Wenn es um das Gewaltverhalten und die Gewaltausprägung von Jugendlichen geht, gibt es unterschiedlichste Meinungen in der Bevölkerung. Der überwiegende Tenor ist allerdings jener, dass die jugendliche Kriminalität brutaler geworden sei und zugenommen hat. Erwiesen ist, dass junge Personen, vorwiegend das männliche Geschlecht, im Vergleich zu Erwachsenen häufiger kriminell sind. Bedeutet dies aber gleichzeitig, dass die Jugendkriminalität ansteigt?
Die durch das BKA veröffentlichte polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) verzeichnet einen Rückgang von Straftaten vom Jahr 2018 auf das Jahr 2019. Auch die Straftaten mit Opfererfassung von Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren nahmen im Vergleich zum Vorjahr ab.
Die rückläufige Statistik der Jugendkriminalität war für mich der Anlass, mich mit methodischen Ansätzen gegen Jugenddelinquenz zu beschäftigen. In diesem Zusammenhang lautet die Fragestellung meiner vorliegenden Hausarbeit: Inwieweit können verschiedene präventive Maßnahmen Jugenddelinquenz beeinflussen?
Ich möchte mit meiner Arbeit keine pauschalisierte Antwort auf die oben aufgeführte Fragestellung erzielen, sondern vielmehr Ansätze vorstellen, die zur langfristigen Prävention beitragen können und darlegen, in welchen Lebensbereichen von Jugendlichen diese einzusetzen sind.
In meiner Hausarbeit möchte ich zunächst den Begriff der Jugenddelinquenz erläutern und diesen in einen Kontext zu kriminologischen und juristischen Informationen und der Lebensphase Jugend setzen. Nachfolgend werde ich die verschiedenen Ebenen der Kriminalisierung erläutern und Kriminalprävention inklusive der drei Präventionsstufen
definieren. Anschließend werde ich Möglichkeiten durch Prävention vorstellen und verschiedene Bereiche aufzeigen, in denen präventive Maßnahmen gegen Jugenddelinquenz eingesetzt werden. Auch das Zusammenwirken aller beteiligten
Institutionen sowie Chancen und Risiken möchte ich gerne näher beleuchten, um mir schlussendlich einen Gesamteindruck zwischen der rückläufigen Kriminalstatistik und den angewandten präventiven Maßnahmen zu schaffen und diese in einem persönlichen Fazit zusammenzufassen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Jugenddelinquenz / Jugendkriminalität
2.1 Jugendliche
2.2 Delinquenz/ Kriminalität bei Jugendlichen
3. Ebenen der Kriminalisierung
4. Kriminalprävention
5. Methodische Ansätze
5.1 Präventionsarbeit der Polizei
5.2 Sozialpolitische Kriminalprävention
5.3 Sozialarbeiterische Maßnahmen
6. Kriminalprävention als Risiko und Möglichkeit
7. Persönliches Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wirksamkeit verschiedener präventiver Ansätze zur Beeinflussung von Jugenddelinquenz, wobei die Autorin die Schnittstellen zwischen polizeilicher, sozialpolitischer und sozialarbeiterischer Präventionsarbeit analysiert und kritisch bewertet.
- Begriffsbestimmung und Kontextualisierung von Jugenddelinquenz
- Analyse der verschiedenen Ebenen der Kriminalisierung
- Untersuchung präventiver Maßnahmen der Polizei
- Diskussion sozialpolitischer Strategien zur Kriminalprävention
- Darstellung sozialarbeiterischer Ansätze in der Einzelfall- und Gruppenarbeit
Auszug aus dem Buch
5.1 Präventionsarbeit der Polizei
Die Polizeiliche Kriminalprävention hat einen besonders hohen Stellenwert, wenn es um die Sicherheit der Gesellschaft geht. Das Programm der polizeilichen Kriminalprävention (ProPK) „[…] ist ein Verbund zwischen den Polizeien der Bundesländer, der Bundespolizei, des Bundeskriminalamts und der Deutschen Hochschule der Polizei. Das Bundeskriminalamt ist auf strategischer Ebene in die Arbeiten der Projektleitung Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (PL PK) und auf operativer Ebene in die Arbeiten der Kommission Polizeiliche Kriminalprävention (KPK) eingebunden“ (BKA 2020: 1). Die Kommission der polizeilichen Kriminalprävention übernimmt hierbei die konzeptionelle Sacharbeit. Diese besteht darin, verschiedene Präventionskonzepte auszuarbeiten und umzusetzen sowie die länderübergreifende Öffentlichkeitsarbeit durchzuführen. Das Programm der Polizeilichen Kriminalprävention hat die Hauptintention, Bürger_innen über verschiedene Formen der Kriminalität zu informieren und Chancen zur Vorbeugung aufzuzeigen. Umgesetzt wird dies beispielsweise mit Hilfe von Kampagnen und kriminalpräventiver Werbung. Ferner ist das ProPK dafür zuständig, regionale Dienststellen der Polizei in ihrer präventiven Arbeit zu unterstützen (vgl. BKA 2020: 1).
