Wie lässt sich Sportunterricht sprachsensibel gestalten? Zunächst werden einige relevante Grundlagen des Zweitspracherwerbs dargestellt, indem die Unterscheidung von konzeptioneller Mündlichkeit und konzeptioneller Schriftlichkeit im Rahmen der Schule erfolgt, altersgemäße Entwicklungsaufgaben beschrieben und die bekanntesten Zweitspracherwerbstheorien erläutert werden. Nachfolgend werden die Bedingungen für einen sprachförderlichen Unterricht beschrieben. Im nächsten Schritt wird auf die Besonderheiten im Sportunterricht eingegangen und die didaktischen Konsequenzen daraus abgeleitet. Abschließend folgt die Schlussbetrachtung.
Viele Grundschulkinder, die eine deutsche Schule besuchen, haben einen Migrationshintergrund und lernen Deutsch daher als zweite Sprache. Internationale Schulleistungsvergleichsstudien, wie PISA, IGLU und DESI, zeigen, dass insbesondere bei Lernenden mit einem Migrationshintergrund ein Förderbedarf im Bereich der deutschen Sprache besteht. In jedem Schulfach gehören schulspezifische Sprachhandlungen, wie Erklären, Beschreiben und Analysieren auf der Grundlage einer bestimmten Fachsprache zum Alltag. Eine Förderung der Sprachkompetenzen kann und sollte daher auch über den Deutschunterricht hinaus praktiziert werden. Auch im Sportunterricht findet immer eine sprachliche Verständigung statt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Grundlagen des Zweitspracherwerbs
BICS und CALP
Entwicklungsaufgaben
Zweitspracherwerbstheorien
Interaktionistische Theorie
Lerntheorie
Reifungstheorien
Kognitive Theorie
Sprachförderliche Lernbedingungen
Emotionale Bedingungen
Umgang mit Fehlern
Sprachvorbilder
Grammatikalische Richtigkeit
Deutlichkeit
Variationen
Sprachförderliches Potential wahrnehmen
Sprachanlässe gestalten
Verbale Begleitung
Rituale und Regeln
Besonderheiten im Rahmen des Sportunterrichts und didaktische Konsequenzen
Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Notwendigkeiten einer sprachsensiblen Gestaltung des Sportunterrichts, um Lernende mit Deutsch als Zweitsprache (DaZ) effektiv bei ihrem Spracherwerbsprozess zu unterstützen und fachsprachliche Kompetenzen gezielt zu fördern.
- Grundlagen des Zweitspracherwerbs und sprachwissenschaftliche Theorien.
- Identifikation sprachförderlicher Rahmenbedingungen im Sportunterricht.
- Die Rolle der Lehrkraft als Sprachvorbild und deren reflektierter Spracheinsatz.
- Integration von Bewegung als Medium zur kognitiven Entlastung und Sprachaneignung.
- Praktische didaktische Konsequenzen für die Unterrichtsgestaltung.
Auszug aus dem Buch
Sprachförderliche Lernbedingungen
Kinder sind bei guten Voraussetzungen problemlos dazu fähig zwei und mehr Sprachen zu lernen. Der erfolgreiche Erwerb einer zweiten Sprache ist jedoch von verschiedenen Faktoren abhängig. Kinder, die in der Schule Deutsch als Zweitsprache lernen, haben oft hohe Kompetenzen in ihrer Erstsprache. Ihre Kompetenzen in Deutsch müssen häufig noch ausgebaut werden, damit sie dem Unterricht folgen können. Der Erwerb bildungs- und fachsprachlicher Kompetenzen ist durch die Zunahme sprachlicher Vielfalt zur Aufgabe aller Schulfächer geworden, da ihnen eine hohe Relevanz für fachliche Bildungsprozesse zukommt. Der Unterricht sollte dabei fächerübergreifend und weitgehend handlungsorientiert konzipiert werden. Der Erwerb von Reflexions- und Urteilskompetenz und Fachsprachlichkeit ist neben dem Erwerb motorischer Kompetenzen als ein zentrales Bildungsziel im Sportunterricht zu bewerten. Es lassen sich positive Effekte von Bewegung auf die kognitive Leistungsfähigkeit beobachten. Die durch Bewegung gesteigerte Aufmerksamkeit und geistige Leistungsbereitschaft kann für die Sprachförderung genutzt werden. Im Rahmen der bewegungsorientierten Sprache rücken die Schwächen der Lernenden in den Hintergrund und an ihren bereits vorhandenen Kompetenzen angesetzt. Im Sportunterricht kommen der Sprache verschiedene Funktionen zu:
Sie dient als Kommunikationsmittel Beschreibungen und der Beurteilung von Bewegungen, sie ist ein Werkzeug, um sich Wissen in Form von Regeln zu erschließen und sie ist Lerngegenstand an sich. Der Erwerb einer „reflektierten Handlungsfähigkeit“ aller Lernenden gilt als eine diskursbestimmende Zieldimension. Folglich ist reflexives und fachsprachlich orientiertes Sprechen als Konstitutionsmerkmal für einen Sportunterricht zu betrachten, der auf Verständigung und Partizipation ausgelegt ist.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Förderbedarf von Kindern mit Migrationshintergrund im Bereich der deutschen Sprache und leitet die zentrale Fragestellung ab, wie Sportunterricht sprachsensibel gestaltet werden kann.
