Das Ziel dieser Arbeit ist die Überprüfung von Möglichkeiten, die im Rahmen der institutionellen beruflichen Weiterbildung bestehen und den Prozess des selbstgesteuerten Lernens von geringqualifizierten erwerbslosen Erwachsenen zu verbessern.
Zunächst wird eine Bestandsaufnahme der Rahmenbedingungen institutioneller beruflicher Weiterbildung vorgenommen. Dabei wird die aktuelle Förderpolitik der Bundesagentur für Arbeit sowie die daraus resultierenden Abhängigkeiten aller an der institutionellen beruflichen Weiterbildung Beteiligten genauer betrachtet.
Danach erfolgt die Darstellung des Konzeptes des SGL. Die Annäherung erfolgt zunächst über die Einordnung des Konzeptes in verschiedene theoretische Bezugsrahmen. Anschließend wird die praktische Umsetzung von SGL erläutert und die Anforderungen, welche dieses Konzept an die Bildungsträger, die Lehrenden und vor allem an die Lernenden stellt, herausgearbeitet.
Anschließend stehen die Begriffe Kompetenz und Performanz sowie Erläuterungen zur beruflichen Handlungskompetenz und zur Lernkompetenz als Schlüsselkompetenz im Mittelpunkt. Zudem werden die verschiedenen Wege des Kompetenzerwerbs näher beleuchtet.
Das fünfte Kapitel dient der Klärung der oben gestellten Forschungsfrage. Hierzu werden im ersten Schritt die Möglichkeiten der Kompetenzförderung zur Verbesserung des selbstgesteuerten Lernprozesses Geringqualifizierter betrachtet und im zweiten Schritt die erläuterten Möglichkeiten vor dem Hintergrund der dargestellten Rahmenbedingungen kritisch betrachtet und diskutiert.
Im abschließenden Fazit werden die Forschungsergebnisse resümiert und ein Ausblick auf weiterführende Forschungsfragen gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rahmenbedingungen der institutionellen beruflichen Weiterbildung
2.1 Förderung der beruflichen Weiterbildung (FbW)
2.2 Bildungsträger in der institutionellen beruflichen Weiterbildung
2.3 Lehrende in der institutionellen beruflichen Weiterbildung
2.4 Lernende in der institutionellen beruflichen Weiterbildung
3. Selbstgesteuertes Lernen (SGL)
3.1 Die Bedeutung des SGL im Konzept des Lebenslangen Lernens
3.2 Erläuterungen zum Begriff des SGL in der Theorie
3.3 Lerntheoretische Einordnung
3.4 Umsetzung von SGL in der Praxis
3.4.1 Anforderungen an die Bildungsträger
3.4.2 Anforderungen an die Lehrenden
3.4.3 Anforderungen an die Lernenden
4. Kompetenz, Performanz und Kompetenzerwerb
4.1 Erläuterungen zu den Begriffen Kompetenz und Performanz
4.2 Berufliche Handlungskompetenz
4.3 Lernkompetenz als Schlüsselkompetenz
4.4 Kompetenzerwerb
5. Möglichkeiten zur Verbesserung des Lernprozesses
5.1 Förderung der Kompetenzen für SGL
5.2 Förderung der Lernbereitschaft
5.3 Kritische Betrachtung der Fördermöglichkeiten
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie der Prozess des selbstgesteuerten Lernens (SGL) bei geringqualifizierten, erwerbslosen Erwachsenen im Rahmen der institutionellen beruflichen Weiterbildung verbessert werden kann. Dabei wird analysiert, inwiefern eine positivere Gestaltung des Lernprozesses die Bereitschaft zur lebenslangen Weiterbildung sowie zur Entwicklung beruflicher Handlungskompetenz erhöhen kann.
- Rahmenbedingungen und Förderpolitik der institutionellen beruflichen Weiterbildung
- Theoretische Fundierung und praktische Umsetzung von selbstgesteuertem Lernen (SGL)
- Bedeutung von Kompetenz, Performanz und Kompetenzerwerb
- Förderung von Lernkompetenz, Lernbereitschaft und Motivation
- Kritische Analyse der Vereinbarkeit von individuellen Lernprozessen und Zertifizierungsvorgaben
Auszug aus dem Buch
3.4.2 Anforderungen an die Lehrenden
Der mit SGL einhergehende Wechsel von der Erzeugungsdidaktik zur Ermöglichungsdidaktik erfordert von den Lehrenden in erster Linie ein neues Rollenverständnis. Die Lehrenden sehen sich damit konfrontiert, dass ihr bisheriges Professionsverständnis infrage steht. Die Tätigkeiten der Lernbegleiter verlagern sich von der Bühne des Lehrens hinter die Bühne, wo Lernmöglichkeiten (z.B. Lernaufgaben für Leittexte) entwickelt, organisiert und umgesetzt werden. Nicht mehr das Lehren, der Vortrag oder eine gelungene Präsentation sind gefragt, sondern vielmehr der individuelle Kontakt mit den Lernenden, die Betreuung und Lernberatung. „Nicht das Ergebnis steht im Mittelpunkt, sondern der Weg zum Ergebnis, nicht die Antwort auf Fragen, sondern der Hinweis zur Selbsthilfe.“ (Gnahs & Seidel, 1999, S.85).
