Skandinavismus und nordische Zusammenarbeit


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe


Inhalt

1. Einleitung

2. Der Begriff des „Nordens“ als ein Begriff der Zusammenarbeit

3. Das Scheitern der Einigungsidee

4. Die Renaissance des Skandinavismus
4.1. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges
4.2. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges

5. Der Neuskandinavismus und der Weg nach Europa

6. Ergebnis und Ausblick

7. Literatur (Auswahlbibliographie)

8. Karte

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der nordischen Einigungsbewegung, dem Skandinavismus, ausgehend von seinem Aufschwung und Scheitern in der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur seiner Renaissance als Neuskandinavismus am Anfang des 20. Jahrhunderts. Den groben geographischen Rahmen setzen die fünf nordeuropäischen Länder Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland und Island.

Die Skandinavismusforschung scheint in Deutschland, im Gegensatz zur Erforschung des Panslawismus, in den Kinderschuhen zu stecken. Somit bietet sich ein großes freies Forschungsfeld, in dem eine wissenschaftliche Monographie (nur) zu diesem Thema noch aussteht. Den Skandinavismus mit seinen umfangreichen Facetten näher zu beleuchten, gestaltet sich sehr schwierig. Meist finden sich kleinere Abhandlungen im großen geschichtlichen Überblick, die in ihrer Gänze die wichtigsten Informationen enthalten.[1] Es gleicht einer Art Puzzelspiel diese herauszufiltern und in den richtigen Kontext zum Skandinavismusbegriff zu setzen. Besonders hilfreich sind hierbei Werke, die sich mit der nordischen Zusammenarbeit näher auseinandersetzen und den historischen Hintergrund klären.[2]

Dabei tauchen auch im Seminar gestellte Fragen immer wieder auf: Wo liegen die Wurzeln des Skandinavismus und welche Länder waren beteiligt? Wer trug die Bewegung? Was waren ihre Ziele? Warum scheiterte die Einigung? War der Skandinavismus nur eine politische „Parade“? Warum kam es zu einem Wiederaufleben – dem Neuskandinavismus? Wo lagen die Unterschiede zwischen der „alten“ und „neuen“ Bewegung? Was blieb nach zwei Weltkriegen von der Zusammenarbeit noch übrig? Wie war das Verhältnis zwischen nordischer und europäischer Zusammenarbeit? Solche und ähnliche Fragen werden im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen.

2. Der Begriff des „Nordens“ als ein Begriff der Zusammenarbeit

Bis weit ins 18. Jahrhundert hinein war „Nordeuropa“ kein klar definierter Begriff. Damals wurde Nordeuropa mit Großbritannien, Dänemark, Schweden und Russland identifiziert. Die norwegische, finnische und baltische Provinz wurde automatisch dazugezählt. Der „Norden“ oder die „nordischen Länder“ wurden hauptsächlich als maritime Gebiete nördlich vom Sacrum Romanum Imperium Nationis Germanicae gesehen. Dieses Begriffsverständnis hat sich erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewandelt, als die internordische Zusammenarbeit immer festere Formen annahm. Der literarische Nordismus des 18. beziehungsweise der Skandinavismus des 19. Jahrhunderts haben hierzu wesentlich mit beigetragen.

In diesen ureigenen skandinavischen Bewegungen wird das große Ziel deutlich, ehemalige Erzfeinde zur Abwehr äußerer Bedrohung zu einen und gleichzeitig die landeseigenen Positionen auf der Bühne der Großmächte durchsetzen zu können. Deshalb ist es äußerst fraglich, den Skandinavismus mit den Einigungsbewegungen zu einer deutschen oder italienischen Nation gleichzusetzen. Es wurde zwar versucht auf Grundlage der verwandten Sprachen und der gemeinsamen Geschichte ein Band zwischen den Völkern Nordeuropas zu schmieden, aber das Stadium der intensiven Zusammenarbeit reichte nicht bis zu einer realpolitisch geplanten Ländervereinigung.

3. Das Scheitern der Einigungsidee

Rein definitorisch gesehen, ist der Skandinavismus die im 19. Jahrhundert vor allem von Dänemark und Schweden ausgehende Bestrebung zur Herstellung der kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Einheit der skandinavischen Länder.[3] Aus der romantisch geprägten literarisch-akademischen Bewegung[4] wurde im Zuge der beiden Deutsch-Dänischen Kriege[5] eine politische Farce. Der gesamtskandinavische Gedanke wurde durch schwedische Großmachtsinteressen und Sympathien für Dänemark bei der kriegerischen Lösung der Schleswig-Holstein-Frage politisch ausgenutzt und gestärkt.

