Friedrich I. - Außenpolitische Schlafmütze oder diplomatischer Schachspieler?


Seminararbeit, 2007

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Friedrich I. – außenpolitische Schlafmütze oder diplomatischer Schachspieler?
2.1 Die außenpolitische Lage Preußens nach der Krönung – ein kurzer Überblick:
2.2 Die Jahre 1709 bis 1713 mit Blick auf den Spanischen Erbfolgekrieg
2.3 Die Haltung des Königs Friedrich I. im Nordischen Krieg:

3 Abschließende, zusammenfassende Bewertung und ein kurzes Fazit

4 Literatur und Quellen

1 Einleitung

Friedrich I. steht im Schatten dreier Menschen. Zum einen überragt ihn sein Vater, der Große Kurfürst, Friedrich Wilhelm. Er hatte das zerklüftete und vom Dreißigjährigen Krieg geschundene Land wieder in mühsamer Arbeit aufgebaut, nach außen gesichert und nach innen stabilisiert. Auch der Sohn von Friedrich I. überstrahlt den Vater durch seine Vorliebe für die Soldaten und durch die umwälzenden Sparmaßnahmen, die er nach dem Tod des Vaters durchsetzte. Durch die aufbrausende und cholerische Art wurde er von Untertanen und Familie gleichermaßen gefürchtet. Doch den größten Schatten wirft Friedrichs I. Enkel, Friedrich II. der Große. Durch seine teuren und Mensch und Material verschlingenden Kriege wurde Preußen zu einem der größten und gefürchtetsten Staaten in Europa. Doch auch nach diesen Kriegen zeigte er durch prächtige Bauten, dass das Preußen seines Vaters, dem spartanisch lebenden Soldatenkönig, wo Kunst, Musik und Feste als unnütz galten, nicht mehr existierte.

Durch diese drei großen Herrscher hatte die Nachwelt schnell ein Bild vom ersten König in Preußen gefunden. Verschwenderisch, prunkliebend und untätig, so beschrieb ihn sein eigener Enkel. Doch war Friedrich I. wirklich untätig? War er wirklich eine ‚außenpolitische Schlafmütze’, die nichts für Brandenburg-Preußen erreicht hatte? Oder war er ein ‚diplomatischer Schachspieler’, der durch einzelne, geschickte Aktivitäten sein Land vergrößern wollte?

2 Friedrich I. – außenpolitische Schlafmütze oder diplomatischer Schachspieler?

2.1 Die außenpolitische Lage Preußens nach der Krönung – ein kurzer Überblick:

Wo befinden wir uns zeitlich und von den Ereignissen her? Anfang des 18. Jahrhunderts befindet sich Europa in Aufruhr. In Spanien starb der letzte spanische Habsburger Karl II. ohne einen Nachfolger zu hinterlassen. Da aber sowohl Frankreichs König Ludwig XIV. als auch der deutsche Kaiser Leopold I. mit Schwestern Karls II. verheiratet waren, beanspruchten nun beide den Thron für ihr jeweiliges Haus. Karl hatte aber vor seinem Tode den bayrischen Kurprinzen zum Erben ernannt, doch dieser starb mit sieben Jahren, daraufhin wurde der Enkel Ludwigs XIV. zum Nachfolger ernannt. Als der Erbfall eintrat, beeilte sich Ludwig und bestätigte seinen Enkel, Philip von Anjou, als rechtmäßigen Erben auf Spaniens Thron. Das warf das Gleichgewicht der Kräfte in Europa völlig aus den Fugen. Um einem übergewichtigen Frankreich entgegenzuwirken verbündeten sich England, die niederländischen Generalstaaten und das Heilige Römische Reich unter Kaiser Leopold I. Frankreich standen die wittelsbacher Kurfürsten von Köln und Bayern und das Haus Savoyen, dies aber nur bis zum Seitenwechsel 1703, zur Seite.

