Ausgehend von der These „Fragile Staatlichkeit ist ein globales sicherheitspolitisches Problem!“ soll diese Arbeit Antworten auf die folgenden zentralen Fragen geben:
Was ist Staatszerfall und welche Merkmale hat er?
Gibt es verschieden Stufen von Staatszerfall und wenn ja, welche Unterscheidungsmöglichkeiten existieren zwischen ihnen?
Gehen von zerfallenden Staaten globalen Gefahren aus und wenn ja, warum und welche?
Auf diesen Fragen basierend gliedert sich meine Arbeit in vier inhaltliche Abschnitte. Im ersten Teil meiner Arbeit werden, basierend auf Merkmalen moderner Staaten, Kennzeichen fragiler Staaten beschrieben und eine Typologieeinteilung diesbezüglich vorgenommen. Darauf aufbauend beschreibe ich im zweiten Abschnitt die Zusammenhänge von Staatszerfall und den daraus möglicherweise erwachsenden globalen Sicherheitsrisiken. Einen besonderen Schwerpunkt lege ich bei dieser Betrachtung auf die Interdependenz zwischen fragiler Staatlichkeit und dem internationalen Terrorismus. Da die externe Intervention eine Möglichkeit ist, Staatszerfall und den daraus erwachsenden Gefahren zu begegnen, gehe ich im vorletzten Abschnitt kurz darauf ein und schließe meine Arbeit mit einem aus persönlichen Erfahrungen geprägten Resümee.
Abschließend noch einige Bemerkungen zu der von mir verwendeten Literatur. Schaut man sich die Jahreszahlen meiner benutzten Literatur an, ist man geneigt, das Thema Staatszerfall bzw. fragile Staatlichkeit als neues Phänomen zu deklarieren. Tatsächlich ist es jedoch so, dass seit dem Ende des Kalten Krieges die Zahl von fragilen Staaten, insbesondere in der sogenannten Zweiten und Dritten Welt, stetig zugenommen hat . Allerdings wurde dieser Vorgang lange als entwicklungspolitisches Problem mit lediglich lokal begrenzten Auswirkungen wahrgenommen. Erst mit den Anschlägen vom 11.September 2001 und der Nutzung zerfallener Staaten als territoriale Basis für Terrornetzwerke, rückte dieses Thema zunehmend in den sicherheitspolitischen Focus . Dies erklärt die relativ vielfältige, aktuelle und neue Literatur zu dieser Problematik. Im Wesentlichen stützt sich meine Arbeit auf die Literatur aus dem States-at-Risk-Projekt der Stiftung Wissenschaft und Politik. Diese Projektgruppe unter der Leitung von Ulrich Schneckener erarbeitete ein Analysekonzept, welches zum einen generalisierende, weiterführende Aussagen zum Thema fragile Staatlichkeit ermöglicht und zum anderen einen Vergleich zwischen verschiedenen Ländern möglich macht .
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Phänomen des Staatszerfalls
II.1 Die drei Kernfunktionen moderner Staaten und Merkmale fragiler Staaten
II.2 Von weak state bis failed state – eine Einteilung in Typen fragiler Staatlichkeit
III. Folgen fragiler Staatlichkeit
III.1 Staatszerfall – Ein globales Sicherheitsrisiko?
III.2 Fragile Staatlichkeit und transnationaler Terrorismus
IV. Externe Intervention
V. Persönliches Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die These, dass fragile Staatlichkeit ein globales sicherheitspolitisches Problem darstellt, und analysiert dabei insbesondere die Wechselwirkungen zwischen zerfallenden Staaten und dem transnationalen Terrorismus.
