Diese Arbeit befasst sich mit der Fragestellung, welche Ziele und Strategien eine Weltstadt wie London mit solchen mega events, aber auch mit kleineren Festivals, verfolgt, welche Gründe relevant sind und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen.
Wichtig ist in diesem Sinne eine vorausgehende Betrachtung der gesellschaftlichen sowie ökonomischen Veränderungen der letzten Jahrzehnte sowie auch die Position der Stadt London im internationalen Kontext. Faktoren wie Globalisierung, steigende Städtekonkurrenz und der ökonomische Strukturwandel haben dazu geführt, dass Städte und ihre Stadtplanung zunehmend flexibel agieren müssen. Auch London muss sich zunehmend an diesen Wandel anpassen. Daher ist auch die Betrachtung der vorhandenen politischen Struktur sowie die Entwicklung der Stadtplanung Londons für das Verständnis der Relevanz des Politiktyps der Festivalisierung wichtig.
Da nicht nur durch große, häufig von außen vorgegebenen Ereignissen wie Olympia oder Fußballmeisterschaften, für die sich eine Stadt bewerben muss, Stadtentwicklung betrieben werden kann, sollen in dieser Arbeit auch kleinere, meist regelmäßig stattfindende Events beleuchtet werden. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede diese haben und inwieweit sich auch Risiken ergeben können, ist ebenfalls zu untersuchen. Auch die von der Stadt London entwickelten Kulturstrategien sind in diesem Sinne relevant.
Vor diesem Hintergrund wird folgend anhand von drei verschiedenen Eventtypen der Stadt, die Chancen und Risiken der Festivalisierung für eine Metropole wie London näher beschrieben: das jährlich stattfindende City of London Festival, die Millenniums-Feierlichkeiten zur Jahrtausendwende und damit verbundene Großprojekte und schließlich die Olympischen Sommerspiele von 2012 im Londoner Osten. Abschließend werden in einem Fazit nochmals die wichtigsten Kernpunkte zusammengeführt und diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Globalisierung, ökonomischer Strukturwandel und zunehmende Städtekonkurrenz –
Festivalisierung als Strategie der Stadtentwicklung
3. Portrait London
3.1 London im internationalen Kontext
3.2 Zur Geschichte der Londoner Stadtplanung
3.3 Kulturstrategien und Festivals
4. Ausgewählte Beispiele der Stadtentwicklung im Zusammenhang mit
städtischen Events in London
4.1 City of London Festival
4.2 Großprojekte im Zusammenhang mit den Millenniumsfeierlichkeiten im Jahr 2000
4.2.1 Der Millennium Dome
4.2.2 Das British Airways London Eye
4.2.3 Die Millennium Bridge
4.2.4 Die Tate Gallery of Modern Art im Zusammenhang mit einer culture-led
regeneration am Südufer der Themse
4.3 Das Beispiel der olympischen Spiele 2012 im Londoner Osten
5. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der „Festivalisierung“ als Instrument der Stadtplanung in London. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch groß angelegte Events und kulturelle Strategien die internationale Positionierung gestärkt, wirtschaftliches Wachstum generiert und stadträumliche Aufwertungsprozesse vorangetrieben werden, während gleichzeitig die damit verbundenen Risiken wie Gentrifizierung und soziale Disparitäten kritisch beleuchtet werden.
- Wechselwirkung von Globalisierung, ökonomischem Strukturwandel und Städtekonkurrenz
- Die Rolle von Kulturstrategien und kulturellen Events für das Stadtmarketing
- Analyse von Großprojekten im Kontext der Millenniumsfeierlichkeiten
- Revitalisierung durch sportliche Großereignisse am Beispiel der Olympischen Spiele 2012
- Sozioökonomische Folgen der „culture-led regeneration“ in London
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Der Millennium Dome
Der Millennium Dome gilt als eines der wichtigsten, aber auch am meisten in die Kritik geratene Bauvorhaben im Rahmen der Millenniumsfeierlichkeiten. Gebaut wurde er im Londoner East End, südlich des heutigen Olympia Parks, am Nordende der Greenwich-Halbinsel um zu den Feierlichkeiten die „The Millennium Experience“, eine multimediale Ausstellung zur Menschheitsgeschichte zu präsentieren (ZEHNER, DIETSCHE & BRAUN 2010: 110). Der Dome sollte das Zentrum der Feierlichkeiten darstellen. Jedoch war die Wahl des Standortes, sowie auch die langfristige Nutzung und Einbindung in den städtischen Kontext im Vorfeld nicht ausreichend bedacht. Der zeltartige Komplex, welcher über eine überdachte Fläche von 100.000 m2 verfügt, ist auf der Greenwich-Halbinsel von drei Seiten von der Themse umgeben, somit sehr isoliert und gerade für Autofahrer nur schwer zu erreichen.
