhängige Abrechnungsmethode, die eine zeitintensive WebTV-Nutzung auf Grund der hohen Zugangskosten unattraktiv machte. Im Folgejahr hatte jeder Zweite eine Festpreisabrechnung. Bei den DSL-Nutzern waren es bereits 77 Prozent. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Zeitund Volumentarife in Zukunft vom Markt verschwinden werden.51 Diese Preisentwicklung ist vermutlich auf die neuen mobilen Internetzugänge wie beispielsweise UMTS übertragbar und öffnet möglicherweise einen weiteren Verbreitungsweg für WebTV.

3.1.2 Zukunftsprognosen zur Breitbandentwicklung und deren Auswirkungen auf WebTV

Die potenzielle Reichweite von WebTV steht in direkter Abhängigkeit zu der Verbreitung von Breitbandanschlüssen. So stellt sich die Frage, ob in Zukunft die Breitbandzugänge weiterhin zunehmen oder es zu einer Wachstumspause oder gar Sättigung kommen wird.

Nach Meinung der Ökonomie-Experten der Bundesnetzagentur sollen sich die Breitbandzugänge bis zum Jahr 2010 auf 21 Millionen erhöhen, das entspricht nahezu einer Verdopplung der Anzahl von 2005.52 Merger Management Consulting kommt zu einer ähnlichen Prognose mit 20 Millionen Anschlüssen. Davon sollen allein 1,5 Millionen durch IPTV initialisiert werden.53 Analog zur Entwicklung der Breitbandanschlüsse werden sich auch die Übertragungsraten stetig erhöhen. Abbildung 1 zeigt eine deutliche Verschiebung der Übertragungsraten zu Lasten der langsamen hin zu den schnellen Verbindungen. Dabei spielt die VDSL- Technologie54 eine Schlüsselrolle. Die Werte in Abbildung 1 entsprechen dem Verbreitungsgrad der jeweiligen Datenrate im Vergleich zu den Jahren 2005, 2010 und 2015.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Prognostizierte Bandbreitenverteilung

Quelle: Studie „Deutschland Online 4“ (2006), S. 25

Der Trend zu höheren Datenraten führt zu einer Verbesserung der Videoqualität von WebTV-Anwendungen. Die in Unterkapitel 2.3 angesprochene Theorie zur Konvergenz von IPTV und WebTV wird somit realistischer. WebTV mit Übertragungsraten von über 50 MBit/s erlaubt zukünftig eine erhebliche Qualitätssteigerung in Bild und Ton. Geht man zusätzlich von einer weiteren Optimierung der Kompressionsverfahren aus, ist eine Fernsehqualität in hoher Auflösung durchaus denkbar.

Laut Untersuchungen der Studie „Mediascope Europe 2007“ waren vergangenes Jahr 169 Millionen Menschen in zehn europäischen Ländern online. Im Durchschnitt waren sie zwölf Stunden pro Woche im Internet.55 Das enorme Wachstum des Internets birgt aber auch Risiken durch Überlastung der Netzinfrastruktur. Nach Meinung des amerikanischen Marktforschungsunternehmens Nemertes Research stößt das Internet spätestens 2010 an seine Grenzen: Die stetig wachsende Zahl der Internetnutzer mit Breitbandanschluss und der damit verbundene Konsum von multimedialen Angeboten würden den Datenfluss im Web überlasten. Alleine die Videoplattform „YouTube“56 ist für zehn Prozent des weltweiten Internetdatenverkehrs verantwortlich. Das sind 27 Millionen Gigabytes pro Monat.57 Wie objektiv die Studie ist und ob die Ergebnisse auch auf Deutschland anwendbar sind ist fraglich, da die Auftraggeber kommerzielle Interessen im Aufbau von Datennetzen verfolgen.

3.1.3 Nutzung von WebTV mittels Videoplayer

Videodateien liegen grundsätzlich auf einem Webserver und werden entweder als Link oder eingebettetes Objekt in eine Internetseite integriert. Das Video wird in einen Videoplayer eingebunden, der den Empfang und die Wiedergabe der Datenpakete regelt. Der Videoplayer bietet dem Nutzer individuelle Steuerungsfunktionen. Dazu gehören unter anderem Start/Stop, Spulen/Kapitelwahl, Lautstärkeregelung, Vollbildmodus und URL-Pfad anzeigen wie auch die Möglichkeit, das Video zu bewerten und weiterzuempfehlen. Je nach Verwendungszweck können diese Elemente auch individuell gestaltet werden oder komplett verborgen bleiben.