Um einen tieferen Einblick in die Arbeit der polizeilichen Kriminalprävention für Jugendliche zu erlangen, kann der Jahresbericht 2019 mit konkreten Projekten und Kampagnen herangezogen werden. Ein Schwerpunkt des Berichts mit dem Fokus auf Jugendliche ist der Ansatz, Gewaltdelikte an Schulen zu bekämpfen. Diese Kampagne richtet sich nicht nur an Schüler_innen, Lehrer_innen und Eltern, sondern bezieht auch weitere Behörden und Ämter mit ein. Ziel dieser Maßnahme ist es, den Schüler_innen Rahmenbedingungen von funktionierender Gewaltprävention zu erklären und die Funktion der Polizei zu vermitteln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die öffentliche Wahrnehmung von Jugendkriminalität im Kontrast zu statistischen Daten und formuliert das Ziel der Arbeit, präventive Maßnahmen zur langfristigen Einflussnahme auf Jugenddelinquenz zu untersuchen.
2. Jugenddelinquenz / Jugendkriminalität: Dieses Kapitel definiert die Lebensphase Jugend sowie die Begriffe der Delinquenz und Kriminalität, um ein gemeinsames Verständnis für die strafrechtlichen Rahmenbedingungen zu schaffen.
3. Ebenen der Kriminalisierung: Hier wird anhand der Labelingtheorie erläutert, wie primäre und sekundäre Devianz entstehen und welchen Einfluss Stigmatisierungsprozesse auf kriminelle Karrieren haben.
4. Kriminalprävention: Der Abschnitt erläutert den Begriff der Prävention, stellt das dreistufige Modell (Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention) vor und differenziert zwischen Verhaltens- und Verhältnisprävention.
5. Methodische Ansätze: Dieses Hauptkapitel analysiert drei konkrete Handlungsfelder: die polizeiliche Präventionsarbeit, sozialpolitische Strategien zur Verbesserung von Lebensbedingungen und sozialarbeiterische Maßnahmen in der Praxis.
6. Kriminalprävention als Risiko und Möglichkeit: Die Autorin wägt die Chancen der Kriminalitätsvermeidung gegen potenzielle Risiken ab, wie etwa eine hysterisierte öffentliche Wahrnehmung oder rechtsstaatliche Grenzüberschreitungen durch Überwachung.
7. Persönliches Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, wobei die Autorin die fachübergreifende Kooperation lobt, jedoch einen deutlichen Mangel an finanziellen Ressourcen für eine nachhaltige sozialpolitische Präventionsarbeit kritisiert.
Schlüsselwörter
Jugendkriminalität, Jugenddelinquenz, Kriminalprävention, Sozialpolitik, Soziale Arbeit, Polizeiliche Kriminalprävention, Labelingtheorie, Primärprävention, Sekundärprävention, Tertiärprävention, Stigmatisierung, Jugendgerichtsgesetz, Präventionsmodelle, Gewaltprävention, Sozialisationsprozess
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Thema der Kriminalprävention bei Jugendlichen und untersucht, welche methodischen Ansätze existieren, um Jugenddelinquenz langfristig zu beeinflussen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Felder sind die Definition von Jugenddelinquenz, die verschiedenen Ebenen der Kriminalisierung, präventive Strategien der Polizei sowie die Bedeutung sozialpolitischer und sozialarbeiterischer Maßnahmen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Inwieweit können verschiedene präventive Maßnahmen Jugenddelinquenz beeinflussen?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Fachberichten und aktuellen Statistiken, um eine fundierte Diskussion zu den verschiedenen Präventionsansätzen zu ermöglichen.
Was ist das zentrale Ergebnis im Hauptteil?
Der Hauptteil zeigt auf, dass eine erfolgreiche Kriminalprävention auf eine fachübergreifende Zusammenarbeit zwischen Polizei, Politik und Sozialer Arbeit angewiesen ist, wobei jeder Bereich spezifische Schwerpunkte setzt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird vor allem durch Begriffe wie Präventionsstufen, interdisziplinäre Zusammenarbeit, Soziale Arbeit und Jugendgerichtsgesetz charakterisiert.
Wie bewertet die Autorin die sozialpolitischen Maßnahmen?
Sie bewertet diese als theoretisch sinnvoll, in der Praxis jedoch als unzureichend umgesetzt, da es primär an einer nachhaltigen finanziellen Ausstattung mangelt.
Welche Bedeutung hat die Kooperation zwischen den Fachbereichen?
Die Kooperation gilt als essentiell, da einzelne Institutionen wie die Jugendhilfe die komplexen Herausforderungen der Prävention nicht allein bewältigen können, sondern ein vernetztes Vorgehen erfordern.
- Arbeit zitieren
- Beke Ernst (Autor:in), 2020, Prävention gegen Jugenddelinquenz. Vorstellung verschiedener methodischer Ansätze, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1167324