Friedrich I. stand dem Kaiser mit einem Expeditionskorps von schätzungsweise 8.000 Mann bei[1]. Was waren die Motive für das Anschließen an diese Große Allianz? Zum einen erhoffte sich der Monarch Gebietszuwachs im Westen und einen Erbanteil aus dem oranischen Hausbesitz, da seine Mutter aus dem Hause Oranien stammt. Zum anderen war er auf die Subsidienzahlungen der westlichen Verbündeten angewiesen, um die Armee und seinen Hofstaat zu finanzieren.[2] Aber auch das gleiche Glaubensgefühl mit den Generalstaaten und den Engländern spielte für Friedrich I. eine sehr wichtige Rolle bei der Entscheidung zur Unterstützung der Alliierten.[3]

Der Kriegsverlauf der Jahre 1703 – 1709, dem Jahr von Malplaquet, soll hier nur kurz angeschnitten werden, aber dennoch ein Bild der Lage zeichnen können. Zwischen März und September 1703 waren zunächst die französischen und bayrischen Truppen in Süddeutschland erfolgreich. Markgraf Ludwig Wilhelm I. von Baden-Baden und John Churchill, Herzog von Marlborough[4], besiegten die bayerischen Truppen unter Kurfürst Maximilian II. Emanuel am Schellenberg bei Donauwörth (2.7.1704), Prinz Eugen von Savoyen-Carignan und Marlborough siegten bei Höchstädt an der Donau (13.8.). Marlborough eroberte durch den Sieg bei Ramillies nahe Tienen (23.5.1706) fast die ganzen Spanischen Niederlande, Prinz Eugen verdrängte mit dem Sieg bei Turin (7.9.1706) die Franzosen aus Oberitalien. Soviel zum Verlauf des Konflikts. Es sei erwähnt, dass nach der Niederlage gegen die französisch-bayrischen Truppen in der ersten Schlacht bei Höchstädt (20.9.1703) die Preußen unter Leopold I. von Anhalt-Dessau, dem alten Dessauer, den Rückzug der Österreicher und dessen Reichsverbände sicherten. Nach der zweiten Schlacht von Höchstädt (13.8.1704) wurde Brandenburg-Preußen in die Rolle einer Auxiliarmacht gezwungen, das hieß, dass die kurbrandenburgisch-preußischen Generale nicht zu den Besprechungen der anderen Generale eingeladen waren und somit auch keinen großen Einfluss auf den Krieg nehmen konnten.

In dieser Phase des Krieges hatte Brandenburg-Preußen einige Gebietsgewinne zu verzeichnen. So zum Beispiel die deutschen Besitzungen des Hauses Oranien, Mörs und Lingen, und das heute schweizerische Gebiet Neuchâtel. Zwar versuchte Brandenburg-Preußen noch weitere Gebiete zu erlangen, wurde in dieser Absicht allerdings nicht von den Abgesandten der Großen Allianz unterstützt.[5]

Wenden wir uns nun einem anderen Kriegsschauplatz in dieser Zeit zu. Zeitgleich mit dem spanischen Erbfolgekrieg tobte der Große Nordische Krieg im Baltikum, Polen und Teilen des russischen Zarenreiches, auch bekannt als Dritter Nordischer Krieg. Hier sah sich Schweden unter Karl XII. einer Koalition aus Dänemark, Sachsen, Polen und Russland gegenüber. Doch wie kam dieser Konflikt zustande? In Schweden bestieg 1697 der erst 15-jährige Karl XII. den Thron und seine späteren Gegner, Russland, Dänemark und Sachsen-Polen, sahen dies als eine günstige Gelegenheit, dem jungen und unerfahrenen König seine Ostseegebiete zu entreißen. Diese wollten sie nach einem Sieg unter sich aufteilen. In Rawa trafen sich Sachsens Kurfürst und Polens König August der Starke, Russlands Zar Peter I. und Dänemarks König Friedrich IV., um die Allianz gegen Karl XII. und Schweden zu besiegeln. Russland wollte in diesem Krieg seinen Zugang zur Ostsee erweitern und so bessere Chancen im interkontinentalen Handel zu haben[6], während Dänemark sich seinen Einfluss im gesamten Ostseeraum zurückerkämpfen wollte. Der Krieg brach mit dem, zu schnellen und gegen die Verabredungen der Verbündeten, sächsischen Angriff auf das schwedisch-freundliche Riga im Februar 1700 aus.[7] Im März erfolgte dann der Angriff der Dänen auf das mit Schweden verbündete Herzogtum Holstein-Gottorf. Schwedens König reagierte schnell. Unterstützt durch ein englisch-niederländisches Geschwader landete er in Dänemark und belagerte dessen Hauptstadt Kopenhagen. Daraufhin musste Dänemarks König, aufgrund der Tatsachen, dass seine Flotte die durch das englisch-niederländisch Geschwader verstärkten schwedischen Flotte nicht besiegen konnte und weil seine Landtruppen im schleswig-holsteinischen Gottorf standen, weit weg von der Hauptstadt, im Frieden von Travendal (13. August 1700) aus der antischwedischen Allianz ausscheiden.[8] Gerade zu diesem Zeitpunkt erklärte Russland Schweden den Krieg und griff die Festung Narva an, wurde jedoch von den Schweden vernichtend geschlagen. Auch der sächsische Angriff auf Riga fiel zurück und Schweden eröffnete nun die Offensive gegen Sachsens Kurfürst in Polen, wo es hoffte die antisächsischen und antirussischen Gruppierungen gegeneinander auszuspielen und so August derartig unter militärischen Druck zu setzen, dass ihm nichts anderes übrig blieb, als Frieden zu schließen.[9] Nach Jahren der blutigen, verlustreichen und zerschmetternden Gefechte musste sich auch Sachsen, nachdem es von den Schweden völlig überrannt wurde, im Frieden von Altranstädt aus der Koalition gegen Schweden zurückziehen.