Damit der Konsument WebTV nutzen kann, muss er die gewünschte URL in seinem Browser aufrufen. Abhängig davon, mit welchem Codec58 das Video komprimiert wurde, muss das entsprechende Plug-in oder der passende Videoplayer auf dem System installiert sein. Sollte der Nutzer nicht über den erforderlichen Videoplayer verfügen, wird er in der Regel darauf hingewiesen diesen herunterzuladen und zu installieren.

Die hohe Zunahme von Videoanwendungen im Internet führt kontinuierlich zu neuen Versionen von Codecs und Videoplayern, die ein regelmäßiges Update auf aktuellere Versionen benötigen. Die leistungsfähigen Codecs und meist vorinstallierten Videoplayer tragen entscheidend zur raschen Verbreitung von Videoübertragungen im Internet bei.

Zu den meistverbreiteten Videoformaten im Internet zählen Flash, Windows Media Video, QuickTime und RealMedia. Bei den aufgezählten Dateiformaten handelt sich um sogenannte Container, die verschiedene Daten unterschiedlicher Codecs enthalten können. Der Flash-Container kann beispielsweise eine, mit dem neuen H.264/AVC kodierte, Videodatei und eine MP3-Audiospur enthalten. Die Dateiendungen der Containerformate (.flv, .wmv, .mov, .rm) sagen somit nichts über den tatsächlich verwendeten Codec aus.59 RealNetworks zählte 1998 mit dem RealPlayer bereits zu den Pionieren im Videostreaming, wurde aber durch den, im Betriebssystem integrierten, Windows Media Player schnell eingeholt. Seit Einführung von Flash Video im Jahr 2002 ist der Flash Player der weltweit am häufigsten installierte Videoplayer.60

3.1.4 Adobe Flash Player

Der Flash Player konnte sich in den letzten Jahren im Bereich WebTV weltweit durchsetzen. Aus diesem Anlass soll in diesem Unterkapitel genauer auf die Details und Möglichkeiten des Videoplayers eingegangen werden.

Mit der Version 6 aus dem Jahre 2002 unterstützte Flash erstmalig Videos. Vorher diente Flash vor allem der Integration von interaktiven Animationen in Websites.61 Zur hohen Verbreitung des Flash Players trägt dessen Plattformunabhängigkeit und einfache Installation bei. Der Flash Player ist für die Betriebssysteme Windows, Mac OS und Linux verfügbar.

Im Gegensatz zu den drei anderen Videoplayern ist mit dem Flash Player momentan noch keine eigenständige Anwendung verknüpft, um Videodateien abzuspielen. Während zum Beispiel der Windows Media Player im Betriebssystem von Windows integriert ist und unterschiedliche Video und Audiodateien abspielen kann, ist der Flash Player als Plug-in im Internetbrowser verankert. Das wird sich voraussichtlich in naher Zukunft ändern, denn seit Oktober 2007 gibt es den Adobe Media Player als englische Betaversion zum Download.62 Der Player kann lokal gespeicherte Videodateien abspielen. Außerdem können Podcasts, Videostreams und TV-Shows über das Internet angeschaut werden. Es ist noch offen, welche Interessen Adobe mit dem neuen Player verfolgt und welche Möglichkeiten für WebTV bestehen.