Grundlagen des Zweitspracherwerbs: Dieses Kapitel erläutert theoretische Konzepte wie BICS und CALP, Entwicklungsaufgaben und verschiedene Zweitspracherwerbstheorien als Basis für das Verständnis von Spracherwerbsprozessen.
Sprachförderliche Lernbedingungen: Es werden zentrale Faktoren für einen sprachfördernden Unterricht untersucht, darunter emotionale Aspekte, der Umgang mit Fehlern, die Funktion der Lehrkraft als Sprachvorbild sowie didaktische Strategien wie Variation und verbale Begleitung.
Besonderheiten im Rahmen des Sportunterrichts und didaktische Konsequenzen: Das Kapitel verknüpft die Prinzipien der Sprachförderung mit den sportpädagogischen Besonderheiten, wie der Bewegungskultur und der kognitiven Entlastung durch körperliche Aktivität.
Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit fachspezifischer Fortbildungen für Sportlehrende, um das sprachförderliche Potential des Faches voll auszuschöpfen.
Schlüsselwörter
Sprachsensibler Sportunterricht, Deutsch als Zweitsprache, DaZ, Zweitspracherwerb, Sprachförderung, Fachsprache, Sprachhandeln, Bewegungskultur, Sprachvorbild, Bildungssprache, Sprachliche Vielfalt, Reflexive Handlungsfähigkeit, Inklusion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Sportunterricht gestaltet werden muss, um Lernende mit Deutsch als Zweitsprache (DaZ) in ihrer sprachlichen Entwicklung effektiv zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen Spracherwerbstheorien, die Rolle des Sportunterrichts für die Sprachbildung, die Funktion der Lehrkraft als Sprachvorbild und die Bedeutung von Bewegung für den Lernprozess.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die primäre Forschungsfrage lautet: „Wie lässt sich Sportunterricht sprachsensibel gestalten?“ Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie Sprachbildung und Fachunterricht im Sport sinnvoll verknüpft werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung aktueller Erkenntnisse aus der Spracherwerbsforschung und der Sportpädagogik, um daraus didaktische Handlungsoptionen für die Schulpraxis abzuleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt theoretische Grundlagen des Zweitspracherwerbs, Bedingungen für eine sprachförderliche Lernumgebung (z.B. Umgang mit Fehlern, Sprachvorbilder) und spezifische didaktische Konzepte für den Sportunterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie sprachsensibler Sportunterricht, DaZ, Sprachförderung, Fachsprache und Bildungssprache charakterisieren.
Wie unterscheidet sich der Sportunterricht laut Autorin von anderen Fächern bezüglich der Sprachförderung?
Der Sportunterricht zeichnet sich durch seinen situativen und spielerischen Charakter aus, der intuitives Lernen ermöglicht und durch die körperliche Aktivität eine kognitive Entlastung bietet.
Welche Herausforderungen sehen Sportlehrende laut der Arbeit bei der Sprachbildung?
Die Arbeit stellt fest, dass Lehrkräfte im Fach Sport meist keine spezifische Ausbildung zur Sprachförderung erhalten haben und zudem wenig Zeit finden, sich in die umfangreiche Literatur zum Zweitspracherwerb einzulesen.
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- Julia Hahn (Author), 2021, Sprachsensibler Sportunterricht. Bedingungen für einen sprachförderlichen Unterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1165678