Die Tobin Steuer


Seminararbeit, 2003

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

B. Die Tobin-Steuer
I. Funktionsweise
II. Ziele
(1) Stabilisierung von Wechselkursen
(2) Erschließung neuer fiskalischer Quellen
(3) Gerechtigkeits- und Umverteilungsaspekte
III. Nachteile und Kritik
(1) Negative Auswirkungen der Tobin Steuer

(2) Problem der Freistellungen
(3) Sachliche Ausweichreaktion
IV. Fazit

C. Literaturverzeichnis

B. Die Tobin-Steuer :

Die Tobin-Steuer ist das Konzept einer Devisentransaktionssteuer. Der amerikanische Ökonom James Tobin äußerte seine Idee einer Besteuerung von Devisengeschäften erstmalig 1972 in einer Vorlesung an der Princeton University[1]. Er entwickelte diese Idee weiter und veröffentlichte sie im Eastern Economic Journal 1978[2]. Dass solch ein Konzept überhaupt entstand, ist auf den Zusammenbruch des Bretton-Woods-Geld-Dollar- Standards zurückzuführen. Ziel dieser Steuer war nach Ansicht von Tobin, ein gewisses Maß an nationaler Autonomie in der nationalen Geldpolitik zu wahren und gleichzeitig die Wechselkurse weitgehenst zu stabilisieren[3]. Er wollte kurzfristige Spekulationsgeschäfte, welche sich seiner Ansicht nach destabilisierend auf den Finanzmarkt auswirken, verhindern, ohne dabei den langfristigen Investitionen Schaden zuzufügen. Der amerikanische Nobelpreisträger für Wirtschaft (1981) verstarb am 11. März 2002 im Alter von 84 Jahren.

Anfangs fand die Idee kaum Beachtung. Erst Mitte der Neunziger Jahre, als man auf der Suche nach neuen Einnahmequellen für die internationale Entwicklungshilfe war und mehrere Krisen, wie die Mexikokrise 94´ oder Crashs in Südostasien, Brasilien etc., die Finanzwelt erschütterten, erlebte das Konzept Tobins eine Renaissance[4]. Als Motor der Bewegung für eine Regulierung der Finanzmärkte kann die französische Organisation ATTAC (Association pour une Taxation des Transaktions financieres pour i´Aide aux Citoyens) gesehen werden, deren Bewegung sich zahlreiche Organisationen in Europa, Nordamerika und auch in einigen Entwicklungsländern angeschlossen haben.

Im Folgenden wird die Funktionsweise der Tobin-Steuer genauer untersucht. Danach wird dargelegt welche Ziele damit verfolgt werden und anschließend wird auf die Kritik eines solchen Konzeptes eingegangen. Schließlich werden eine Zusammenfassung und ein kurzes Resümee folgen.

I. Funktionsweise

Die Idee ist grundsätzlich recht einfach aufgebaut. Professor Tobin ging davon aus, dass Spekulationen die Wechselkursvolatilität erhöhen. „Spekulationen sind definiert als das Eingehen von Positionen (Käufe bzw. Verkäufe von Gütern oder finanziellen Aktiva) mit dem Ziel, kurzfristig erwartete Preisbewegungen durch die baldige Auflösung dieser Positionen gewinnbringend auszunützen“[6].[5]

Er schlug daher vor, einen geringen Prozentsatz (zwischen 0,1-1%) auf jede Devisentransaktion zu erheben. Dieser Satz wäre bei langfristigen Investitionen nicht von großer Bedeutung hätte aber auf Transaktionen bei denen der Kauf und Verkauf von Devisen innerhalb eines Tages, einer Woche oder eines Monats erfolgt großen Einfluss. Die genaue Funktionsweise soll anhand des Beispieles von Patterson und Galliano erläutert werden.

