Das Ziel der folgenden Arbeit ist es, herauszuarbeiten, was die Istanbul-Konvention fordert und welche Ansprüche sie an Deutschland stellt. Außerdem soll sie darstellen, wie der aktuelle Stand der Umsetzung ist und welche Lücken noch bestehen. Dabei soll die Rolle der Sozialen Arbeit herausgearbeitet werden bei der Bekämpfung und Verhütung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. Daraus ergibt sich folgende Fragestellung für die Arbeit: "Welche Herausforderungen bringt die Istanbul-Konvention und welche Lösungsmöglichkeiten gibt es? Welche Rolle spielt dabei die Soziale Arbeit bei der Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt?"
Die drei Schwerpunkte dieser Arbeit liegen dabei in der Herausarbeitung der Forderungen der Istanbul-Konvention, der Stand deren Umsetzung in der Bundesrepublik Deutschland, sowie die Aufgabe der Sozialen Arbeit und deren Rolle bei der Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. Die Frage nach der Umsetzung ist von besonderem Interesse, weil eine kritische Betrachtung mögliche Handlungsbedarfe aufdeckt und da 2020 die Überprüfung Deutschlands durch die Expert*innengruppe Group of Experts on Action against Violence against Women and Domestic Violence (GREVIO) stattfindet.
Außerdem besteht die Gefahr, dass Stillstand bei der Entwicklung neuer Lösungen eintritt ohne eine wissenschaftliche Bearbeitung dieses Themas. Für die Soziale Arbeit ist der Schwerpunkt der Umsetzung der Konvention dahingehend wichtig, da sie auf dieser gesetzlichen Grundlage handelt und diese deren Handlungsfelder maßgeblich beeinflusst. Da Soziale Arbeit in den Feldern vertreten ist, die mit den betroffenen Opfern sowie Tätern arbeiten, hat die Profession einen starken Bezug zur Istanbul-Konvention.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Herausforderungen der Istanbul-Konvention
2.1 Inhaltliche Aspekte und Forderungen
2.2 Der Gewaltbegriff der Istanbul-Konvention
2.2.1 Geschlechterspezifische Gewalt gegen Frauen
2.2.2 Häusliche Gewalt
3 Umsetzung der Istanbul- Konvention in Deutschland
3.1 Analyse des aktuellen Standes der Umsetzung der Aufgaben und Forderungen zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen
3.2 Vergleich mit der Umsetzung in Finnland und Österreich
3.2.1 Finnland
3.2.2 Österreich
4 Rolle der Sozialen Arbeit
4.1 Umgang mit Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt in der Sozialen Arbeit
4.2.1 Prävention (Aufklärung- Enttabuisierung, Studium, Täterarbeit)
4.2.1.1 Aufklärung Enttabuisierung Studium
4.2.1.2 Täterarbeit
4.2.2 Intervention (Interventionsstellen/ Frauenhäuser/Jugendamt)
4.2.2.1 Interventionsstellen
4.2.2.2 Frauenhäuser
4.2.2.3 Jugendamt
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Anforderungen der Istanbul-Konvention an Deutschland, analysiert den aktuellen Umsetzungsstand unter Berücksichtigung von Lücken und Vergleichen mit anderen europäischen Ländern und beleuchtet die zentrale Rolle der Sozialen Arbeit bei der Prävention und Intervention von geschlechterspezifischer und häuslicher Gewalt.