Das Design des Flash Players lässt sich innerhalb des Browsers individuell gestalten und grafisch in die Website einbetten. Dagegen können beim Browser- Plug-in des Windows Media Players lediglich die Steuerelemente ausgeblendet werden. Das aktuelle Installationspaket ist mit weniger als 1,5 MBit sehr klein und benötigt nur eine kurze Downloadzeit. Zudem erlaubt die neue „Express- Installation“ von Adobe ein benutzerfreundliches Player-Update, ohne den Browser verlassen zu müssen.63

Der aktuelle Flash Player 9 unterstützt erstmalig den leistungsstarken Codec H.264. Daneben lassen, sich dank Kompatibilität mit dem Container-Format für MPEG-4 und H.264, auch MP4, M4A, MOV, MP4V, 3GP und 3G2-Dateien problemlos wiedergeben.64 Diese Erweiterung verändert den bisherigen Workflow bei der WebTV-Produktion erheblich. Zum einen ist die Einbindung von hochauflösenden „High-Definition“-Videos möglich. Zum anderen können Videos auf verschiedenen Endgeräten, wie beispielsweise einem „iPod“ oder einem Handy mit Videofunktion, ohne erneute zeitintensive Wandlung in ein anderes Format, dargestellt werden.

Die Neuerungen im Bereich von Flash verdeutlichen die weiter zunehmende Bedeutung dieses Formats und das damit verbundene Interesse am Thema Videoübertragung und -darstellung. Das gilt sowohl für die Anbieterseite als auch für die des Konsumenten. Videos lassen sich in immer besserer Qualität bei sinkender Datenmenge komprimieren und über das Internet auf verschiedenen Endgeräten darstellen. Je weniger Formatwechsel dabei erforderlich sind, desto effizienter und verlustfreier ist die Verbreitung möglich.

Gegenüber den anderen Formaten bietet Flash die Möglichkeit, in den Videoplayer oder auch in die Videos selbst, interaktive Elemente zu integrieren. Mit Hilfe der Programmiersprache Action Script können beispielsweise „anklickbare“ Objekte in WebTV-Beiträge integriert werden. Eine praktische Anwendung sind interaktive Werbespots in WebTV-Sendungen, die zum Beispiel auf den Internetauftritt des Werbenden verlinken. Mit diesen Vorzügen baut Adobe Flash seinen Vorsprung vor den Konkurrenten Windows Media Video, RealMedia und Quick- Time weiter aus.

3.2 Übertragungsund Kompressionsverfahren

Bei der gewöhnlichen Datenübertragung im Internet ist es wichtiger, dass die Datenpakete vollständig und korrekt beim Empfänger ankommen, als dass sie zu einem bestimmten Zeitpunkt eintreffen. Gehen nämlich Datenpakete verloren, werden diese erneut angefordert, bis die zu übertragende Datei vollständig ist.

Dieses Prinzip ist für die Übertragung von Videos ungünstig. Im Fall von WebTV kommt es darauf an, eine kontinuierliche Wiedergabe zu realisieren. Geht ein Datenpaket während der Übertragung verloren, würde das zu einem kurzen Stoppen in der Videowiedergabe führen. In der Praxis wird das Paket aber erneut angefordert und kommt zeitlich versetzt beim Empfänger an. Dies hätte einen Sprung innerhalb der Zeitachse des Videos zur Folge. Um eine lineare Videowiedergabe zu gewährleisten, gibt es zwei grundlegende Verfahren: das Streaming und der Progressive Download.

3.2.1 Streaming

Unter Streaming versteht man die kontinuierliche Datenübertragung über ein Netzwerk von einem Sender (Server) zu einem Empfänger (Client) bei frühzeitigem Abspielen der empfangenen Inhalte, noch bevor die vollständige Datei empfangen wurde. Es findet, im Gegensatz zum Download, keine explizite Speicherung auf Empfängerseite statt.65 Diese Art der Übertragung setzt einen extra Streaming-Server voraus, der die Videodaten in Pakete einteilt und mittels spezieller Protokolle (Real Time Protocol) an die betreffenden Clients übermittelt.

Theoretisch können mit diesem Verfahren beliebig lange Videos übertragen werden. Kommen die Videodaten direkt von einer Videokamera oder einem ähnlichen Zuspieler, handelt es sich um Live-Streaming. Auf Grund des Echtzeitcharakters ist kein Voroder Zurückspulen des Videos möglich. Diese Art der Übertragung ähnelt dem klassischen Rundfunk. Liegen die Videos bereits als fertige Dateien auf dem Streaming-Server, spricht man von On-Demand-Streaming.

