Berlin - Deutschlands wichtigste Musikmetropole?


Seminararbeit, 2003

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Akteure der Musikwirtschaft
2.1 Musikunternehmen
2.2 Verlage

3. Die Berliner Clubszene
3.1 Clubkultur
3.3 Veranstaltungsorte

4. Musikevents und Festivals
4.1 Musikevents
4.2 Festivals

5. Klassische Musik
5.1 Opernhäuser
5.2 Orchester und Chöre

6. Musikausbildung

7. Politik

8. Die Musikwirtschaft Berlin im Ländervergleich

9. Schluss

10. Anhang

11. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Noch vor einem Jahrzehnt war das einst gespaltene Berlin eher unbedeutend für die Musikindustrie. Metropolen wie Frankfurt am Main, Köln, Hamburg und München gaben den Ton an. Dieses Bild hat sich heute grundlegend gewandelt. Besonders in den letzten Jahren hat Berlin unter den Medienstädten, aufgrund des wachsenden Interesses der internationalen Musikindustrie, der vielen trendangebenden Labels sowie der Vielfalt an Veranstaltungen mit internationaler Ausstrahlung stark an Bedeutung gewonnen.

Bereits vor zwei Jahren titelte das Düsseldorfer Handelsblatt: „Die internationale Musikwirtschaft nimmt Kurs auf die Bundeshauptstadt.“ (Standortprofil Berliner Musikwirtschaft: 2001: 60) Diese Prognose wird heute von vielen Umfragen und Statistiken bestätigt. Jedoch zieht es nicht nur die großen Musikunternehmen wie Universal oder Sony Music nach Berlin. Auch bekannte Musiksender richten sich an der Spree neu ein. Aus dem Geheimtipp Berlin ist in wenigen Jahren eine erfolgreiche Talentschmiede geworden.

Warum Berlin für die Musikbranche immer bedeutender wird und was die Hauptstadt von anderen Musikmetropolen Deutschlands unterscheidet, damit beschäftigt sich die Hausarbeit schwerpunktmäßig. Dabei wird zuerst auf die Akteure der Musikwirtschaft eingegangen, da hier besonders einschneidende Veränderungen verzeichnet wurden und noch immer werden. Als Akteure sind in diesem Zusammenhang Musikunternehmen und Verlage zu verstehen. Danach werden sowohl die weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte Berliner Clubszene, die vielfältigen Musikevents der Stadt, als auch der klassische Bereich genauer untersucht. Anschließend wird in einem bundesweiten Vergleich die Stellung der Berliner Musikwirtschaft dargelegt. Um die Frage „Berlin - derzeit Deutschlands Musikmetropole Nummer 1?“ zu untermauern oder wenn nötig zu widerlegen, werden im Schlussteil die wichtigsten Aspekte zusammengefasst.

Zur Behandlung dieses Themas entschloss ich mich, da mein Interesse der Thematik Medien, insbesondere der Musikwirtschaft gilt, und weil mich die Aktualität und die Brisanz reizten. So wird auf der einen Seite die Ansiedlung international bekannter Musikunternehmen durch den Berliner Senat gefördert, auf der anderen Seite häufen sich die Beschlüsse, welche die Streichung öffentlicher Mittel im Bereich der Musikwirtschaft vorsehen.

Bedingt durch die Gegenwärtigkeit des Themas stellte sich die Quellenlage etwas problematisch dar. Neben einigen Informationsbroschüren der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft und Technologie griff ich deshalb viel auf Zeitungsberichte und auf das Medium Internet zurück.

2. Akteure der Musikwirtschaft

2.1 Musikunternehmen

Die Landeshauptstadt übt derzeit eine hohe Anziehungskraft auf Musikunternehmen aus.