- Merkmale und Typologien fragiler Staatlichkeit
- Staatszerfall als globales Sicherheitsrisiko
- Interdependenz zwischen fragilen Staaten und internationalem Terrorismus
- Infrastrukturelle Voraussetzungen für Terrornetzwerke in instabilen Regionen
- Möglichkeiten und Herausforderungen externer Interventionen
Auszug aus dem Buch
III.2 Fragile Staatlichkeit und transnationaler Terrorismus
Bevor ich Verknüpfungen bzw. Zusammenhänge zwischen Staatszerfall und Terrorismus aufzeige, verweise ich darauf, dass Terrorismus kein Phänomen ist, welches sich ausschließlich auf fragile Staaten beschränkt. Auch die Länder der OECD Welt hatten in der Vergangenheit und haben teilweise noch in der Gegenwart mit einheimischen Terrorgruppen zu kämpfen. Die IRA in Nordirland, die ETA in Spanien oder die RAF in Deutschland seien hier nur exemplarisch genannt. Die terroristischen Aktivitäten dieser Gruppen waren bzw. sind allerdings lokal begrenzt und richten sich häufig gegen die Regierung bzw. das Staatssystem des eigenen Landes. Im Weiteren soll deshalb dem Zusammenhang zwischen fragilen Staaten und einem spezifischen Typ von Terrorismus nachgegangen werden. Dieser neue transnationale Terrorismus islamistischer Prägung hat seinen Ausgangspunkt eben nicht in der OECD Welt, sondern in den muslimisch geprägten Weltregionen. Unter der Berücksichtigung der Erfüllung der fünf Mindestkriterien,
- Grenzüberschreitende Operationen,
- Internationale /regionale Zielsetzung,
- Transnationale Ideologie,
- Transnationale Netzwerkstrukturen,
- sowie Multinationale Mitgliedschaft
kann man als Beispiele für Transnationale Terrornetzwerke Al Qaida, Jemaah Islamiyah sowie mit geringen Einschränkungen die Hizbollah nennen. Da es sich bei diesen Terrornetzwerke um Netzwerke islamistischer Prägung handelt, beziehe ich mich im Folgenden hauptsächlich auf den Zusammenhang zwischen fragilen Staaten mit vorwiegend islamischer Religion und transnationalem Terrorismus. Fragile Staaten z.B. in Südamerika werden nicht berücksichtigt.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung motiviert die Themenwahl durch persönliche Erfahrungen aus Auslandseinsätzen und führt die zentrale Fragestellung zur globalen Sicherheitsbedrohung durch Staatszerfall ein.
II. Phänomen des Staatszerfalls: Das Kapitel definiert den modernen Nationalstaat über die Funktionen Sicherheit, Wohlfahrt und Legitimität und leitet daraus eine Typologie von weak states bis failed states ab.
III. Folgen fragiler Staatlichkeit: Hier wird der Zusammenhang zwischen Staatszerfall und globalen Sicherheitsrisiken, insbesondere dem transnationalen Terrorismus und dessen benötigten Infrastrukturen in instabilen Räumen, analysiert.
IV. Externe Intervention: Dieser Abschnitt erörtert die Komplexität externer Eingriffe als Instrument zur Beendigung von Staatszerfall und benennt kritische Parameter wie Interventionstiefe und -ziel.
V. Persönliches Resümee: Der Autor reflektiert kritisch über die Bewertung von Interventionen und plädiert dafür, den Erfolg stärker an den lebensweltlichen Verbesserungen für die betroffene Bevölkerung zu messen.
Schlüsselwörter
Staatszerfall, Fragile Staatlichkeit, Failed States, Sicherheitspolitik, Transnationaler Terrorismus, Externe Intervention, Gewaltmonopol, Schwache Staaten, Globale Risiken, Sicherheit, Wohlfahrt, Legitimität, Rechtsstaatlichkeit, Krisenmanagement, Souveränität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Hausarbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht das Phänomen fragiler Staatlichkeit und analysiert, warum zerfallende Staaten ein globales Sicherheitsrisiko darstellen können.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit deckt die Definition fragiler Staatlichkeit, die Typologisierung von Staatszerfall sowie die spezifische Interdependenz zwischen diesen Staaten und dem internationalen Terrorismus ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die These zu untermauern, dass fragile Staatlichkeit ein globales sicherheitspolitisches Problem darstellt, und die Rolle externer Interventionen zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor nutzt ein Analysekonzept basierend auf dem States-at-Risk-Projekt, um generalisierende Aussagen und Ländervergleiche zu ermöglichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der drei Staatsfunktionen, die Einteilung in verschiedene Stufen des Zerfalls und die Untersuchung infrastruktureller Voraussetzungen für Terrornetzwerke in fragilen Staaten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Staatszerfall, fragile Staatlichkeit, transnationaler Terrorismus, Sicherheitspolitik und externe Intervention.
Warum spielt das Gewaltmonopol eine zentrale Rolle für die Typologisierung?
Der Zustand der Sicherheitsfunktion wird als der kritischste Bereich angesehen, da ohne ein sicheres Umfeld Fortschritte in der Wohlfahrt oder Legitimität kaum realisierbar sind.
Wie bewertet der Autor den Erfolg von Interventionen?
Der Autor argumentiert, dass Erfolge nicht nur an globalen, hohen Zielsetzungen wie schneller Demokratisierung gemessen werden sollten, sondern auch an der konkreten Normalisierung des Alltagslebens für die betroffene Zivilbevölkerung.
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- Marco Kienlein (Author), 2008, Fragile Staatlichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116773