Organisationale Identifikation, die beschreibt, wie ein Individuum sich selbst in Bezug auf seine Organisation definiert, ist ein Thema, dass die Forschung seit Jahrzehnten beschäftigt. In vielen Studien wurde organisationale Identifikation und ihre beeinflussenden Faktoren bereits umfassend untersucht. Da sich die Gesellschaft kontinuierlich wandelt, müssen auch Organisationen sich immer wieder auf Veränderungen einstellen. Der voranschreitende Trend zur Digitalisierung zeigt auch Auswirkungen auf den Arbeitsplatz. Klassische Arbeitsmodelle werden vom virtuellen Arbeiten, fernab vom physischen Arbeitsort, teilweise ersetzt. Da durch virtuelles Arbeiten viele identifikationsstiftende Faktoren vernachlässig werden, kann die organisationale Identifikation in Zusammenhang mit virtuellem Arbeiten in Frage gestellt werden. In der vorliegenden Arbeit wurde dieser Zusammenhang untersucht. Zu diesem Zweck wurden 477 deutsche Arbeitnehmer befragt. Durch die Studie konnte festgestellt werden, dass virtuelles Arbeiten bei deutschen Arbeitnehmern, entgegen der Erwartung, keinen signifikant negativen Einfluss auf die organisationale Identifikation hat.
Inhaltsverzeichnis
1 Relevanz und Kontext
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Die Theorie der sozialen Identität
2.2 Organisationale Identifikation
3 Herleitung theoretischer Wirkungszusammenhänge
3.1 Der Einfluss der Höhe des Anteils an virtuellem Arbeiten auf die organisationale Identifikation
3.2 Die Dauer der Zugehörigkeit als moderierende Variable
3.3 Das Geschlecht als moderierende Variable
4 Methodik
4.1 Methode der Datenerhebung
4.2 Operationalisierung der theoretischen Konstrukte
4.2.1 Abhängige Variable
4.2.2 Unabhängige Variable
4.2.3 Moderatorvariablen
4.2.4 Kontrollvariablen
4.3 Datenanalyse und Sample
5 Ergebnisse
6 Diskussion
7 Limitationen und weiterer Forschungsbedarf
8 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Zunahme virtueller Arbeit (Home-Office) und der organisationalen Identifikation von Arbeitnehmern in Deutschland. Dabei wird analysiert, ob durch physische Isolation und mangelnde Sichtbarkeit organisatorischer Identifikationsmerkmale ein negativer Effekt auf die Bindung zum Unternehmen entsteht und inwieweit Variablen wie die Dauer der Zugehörigkeit oder das Geschlecht diesen Prozess moderieren.
- Auswirkungen von Home-Office auf die organisationale Identifikation
- Rolle der physischen Isolation und virtuellen Zusammenarbeit
- Einfluss sozio-demografischer Faktoren auf die Bindung zum Arbeitgeber
- Empirische Überprüfung theoretischer Wirkungszusammenhänge
- Analyse von Moderatoreffekten bei verschiedenen Arbeitnehmergruppen
Auszug aus dem Buch
Der Einfluss der Höhe des Anteils an virtuellem Arbeiten auf die organisationale Identifikation
Organisationale Identifikation spiegelt wider, wie ein Individuum sich selbst in Bezug auf seine Organisation definiert. Im Zusammenhang mit virtuellem Arbeiten, kann die organisationale Identifikation eines Individuums in Frage gestellt werden. Grund dafür ist, dass einige Prädiktoren für die Identifikation mit einer Organisation durch virtuelles Arbeiten teilweise stark beeinflusst werden (Wiesenfeld et al. 2001).
Virtuelle Arbeitnehmer werden durch die Verlagerung ihres Arbeitsplatzes an einen Ort außerhalb ihrer Organisation, von anderen Organisationsmitgliedern wie Kollegen oder Vorgesetzten getrennt. Diese physische Isolation stellt eine große Herausforderung für die Mitarbeiter und ihre Identifikation mit ihrer Organisation dar, denn sie bedeutet eine Verringerung der direkten Kontakte zu anderen Mitgliedern der Organisation sowie die Loslösung von der Organisation an sich. Bei virtuell Arbeitenden kann sich somit schnell das Gefühl des Prinzips „aus den Augen, aus dem Sinn“ einstellen (McCloskey/Igbaria 2003). Durch die räumliche Isolierung des Individuums von seiner Organisation wird also unter anderem dessen direkter Kontakt mit der Organisation stark eingeschränkt. Dies führt auch dazu, dass sein organisationales Netzwerk sich verkleinert. Die Rolle eines Individuums in einem sozialen Netzwerk (z. B. innerhalb der Organisation) wird unter anderem durch die Größe seines Netzwerks gemessen oder durch die Vielzahl an Personen, mit denen das Individuum interagiert (Jones/Volpe 2011). Ein Individuum mit einem größeren organisationalen Netzwerk befindet sich im Zentrum der organisatorischen oder identitätsbezogenen Gruppenzugehörigkeit (Ibarra 1993). Die Forschung hat gezeigt, dass ausgeprägte Netzwerke innerhalb einer Organisation mit einer höheren Identifikation mit Arbeitsgruppen und der Abteilung verbunden sind (Kuhn/Nelson 2002).