Das erste große Tonträgerunternehmen, welches den Standort Berlin wählte, war die Sony Musik Entertainment GmbH. Im Sommer 2000 zog Sony mit seinen Labels Columbia und Epic sowie der Neugründung Berlin Records von Frankfurt in die Hauptstadt. Das mehr als 400 Mann starke Unternehmen von Sony Music richtete sich als neue Zentrale ein Bürogebäude innerhalb des Sony Centers am Potsdamer Platz ein. Jochen Leuschner, Senior Vice Präsident Germany, Switzerland and Austria Region & Managing Direktor von Sony Music Entertainment GmbH, begründete die Verlegung des Firmensitzes vom Main an die Spree wie folgt: „Die Musik pocht nach wie vor an vielen Orten in Deutschland – aber das Herz schlägt in Berlin. (...)“ (Projekt Zukunft. Musikwirtschaft Berlin: 2001: 1) Für Sony Music ist die Auswahl des Standortes ein wichtiges Element der Firmenkultur. Nach J. Leuschner entwickelt sich Berlin zum Schmelztiegel für Kreative. Ein Unternehmen wie Sony Music, dass sich durch Kreativität und innovative Flexibilität definiert, gehört laut Leuschner nach Berlin. (Vgl. Projekt Zukunft. Musikwirtschaft Berlin: 2001: 1)

Dass der Umzug von Sony Music erst der Anfang war, zeigte sich im Juli 2002. Der weltgrößte Musikkonzern Universal Music lenkt sein Geschäft nach dem Wegzug aus Hamburg nun von Berlin aus. Als wesentlichsten Grund für die Standortentscheidung nennt T. Renner, Chairman von Universal Music Deutschland, die neue Rolle der Hauptstadt als kreatives Zentrum: „In Berlin herrscht eine ungeheuer vitale Aufbruchstimmung. Die Szene ist lebendiger als je zuvor. Berlin ist Deutschlands musikalisches Epizentrum – als kreative Firma müssen wir einfach da sein, wo die Musik spielt.“ (http://www.berlin.de…universal.htm: 2002) Der ehemalige Wirtschaftssenator W. Branoner begrüßte die Standortentscheidung von Universal Music: „Heute ist Berlin seinem Ziel, Deutschlands Musikhauptstadt zu werden, einen Schritt näher gekommen.“ (http://www.berlinews.de: 2001) Das neue Firmendomizil von Universal Music befindet sich in Berlin-Friedrichshain. Von insgesamt 640 Arbeitplätzen wurden 500 in die neue Zentrale verlegt. Nach Angaben des Konzerns sind mehr als die Hälfte der umgezogenen Mitarbeiter von Berlin begeistert. (Vgl. http://www.berlin.de…universal.htm: 2002) Doch nicht alle Mitarbeiter des Konzerns waren bereit ihre Heimatstadt zu verlassen. Besonders ältere Kollegen nahmen den Sozialplan in Anspruch und erhielten eine Abfindung, über deren Höhe das Unternehmen keine Angaben machte. Um die fehlenden Stellen auszugleichen, wurden 200 neue Mitarbeiter eingestellt. (Vgl. http://www.pnn.de: 2003)

Doch nicht nur Sony Music und Universal hat Berlin angelockt. So erklärte O. Schulten, Geschäftsführer der deutschen Phono-Akademie, dass die Deutschen Phonoverbände ebenfalls bis Ende 2003 von Hamburg nach Berlin ziehen wollen. Sie vertreten rund 1000 Tonträgerhersteller und somit 95% des Phonomarktes. Nach Aussage Schultens ließen sich die Interessen seiner Branche am Regierungssitz Berlin effektiver artikulieren. Ein neuer Standort wird derzeit in Berlin-Mitte gesucht. (Vgl. http://www.morgenpost.berlin1.de: 2002)

Ebenfalls von der Aufbruchstimmung erfasst, ist der Musiksender MTV Germany. Dieser verlegt bis Anfang 2004 seine Zentrale von München nach Berlin, um seine Standorte in Hamburg, München und London in der Hauptstadt zu konzentrieren. Die Chefin von MTV Germany, C. Mühlemann, gab in einem Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ als Grund für den Umzug die Entwicklung Berlins zur kreativen Musik-Hauptstadt an. Obwohl auch München eine zentrale Medienstadt ist, zählt für den Musiksender der Kontakt zu der Musikszene und den Labels mehr. Nach Mühlemann ist die Konzentration des Unternehmens an einem Standort das wichtigste Ziel. ( Vgl. http://www.digitv.de: 2002)

Schon länger in Berlin ansässig ist die Bertelsmann Music Group, welche die BMG Entertainment GmbH vertritt. Die BMG Music GmbH beschäftigt zur Zeit ca. 60 Mitarbeiter. Mit BMG, Sony Music und Universal Music sind in Berlin drei der fünf Akteure des internationalen Musikgeschäftes in Berlin vertreten.

