Was ist überhaupt schön? Eine spontane Antwort darauf wird bei den meisten Befragten höchstwahrscheinlich subjektiv geprägt sein, je nach persönlichem Geschmack und individuellen Vorlieben. Tatsächlich begleitet die Frage die Menschheit schon seit über 2300 Jahren – zumindest reichen die schriftlich überlieferten Aufzeichnungen bis dahin zurück. Eine Vielzahl von bekannten Philosophen und Dichtern hat sich seitdem mit der Ästhetik beschäftigt: Beginnend bei Platon, Aristoteles, Plotin bis hin zu Kant, Hegel und Nietzsche. Die Geschichte der Ästhetik hat ihren Ursprung im antiken Griechenland. Dort begründete Platon die erste systematische Ästhetik und schuf den Grundstein für alle weiteren ästhetischen Überlegungen, selbst für seine größten Kritiker wie zum Beispiel Nietzsche.
Weitere wirkmächtige antike Philosophen der Ästhetikgeschichte waren Aristoteles, der wohl bekannteste Schüler Platons, und Plotin, der mit seiner Platon-Vergegenwärtigung die letzte große, antike, philosophische Strömung begründete: den Neuplatonismus. Beide entwickelten eigene Ideen und Überzeugungen zur Ästhetik, natürlich immer unter Rückgriff auf Platons Philosophie.
Die zentrale Fragestellung der nachfolgenden Untersuchung lautet daher, wie Plotins Position zwischen Platons und Aristoteles zu verorten ist. Als Arbeitsthese dient Lambert Wiesings Aussage, wie entscheidend – aber auch wie unterschiedlich – die Stellung der Ästhetik in einem idealistischen System sein kann. Eine vergleichende Analyse der verschiedenen Ideen, Ansichten und Überzeugungen ermöglicht eine Einordnung ihres Wirkens für die Ästhetikgeschichte und kann dadurch rückblickend die philosophische Bedeutung ihrer Überlegungen verdeutlichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Plotin und Platon
1.1 Idealistisches System
1.2 Schönheitsbegriff
1.3 Kunstbegriff/ Kunstverständnis
2. Plotin und Aristoteles
2.1 Mimesis
2.2 Kunstbegriff/ Kunstverständnis
3. Plotins Platon und Aristoteles Platon
Zielsetzung & Themen
Die Untersuchung verfolgt das Ziel, die Position von Plotin innerhalb der Ästhetikgeschichte zwischen Platon und Aristoteles zu verorten. Basierend auf der Arbeitsthese von Lambert Wiesing wird analysiert, wie unterschiedlich die Stellung der Ästhetik in den jeweiligen idealistischen Systemen interpretiert werden kann und wie die Nachfolger Platons dessen Lehren neu gedeutet haben.
- Vergleichende Analyse der Schönheitsbegriffe bei Platon, Plotin und Aristoteles
- Untersuchung des Kunstbegriffs und des Verständnisses von Mimesis
- Bedeutung des idealistischen Systems für die ästhetische Theoriebildung
- Analyse der Begriffe Schein, Wahrheit und Katharsis im antiken Kontext
- Rekapitulation der Platon-Rezeption durch Plotin und Aristoteles
Auszug aus dem Buch
1.3 Kunstbegriff/ Kunstverständnis
Während sich beim Schönheitsbegriff zumindest noch einige Gemeinsamkeiten finden lassen, manifestiert sich am Kunstbegriff die Gegensätzlichkeit beider Philosophen. Der Kunstbegriff ergibt sich sowohl bei Platon als auch bei Plotin als logische Konsequenz ihres Schönheitsbegriffs und wie sie eben diesen auslegten.
Platon und Plotin sehen im sinnlichen Schönen einen Abglanz des Geistig-Schönen. Platon betont und überbewertet ‚Ab‘ in ‚Abglanz‘, das heißt die geringere Qualität alles sichtbaren Schönen. Plotin sieht hingegen den ‚Glanz‘ in ‚Abglanz‘.
Der Aussage Wiesings folgend bedeutet dies nichts Geringeres, als dass Platon das Sinnlich-Schöne degradiert, während Plotin es aufwertet. Belegt werden kann dies anhand von Platons Politea und Plotins Enneade I (Über das Schöne) sowie Enneade V (Die geistige Schönheit). Dabei sind im Folgenden zentrale Begriffe wie ‚Mimesis‘ und ‚Schein‘ zu klären.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Plotin und Platon: Dieses Kapitel vergleicht die idealistischen Systeme von Platon und Plotin und untersucht, wie beide Philosophen den Schönheits- und Kunstbegriff definieren, wobei insbesondere Platons Degradierung des Sinnlichen beleuchtet wird.
2. Plotin und Aristoteles: Hier wird der pragmatischere Ansatz des Aristoteles bezüglich der Mimesis und der Katharsis analysiert, der eine positive Abkehr von der radikalen Kunstkritik Platons darstellt.
3. Plotins Platon und Aristoteles Platon: Dieses Kapitel reflektiert die unterschiedliche Platon-Rezeption durch Plotin und Aristoteles und verortet Plotin philosophisch zwischen seinen beiden Vorgängern.
Schlüsselwörter
Ästhetik, Platon, Plotin, Aristoteles, Mimesis, Kunstbegriff, Idealismus, Schönheitsbegriff, Katharsis, Schein, Wahrheit, Neuplatonismus, Philosophie, Antike, Nachahmung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der ästhetischen Theoriebildung in der griechischen Antike und analysiert, wie Platon, Plotin und Aristoteles Schönheit und Kunst interpretiert haben.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themenfelder umfassen den Vergleich idealistischer Systeme, die Bedeutung des Begriffs Mimesis, die Rolle des Scheins in der Kunst sowie die Frage nach der Wertigkeit des Sinnlich-Schönen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, Plotins Position innerhalb der Ästhetikgeschichte zu bestimmen und zu klären, wie er und Aristoteles die Lehren Platons unterschiedlich aufgegriffen und weiterentwickelt haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine vergleichende Analyse basierend auf ausgewählten Primärtexten der philosophischen Ästhetik, unterstützt durch fachwissenschaftliche Kommentare von Lambert Wiesing.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in den Vergleich von Plotin mit Platon sowie Plotin mit Aristoteles, wobei die Begriffe Schönheit, Kunstverständnis und Mimesis systematisch gegenübergestellt werden.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Ästhetik, Mimesis, Idealismus, Platon-Rezeption und das Spannungsfeld zwischen Sinnlichkeit und Geistigkeit charakterisiert.
Wie unterscheidet sich Plotins Sicht auf die Kunst von der Platons?
Während Platon die sinnliche Kunst als bloße, irreführende Nachahmung abwertet, wertet Plotin die Sinneswelt auf, da sie für ihn die geistige Schönheit widerspiegeln kann.
Welche Rolle spielt die Katharsis bei Aristoteles?
Die Katharsis fungiert bei Aristoteles als "Seelenkur", die den Wert künstlerischer Darstellung legitimiert, da sie zur Reinigung von Affekten beiträgt und Kunst somit einen positiven Zweck erfüllt.
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- Anonym (Autor:in), 2021, Ästhetik bei Platon, Aristoteles und Plotin. Was ist überhaupt schön?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1167314