Es wird angenommen dass ein Spekulant mit einem Ansteigen des USD – Kurses gegenüber dem Euro rechnet. Er schließt einen Vertrag über den Verkauf von 1 Mio. EUR zu 1,1 Mio. USD binnen einer Woche ab. Steigt nun der USD-Kurs in diesem Zeitraum auf den gleichen Kurs wie der EUR, könnte unser Spekulant die 1.1 Mio. USD für 1.1 Mio. EUR verkaufen. Er hätte einen Gewinn von 100 Tausend EUR, dies entspricht 10 %, erzielt. Zweifellos hätte er die normalen Steuern auf seinen Gewinn zu zahlen, diese können aber kaum die Spekulation unterbinden. Die Tobin-Steuer jedoch würde auf die jeweiligen Bruttobeträge anfallen. Gehen wir von einem Satz von 0,5 % aus. Das hieße in unserem Fall eine Zahlung beim Verkauf von 5.000 EUR, und noch eine Zahlung beim Kauf, nämlich diesmal 5.500 USD (entsprechen in unserem Fall 5.500 EUR). Dies entspräche einer Gesamtbelastung von 10.500 EUR respektive 10,5 %. Eine abschreckende Wirkung ist wohl immer noch nicht zu erwarten, da erwähnter Spekulant immer noch einen Gewinn in Höhe von 80.500 EUR für sich verbuchen könnte.

Nehmen wir aber an, die erwartete Kursbewegung hätte nicht stattgefunden und der Kurs USD : EUR wäre konstant geblieben. Unser Spekulant hätte trotzdem die Belastung der Tobin-Steuer zu tragen. Er würde in diesem Fall also einen Kapitalverlust erleiden. Selbst bei einer Verschlechterung des Kurses wäre diese Abgabe zu entrichten. Es gilt nun ferner die Steuersätze auf Jahresbasis bei unterschiedlichen Transaktionszeiträumen zu betrachten. Nur wenn der annualisierte Steuersatz bei kurzfristigen Transaktionen erheblich steigt ist das Ziel von Professor Tobin, nämlich kurzfristige Spekulationsgeschäfte zu verhindern, erreicht.

Es gibt drei Wege die Tobin-Steuer als annualisierten Steuersatz zu berechnen. Vorweg sei noch erwähnt, dass bei allen Verfahren davon ausgegangen wird, dass die am Anfang und am Schluss getauschten Beträge dieselben sind. Es gibt also keine Wechselkursänderungen innerhalb der betrachteten Zeiträume.

Die wohl einfachste Möglichkeit besteht darin, den festgesetzten Steuersatz mit zwei zu multiplizieren, da die Steuer bei Kauf und Verkauf von Devisen anfällt. Anschließend vervielfacht man dieses Ergebnis noch mit 12, 52 oder 240. Tobin ging in seinen Berechnungen noch von 240 Börsentagen im Jahr aus. Die Formel hierfür sieht wie folgt aus:

R = T * 2 * P

R = annualisierter Steuersatz; T = Steuersatz; P = Anzahl der Transaktionen

Als Beispiel wird ein Steuersatz von 1% angenommen. Ein Anleger führt einmal im Jahr eine Transaktion durch. Die jährliche Zinsbelastung läge dann bei 0,01 * 2 * 1 = 0,02, dies entspricht 2%. Würde dieser Anleger dasselbe Geschäft monatlich durchführen, also kurzfristig Spekulieren, läge die Steuerbelastung bei 0,01 * 2 * 12 = 0,24, also 24%.

Die zweite Möglichkeit besteht darin den jährlichen Steuersatz anhand der Formel von Eichengreen und Wyplosz zu berechnen. Diese basiert auf kumulativen Sätzen.

1 + R = (1 + 2T/100)P

wobei wieder R der annualisierte Steuersatz, T der einfache Steuersatz und P die Anzahl der Transaktionen darstellt.

Für obiges Beispiel erhalten wir die folgenden Sätze:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auch hier wird eindeutig ersichtlich, dass die Steuerbelastung mit zunehmender Investitionsdauer deutlich abnimmt.

