Diese Arbeit beschäftigt sich mit Simmels Aufsatz "Das Problem der Soziologie" (1908), in dem er zunächst die Legitimation der Soziologie als eine eigene Wissenschaft erklärt. Zu dieser Zeit war Soziologie eher die "Wissenschaft von der Gesellschaft [...] das allumfassende Gebiet" und somit ein über-disziplinäres Fach. Die Soziologie könne nicht als eine übergeordnete Wissenschaft aufgefasst werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Das Problem der Soziologie
2. Gesellschaft und Vergesellschaftung
3. Form und Inhalt der Vergesellschaftung
4. Geselligkeit als Spielform der Vergesellschaftung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit Georg Simmels soziologischem Werk auseinander, mit dem Ziel, seine theoretische Grundlegung der Soziologie als eigenständige Wissenschaft zu rekonstruieren und die Konzepte der Wechselwirkung, Vergesellschaftung sowie der Differenzierung von Form und Inhalt zu explizieren.
- Legitimation der Soziologie als eigenständige Disziplin
- Die fundamentale Bedeutung der Wechselwirkung für soziale Prozesse
- Differenzierung zwischen Inhalt (subjektive Motive) und Form (objektive Gebilde)
- Die Analyse der Geselligkeit als spezifische Spielform der Vergesellschaftung
- Kritische Reflexion des Einflusses moderner Sachzwänge auf die soziale Interaktion
Auszug aus dem Buch
Die Unterscheidung von Inhalt und Form
Die Frage was die Soziologie als eigenständige Wissenschaft konstituiert beantwortet Simmel über die Unterscheidung von Inhalt und Form, denn er geht noch weiter und differenziert in der Vergesellschaftung einen Bereich, der durch die Begriffe „Form“ und „Inhalt“ geprägt ist (S. 21). Unter Inhalt sind individuelle Motive, Interessen und Zwecke zu verstehen, die die Materie der Vergesellschaftung bilden. Jedoch entsteht Vergesellschaftung erst, wenn sich das isolierte Nebeneinander der Individuen zu bestimmten Formen des Miteinander und Füreinander gestaltet.
Die Wechselwirkung der Personen untereinander kann also auch über subjektives Handeln der Einzelnen hinausgehen, sich verselbstständigen und Stabilität annehmen. Dadurch entstehen objektive Gebilde, Formen der Wechselwirkung, wie sie sich in individuellen Bewusstseinsstrukturen niederschlagen, die gewissermaßen unabhängig vom Einzelnen sind und zugleich auch zentrale Veränderungen der sozialen Makrostrukturen überdauern können. Diese objektiven Gebilde nennt Simmel Formen. Die Formen der Vergesellschaftung stellen eine eigene Qualität der Sozialität dar, in die die Inhalte des individuellen Handels ebenso einwirken, wie die Individuen sich in ihren wechselseitigen Beziehungen erfahren. So können verschiedene Inhalte in eine Form eingehen. Ebenso kann sich auch ein Inhalt in verschiedenen Formen realisieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Problem der Soziologie: Dieses Kapitel erläutert Simmels Bestreben, die Soziologie durch die Definition eines eigenen Objektbereichs von anderen Wissenschaften abzugrenzen.
2. Gesellschaft und Vergesellschaftung: Hier wird die zentrale Rolle der Wechselwirkung als Grundlage sozialer Ordnung analysiert und der Gesellschaftsbegriff durch den Prozessbegriff der Vergesellschaftung ersetzt.
3. Form und Inhalt der Vergesellschaftung: Das Kapitel befasst sich mit der methodischen Differenzierung zwischen den individuellen Trieben (Inhalt) und den stabilen, objektiven sozialen Strukturen (Form).
4. Geselligkeit als Spielform der Vergesellschaftung: Dieser Teil untersucht die Geselligkeit als eine besondere, losgelöste Form der Interaktion, in der Persönlichkeit und soziale Distanz in ein spezifisches Gleichgewicht gebracht werden.
Schlüsselwörter
Soziologie, Georg Simmel, Wechselwirkung, Vergesellschaftung, Form, Inhalt, Geselligkeit, soziale Interaktion, Objektive Gebilde, Subjektivität, Individualität, Soziale Struktur, Taktgefühl, Soziologische Spielform, Moderne Gesellschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Georg Simmels soziologische Fundierung, insbesondere seine theoretische Herleitung der Soziologie als eine Wissenschaft, die sich mit den Formen der Wechselwirkung zwischen Menschen befasst.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit fokussiert auf die Konzepte der Wechselwirkung, die Unterscheidung zwischen Inhalt und Form, den Prozess der Vergesellschaftung sowie die soziologische Interpretation der Geselligkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Simmel die Soziologie durch die Etablierung eines spezifischen Objektbereichs von einer allgemeinen Gesellschaftswissenschaft zu einer eigenständigen Disziplin entwickelt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit nutzt die methodische Analyse und Rekonstruktion von Simmels Originaltexten, wobei sie insbesondere auf seine begriffliche Differenzierung und die theoretische Herleitung sozialer Phänomene setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundbausteine Simmels, wie die Wechselwirkung, die Verselbstständigung von Formen und die Analyse der Geselligkeit als Spielform, detailliert erörtert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist maßgeblich durch Begriffe wie Vergesellschaftung, Wechselwirkung, soziale Form, Inhalt des sozialen Handelns und Geselligkeit gekennzeichnet.
Was versteht Simmel unter der „oberen“ und „unteren“ Geselligkeitsschwelle?
Die obere Schwelle markiert den Punkt, an dem Interaktion zu einem festen Zweck wird, während die untere Schwelle den Punkt beschreibt, an dem die subjektive Person zu stark in den Vordergrund tritt.
Warum bezeichnet Simmel die Geselligkeit als „Spielform“?
Weil die Geselligkeit, ähnlich wie ein Spiel, nach eigenen Regeln funktioniert und die Interaktion losgelöst von konkreten sachlichen Inhalten oder Ergebnissen stattfindet.
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- Rukiye Tekin (Author), 2019, Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung nach Georg Simmel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1167644