Ein Vorund Zurückspulen ist nun möglich. Kommt es bei diesem Verfahren zu einem Verbindungsabbruch, setzt zwar die Wiedergabe des Videos, wie beim Live-Streaming aus, wird aber nach Wiederaufbau des Datenpuffers66 genau an der gleichen Stelle fortgesetzt.67

3.2.2 Progressiver Download

Das Verfahren des progressiven Downloads bietet sich an, wenn kein Streaming- Server zum Einsatz kommen soll. Ein Grund hierfür sind zum Beispiel die zusätzlichen Anschaffungskosten eines solchen Servers. Unter progressiv versteht man laut Duden „schrittweise fortschreitend“. Demnach handelt es sich bei diesem Verfahren um einen schrittweisen Download einzelner Datenpakete von einem Webserver.68 Der Unterschied zum herkömmlichen Datei-Download besteht darin, dass beim progressiven Download bereits während des Herunterladens die Videodaten betrachtet werden können. Mit einer kurzen Verzögerung, abhängig von der verfügbaren Datenrate, beginnt der Videoplayer entweder automatisch oder nach „Anklicken“ des „Startbuttons“, das erste Videopaket abzuspielen. Währenddessen werden die nachfolgenden Datenpakete geladen. Welcher Anteil der Videodaten bereits in den Puffer der Festplatte geladen wurde, sieht der Nutzer am Ladebalken des Videoplayers.

Ob das Video beim Aufrufen der Seite automatisch beginnt oder vom Nutzer selbst gestartet werden muss, ist abhängig vom jeweiligen Anbieter. Ein automatisch startendes Video erzeugt direkte Aufmerksamkeit. Dagegen kann es den Konsumenten stören, wenn er dieses (noch) nicht anschauen möchte und extra stoppen muss.69

Beim progressiven Download wird auf Anbieterseite keine spezielle Software benötigt. Die Videos liegen als komprimierte Dateien im entsprechenden Format auf einem Webserver. Die Datenrate der Internetverbindung muss nicht zwingend höher sein als die des Videos. Je niedriger die Datenrate, desto länger dauert es bis der Datenpuffer des Videoplayers geladen ist. Im Falle einer 56-Kbit- Modemverbindung müsste der Nutzer solange warten bis der Datenpuffer ausreichend gefühlt ist, ähnlich einem direkten Download.70 In der Praxis haben sich bei den Videos von STIMME.TV Datenraten bis 700 Kbit/s bewährt. Werden vom Nutzer mehrere Videos parallel gestartet, verringert sich die Übertragungsrate jedes einzelnen Videos. Das Abspielen wird eventuell zeitweilig unterbrochen. Die Größe des Datenpuffers kann abhängig vom jeweiligen Videoplayer entweder selbst vom Betrachter verändert oder vom Anbieter festgelegt werden. Ein Springen beziehungsweise Spulen ist nur innerhalb der Videodaten möglich, die bereits vom Server geladen wurden. Der Flash Player bietet die Technik des progressiven Downloads seit Version 7 an.71

3.2.3 Vergleich der Verfahren

Im folgenden Abschnitt werden die beiden vorgestellten Verfahren zur Übertragung von Videos verglichen. Im Allgemeinen ist die Wahl des passenden Verfahrens im Wesentlichen abhängig von der durchschnittlichen Videodauer und Nutzerzahl eines WebTV-Portals.

Wie bereits erwähnt, bedarf es beim progressiven Download keines Streaming- Servers. Dieser Kostenvorteil bringt aber folgende Schwächen mit sich: Zum einen ist der Netzwerkverkehr direkt abhängig vom Nutzerverhalten. Werden die Videos vollständig angeschaut, entsteht der gleiche Netzverkehr wie beim Streaming. In der Praxis aber schauen die Nutzer häufig nur einen Teil des Videos an. Da trotzdem das ganze Video übertragen wird, erhöht sich beim progressiven Download die Datenrate schnell. Aus diesem Grund eignet sich dieses Verfahren vor allem für Videos unter 30 Sekunden Länge wie auch bei geringen Zuschauerzahlen.

