Die Darstellung der Atombombe im amerikanischen Film des Kalten Krieges


Hausarbeit, 2006
18 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die amerikanische Gesellschaft im Kalten Krieg
2.1 Reaktionen auf den atomaren Angriff auf Japan
2.2 Auf Erleichterung folgt die Angst
2.3 Antikommunismus-Bewegung

3. Filme mit nuklearem Inhalt
3.1 Literaturlage
3.2 Film und Gesellschaft

4. Analyse und Vergleich der Filme “Dr. Strangelove -Or How I Learned To Stop Worrying And Love The Bomb” (USA 1964) und “The Day After” (USA 1983)
4.1 „Dr. Strangelove -Or How I Learned To Stop Worrying And Love The Bomb” (USA 1964)
4.1.1 Die Handlung
4.1.2 Themenschwerpunkte
4.1.3 „Dr. Strangelove“ als kritischer Atombomben-Film
4.2 “The Day After” (USA 1983)
4.2.1 Die Handlung
4.2.2 Beleuchtung der Folgen eines atomaren Angriffs in „The Day After“

5. Schlussfolgerung

Bibliografie:

Links:

1. Einleitung

Der Eintritt ins Atomare Zeitalter begann 1945 mit dem Abwurf der ersten Atombomben über den beiden japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki und dem darauf folgenden Ende des zweiten Weltkrieges. Die Jahre vom Ende des Krieges bis zum Fall der Mauer waren geprägt vom atomaren Wettrüsten der beiden Supermächte USA und Sowjetunion. Nicht nur das Leben der amerikanischen Gesellschaft, sondern das der Menschen auf der ganzen Welt stand im Schatten der atomaren Bedrohung und des möglichen Wandels des „Kalten Krieges“ in einen „Heißen Krieg“. Mit dem Ende des Kalten Krieges endete auch die Furcht vor dieser atomaren Bedrohung:

„das Nukleare ist gewöhnlich geworden, man beginnt, weniger darüber nachzudenken, und seit dem Ende des Kalten Krieges gibt es dafür ein hervorragendes politisches Alibi, glaubt doch zur Zeit kein Mensch mehr daran, daß der große atomare All-out-Krieg noch möglich sein könnte.“[1]

Doch ist dem wirklich so? Es besteht in der heutigen Gesellschaft die Gefahr der Abstumpfung gegenüber der unvorstellbaren Zerstörungskraft der Atombombe und der Einbindung dieser, meiner Meinung nach noch immer bestehenden, Bedrohung in das alltägliche Leben.[2] Ein Beispiel für die Aktualität des Themas sind die Spekulationen über Atombombenversuche in Nordkorea und die Reaktionen der anderen Nationen. Trotz dieses Ereignisses lässt sich keine große Veränderung im Verhalten der Gesellschaft wahrnehmen. Natürlich nimmt es einen großen Bestandteil der aktuellen Berichterstattung der Medien ein, jedoch ertappe ich mich selber dabei, wie ich mit einer relativ großen Gleichgültigkeit mit diesem Thema umgehe. Jedoch ist „das Phänomen Atom [ist] nicht nur ein physikalisches oder militärisches, sondern ein gesamtgesellschaftliches“[3] und aus diesem Grund ist es wichtig, sich als Mitglied dieser Gesellschaft mit genau diesem Thema zu beschäftigen und es nicht zu verdrängen oder sogar zu vergessen.