Auch die Sichtbarkeit der Organisationszugehörigkeit wird durch die Verlagerung des Arbeitsplatzes in der Regel deutlich verringert, denn rein virtuelle Interaktionen reduzieren die greifbaren und sichtbaren Dimensionen, die eine Gruppe und die Zugehörigkeit zu dieser definiert (Wiesenfeld et al. 2001). Sichtbar wird die Organisationszugehörigkeit für ein Individuum zum Beispiel schon durch das tägliche Betreten des Firmengebäudes, durch die allgegenwärtige Konfrontation mit dem Logo oder dem Namen der Organisation (z. B. auf Kaffeetassen oder auf Büroschildern) oder auch durch einen bestimmten Dresscode. All diese Faktoren entfallen größtenteils, wenn ein Individuum von außerhalb seiner Organisation arbeitet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Relevanz und Kontext: Einführung in die Thematik der organisationalen Identifikation und Darstellung der Relevanz von virtuellem Arbeiten im aktuellen Arbeitskontext.
2 Theoretischer Hintergrund: Erläuterung der Theorie der sozialen Identität sowie Definition und Bedeutung der organisationalen Identifikation.
3 Herleitung theoretischer Wirkungszusammenhänge: Entwicklung der Hypothesen über den Einfluss von virtuellem Arbeiten sowie moderierende Effekte durch Zugehörigkeitsdauer und Geschlecht.
4 Methodik: Beschreibung der quantitativen Forschungsstudie, der Datenerhebung mittels Online-Fragebogen sowie der Operationalisierung der Variablen.
5 Ergebnisse: Präsentation der statistischen Auswertungen, Korrelationsanalysen und der Überprüfung der aufgestellten Hypothesen.
6 Diskussion: Kritische Auseinandersetzung mit den Ergebnissen und Einordnung in den theoretischen Kontext sowie Interpretation der Abweichungen.
7 Limitationen und weiterer Forschungsbedarf: Reflexion der Einschränkungen der Untersuchung und Aufzeigen von Möglichkeiten für zukünftige wissenschaftliche Analysen.
8 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Studienergebnisse und Schlussbetrachtung zur Bedeutung der organisationalen Identifikation im virtuellen Arbeitskontext.
Schlüsselwörter
Organisationale Identifikation, Virtuelles Arbeiten, Home-Office, Soziale Identität, Zugehörigkeit, Physische Isolation, Organisationszugehörigkeit, Quantitative Forschung, Arbeitsplatzverlagerung, Identifikationsfaktoren, Arbeitspsychologie, Mitarbeiterbindung, Organisationsforschung, Soziale Kategorisierung, Online-Befragung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss von virtuellem Arbeiten, insbesondere im Home-Office, auf die sogenannte organisationale Identifikation – also das Gefühl der Bindung und Zugehörigkeit eines Individuums zu seiner Organisation.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Theorie der sozialen Identität, den Folgen räumlicher Distanz und physischer Isolation durch Home-Office sowie der Identifikation von Arbeitnehmern mit ihrem Unternehmen in einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es zu klären, ob ein hoher Anteil an virtuellem Arbeiten die Identifikation von deutschen Arbeitnehmern mit ihrer Organisation negativ beeinflusst und welche Faktoren diesen Prozess möglicherweise abmildern.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde eine quantitativ-empirische Forschungsstudie durchgeführt. Die Daten wurden mittels eines Online-Fragebogens erhoben und anschließend statistisch mit der Software SPSS ausgewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Fundierung, die Ableitung von Hypothesen zu Wirkungszusammenhängen, die detaillierte Beschreibung der methodischen Vorgehensweise und die Analyse der Ergebnisse anhand von Regressionsmodellen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich diese Arbeit am besten beschreiben?
Wichtige Begriffe sind organisationale Identifikation, virtuelles Arbeiten, Home-Office, soziale Identität, Mitarbeiterbindung und Organisationsforschung.
Warum konnte kein signifikanter negativer Einfluss von Home-Office auf die Identifikation festgestellt werden?
Die Studie deutet darauf hin, dass die Befragten trotz virtuellem Arbeiten weiterhin in organisatorische Rituale eingebunden sind und ihre Bindung zum Unternehmen durch moderne Kommunikationsmittel und die Beibehaltung hybrider Arbeitsformen stabil bleibt.
Welche Rolle spielt das Geschlecht bei der organisationalen Identifikation?
Die Ergebnisse zeigen, dass das Geschlecht eine moderierende Rolle spielt; bei Frauen scheint der potenziell negative Einfluss des virtuellen Arbeitens durch eine stärkere kommunale Orientierung und ein ausgeprägteres Bedürfnis nach Zugehörigkeit abgefedert zu werden.
- Arbeit zitieren
- Carolin Rilii (Autor:in), 2021, Der Einfluss von virtuellem Arbeiten auf die organisationale Identifikation von Individuen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1165613