Im Vergleich zum Streaming, bei welchem eine dynamische Anpassung der Bildqualität an die verfügbare Bandbreite möglich ist, bleibt beim progressiven Download die Bildqualität immer konstant. Bei geringer Bandbreite stoppt das Video immer dann, wenn neue Videodaten nachgeladen werden müssen. Gehen beim Streaming Datenpakete verloren, bricht die Wiedergabe auf Grund der eingesetzten Protokolle nicht ab, sondern reduziert kurzfristig die Bildqualität.

Das Streaming bietet dem Nutzer, im Vergleich zum progressiven Download, mehr Interaktivität. Dazu zählt zum Beispiel die Möglichkeit jede Position innerhalb eines Videos frei anzusteuern. In der Praxis hat sich gezeigt, dass bereits bei mehr als fünf gleichzeitigen Videozugriffen, die Auslagerung auf einen zweiten Webserver ratsam ist. Bei hohen Datenraten und bei regelmäßig mehr als zehn gleichzeitigen Nutzern ist ein Streaming-Server sinnvoll.72

3.2.4 Kompressionsverfahren

Digitale Videosignale erzeugen unkomprimiert Datenraten von bis zu 270 MBit/s. Ein Video von zwei Minuten Dauer hätte so eine Datenmenge von 32,4 GBit, in High-Definition-Auflösung sogar das Vierfache davon. Solche Datenmengen über das Internet zu übertragen ist bisher, und auch in naher Zukunft, nicht möglich. Aus diesem Grund müssen Videos komprimiert werden, um übertragbare Datenraten zu erhalten.

Alle gängigen Kompressionsverfahren für Webvideos arbeiten nach dem Interframe-Verfahren. Je mehr sich die Einzelbilder ähneln, d.h. einen hohen Anteil an gleichen Pixeln von Bild zu Bild aufweisen, desto effizienter arbeiten die Kompressionsverfahren. Der Qualitätsverlust durch die Kompression ist direkt abhängig von der Komplexität des Videos, d.h. der Unterschiede von Einzelbild zu Einzelbild. Für WebTV-Produktionen empfiehlt es sich daher, viele Kameraschwenks, hohe Schnittfolgen, und schnelle Bewegungen zu vermeiden. Das Entfernen von mehrfach vorhandenen und irrelevanten Bildinformationen hat im Vergleich zum Weglassen relevanter Informationen keinen merklichen Qualitätsverlust zur Folge.

Eine wirkungsvolle Kompression ist die Bildrate zu reduzieren. Abhängig von der visuellen Komplexität des Videos können beispielsweise ruhige Landschaftsaufnahmen auf bis zu fünf bis acht Bilder/s73 reduziert werden, während schnelle Bildinhalte mindestens zwölf Bilder/s benötigen. Die Division der Bildrate des Ausgangsmaterials durch eine ganze Zahl, zum Beispiel von 25 Bilder/s auf 12,5 Bilder/s, hat sich in der Praxis als empfehlenswert herausgestellt.

Neben der Reduktion der Bildwiederholfrequenz ist das Verringern der Auflösung eine weitere effektive Methode zur Datenreduktion. Ein Beispiel: Halbiert sich die Auflösung, verringert sich die Datenmenge um ein Viertel. Solange das Video nicht im Vollbildmodus betrachtet wird, führt die geringere Auflösung zu keinem Qualitätsverlust.74

Bei der Kodierung gibt es, abhängig von der Software, die Möglichkeit, eine konstante Datenrate (CBR) oder eine variable Datenrate (VBR) zu wählen. CBR ermöglicht eine im Voraus festlegbare Datenrate. Diese Methode liefert eine schwankende Qualität, da komplexe Bildinhalte mit der gleichen Datenrate wiedergegeben werden als weniger facettenreiche. Für ruhige Bildinhalte steht dann wieder genügend Datenrate zur Verfügung.

Die VBR-Methode passt sich im Gegensatz dazu adaptiv der Komplexität der Bilder an. Auf diese Weise kann die Datenrate verringert werden. Die entstehende Datenrate schwankt bei der Kodierung im zeitlichen Verlauf, abhängig von den Bildinhalten, mit dem Ziel, eine gleichbleibende Qualität zu erreichen.

