Die Arbeitsmarktbilanz ist verheerend, das Volkseinkommen schrumpft und die Haushaltsdefizite drohen außer Kontrolle zu geraten. Deutschland steckt in der längsten Wirtschaftskrise seiner Geschichte und in der Ungewöhnlichsten dazu. Schlagen sich die Unternehmen im internationalen Vergleich doch hervorragend.
Getreu der Devise „Weniger Sozialstaat = mehr Beschäftigung“ hat der Wettlauf um den Abbau der Kernelemente des Sozialstaats begonnen. Die Agenda 2010 hat sich dabei die Bezeichnung als „massivsten sozialpolitischen Kahlschlag seit Bestehen der Bundesrepublik“ eingehandelt.
Generell besteht Einigkeit, dass Deutschland endlich die Reformblockade durchbrechen muss und in nahezu allen Bereichen durchgreifende Strukturreformen gefragt sind. Hierbei gilt, dass die Reformen, die Einsparungen einbringen müssen, möglichst familienverträglich auszugestalten sind. Schlagen doch die Risiken der Gesellschaft auch direkt auf die Kinder und Jugendliche durch. So hat sich die Zahl der Kinder, die von Sozialhilfe leben müssen mittlerweile verdreifacht, während die Kinderzahl in Deutschland deutlich zurückgegangen ist. Kinder in Armut sind somit zu einer zunehmenden Realität geworden.
Der Paritätische Wohlfahrtsverband und der Kinderschutzbund warnen vor einer Verschärfung der Armutsbetroffenheit von Kindern aufgrund des Reformbündels der Agenda 2010. Sie sehen diese nicht als Sozialreform, sondern als „eine Politik, die spaltet satt integriert und Armut in unserem Land erzeugt, statt sie zu bekämpfen.“ Die Bundesregierung hingegen spricht von notwendigen sozialpolitischen Reformen, die auch für Familien wichtige Vorteile bringen und diese in ihrer wirtschaftlichen Eigenständigkeit unterstützen.
Es stellt sich nun die Frage, welche Folgen die Agenda 2010 für das Fortschreiten der Kinderarmut wirklich mit sich bringen wird und wie sich die einzelnen Reformmaßnahmen auf die Armutsbetroffenheit von Kindern auswirken.
Inhaltsverzeichnis
- Problemstellung
- Armutskonzepte in der Diskussion
- Absolute versus relative Armut
- Eindimensionale Armutskonzepte
- Mehrdimensionale Armutskonzepte
- Die „Neue Armut”
- Annäherung an ein kindgerechtes Armutskonzept
- Armutsgefährdung von Kindern und Jugendlichen
- Struktur der Betroffenen
- Armutsfolgen
- Macht Armut krank?
- Schule und Armut
- Sozialisationsauswirkungen
- Die Agenda 2010
- Leitgedanken
- Finanzreformen
- Die Steuerreform
- Die Gemeindefinanzreform
- Reformen auf dem Arbeitsmarkt
- Neues Kündigungsschutzrecht
- Neuregelungen für Arbeitslose
- Das „neue“ Arbeitsamt
- Weiter Reformmaßnahmen
- Gesundheitsreform
- Rentenversicherung
- Die Agenda 2010 und die Kinderarmut
- Folgen der Gesundheitsreform
- Auswirkungen der Arbeitsmarktreformen
- Reformkonsequenzen für Alleinstehende
- Ausbau der Kinderbetreuung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit untersucht die Auswirkungen der Agenda 2010 auf die Armutsproblematik von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Die Arbeit verfolgt das Ziel, ein tieferes Verständnis der Kinderarmut zu erlangen und die potenziellen Folgen der Agenda 2010 für diese vulnerable Gruppe zu analysieren.
- Definition und Dimensionen von Armut, insbesondere im Kontext von Kindern
- Ursachen und Folgen von Kinderarmut in Deutschland
- Die zentralen Elemente der Agenda 2010 und deren Auswirkungen auf den Sozialstaat
- Die potenziellen Auswirkungen der Agenda 2010 auf die Armutsgefährdung von Kindern
- Mögliche Maßnahmen zur Bekämpfung von Kinderarmut im Kontext der Agenda 2010
Zusammenfassung der Kapitel
Die Arbeit beginnt mit einer Diskussion verschiedener Armutskonzepte, um ein klares Verständnis der Kinderarmut zu entwickeln. Es werden sowohl absolute als auch relative Armutsbegriffe sowie eindimensionale und mehrdimensionale Ansätze betrachtet. Anschließend werden die Risikogruppen, Ursachen, das Ausmaß und die Folgen von Kinderarmut in Deutschland näher untersucht. Die Arbeit widmet sich dann der Agenda 2010 und ihren Reformmaßnahmen in den Bereichen Steuern, Arbeitsmarkt, Gesundheitswesen und Rentenversicherung. Abschließend werden die potenziellen Auswirkungen der Agenda 2010 auf die Kinderarmut analysiert und mögliche Maßnahmen zur Bekämpfung der Kinderarmut im Kontext der Agenda 2010 diskutiert.
Schlüsselwörter
Kinderarmut, Agenda 2010, Sozialstaat, Armutskonzepte, relative Armut, Sozialhilfe, Arbeitsmarkt, Gesundheitsreform, Rentenversicherung, Folgen, Auswirkungen, Maßnahmen, Bekämpfung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen absoluter und relativer Armut?
Absolute Armut bezeichnet das Fehlen physischer Grundbedürfnisse, während relative Armut die soziale Benachteiligung im Vergleich zum Durchschnittseinkommen der Gesellschaft beschreibt.
Wie wirkt sich die Agenda 2010 auf die Kinderarmut aus?
Kritiker wie der Kinderschutzbund warnen, dass die Reformen zu einer Verschärfung der Armut führen, während die Regierung sie als notwendige Strukturreform zur wirtschaftlichen Eigenständigkeit sieht.
Welche Folgen hat Armut für die Entwicklung von Kindern?
Armut kann negative Auswirkungen auf die Gesundheit, den Bildungserfolg (Schulbesuch) und die soziale Integration (Sozialisationsauswirkungen) haben.
Was sind die Kernpunkte der Agenda 2010?
Dazu gehören Reformen am Arbeitsmarkt (Hartz-Gesetze), Finanz- und Steuerreformen sowie Änderungen im Gesundheits- und Rentensystem.
Warum wird ein „kindgerechtes Armutskonzept“ gefordert?
Weil herkömmliche Konzepte oft nur das Haushaltseinkommen messen, aber die spezifischen Bedürfnisse und Teilhabechancen von Kindern vernachlässigen.
- Quote paper
- Denise Kouba (Author), 2004, Kinderarmut und die Agenda 2010, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116697