Die Lehrenden müssen nun optimale unterrichtliche Voraussetzungen für Lernprozesse schaffen und bei Bedarf in geeigneter Form steuernd eingreifen, um die Erreichung der Lernziele zu ermöglichen (Dubs, 1999, S.69). Die erfolgreiche Umsetzung des Konzeptes erfordert allerdings eine positive Einstellung der Lehrenden zur Methode sowie ein Einstellungswechsel gegenüber den Lernenden. Sie müssen deren individuelle Vorgehensweise akzeptieren, ihnen auf Augenhöhe begegnen und den Lernergebnissen mit Offenheit gegenübertreten. Die „prinzipielle Offenheit des Lernprozesses“ steht nun im Fokus (Gnahs & Seidel, 1999, S.85).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Problematik der Weiterbildungsschere und stellt die Forschungsfrage zur Verbesserung des selbstgesteuerten Lernens bei geringqualifizierten Erwerbslosen.
2. Rahmenbedingungen der institutionellen beruflichen Weiterbildung: Das Kapitel analysiert die institutionellen Rahmenbedingungen, die Förderpolitik und die prekäre Situation von Lehrenden sowie Lernenden in diesem Bereich.
3. Selbstgesteuertes Lernen (SGL): Dieses Kapitel beleuchtet das Konzept des SGL aus bildungswissenschaftlicher Perspektive und stellt dessen praktische Umsetzung sowie Anforderungen an alle Beteiligten dar.
4. Kompetenz, Performanz und Kompetenzerwerb: Hier werden die zentralen Begriffe Kompetenz und Performanz theoretisch definiert und die berufliche Handlungskompetenz sowie Lernkompetenz in den Kontext des lebenslangen Lernens eingeordnet.
5. Möglichkeiten zur Verbesserung des Lernprozesses: Dieses Kapitel erörtert Ansätze zur Förderung von SGL-Kompetenzen und Lernbereitschaft und diskutiert diese kritisch vor dem Hintergrund bestehender Rahmenbedingungen.
6. Fazit und Ausblick: Das Fazit resümiert die Ergebnisse und stellt fest, dass die institutionellen Rahmenbedingungen die angestrebte Förderung der Lernkompetenz aktuell erheblich erschweren.
Schlüsselwörter
Selbstgesteuertes Lernen, Geringqualifizierte, berufliche Weiterbildung, Lernkompetenz, Kompetenzerwerb, institutionelle Weiterbildung, Leittextmethode, Scaffolding, Bildungsferne, Handlungskompetenz, Lernbereitschaft, Weiterbildungsschere, Qualitätssicherung, Arbeitsförderung, Erwachsenenbildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten, wie selbstgesteuertes Lernen bei geringqualifizierten, erwerbslosen Menschen in institutionellen Weiterbildungskontexten besser gefördert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der Gestaltung von Lernarrangements, den Anforderungen an Bildungsträger und Lehrende, der Bedeutung von Kompetenzen sowie der Analyse von Weiterbildungsbarrieren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie der Prozess des selbstgesteuerten Lernens verbessert werden kann, um Geringqualifizierten eine berufliche Handlungskompetenz und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und theoriebasierte bildungswissenschaftliche Untersuchung, die Konzepte mit der aktuellen Weiterbildungspraxis und empirischen Befunden verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Rahmenbedingungen beruflicher Weiterbildung, das theoretische Konzept des selbstgesteuerten Lernens, die Begriffe Kompetenz und Performanz sowie konkrete Möglichkeiten zur Lernförderung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Selbstgesteuertes Lernen, Geringqualifizierte, berufliche Weiterbildung, Lernkompetenz, Leittextmethode und institutionelle Weiterbildung.
Inwiefern beeinflussen Zertifizierungsvorgaben das Lernen?
Strenge Zertifizierungsvorgaben und standardisierte Fehlzeitenkonzepte stehen oft im Konflikt mit der benötigten Flexibilität und individuellen Lernbegleitung, die für einen Erfolg von Geringqualifizierten notwendig wäre.
Warum ist die Situation der Lehrenden prekär?
Viele Lehrende sind in prekären Beschäftigungsverhältnissen, verfügen über wenig Planungssicherheit und sind durch starre Vorgaben der Bildungsträger sowie hohe Dokumentationsaufwände bei gleichzeitigem Mangel an Fortbildungsmöglichkeiten stark belastet.
- Arbeit zitieren
- Marina Springmann (Autor:in), 2016, Selbstgesteuertes Lernen Geringqualifizierter in der institutionellen beruflichen Weiterbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1166456