Grenzen und Normen der mobilen Kommunikation


Seminararbeit, 2008
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grenzen und Technik
A Entwicklung des Mobilfunks
B Technik- oder Kulturdeterminismus
C Grenzen, Normen und Kontrolle
D Privatsphäre und Öffentlichkeit

3 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Wir dürfen und wir können nicht aus der Technik aussteigen,

sondern wir müssen es besser lernen,

sie mit ihrer eigenen Hilfe zu beherrschen“

Richard von Weizsäcker

Diese Arbeit soll einen kleinen Einblick in die Forschung rund um das Mobiltelefon geben. Eine Forschungsrichtung, die so neu ist wie diese Technik selbst. Aufgrund der Neuartigkeit des Handys ist sein Gebrauch bisher noch nicht mit klaren und eindeutigen Regeln und Grenzen behaftet. Viele Normen die das Mobiltelefon betreffen sind heftig umstritten und führen nicht selten zu starken Konflikten. Der Mensch kontrolliert diese Technik noch nicht in dem Maße wie er dies mit anderen Techniken tut, denn er muss den Umgang erst noch erlernen und die entsprechenden Regeln, Normen und Grenzen müssen sich hier noch ihren Weg bahnen.

Zunächst gibt diese Arbeit einen kleinen Überblick über die Entwicklung des Mobiltelefons um dann auf genau die eben angedeutete Frage zurückzukehren. Im Streit um den Kultur- oder Technikdeterminismus geht es um die Frage wer in diesem Wandel Ross und Reiter ist. Beherrscht der Mensch die Technik oder wird der Mensch durch die Technik beherrscht und verändert? Anschließend sollen die vielfältigen Grenzen, Normen und inneren Zwänge rund um das Handy und die menschliche Kommunikation beleuchtet werden um schlussendlich das Zusammenspiel aus Privatsphäre und Öffentlichkeit näher zu betrachten und hier zu zeigen in welch vielfältiger Weise die mobile Kommunikation hier gesellschaftliche Probleme und Fragestellungen aufwirft. Ist das Telefonat mit dem klassischen Festnetztelefon noch auf die eigene Wohnung oder kleine geschlossene Telefonzellen begrenzt, so kann man mit dem Mobiltelefon zu jeder Zeit und an jedem Ort telefonieren. Private Telefonate können plötzlich in einem Auditorium stattfinden welches normalerweise die entsprechende Kommunikation nicht begleitet hätte.

Angesichts der sehr neuen Technik ist die soziologische Forschungslage noch sehr dünn und es gibt wenig Untersuchungen die sich explizit mit dem Mobiltelefon beschäftigen. Diese Arbeit stützt sich daher überwiegend auf die Untersuchung von Günter Burkart. In seinem Buch „Handymania“ untersucht er sehr genau das Mobiltelefon und seine vielfältigen Auswirkungen auf unsere Gesellschaft und das Zusammenleben.

2 Grenzen und Technik

A Entwicklung des Mobilfunks

Das Mobiltelefon ist technikgeschichtlich ein sehr junges Phänomen und setzte sich erst um die Jahrtausendwende in breiten Bevölkerungsschichten durch. Dem gegenüber sind neue technische Entwicklungen wie der Computer oder gar das Auto schon deutlich älter, wenn auch ihre Verbreitung inzwischen hinter der von Mobilfunkgeräten liegen dürfte.