Obwohl die Explosion der Atombomben in Hiroshima und Nagasaki mittlerweile 61 Jahre her ist, steht die Geschichtsschreibung des Atomaren Zeitalters nach Meinung von Michael Salweski noch ganz am Anfang:

„Geschichte ist immer auch Geistesgeschichte. Aus diesem Grund steht es den Historikern gut an, immer auch nach dem ‚Geist’ zu fragen, der hinter ‚dem Atom’ steht. Auf diesem Felde steht die Forschung noch in den allerersten Anfängen.“[4]

Die bereits erwähnte atomare Bedrohung während des Kalten Krieges prägte die Gesellschaft zu dieser Zeit und somit die Berichterstattung der Medien, die Literatur, die Kunst und in diesem Zusammenhang die Filmproduktionen, die im Zeitraum von 1945 und 1990, selbstverständlich auch schon in der Zeit davor und in den Jahren danach, entstanden sind. Filme als Möglichkeit, historische Ereignisse aufzugreifen und zu verarbeiten, als Möglichkeit, Kritik an politischen Entscheidungen zu üben aber auch als Möglichkeit, sie zu Propagandazwecken auszunutzen. Filme sind Zeugnisse einer Gesellschaft und das macht ihre Betrachtung so interessant und vielseitig, vielleicht gerade weil sie sich nicht wissenschaftlich an ein Thema annähern, sondern das thematisieren, was die Gesellschaft bewegt.

Für mich bestand aus diesem Grund ein Interesse daran, mich mit amerikanischen Filmproduktionen zur Zeit des Kalten Krieges zu beschäftigen, die sich mit der atomaren Bedrohung in der einen oder anderen Art und Weise auseinandersetzen. Die folgende Abhandlung hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, bei der Arbeit an diesem Thema ist mir bewusst geworden, dass es unmöglich ist, alle diese „nuclear movies“ zu sehen, die zur Zeit des Kalten Krieges und der Zeit danach entstanden sind und sogar heute noch entstehen. Teilweise ist es außerdem sehr schwierig oder nicht möglich, an amerikanische Filme aus der Zeit vor 1990 heranzukommen, da diese teilweise in Deutschland nicht erschienen sind und auch im Original weder über das Internet noch über Videotheken zu beschaffen sind.

Zwar gibt es mehr Literatur zu diesem Thema als ich zu Beginn erwartet hatte, jedoch gibt es kaum neuere Literatur, die sich mit der Auseinandersetzung mit der Atombombe im Film beschäftigt, daher greife ich hier hauptsächlich auf Literatur zurück, die schon zum Ende des Kalten Krieges oder kurz danach entstanden ist. Die umfängliche „Filmography“ von Mick Broderick stellt hierbei einen Hauptbezugspunkt dar.

In dieser Abhandlung beschäftige ich mich mit der Frage, inwieweit die amerikanischen Filme des Kalten Krieges Propaganda für die Atombombe, bzw. für die Weiterentwicklung dieser Technologie auch nach den grausigen Folgen in Hiroshima und Nagasaki, enthalten. Durch die Beschäftigung mit dem so genannten Aufklärungsfilm „Duck and Cover“, in dem die atomare Bedrohung überaus naiv dargestellt wird und der außerdem die Möglichkeit, dass nicht die Sowjetunion, sondern die USA eine Atombombe zünden könnten, völlig außer Acht lässt, kam ich zu folgender Fragestellung: Sind „normale“ Kinofilme, die ein weitaus größeres Publikum ansprechen, geprägt von der gleichen (gespielten?) Naivität und von einer Darstellung Amerikas als Opfer der atomaren Bedrohung und nicht als Mittäter beziehungsweise Aggressor?

Im Folgenden werde ich versuchen, zunächst die amerikanische Gesellschaft während des Kalten Krieges zu beleuchten und Charakteristika dieser Gesellschaft herauszuarbeiten. Dann werde ich mich allgemein mit dem Thema „Filme mit nuklearem Inhalt“ befassen und weiterhin auf zwei Filme näher eingehen und diese gegenüberzustellen. Daraus folgt eine Bewertung der Filme und eine Einordnung in den Themenkomplex. Abschließend versuche ich, in einer Schlussfolgerung eine Antwort auf die aufgeworfene Frage nach der Propaganda in Filmen mit nuklearem Inhalt zu geben.