Die letzte und wohl aufwendigste Möglichkeit diese Steuersätze zu berechnen besteht darin, von einem bestimmten Anfangsbetrag auszugehen der immer wieder um die jeweils zuletzt entrichtete Steuer verringert wird. Wie im obigen Beispiel fängt ein Spekulant mit 1 Mio. EUR an und führt einmonatige Transaktionen durch. Es existiert eine Devisenumsatzsteuer in Höhe von 1%. Für die erste Transaktion, den Kauf von Dollar muss er 10.000 EUR bezahlen. Für das zweite Geschäft 1% von dem um die Steuer reduzierten Anfangsbetrag, also 9.900 EUR und so weiter.

Siehe Tabelle 1 :

Beträge in Tausend Euro

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der anfänglich eingesetzte Betrag minus den Endbetrag dividiert durch das Anfangskapital ergibt den annualisierten Steuersatz. Das bedeutet für das obige Beispiel:

R = (1.000.000 – 784900)/1.000.000 = 0,22

Der Spekulant unterliegt also einem effektiven Steuersatz von 22%. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die verschiedenen Effektivsteuersätze bei unterschiedlichen Transaktionszeiträumen[7].

Tabelle 2:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Entsprechend der Formulierung von Tobin wurde der annualisierte Steuersatz auf der Grundlage dessen berechnet, was eine Kauf- und Verkaufstransaktion kosten würde, wenn sie an jedem von 240 Börsentagen im Jahr durchgeführt würde.

Die Funktionsweise sollte nun ersichtlich sein. Im Folgenden werden jetzt die Ziele einer Devisentransaktionssteuer dargestellt.

II. Ziele

Das Ziel Tobins war wie einleitend schon erwähnt die Unterbindung kurzfristiger spekulativer Transaktionen, um dadurch die Volatilität der Kurse zu vermindern.[8] Neben diesem ursprünglichen Ziel sehen heute vor allem Anhänger aus dem politischen Umfeld die damit verbundenen Einnahmen als Argument diese Steuer einzuführen. Im Lager der Globalisierungsgegner findet die Idee des Umverteilungsaspektes sowie der Systemveränderung großen Zuspruch. Tobin selbst distanzierte sich aber noch 2001 in einem Spiegel-Interview von diesen Idealen und wies darauf hin, dass er keine Kontrolle über den Begriff „Tobin-Tax“ hat.[9] Die Einnahmenerzielung sowie der Umverteilungsaspekt waren für Prof. Tobin lediglich sekundäre Ziele.

[...]


[1] Vgl. Wahl und Waldow (2001), S.4.

[2] Vgl. Tobin (1978) ,S.153.

[3] Vgl. Tobin (2001) ,Absatz 3.

[4] Vgl. Wahl und Waldow (2001), S.4.

[5] Folgendes vgl. Ben Patterson, Mickäl Galliano.

[6] Gerhard Aschinger.

[7] Einfache annualisierte Effektiv-Tobin-Steuersätze für unterschiedliche
Transaktionszeiträume bei konstanten Wechselkursen aus Ben Patterson, Mickäl Galliano.

[8] Vgl. Tobin (2001), Finacial Times, Absatz 3.

[9] Vgl. Tobin (2001), Finacial Times, Absatz 9.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Tobin Steuer
Hochschule
Hochschule Ansbach - Hochschule für angewandte Wissenschaften Fachhochschule Ansbach  (FB Wirtschaft)
Veranstaltung
Aktuelle Entwicklungen in Bank und Finanzwirtschaft
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
15
Katalognummer
V11656
ISBN (eBook)
9783638177610
Dateigröße
526 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tobin, Steuer, Aktuelle, Entwicklungen, Bank, Finanzwirtschaft
Arbeit zitieren
Michael Spranger (Autor), 2003, Die Tobin Steuer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11656

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