Die ersten Studien und Zukunftsprognosen rund um das Mobiltelefon erschienen in den 1980er Jahren, räumten diesem aber keine große Chance in der Durchsetzung ein (Burkart, 2007, S. 24). Die Vorstellung der mobilen Telekommunikation ist allerdings deutlich älter als die ersten Geräte die uns heute als Handys bekannt sind. So konnte bereits 1926 aus den Zügen der Deutschen Reichsbahn in der ersten Klasse mobil telefoniert werden und auch das Funkgerät ermöglichte die mobile Kommunikation bereits zum Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts. Dies beschränkte sich zunächst allerdings auf die Kommunikation zwischen Schiffen oder Eisenbahnzügen, da noch sehr große Gerätschaften und Antennen notwendig waren. 1983 wurde schließlich das erste „brauchbare“ (Burkart 2007, S. 25) Mobiltelefon vorgestellt, dass Motorola DynaTAC 8000X. Es kostete fast 4.000 $ und wog 800 Gramm. Heutige Telefone wiegen ungefähr ein Zehntel dieses Wertes und kosten umgerechnet ebenfalls lediglich rund 10% des ersten Modells (z.B. Motorola KRZR K1, Gewicht 95g, Preis ca. 315€ ohne Vertrag[1] ). Entscheidend für die weitere Verbreitung des Mobiltelefons nach der Vorstellung des DynaTAC 800X waren die zunehmende Verkleinerung und der Ausbau des digitalen GSM-Standards. „Die Digitalisierung ermöglichte eine deutliche Verkleinerung und verbesserte darüber hinaus die Gesprächsqualität wesentlich“ (Burkart 2007, S. 26). Weiterhin brachte die Einführung der GSM-Technologie in Europa eine Vereinheitlichung und Kompatibilität der regionalen Netze. Ein Vorteil, der bis heute noch nicht die gesamte USA erfasst hat und wesentlich für die dort deutlich geringere Verbreitung sein dürfte[2].

Die Verbreitung des Mobiltelefons in der Bevölkerung zu bestimmen ist allerdings methodisch mit einigen Problemen behaftet. Das übliche Maß für die Durchsetzung von Mobiltelefonen in einer Gesellschaft ist die Penetrationsrate, diese gibt an wie viele angemeldete Mobiltelefone pro Einwohner registriert sind. Für Deutschland lag die Zahl der Mobilfunkanschlüsse 2006 bei 105% der Bevölkerung, es gab also erstmals mehr Mobilfunkanschlüsse als Einwohner (www.bitkom.org). Nun sagt diese Statistik aber wenig über die tatsächlich verfügbaren Mobiltelefone, denn einige Menschen besitzen deutlich mehr als ein Handy, während andere Menschen keinerlei Kontakt mit dieser Technologie haben oder zumindest kein eigenes Mobiltelefon besitzen. „Aus der >>Penetrationsrate<< kann man [daher] nicht ablesen, wie groß der Anteil der Personen ist, die (noch) kein Handy besitzen“ (Burkart 2007, S. 27). Das statistische Bundesamt erhebt aus diesem Grund ebenfalls die Rate der Handy-Ausstattung, gemeint ist hier die Zahl der Haushalte, in denen mindestens ein Mobiltelefon vorhanden ist. Diese Zahl lag 2006 erstmals über der 80%-Marke und erreichte mit 80,6% der Privathaushalte einen neuen Höchststand. Bei den Haushalten mit mindestens einem Kind lag diese Zahl mit 97,9% noch deutlich über den allein Lebenden mit 64,0% (www.destatis.de). Gerade bei den allein Lebenden dürfte es sich überwiegend um ältere Personen (meistens Witwen) handeln (Burkart 2007, S. 27), eine Gruppe die an neuen Technologien weit weniger partizipiert als beispielsweise junge Eltern. Es zeigt sich also, dass in Deutschland zwar mehr Mobilfunkanschlüsse als Personen gemeldet sind, gleichzeitig aber in ca. 20% der Haushalte kein Handy vorhanden ist. Aus dieser Differenz lässt sich sehr leicht erkennen, dass zahlreiche Personen über mehr als ein Mobilfunkgerät verfügen müssen. Dies macht es aber für Wissenschaftler deutlich komplizierter zu ermitteln wer tatsächlich und wie oft ein Mobilfunkgerät nutzt, denn auch die Handy-Ausstattung sagt noch nichts über die Verteilung innerhalb eines Haushaltes aus.