2. Die amerikanische Gesellschaft im Kalten Krieg

Es ist nicht möglich, die amerikanische Gesellschaft während des Kalten Krieges, also in der Zeit von 1945 bis 1990, in wenigen Sätzen zu charakterisieren. Die Zeitspanne in der wir uns bewegen und die Anzahl der historisch wichtigen Ereignisse, die in dieser Zeitspanne zu verorten sind, ist einfach zu groß und eine genaue Analyse würde den Rahmen sprengen.[5]

2.1 Reaktionen auf den atomaren Angriff auf Japan

Es lassen sich jedoch einige Tatsachen feststellen: 1945 war die amerikanische Gesellschaft zunächst erleichtert über das Ende des zweiten Weltkrieges und größtenteils sicherlich erfreut über den Sieg über den verhassten Feind Japan. Paul Boyer beschreibt die ersten Reaktionen der amerikanischen Bürger auf den Abwurf der Atombombe auf Hiroshima in seiner Monographie „By the Bomb’s early Light“ mit den Worten:

“To be sure, the immediate reaction was also influenced by the fact that for nearly four years Japan had been the hated, treacherous enemy. Vengeance was on many minds.”[6]

Die Rache für den 1941 erfolgten Angriff der Japaner auf Pearl Harbor spielte hier sicherlich eine große Rolle. Jedoch lässt sich diese erste beinahe schon euphorische Reaktion[7] auf den Gebrauch der Atombombe sicherlich nicht auf die gesamte folgende Zeit projizieren, obwohl dies laut Margot A. Henrichsen oft getan wird: Seit Beginn des atomaren Zeitalters habe es Amerikaner gegeben, die aktiv die Atombombe als Teil der amerikanischen Kultur kritisiert und diese amerikanische Erfindung in Frage gestellt hätten.[8]

2.2 Auf Erleichterung folgt die Angst

In den folgenden Jahren nach dem Ende des Krieges schlug diese Euphorie in Furcht vor der unvorstellbaren Zerstörungskraft dieser neuen Erfindung um. In den Monaten nach den Atombombentests auf dem Bikini Atoll wuchs die Angst vor radioaktiver Verseuchung, die bis zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht Teil der öffentlichen Diskussion geworden war.[9]

Im Jahre 1949 zündeten außerdem die Sowjets ihre erste Atombombe. Diese Ereignisse führten zu einer Art Hysterie in der amerikanischen Gesellschaft, die Angst vor einem dritten Weltkrieg, der dieses Mal mit Atomwaffen ausgefochten werden würde, wuchs und die Regierung begann mit gezielten Propagandamaßnahmen, „Aufklärungsfilmen“ wie „Duck and Cover“, dem Vertrieb von Fallout-Shelter „Bastelsets“, die im Fall eines nuklearen Angriffs schützen sollten, diese Hysterie eigentlich nur noch zu verstärken. Obwohl nur 2,2% der amerikanischen Familien je einen privaten Fallout-Shelter besessen haben, da die Bürger von der Wirksamkeit nicht überzeugt werden konnten[10], führten diese Maßnahmen dennoch dazu, dass die Bedrohung durch eine Atombombe immer mehr Teil der amerikanischen Gesellschaft und Kultur wurde.

2.3 Antikommunismus-Bewegung

Nach einer eindrucksvollen Rede von Präsident Truman im März 1947, in der er den Kommunismus hart verurteilte, begann eine Antikommunismus Paranoia in den USA um sich zu greifen.[11] Ich verweise hierbei auf die „McCarthy Ära“, die bis etwa 1956 andauerte.

Von 1950 bis 1953 beschäftigte außerdem der Koreakrieg die amerikanische Öffentlichkeit, der die endgültige Spaltung der kommunistischen Staaten unter Führung der Sowjetunion und der kapitalistischen Staaten unter Führung der USA bedeutete.

