[...] Diese Arbeit versucht also zunächst kurz zu erläutern, was Aufklärung ist und wie sich diese Bewegung auf das Spanien des 18. Jahrhunderts beziehen lässt. So wird hoffentlich der gesellschaftliche Hintergrund in dem Jovellanos seine Schriften verfasste, deutlich werden. Als nächstes wird am Beispiel von Gaspar Melchor de Jovellanos versucht, ein Verständnis dafür zu entwickeln, weshalb die Maxime „Bildung für alle“ einen Kernbestandteil von Jovellanos’ Reformvorschlägen und der gesamten Aufklärung darstellt und wie die Umsetzung der von dem Spätaufklärer entwickelten Reformen in die Praxis aussah.
Ingesamt gelingt es in dieser Arbeit hoffentlich aufzuzeigen, dass bei der Beschäftigung mit der Aufklärung in Europa nicht „in Frankreich [meist] die Bedeutung der Aufklärung als Idee und Bewegung modellhaft für ganz Europa festgemacht“ werden sollte, sondern es sich lohnt, den Blick der Forschung mit mehr Intensität auch nach Spanien zu richten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist Aufklärung?
2.1 Problematik der Aufklärung in Spanien
2.2 Vertreter eine aufgeklärten Literatur in Spanien
2.3 Der aufgeklärte Absolutismus unter Karl III.
2.4 Probleme des spanischen Bildungssystems im 18. Jahrhundert
3. Jovellanos als wichtiger Vertreter der spanischen Aufklärung
3.1 Jovellanos als Pädagoge
3.2 Sein Verständnis von Bildung und die Umsetzung in die Praxis
4. Abschließende Betrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die spezifische Ausprägung der Aufklärung in Spanien im 18. Jahrhundert und widerlegt die in der Literatur verbreitete These, Spanien habe diese Epoche verschlafen. Dabei wird insbesondere am Beispiel von Gaspar Melchor de Jovellanos aufgezeigt, welche zentrale Bedeutung die Bildungsreform für das aufklärerische Denken und die gesellschaftliche Praxis in Spanien einnahm.
- Die europäische Bewegung der Aufklärung und ihre nationale Differenzierung
- Die politische und gesellschaftliche Sonderstellung Spaniens im 18. Jahrhundert
- Strukturelle Mängel des damaligen spanischen Bildungssystems
- Die Rolle von Jovellanos als Pädagoge und Reformer
- Die praktische Umsetzung der Bildungsmaxime im "Instituto Asturiano"
Auszug aus dem Buch
2. Was ist Aufklärung?
„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. [...] Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ (Kant 1967: 55, zitiert nach: Kurz 1998: 15) ist wohl die in Deutschland am berühmtesten gewordene Antwort auf die Frage „Was ist Aufklärung?“.
Aufklärung ist „jede Geistesbewegung, die sich im Denken und Handeln auf die Vernunft beruft und sich als Selbstbefreiung von aller Bevormundung durch Tradition oder kirchl. Autorität versteht“ (Goldmann Lexikon 1998: 700) ist die Antwort des Lexikons auf diese Frage. Beide Antworten haben die Befreiung des Einzelnen durch eigenständiges Denken aus einer „Bevormundung“ beziehungsweise einer „selbstverschuldeten Unmündigkeit“ gemeinsam. Ebenfalls im Mittelpunkt steht hierbei die „Vernunft“ beziehungsweise der „eigene Verstand“.
Die Aufklärung war eine „Epoche einer umfassenden Neubesinnung“ (Goldmann Lexikon 1998: 700), die sich vom Beginn des 17. Jahrhunderts mit Ursprung in den Niederlanden und England über ganz Europa erstreckte. Im Mittelpunkt stand also eine Neuorientierung der Menschen, die vor allem mit dem Gebrauch der eigenen Vernunft von statten gehen sollte. Anstoß waren unter anderem die sich entwickelnden Naturwissenschaften und die damit einhergehenden Entdeckungen zum Beispiel von Galileo Galilei im 17. Jahrhundert, die bei vielen Intellektuellen zu einer veränderten Weltsicht führten. Hierbei erhält das Weltliche den Vorrang und „Das Zentrum ist nicht mehr ein ferner und strenger Gott“ (Mortier 1998: 29).