Um eine bestmögliche Kodierung im VBR-Verfahren zu erzielen, bieten professionelle Encoding-Anwendungen das Two-Pass-Encoding an. Dabei wird in einem ersten Durchlauf das Video nur analysiert. Die gespeicherten Informationen dienen im zweiten Durchlauf einer optimalen Verteilung der Datenrate über die Zeit.75

Eine Anwendung, die das Two-Pass-Encoding unterstützt, ist zum Beispiel „Squeeze 4.8“, der Firma Sorenson Media.76

In Bezug auf Qualität und Datenmenge liefert die VBR-Methode im Two-Pass- Encoding die besten Ergebnisse. Für eine hohe Kodierungsgeschwindigkeit ist das CBR-Verfahren vorzuziehen. Ein optimaler Encoding-Prozess im Workflow von WebTV-Produktionen trägt wesentlich zur Steigerung der Bildqualität und Verringerung der Produktionszeit bei.

4 Mediennutzung

Die klassischen Lese-, Hör-, und Bildmedien sind mit dem schnell wachsenden Medienangebot des Internets in den vergangenen Jahren zunehmend in Konkurrenz geraten. Durch sich überschneidende Inhalte und Zielgruppen kommen sich die Medien immer näher. Die Nutzungsgewohnheiten der Konsumenten passen sich mit Hilfe von multimediafähigen Endgeräten diesem Wandel an.77 Mit dem steigenden Angebot an Medieninhalten kommt es zu einer Fragmentierung der Mediennutzung. Besonders junge Menschen konsumieren eine Fülle unterschiedlicher Medien, um ihre Informationsund Unterhaltungsbedürfnisse zu stillen. Zunehmend ändern sich die Nutzerpräferenzen hin zu personalisierten und individuellen Medien.78

Die Ergebnisse der Studie „TimeBudget 12“, aus dem Jahre 2005, belegen eine stetig steigende Mediennutzung der Deutschen. Die Bundesbürger, im Alter unter 50 Jahren, verbrachten 1999 täglich sechseinhalb Stunden mit der Nutzung von Medien. 2005 lag der Wert bei acht Stunden. Obwohl die Deutschen mehr als sechs Mal so lange im Internet sind als noch 1999, gibt es noch keine Anzeichen, dass die Internetnutzung zu Lasten anderer Medien verläuft oder gar diese verdrängt. Vielmehr findet eine zunehmende Parallelnutzung und Selektion der Medien statt.79

WebTV muss sich, wie alle anderen Medien, im „Konkurrenzkampf“ um die Gunst und Zeit der Konsumenten behaupten. In diesem Zusammenhang ist das Fernsehen nicht nur ein Konkurrent, sondern ein verwandtes Medium, dessen genauere Betrachtung in den folgenden Unterkapiteln, Erkenntnisse über die mögliche Nutzung von WebTV liefert.

[...]


1 http://www.welt.de/print-welt/article215176/Der_Journalismus_lebt_-_Essay.html, (20.04.2008)

2 Siehe www.stimme.tv

3 Um eine bessere Lesbarkeit zu gewährleisten, im Folgenden als Heilbronner Stimme bezeichnet.

4 Siehe Anhang A: Entwicklung von Output und Reichweite von STIMME.TV

5 Vgl. Schnepf, 2007, S. 58

6 Breunig, 2007, S. 478 ; http://www.iptv-anbieter.info/unterschied-iptv-webtv.html, (08.01.2008) ; Ebenda

7 Bei einem Triple-Play-Angebot erhält der Kunde über einen einzigen Lieferanten einen Breitbandzugang, Internet-Telefonie und IPTV.

8 Gründe für diese Entscheidung liegen unter anderem in der Verwandtschaft zu dem häufig zitierten Begriff „Web 2.0“ und der subjektiven Wahrnehmung des Autors, dass WebTV in den, für die vorliegende Arbeit verwendeten Studien, am häufigsten genannt wurde.

9 RSS-Feed (Really Simple Syndication) ist ein auf XML-basiertes Dateiformat. Der User wird durch das Abonnieren eines RSS-Feeds automatisch auf Aktualisierungen einer Website hingewiesen.