Der Höhepunkt der Furcht vor einem Atombombenabwurf über den Vereinigten Staaten war sicherlich die Kubakrise 1962, während derer ein dritter Weltkrieg mit Atombomben durchaus möglich gewesen wäre, obwohl dieser Konflikt im Hinblick auf den kurz darauf ausbrechenden Vietnamkrieg und das damit verbundenen Trauma für die Amerikaner oft in den Hintergrund gerät.

Wie an diesem letzten Ereignis deutlich wird, hing die Beschäftigung der amerikanischen Gesellschaft mit der atomaren Bedrohung stark von der Politik ab, die die Regierung zu dieser Zeit betrieb. Befand sich die amerikanische Regierung mit der Sowjetischen Regierung eher in einer Phase der Entspannung, war natürlich die Furcht eines Angriffs durch die Sowjetunion weitaus geringer als in Zeiten der Spannung.[12]

[...]


[1] Salewski, Michael: Vorwort. In: Salewski Michael (Hrsg.): Das nukleare Jahrhundert. Eine Zwischenbilanz. Stuttgart 1998, S. 7 bis 9. Hier S. 7.

[2] Siehe hierzu: Von Bredow, Wilfried: Der Atomdiskurs im Kalten Krieg (1945-1962). In: Salewski, Michael (Hrsg.): Das nukleare Jahrhundert. Eine Zwischenbilanz. Stuttgart 1998, S. 90 bis 101. Hier S. 90.

[3] Salewski, Michael (Hrsg.): Das nukleare Jahrhundert. S. 7

[4] Salewski, Michael (Hrsg.): Das nukleare Jahrhundert. S. 9

[5] Siehe für ausführliche Informationen zur amerikanischen Gesellschaft während des Kalten Krieges: Henrikson, Margot A.: Dr. Strangelove’s America. Society and Culture in the Atomic Age. Berkeley und Los Angeles 1997.

[6] Boyer, Paul: By the Bomb’s early Light. American Thought and Culture at the Dawn of the Atomic Age. New York 1985, University of North Carolina Press 1994. S. 12

[7] Siehe hierzu weiterhin: Boyer, Paul: By the Bomb’s early Light. S. 12 die auf das Zitat folgenden Ausführungen (Zitate aus Zeitungen etc.)

[8] Vgl.: Henriksen, Margot A.: The Berlin Crisis, the Bomb Shelter Craze and Bizarre Television: Expressions of an Atomic Age Counterculture. In: Scott, Alison M., Geist, Christopher D. (Hrsg.): The Writing on the Cloud. American Culture Confronts the Atomic Bomb. 1997. S. 151 bis 173 Hier S.152

[9] Siehe hierzu: Boyer, Paul: By the Bomb’s early Light. S. 90

[10] Stocke, John Gregory: „Suicide on the Installment Plan“: Cold-War-Era Civil Defense and Consumerism in the United States. In: Scott, Alison M., Geist, Christopher D. (Hrsg.) : The Writing on the Cloud. American Culture Confronts the Atomic Bomb. 1997.S. 45 bis S. 60 Hier S 46

Siehe auch: Boyer, Paul: By the Bomb’s early Light. S. 353

[11] Siehe hierzu: Boyer, Paul: By the Bomb’s early Light. S. 102

[12] Siehe hierzu: Boyer, Paul: By the Bomb’s early Light. S. 352. Epilogue. From the H-Bomb to Star Wars: The Continuing Cycles of Activism and Apathy.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Darstellung der Atombombe im amerikanischen Film des Kalten Krieges
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Veranstaltung
Krieg der Bilder –eine Einführung in die Geschichte visueller Propaganda seit der Frühneuzeit
Note
2,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V116632
ISBN (eBook)
9783640185337
ISBN (Buch)
9783640185405
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Darstellung, Atombombe, Film, Kalten, Krieges, Krieg, Bilder, Einführung, Geschichte, Propaganda, Frühneuzeit
Arbeit zitieren
Anna Mölle (Autor), 2006, Die Darstellung der Atombombe im amerikanischen Film des Kalten Krieges, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116632

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