Es war nun ein weiterer, schwerer Krieg an der Grenze des neuen Königreiches Preußen entbrannt. Die beiden größten Staaten des Ostseeraumes, Schweden und Russland, lieferten sich genau vor Friedrichs Türschwelle ein tödliches Duell um die Vorherrschaft im Ostseeraum. Es stellt sich nun die Frage, was für eine Position Friedrich I. hier einnahm? Obwohl hier mehr Gebietsgewinne möglich waren, als im spanischen Erbfolgekrieg, nahm Friedrich I. die Haltung eines Vermittlers ein, der an die Großmächte des Nordens zum gegenseitigen Frieden appellierte, und ließ sich durch keinerlei Bitten in einen Kriegseintritt verleiten.[10] Er fürchtete, dass sein Land dabei als Durchmarschgebiet missbraucht werden könnte. Die antischwedische Koalition drängte den Monarchen jedoch in den Krieg auf ihrer Seite einzuschreiten. Friedrich I. lehnte ab, stellte jedoch klar, dass er Schwedens Besitzungen in Mecklenburg wolle, sollte er sich anders entscheiden.

[...]


[1] Hintze, Otto: Die Hohenzollern und ihr Werk, Berlin 1915, S.272

[2] Neugebauer, Wolfgang: Die Hohenzollern, Bd. 1, Stuttgart/Berlin/Köln 1996, S.130

[3] Hintze, Otto: Die Hohenzollern und ihr Werk, Berlin 1915, S.272

[4] John Churchill,1. Herzog von Marlborough (seit 1702; seit 1689 Earl of Marlborough), Reichsfürst von Mindelheim (seit 1710), britischer Feldherr und Staatsmann, *Ashe (County Devonshire) 26.5.1650, auf Cranbourn Lodge in Windsor 16.6.1722

[5] Hintze, Otto: Die Hohenzollern und ihr Werk, Berlin 1915, S.272

[6] Duchhardt, Heinz: Balance of Power und Pentarchie. Internationale Beziehungen 1700-1785, Paderborn/Wien/München/Zürich, S.238

[7] ebenda, S.240

[8] Duchhardt, Heinz: Balance of Power und Pentarchie. Internationale Beziehungen 1700-1785, Paderborn/Wien/München/Zürich, S.241

[9] ebenda S.243

[10] Hassinger, Erich: Brandenburg-Preußen, Russland und Schweden 1700-1713, Veröffentlichung des Osteuropa-Instituts München, Bd. II., Isar-Verlag, München 1953, S.32-38

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Details

Titel
Friedrich I. - Außenpolitische Schlafmütze oder diplomatischer Schachspieler?
Hochschule
Universität Potsdam  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Der „schiefe“ Fritz
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
14
Katalognummer
V116762
ISBN (eBook)
9783640190416
ISBN (Buch)
9783640190621
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Friedrich, Außenpolitische, Schlafmütze, Schachspieler, Fritz
Arbeit zitieren
Christopher Schmidt (Autor), 2007, Friedrich I. - Außenpolitische Schlafmütze oder diplomatischer Schachspieler?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116762

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