10 Siehe http://www.bundeskanzlerin.de/Webs/BK/DE/Aktuelles/VideoPodcast/video-podcast.html

11 Unter Digitalfernsehen bzw. Digital-TV versteht man die Übertragung des bisherigen Rundfunkprogramms, als digitales Signal, über die bereits etablierten Distributionswege Antenne (DVB-T), Kabel (DVB-C) oder Satellit (DVB-S). ; Vgl. http://www.digitaler-zugang.de/, (08.01.2008)

12 Vgl. Studie „IPTV – Definition, Status und Ausblick“ (2005), S. 4

13 Lauff, 2007, S. 6

14 Vgl. http://www.iptv-anbieter.info/unterschied-iptv-webtv.html, (13.01.2008)

15 Beispiel eines solchen Gerätes wäre der Samsung Syncmaster 225MW, siehe http://monitor.samsung.de/produkte/detail2_main.aspx?guid=93759964-63e0-4495-89caa3d170dde78b, (16.01.2008)

16 Vgl. Lauff, 2007, S. 6

17 Vgl. Breunig, 2007, S. 479

18 Vgl. Breide/Glusa, 2007, S. 527

19 DRM (Digital Rights Management) ist eine Anwendung zur Nutzungskontrolle von Daten

20 Plug-ins dienen dem direkten Abspielen von Videodateien innerhalb eines Browserfensters, dazu gehören neben Flash auch Quicktime, RealVideo und weitere.

21 Schnepf, 2007, S. 59

22 Ebenda ; Wöhler-Moorhoff, 2007, S. 14

23 Vgl. Lauff, 2007, S. 4-5 ; Schnepf, 2007, S. 60

24 Siehe http://www.ehrensenf.de/

25 Vgl. Studie „IPTV Fernsehen der Zukunft?“ (2007), S. 40 ; Studie „IPTV – Definition, Status und Ausblick“ (2005), S. 5

26 Zu Displays zählen in diesem Fall auch Notebooks, Videoplayer, Handys mit Videofunktion usw.

27 Siehe http://www.alicedsl.de/kundencenter/export/de/residential/produkte/alice_light/details/index.html, (16.01.2008)

28 EPG (Electronic Programm Guide) fasst die elektronische Benutzeroberfläche und Navigation innerhalb des IPTV-Angebots zusammen.

29 HanseNet ist eine 100 Prozent Tochtergesellschaft der Telecom Italia

30 Vgl. Breunig, 2007, S. 483

31 Siehe http://www.global-itv.com/de.php, (17.03.2008) ; Siehe Anhang B und C: Auswahl an WebTV-Angeboten der öffentlich-rechtlichen Sender und privaten Sender

32 Nach Aufforderung durch den Autor wurde STIMME.TV eingetragen.

33 Siehe Anhang E: Auswahl an bekannten WebTV-Angeboten von Verlagen

34 Vgl. Plag/Riempp (2007), S. 50 ; Siehe Anhang D: Auswahl an WebTV-Angeboten von Institutionen und Städten

35 Vgl. Gugel/Müller, 2007, S. 18-19 ; Dazu mehr in Kapitel 4.2.3 Bekanntheit von WebTV

36 Vgl. Wöhler-Moorhoff, 2007, S. 14

37 Siehe Kapitel 3.1.3 Nutzung von WebTV mittels Videoplayer

38 xDSL steht als Synonym für schnelle ADSL, ADSL2+, HDSL und VDSL-Breitbandverbindungen

39 Ebenda

40 Vgl. Breunig, 2007, S. 480

41 Vgl. Simpson/Greenfield, 2007, S. 5-8

42 Ein W-LAN Spot ist ein kabelloser Interzugang innerhalb eines bestimmten Radius.

43 Mit PC (Personal Computer) sind in diesem Zusammenhang auch alle vergleichbaren Geräte gemeint, wie z.B. Notebook, PDA, UMTS-Handy.