- Forderungen und Struktur der Istanbul-Konvention
- Status quo der Umsetzung in Deutschland im Vergleich zu Finnland und Österreich
- Kritische Analyse von Handlungsbedarfen und rechtlichen Rahmenbedingungen
- Bedeutung und Aufgaben der Sozialen Arbeit als Menschenrechtsprofession
- Handlungsfelder der Prävention und Intervention
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Gewalt gegen Frauen
Im Allgemeinen definiert die Konvention diese als die sogenannte geschlechterspezifische Gewalt, also die Form von Gewalt, die sich gegen eine Frau richtet aufgrund dessen, dass sie eine Frau ist oder Frauen unverhältnismäßig stark betrifft. (vgl. Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt Art.3) Die Konvention prägt einen umfassenden Gewaltbegriff der sowohl die psychische, körperliche, sexuelle, als auch die wirtschaftliche Dimension von geschlechterspezifischer Gewalt mit einbezieht. Durch die Einbeziehung der wirtschaftlichen Dimension von Gewalt, erweitert die Istanbul-Konvention das bisherige Gewaltverständnis. Bei der geschlechtsspezifischen Gewalt ist das Hauptmotiv das Geschlecht des Opfers und wird in der Konvention mit der historischen Unterordnung der Frau begründet, als Folge von ungleichen Machtverhältnissen. (vgl. Henneberger in Lembke, Steinl 2018, 207)
Auch die Autorin Hagemann-White und der Autor Lenz beschreiben im Wörterbuch Soziale Arbeit und Geschlecht Gewalt mit dem Aspekt der kulturellen Prägung. Der Begriff mit seiner Bedeutung ändert sich mit dem gesellschaftlichen Wandel. Wo in früheren Zeiten Gewalt von Männern als Normalität betrachtet wurde und zu Kriegszeiten sogar erwünscht, ist dieses Verhalten heute gesellschaftlich unerwünscht. In der Sozialen Arbeit wird Gewalt als Handeln eines Individuums gesehen, welches sich in systemischen Kontexten bewegt. Somit ist Gewalt zwar die Tat eines Menschen aber mit gesellschaftlichen Hintergründen, welche vor allem bei geschlechterspezifischer Gewalt gegen Frauen meistens mit der Geschlechtsidendität verbunden ist. Das Machtgefälle, das durch die ungleichen Machtverhältnisse von Männern und Frauen entsteht, ermöglicht Gewalt. In der Forschung wird intensiv zur Gewaltkonstellation männlicher Täter und weibliches Opfer geforscht, woraufhin sozialpolitische Maßnahmen erfolgen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die fortdauernde Relevanz von Gewalt gegen Frauen, insbesondere im digitalen Wandel und während der Pandemie, und führt in die Istanbul-Konvention als völkerrechtliches Instrument ein.
2 Herausforderungen der Istanbul-Konvention: Dieses Kapitel erläutert den inhaltlichen Aufbau der Konvention, ihre vier Säulen (Prävention, Schutz, Strafverfolgung, koordinierte Politik) und definiert die zentralen Gewaltbegriffe.
3 Umsetzung der Istanbul- Konvention in Deutschland: Es wird analysiert, inwieweit Deutschland die Konvention umsetzt, wobei erhebliche Lücken aufgezeigt und ein Vergleich mit den Systemen in Finnland und Österreich gezogen wird.
4 Rolle der Sozialen Arbeit: Dieses Kapitel verknüpft die Anforderungen der Konvention mit der professionellen Praxis der Sozialen Arbeit, unterteilt in spezifische Präventions- und Interventionsaufgaben.
5 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, betont den dringenden Handlungsbedarf für Deutschland und verweist auf die Notwendigkeit zukünftiger empirischer Forschung.
Schlüsselwörter
Istanbul-Konvention, Gewalt gegen Frauen, Häusliche Gewalt, Soziale Arbeit, Menschenrechte, Gewaltschutz, Prävention, Intervention, Geschlechterspezifische Gewalt, GREVIO, Frauenhäuser, Opferhilfe, Täterarbeit, Rechtsgrundlage, Diskriminierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen bei der Umsetzung der Istanbul-Konvention in Deutschland und beleuchtet die Rolle, die die Profession Soziale Arbeit dabei einnimmt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der Schutz vor Gewalt gegen Frauen, die Definition von häuslicher Gewalt, die rechtliche Verankerung von Gewaltschutzmaßnahmen und die professionelle Ausgestaltung von Prävention und Intervention.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, welche Forderungen die Konvention stellt, den aktuellen Umsetzungsstand kritisch zu bewerten und die Bedeutung für die Soziale Arbeit sowie mögliche Handlungsbedarfe aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, dem Abgleich der Konventionsforderungen mit Analysen von Fachinstituten (wie dem DIMR) und einem Vergleich mit internationalen Umsetzungsbeispielen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Konvention, den Stand der deutschen Umsetzung, vergleicht diesen mit Finnland und Österreich und leitet daraus Aufgaben für die Soziale Arbeit in den Feldern Prävention und Intervention ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Istanbul-Konvention, Gewaltschutz, geschlechterspezifische Gewalt, Soziale Arbeit und Menschenrechte.
Warum ist die föderale Struktur Deutschlands bei der Umsetzung der Konvention problematisch?
Wie die Analyse zeigt, führt die unterschiedliche Regelungskompetenz zwischen Bund, Ländern und Kommunen zu einer uneinheitlichen Finanzierung und Umsetzung des Hilfesystems, was den Kriterien der Konvention entgegensteht.
Welche Rolle spielt die Täterarbeit innerhalb der Konvention?
Die Täterarbeit wird als präventive Maßnahme verstanden, um Gewaltkreisläufe zu durchbrechen und die Ursachen für geschlechterspezifische Gewalt nachhaltig zu bearbeiten.
- Quote paper
- Katharina Hühnermann (Author), 2020, Die Herausforderungen der Istanbul-Konvention. Welche Rolle spielt die Soziale Arbeit bei der Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1167807