Neben den Majorfirmen sind in der Hauptstadt eine Reihe von spezialisierten Minilabels zu finden. Für eine erfolgreiche Entwicklung bzw. Weiterentwicklung der Musikindustrie sind kleine, aber innovative Firmen ebenso von Bedeutung wie große. Oft werden neue Trends und Stile von spezialisierten Unternehmen aufgespürt. Zu den kleineren Labels gehören u.a. die Tresor Records GmbH und das 1996 gegründete Label !K7 Records. Seit zwei Jahren arbeiten Virgin Labels und Mute Records mit rund 20 Mitarbeitern in Berlin. Weitere Berliner Musikunternehmen mit internationaler Firmenstruktur sind u.a. DefJam Germany, Sanctuary Records GmbH und V2 Records GmbH. Insgesamt haben sich in Berlin rund 130 Musikunternehmen etabliert. (Vgl. Projekt Zukunft. Musikwirtschaft Berlin: 2001: 4f)

Zusammenfassend kann die Aussage getroffen werden, dass die Hauptstadt für große und kleine Unternehmen durch seine Standortvorteile, wie die Internationalität, die Vielzahl kreativer Menschen sowie die vielfältige Clubkultur besonders interessant ist. Aber auch die Mietpreise sind ein nicht zu unterschätzender Faktor. So zählt Berlin europaweit als die preisgünstigste Metropole. (Vgl. Standortprofil Berliner Musikwirtschaft: 2001: 13) Als vorteilhaft erweist sich weiterhin die Konzentration der Musikunternehmen im Berliner Stadtraum City-Ost, im sogenannten Szene Viertel von Prenzlauer Berg, und in der City-West, wodurch der Kontakt zwischen den Unternehmen erleichtert wird. (Abb. 1) (Vgl. Krätke: 2002: 160)

2.2 Musikverlage

Neben den Musiklabels befinden sich in der Hauptstadt rund 90 Musikverlage und Editionen. Das Spektrum reicht vom Autoren- bis zum Majorverlag. Hierbei unterscheidet man zwischen Verlagen, die an Musik- und Medienkonzerne gebunden sind und konzernunabhängig handelnden Verlagen. Die Berliner Musikverlage sind überwiegend mittelständisch geprägt, wobei die Mehrheit der Verlage unabhängig von den Konzernen operiert.

Zu den größten Musikverlagen mit einem geschätzten Jahresumsatz von über 5 Millionen Euro zählen die Meisel Verlage und die Rolf Budde Musikverlage. Bereits 1926 wurden die Edition Meisel Verlage von dem Komponisten Will Meisel in Berlin gegründet. In den 60er Jahren verhalfen seine Söhne, als erste produzierende Verleger, bekannten deutschen Schlagerstars zu großen Erfolgen. Heute verfügt das Haus über mehr als 50.000 Copyrights.

Die 1947 in Berlin gegründeten Rolf Budde Musikverlage vertreten international bekannte Künstler. Durch Partnerfirmen verfügt der Verlag über eine Vielzahl an Auslandskontakten, die es ihm ermöglichen auf der ganzen Welt zu agieren.

Zu den konzerngebundenen Verlagen gehören die seit dem Sommer 2000 in Berlin agierenden Sony/ATV Music Publishing und BMG UFA Musikverlage. Als die BMG UFA Musikverlage 1991 in die Hauptstadt zogen, bemühten sie sich als erstes Major-Unternehmen neue Künstler zu entdecken. Bis heute wurde das Unternehmen erweitert und umfasst bisher 500 Mitarbeiter. (Vgl. Standortprofil Berliner Musikwirtschaft: 2001: 17f)

3. Die Berliner Clubszene

Der Begriff Clubszene umfasst die besonders junge Menschen ansprechenden Trends, Musikrichtungen, Clubs und andere zu verschiedenen Zwecken genutzte Veranstaltungsorte. Dabei versteht sich der Begriff Club als ein klein- bis mittelgroßer Veranstaltungsort, der durch elektronische Musik, auch bekannt als Techno, gekennzeichnet ist.