Zwar wurde im Vorfeld eine weitere U-Bahn-Station, im Rahmen einer Verlängerung der Jubilee Line, gebaut, die problematische verkehrliche Erreichbarkeit wurde jedoch zum langwierigen Problem. Nach Ende der Ausstellung im Dezember 2000 konnte lange keine einheitliche Nachnutzung gefunden werden und es haben bis in das Jahr 2007 nur vereinzelt Veranstaltungen stattgefunden. Nachdem nach sieben Jahren dann mit der Anschutz Entertainment Group Europe ein privater Investor gefunden war, wurde dem Millennium Dome unter dem neuen Namen ‚The O2’ und einem Konzert des Popsängers Bon Jovi erneut eröffnet (EVANS 2011: 365). Das Zentrum des Komplexes wurde umgestaltet und zu einer Indoor-Arena für Konzerte oder Sportveranstaltungen. Die schwierige Verkehrssituation sowie das städtebauliche Umfeld sind jedoch bis heute problematisch, die ursprünglich angestrebte „Entwicklung eines neuen, mischgenutzten Stadtquartiers“ (WAINWRIGHT 2012: 35) blieb aus. So wird mit dem Beispiel des Millennium Domes klar, welche Probleme und Risiken sich durch staatliche finanzierte Leuchtturmprojekte im Rahmen einer nach außen gerichteter Politik der Festivalisierung ergeben können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung Londons als Austragungsort globaler Events ein und umreißt die Fragestellung nach den Strategien der Stadtentwicklung durch „Mega-Events“ und Festivals.
2. Globalisierung, ökonomischer Strukturwandel und zunehmende Städtekonkurrenz – Festivalisierung als Strategie der Stadtentwicklung: Dieses Kapitel erläutert, wie Städte als Reaktion auf den Strukturwandel mittels kultureller Inszenierungen ihre Attraktivität im globalen Standortwettbewerb steigern.
3. Portrait London: Hier wird der historische Kontext der Londoner Stadtplanung sowie die moderne Kulturstrategie der Stadt dargestellt, um die Bedeutung kultureller Vielfalt für die Stadtentwicklung zu verdeutlichen.
4. Ausgewählte Beispiele der Stadtentwicklung im Zusammenhang mit städtischen Events in London: Anhand konkreter Fallbeispiele wie dem City of London Festival, den Millennium-Projekten und den Olympischen Spielen 2012 werden Chancen und Risiken städtischer Events analysiert.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont, dass trotz der positiven Revitalisierungseffekte stets eine sorgfältige Planung notwendig ist, um negative soziale Folgen wie Gentrifizierung zu vermeiden.
Schlüsselwörter
London, Festivalisierung, Stadtentwicklung, Globalisierung, Städtekonkurrenz, Millennium Dome, Olympische Spiele 2012, Stadtmarketing, culture-led regeneration, Standortwettbewerb, Strukturwandel, öffentliche Räume, Gentrifizierung, Stadtplanung, Kulturstrategie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Strategie der „Festivalisierung“ als Mittel der Stadtplanung und Stadtentwicklung in der Weltstadt London.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt Themen wie globale Standortkonkurrenz, ökonomischen Strukturwandel, das Management von Großereignissen sowie die Auswirkungen kultureller Projekte auf die Stadtstruktur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll untersucht werden, welche Strategien und Ziele eine Weltstadt wie London mit Mega-Events und Festivals verfolgt und welche Risiken sowie Chancen sich daraus für die Stadtentwicklung ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine fundierte Literaturanalyse sowie die Untersuchung spezifischer Fallbeispiele (City of London Festival, Millennium-Projekte, Olympia 2012), um die theoretischen Konzepte auf die Praxis anzuwenden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einordnung von Stadtentwicklung und Kulturstrategien sowie eine detaillierte Fallstudien-Analyse verschiedener Eventtypen in London.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere „Festivalisierung“, „Stadtmarketing“, „culture-led regeneration“ und „Städtekonkurrenz“.
Welche Rolle spielte die politische Neuausrichtung in London für die Stadtplanung?
Die Gründung der Greater London Authority (GLA) im Jahr 2000 markierte eine Rückkehr zur aktiven Stadtplanung, die vermehrt auf kulturelle Strategien und Leuchtturmprojekte setzte.
Inwieweit werden die sozialen Auswirkungen der Events kritisch hinterfragt?
Die Arbeit beleuchtet kritisch, dass durch Großprojekte und Aufwertungsprozesse oft Preissteigerungen bei Immobilien entstehen, die zur Verdrängung einkommensschwacher Bevölkerungsgruppen führen können.
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- Sonja Kluft (Author), 2014, Globalisierung, ökonomischer Strukturwandel und Städtekonkurrenz. Festivalisierung als Strategie der Stadtentwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1167115