Als Schweden im Zweiten Deutsch-Dänischen Krieg die Rückendeckung für Dänemark plötzlich aufgab und eine neutrale Haltung einnahm, scheiterte der politische Skandinavismus.[6] Obwohl Karl XV. wie sein Vater ein großer Verfechter der großskandinavischen Einigungsidee war.[7] Der überschwänglich propagierten politischen Ideologie der Einheit der nordischen Völker folgte ein wesentlich pragmatischerer Skandinavismus. Dieser war unter anderen durch die Bildung einer Postunion 1869 und einer Münzunion 1875 zwischen Dänemark und der schwedisch-norwegischen Union gekennzeichnet. Bereits 1886 fand der erste Nordische Arbeiterkongress der Gewerkschaften und sozialdemokratischen Parteien statt. Hier sollten Meilensteine für spätere Entwicklungen gesetzt werden. Daneben fanden auf gesellschaftlicher Ebene zahlreiche internordische Treffen von Vertretern der Wirtschaft und Verwaltung, als auch Wissenschaftler- und Juristentreffen statt.[8]

4. Die Renaissance des Skandinavismus

4.1. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzte sich der oben angesprochene „pragmatische Skandinavismus“ fort und erlebte im sogenannten „Neuskandinavismus“ einen erheblichen Aufschwung. Es wurde allerdings verstärkt auf eine desillusionierte, d. h. ohne romantische Vorzeitschwärmereien versehene, realitätsbezogene praktische Zusammenarbeit auf gesellschaftlicher Ebene gesetzt.[9] Der Skandinavismus des 19. Jahrhunderts wurde anfangs von Dichtern und Studenten getragen. Die Vertreter des Neuskandinavismus des 20. Jahrhunderts hingegen waren Wissenschaftler, Politiker und Industrielle.[10] Im Gegensatz zur Vorgängerbewegung handelte es sich nicht mehr um eine europäisch geprägte national-liberale Einigungsbewegung. Vielmehr wurde nach weltwirtschaftlichen Regeln eine gemeinsame Möglichkeit gesucht wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Einbeziehung des seit 1905 unabhängigen Norwegens als auch der nach dem Ersten Weltkrieg autonomen Staaten Finnland und Island erweiterte neben dem kulturellen auch den wirtschaftlichen Rahmen der skandinavischen Zusammenarbeit.

Das Hauptanliegen der „Neuskandinavisten“ war die Stärkung der teilnehmenden Länder nach innen und außen.[11] Besonders in außenpolitischer Sicht sollte eine Art „Block“ Nordeuropas geschaffen werden, der bei internationalen Fragen[12] eine größere Beachtung erzielen würde. Im Zuge einer gemeinsamen Neutralitätspolitik gaben Dänemark, Norwegen und Schweden 1914 und 1917 zusammen ihre Neutralitätserklärungen ab. Da die skandinavischen Staaten nur mittelbar von den Kriegsfolgen betroffen waren und große Hoffnungen auf den Völkerbund setzten, rüsteten sie in der Nachkriegszeit stark ab.[13]

[...]


[1] Bohn, R. (Hrsg.): Deutschland, Europa und der Norden. Stuttgart 1993; Froese, W.: Geschichte der Ostsee. Völker und Staaten am Baltischen Meer. Gernsbach 2002; Hubatsch, W.: Unruhe des Nordens. Studien zur deutsch-skandinavischen Geschichte. Berlin 1956 u. a.

[2] Kattinger, D.; Putensen, D.; Wernicke, H. (Hrsg.): „Huru thet war talet j kalmarn“: Union und Zusammenarbeit in der Nordischen Geschichte. 600 Jahre Kalmarer Union (1397-1997). Hamburg 1997.

[3] Meyers großes Taschenlexikon. Bd. 23, Mannheim 82001, S. 9.

[4] Geprägt durch Dichter wie Carl Ploug entstand in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts eine regelrechte Euphorie unter der dänischen und schwedischen Studentenschaft, die im Studenterskandinavismus mündete.

[5] I. 1848-50, II. 1864.

[6] Putensen, D.: Nordische Zusammenarbeit im 19. und 20. Jahrhundert. In: Kattinger, D.; Putensen, D.; Wernicke, H. (Hrsg.): „Huru thet war talet j kalmarn“: Union und Zusammenarbeit in der Nordischen Geschichte. 600 Jahre Kalmarer Union (1397-1997). Hamburg 1997. S. 388, 390 f.

[7] Andersson, I.: Schwedische Geschichte. München 1950, S. 392 ff.; Der große Brockhaus. Bd. 10, Wiesbaden 181980, S. 480.

[8] Putensen, D.: Nordische Zusammenarbeit, Anm. 18 und 19.

[9] Hubatsch, W.: Unruhe des Nordens. Berlin, Frankfurt 1956, S. 152.

[10] Ders., S. 153.

[11] Hubatsch, S. 151.

[12] Insbesondere ging es dabei um Fragen der Neutralität.

[13] Putensen, G.: Außen- und Sicherheitspolitik der Staaten Nordeuropas von 1945-1990. Ein Überblick. Hamburg 1994, S. 17 f.; Houken, A.: Nordisk Samarbejde. Fra verdenskrig til verdenskrig. In: Kristensen, F. (Hrsg.): Nordiske problemer. Materialsamling til brug for skolor og studiekredse. Kopenhagen 1943, S. 118 ff.

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Details

Titel
Skandinavismus und nordische Zusammenarbeit
Hochschule
Universität Rostock  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Der Norden auf dem Weg nach Europa
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V116715
ISBN (eBook)
9783640190072
ISBN (Buch)
9783640190164
Dateigröße
2058 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Skandinavismus, Zusammenarbeit, Europa, Nordeuropa, Skandinavien
Arbeit zitieren
Magister Artium Christian Hall (Autor:in), 2005, Skandinavismus und nordische Zusammenarbeit , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116715

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