Den größten Sprung bei der Verbreitung erlebte das Handy um die Jahrtausendwende. Lag die Penetrationsrate 1997 noch bei 10,7%, stieg sie 1998 auf 17%, 1999 auf 28,5%, 2000 auf 58,6% und 2001 schließlich auf 68,1%, um 2006 erstmals die 100% zu übersteigen. Burkart vermutet, dass es in der bisherigen Technikgeschichte kaum eine Technologie gegeben haben dürfte, die sich derart schnell in weiten Teilen der Bevölkerung verankert hat (2007, S. 34).

Wie bei vielen Technikentwicklungen waren es zunächst Kinder und Jugendliche die besonders stark partizipierten und erst später nahm auch die ältere Generation an dieser Entwicklung teil. Es waren ebenfalls vor allem Männer die sich für die neue Technik begeistern konnten, insbesondere deshalb, weil das Handy überwiegend in die berufliche Sphäre geordnet wurde. In den USA waren beispielsweise bis Ende der 1980er Jahre mehr als 90% der Handybesitzer Männer, die änderte sich allerdings bis zur Jahrtausendwende rasch. Schon im Jahr 2000 war das Verhältnis zwischen den Geschlechtern ausgeglichen (Burkart 2007, S. 36). Zum aktuellen Zeitpunkt dürfte es in der jüngeren Generation kaum noch Unterschiede zwischen den Geschlechtern geben, da nahezu jeder Jugendliche oder junge Erwachsene in irgendeiner Form Zugang zu einem Mobiltelefon hat. Zunächst war auch der Zugang zu einem Mobiltelefon nicht in allen Bevölkerungsgruppen gleich verteilt. 1999 hatten etwa 80% der leitenden Beamten und Angestellten einen Zugang zu einem Mobiltelefon, bei den Arbeitern waren dies hingegen nur 67%. Aber auch diese Ungleichheit war wohl eher eine Folge der enorm hohen Kosten und trug der Tatsache Rechnung, dass das Mobiltelefon weniger in die Privatsphäre als zum Berufsleben gezählt wurde. Aber, wie bereits erwähnt, hat sich auch diese Unterscheidung mittlerweile abgeschwächt und so dürfte auch die Ungleichverteilung deutlich abgenommen haben (Burkart 2007, S. 36).

Inzwischen gehören Handys zur selbstverständlichen Ausstattung der meisten Menschen und werden, ähnlich dem Portemonnaie oder dem Haustürschlüssel, ständig bei sich getragen. Das Mobiltelefon ist damit weit mehr als ein einfacher Technikgegenstand, sondern es ist nahezu zu einem Teil der Persönlichkeit geworden und wird mit allerlei Aufwand auch immer weiter personalisiert. Der persönliche Klingelton, das eigene Hintergrundbild, der personalisierte Begrüßungsbildschirm und seit wenigen Jahren sogar die persönliche Melodie für den Anrufer (Sound Logo) und die Verzierung des Telefons mit allerhand Anhängsel, Schmucksteinen und Aufklebern. Der Phantasie bei der Individualisierung sind nahezu keine Grenzen gesetzte.

[...]


[1] Referenzinformation von http://www.telefon.de/produkt.asp?gruppe=105&products_id=45216. Abgerufen am 22.03.2008. Wechselkurs am 22.03.2008: 1€=1,5436$.

[2] Eine Vergleichgraphik zwischen Deutschland und den USA findet sich im Anhang dieser Arbeit.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Grenzen und Normen der mobilen Kommunikation
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
"Bis hierher und nicht weiter" zur Soziologie der Grenze
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V116625
ISBN (eBook)
9783640184767
ISBN (Buch)
9783640184910
Dateigröße
581 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grenzen, Normen, Soziologie, Grenze, Handy, Mobiltelefone, Telefonieren, Kommunikation, Öffentlichkeit
Arbeit zitieren
Christoph Färber (Autor), 2008, Grenzen und Normen der mobilen Kommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116625

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