3.1 Clubkultur

Mit dem Zusammenbruch der Industrie im Ostteil Anfang der 90er Jahre bot sich den Clubbetreibern eine einmalige Situation. Leer stehende industrielle Räume wurden von ihnen angemietet und fanden eine neue Nutzung. In Berlin entwickelte sich durch die Verbindung der neuen elektronischen Musik und der unbenutzten Industriearchitektur eine noch nie in Deutschland da gewesene Clubkultur. Durch diese ist Berlin besonders attraktiv für junge Menschen. Derzeit existieren in Berlin ca. 250 Clubs für Techno, House, Drum & Dass, R’n’B, Elektro, Independent, Alternative, Rock usw. Ökonomisch betrachtet ist die Berliner Clublandschaft ein Wirtschaftsfaktor, in dem Umsätze erzielt werden, die sich im siebenstelligen Bereich bewegen. (Vgl. Projekt Zukunft. Musikwirtschaft Berlin: 2001: 3)

Die industriellen Immobilien ermöglichten es den Clubbetreibern noch vor wenigen Jahren Räume in zentralen Lagen, welche in anderen Großstädten unerschwinglich waren, zu mieten und einen Club zu eröffnen. Inzwischen hat sich daran einiges geändert. Mit der endgültigen Klärung der Eigentumsverhältnisse mussten viele Clubs schließen, da die Eigentümer ihre Räumlichkeiten zu möglichst hohen Preisen an andere Investoren vermieten oder verkaufen wollten. Eines der vielen Beispiele dafür ist der Club Maria am Ostbahnhof. Dieser schloss Ende 2001, weil der Eigentümer, die Immobiliengesellschaft der Deutschen Post, auf dem Gelände Wohnhäuser und Bürogebäude bauen wollte. Weitere bekannte Clubs die aufgrund ausgelaufener Zeitmietverträge zur Schließung gezwungen wurden, sind das Casino, Ufo, Planet, E-Werk, und das Ostgut, welches den Plänen einer Veranstaltungshalle im Wege stand. Ebenfalls seit Jahren bedroht von der Schließung ist der Tresor am Potsdamer Platz, der bereits 1991 öffnete und seitdem zu den angesagtesten Clubs in Berlin gehört. (Vgl. http://www.berlinonline.de: 2001)

3.2 Veranstaltungsorte

In Berlin existieren Veranstaltungsstätten jeder Größenordnung. Durch die Vielzahl der Veranstaltungsorte und Veranstalter gibt es ein in Deutschland einmaliges Angebot an Musikveranstaltungen. Zu den kleineren Locations mit einer Kapazität bis zu 300 Personen zählen der Dunker Club, der Rote und der Grüne Salon, das Tacheles und der Knaack Club. Mittelgroße Veranstaltungsorte, die Platz für bis zu 700 Personen bieten, sind das Glashaus, das SO 36, der Pfefferberg, Columbia Fritz, Maria am Ostbahnhof und das Razzle Dazzle.

Andere Locations mit einer Kapazität über 3.000 Personen sind die Parkbühne Wuhlheide, die Waldbühne, die Columbiahalle, die Arena, das ICC u.v.a.. (Vgl. Standortprofil Berliner Musikwirtschaft: 2001: 50f)

In der Nähe des Potsdamer Platzes entstand 2001 das Tempodrom, ein Versammlungsort mit moderner Ausstattung und vielfältiger Nutzung. Insgesamt finden dort rund 3.700 Gäste in der großen Arena und nochmals 400 Zuschauer in der kleinen Arena Platz. Allerdings zeichneten sich bereits in der Bauphase erste Probleme bei der Finanzierung ab. Aufgrund der auf rund 22 Millionen Euro gestiegenen Kosten konnte das Bauvorhaben nur durch einen Zuschuss vom Berliner Senat gewährleistet werden. (Vgl. http://www.n-tv.de: 2001) Nur ein Jahr nach seinem Start war das Tempodrom erneut bedroht. Nach Angaben des Tagesspiegels hat der Berliner Senat beschlossen das Gebäude zu verkaufen, da es sich durch die Konkurrenz der Columbiahalle nicht rentiert. Noch fehlt jedoch die Zustimmung des parlamentarischen Hauptausschusses zu den Plänen des Senats, ohne die der Verkauf nicht stattfinden kann. (Vgl. http://archiv.tagesspiegel.de: 2003)

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Berlin - Deutschlands wichtigste Musikmetropole?
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)  (Kulturwissenschaft)
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V11678
ISBN (eBook)
9783638177702
ISBN (Buch)
9783638842037
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Berlin, Deutschlands, Musikmetropole
Arbeit zitieren
Melanie Lüdtke (Autor), 2003, Berlin - Deutschlands wichtigste Musikmetropole?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11678

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