44 Siehe Kapitel 3.2.1 Streaming

45 E-Paper ist die elektronische Ausgabe einer Tageszeitung.

46 Siehe Anhang F: Internetzugangsarten in Deutschland (2005 bis 2008) ; Vgl. http://www.forschungsgruppewahlen.de/Studien/Internet-Strukturdaten/web_I_08.pdf, (10.04.2008)

47 Siehe http://www.spiegel.de/

48 Siehe http://www.cnn.com/

49 Auf den Nachrichtenportalen von SPIEGELONLINE.de und CNN.com findet sich im Bereich „Video“ keine Auswahlmöglichkeit für niedrige Qualität bzw. Datenrate, (05.04.2008)

50 Siehe http://www.ksta.tv/

51 Vgl. Studie „Internet zwischen Hype, Ernüchterung und Aufbruch“ (2007), S. 8

52 Vgl. Studie „Deutschland Online 4“ (2006), S. 24

53 Vgl. http://www.oliverwyman.com/de/pdf_files/OW_Charts_PM_TriplePlay_Medientage_cr.pdf, (20.01.2008)

54 VDSL basiert auf der DSL-Technologie, erlaubt aber wesentlich höhere Datenraten.

55 Vgl. Studie „Mediascope Europe 2007“, http://www.eiaa.net/Ftp/casestudiesppt/EIAA_Mediascope_Europe_2007_Pan_European_Executiv e_Summary.pdf, (02.02.08)

56 Siehe http://www.youtube.com/

57 Vgl. http://www.nemertes.com /internet_singularity_delayed_why_limits_internet_capacity_will_stifle_innovation_web?, (27.01.08)

58 Ein Codec ist ein Verfahren/Algorithmus der Daten komprimieren und dekomprimieren kann.

59 Vgl. Biebeler, 2007, S. 12

60 Siehe http://www.adobe.com/products/player_census/flashplayer/, (25.01.2008)

61 Vgl. http://www.adobe.com/de/devnet/flash/articles/video_guide_print.html, (26.01.2008)

62 Siehe http://labs.adobe.com/technologies/mediaplayer/install/, (26.01.2008)

63 Siehe http://www.adobe.com/de/support/flashplayer/ts/documents/6a253b75.htm, (26.01.2008)

64 Siehe http://www.adobe.com/de/products/flashplayer/productinfo/features/, (27.01.2008)

65 Vgl. Schnepf, 2007, S. 58

66 Ein Puffer übernimmt die schnelle Zwischenspeicherung von Daten.

67 Vgl. Meixner, 2007, S. 5-10

68 TCP ist ein Übertragungsprotokoll, das den Austausch von Daten zwischen PCs regelt.

69 Dazu mehr in Kapitel 4.2.3 Bekanntheit von WebTV

70 Vgl. Plag/Riempp, 2007, S. 52ff

71 Vgl. http://www.adobe.com/de/devnet/flash/articles/video_guide_02.html, (29.01.2008)

72 Vgl. Plag/Riempp, 2007, S. 54-58 ; Vgl. http://www.adobe.com/de/devnet/flash/articles/video_guide_print.html#table2, (30.01.2008)

73 Bilder pro Sekunde

74 Die Videos auf STIMME.TV besitzen eine Auflösung von 400x300 Pixel.

75 Vgl. Plag/Riempp, 2007, S. 59-78

76 Siehe http://www.sorensonmedia.com/, (31.01.2008)

77 Vgl. Gerhards/Klingler, 2007, S. 295

78 Vgl. Holtrop/Döpfner/Wirtz , 2004, S. 97

79 Vgl. Studie „TimeBudget 12“ (2005), S. 16ff

Ende der Leseprobe aus 139 Seiten

Details

Titel
WebTV. Analyse eines neuen Geschäftsfelds von Zeitungsverlagen
Untertitel
Am Beispiel der Heilbronner Stimme
Hochschule
Hochschule der Medien Stuttgart
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
139
Katalognummer
V116558
ISBN (eBook)
9783640181940
ISBN (Buch)
9783640182060
Dateigröße
4251 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
WebTV, Analyse, Geschäftsfelds, Beispiel, Heilbronner, Stimme, Geschäftsmodell, Zeitung, Erlösmodell, Formate, Strategie, Werbeformen, Web TV, IPTV, Internet
Arbeit zitieren
Diplom-Wirtschaftsingenieur Manuel Maier (Autor), 2008, WebTV. Analyse eines neuen Geschäftsfelds von Zeitungsverlagen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116558

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