„Si la nueva ciencia demonstraba la futilidad de principios anteriores, la consecuencia inmediata era ir negando toda la cultura anterior que no pudiera someterse a la experimentación racionalista.” (Caso Gónzales 1991: 35-36)
Die Aufklärer entwarfen Ideen und entwickelten Reformen mit der Absicht, einen „neuen“, das heißt, einen aufgeklärten und mündigen Menschen zu erschaffen, der in der Lage ist, aus den verschiedenen Möglichkeit, die sich im Leben bieten, eigenständig zu wählen und zu seinem Wohl und damit zum Wohl der Gesellschaft zu handeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Forschungsfrage und stellt die These auf, dass die spanische Aufklärung entgegen gängiger Literatur keineswegs inexistent war, sondern sich lediglich in spezifischer Weise manifestierte.
2. Was ist Aufklärung?: Es werden grundlegende Definitionen der Aufklärung dargelegt und die spezifischen Hemmnisse, wie die Rolle der Inquisition und die Macht der Kirche, sowie der sozio-politische Kontext des 18. Jahrhunderts in Spanien analysiert.
3. Jovellanos als wichtiger Vertreter der spanischen Aufklärung: Dieses Kapitel widmet sich der Biografie und der Bedeutung Jovellanos’ als zentrale Figur der spanischen Geistesgeschichte sowie seinem praktischen Wirken als Pädagoge und Reformer.
4. Abschließende Betrachtung: Die Arbeit fasst zusammen, dass Jovellanos als exemplarisches Beispiel für die Verknüpfung von aufklärerischer Theorie und Bildungspraxis diente und die Existenz einer eigenständigen spanischen Aufklärung bestätigt.
Schlüsselwörter
Aufklärung, Spanien, Bildungswesen, Jovellanos, Instituto Asturiano, Reformen, 18. Jahrhundert, Vernunft, Mündigkeit, Bildungsmaxime, Gesellschaft, Tradition, Bourbonen, Intellektuelle, Bildung für alle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Bewegung der Aufklärung in Spanien im 18. Jahrhundert und widerlegt die Annahme, das Land habe diese Epoche verpasst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung konzentriert sich auf den gesellschaftlichen Hintergrund, das spanische Bildungssystem sowie das Leben und Wirken von Gaspar Melchor de Jovellanos.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, die Eigenständigkeit der spanischen Aufklärung zu belegen und zu zeigen, dass Spanien durch Reformversuche durchaus Fortschritte erzielte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse einschlägiger Literatur und Primärquellen, um den Zusammenhang zwischen aufklärerischen Ideen und deren Umsetzung in die Bildungspraxis zu verdeutlichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Definition der Aufklärung, eine Problemanalyse des spanischen Bildungssystems und eine detaillierte Auseinandersetzung mit der pädagogischen Arbeit von Jovellanos.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie Aufklärung, Bildung, Jovellanos, Reformen, Spanien und gesellschaftlicher Fortschritt.
Was unterscheidet das Verständnis von Bildung bei Jovellanos von einem modernen Verständnis?
Jovellanos forderte keine allgemeine, gleiche Bildung für alle, sondern eine nach Klassen differenzierte Ausbildung, um den jeweiligen Anforderungen der Gesellschaft und des Berufslebens gerecht zu werden.
Warum war die Kirche ein Hindernis für die Aufklärung in Spanien?
Die Kirche besaß ein Monopol auf die Bildung und fürchtete, dass durch die Hinwendung zu Naturwissenschaften und eigenständiger Vernunft ihr Einfluss schwinden und die religiöse Ordnung gefährdet werden könnte.
- Quote paper
- Anna Mölle (Author), 2007, Spanien, ein Land ohne Aufklärung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116637