In dieser Arbeit geht es um das Goethebild des Jungen Deutschland, ausgehend von hymnischen Goethe-Typologien das Goethebild des Jungen Deutschland im Hinblick auf Form und Inhalt im Spannungsfeld von Polemik und ästhetischer Eigenständigkeit zu beschreiben. Es wird zu zeigen sein, inwieweit die Goethe-Rezeption der Jungdeutschen das Fundament einer neuen Poetik bildete oder als bloße Polemik ins Leere lief.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Goetheverehrung im 19. Jahrhundert
2.1. Goethes Selbststilisierung
2.2. Das Verhältnis zu jungen Schriftstellern
3. Goethe-Kritik im Jungen Deutschland
3.1. Die Jahre des Jungen Deutschland
3.2. Wolfgang Menzel
3.3. Ludwig Börne
3.4. Karl Gutzkow
3.5. Ludolf Wienbarg
3.6. Goethe und die Positionen jungdeutscher Schriftsteller
4. Schlussbemerkungen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht das ambivalente Goethe-Bild der Autoren des "Jungen Deutschland" in der Zeit zwischen 1830 und 1848. Dabei wird analysiert, wie die Kritik am übermächtigen "Klassiker" als Mittel diente, um sich von der literarischen Vergangenheit zu emanzipieren und ein neues, politisch engagiertes Literaturverständnis zu begründen.
- Die literarische und politische Goethe-Rezeption des 19. Jahrhunderts.
- Methoden der Selbststilisierung Goethes und deren Wirkung auf Zeitgenossen.
- Die ästhetische und polemische Auseinandersetzung bedeutender Jungdeutscher mit Goethe.
- Der Versuch eines literarischen Neubeginns durch die Synthese von Kunst und politischer Wirklichkeit.
Auszug aus dem Buch
3.2. Wolfgang Menzel
Die Literaturkritik des Stuttgarter Literaturpapstes Wolfgang Menzel war bis in die 40er Jahre des 19. Jahrhunderts eine maßgebliche autoritäre Stimme des literarischen Lebens. Das von ihm herausgegebene „Cottas Literaturblatt“ bleibt bis in die vierziger Jahre hinein der Begriff für das erste literaturkritische Organ in Deutschland. Seine 1828 veröffentlichtes Programmschrift „Deutsche Literatur“ ist für die Goethe-Rezeption des Jungen Deutschlands zunächst von einigem Einfluss. Die Absage der Schiller-Goetheschen Kunstperiode, wie sie Friedrich und August Wilhelm Schlegel in den Jahren 1803 bis 1806 zuerst formuliert haben, bildet die Grundlage des Buches. Menzels rückwärts gewandte Kulturkritik ist ein Rundumschlag gegen Person und Werk Goethes, wobei er seine Kritik vor allem in der zweiten Auflage der „Deutschen Literatur“ von 1836 noch radikalisiert und um zahlreiche polemische, gehässige Pointen ergänzt. Diese maßlose Heftigkeit lässt jedes Bemühen, Goethe und seinem Werk objektiv gerecht zu werden, vermissen.
Als strammer Nationalist und Burschenschaftler wirft Menzel Goethe vor allem fehlendes Nationalbewusstsein vor. Außerdem kritisiert er an Goethe moralische und religiöse Gleichgültigkeit, Goethe ist für ihn die Personifikation der Geringschätzung und Verweichlichung: „Goethe war eine Macht in Deutschland, eine dem äußern Feind in die Hände arbeitende, innere erschlaffende, auflösende Kraft, unser böser Genius, der uns mit einem phantastischen Egoismus, mit den Genüssen des Scheins und der Selbstvergötterung über den Verlust der Religion, des Vaterlandes und der Ehre täuschte, der da machte, dass wir uns wie der weichliche Narcissus im Quell bespiegelten, während man hinter uns Ketten und Dolche bereitete; mit einem Worte, der uns zu Schwächlingen machte, während wir des Heldenmuthes am meisten bedurften (...)“ schreibt Menzel im Literaturblatt vom 9. September 1829.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die historische Situation zwischen 1815 und 1849 und führt in das Spannungsfeld der Goethe-Rezeption ein, in dem die Jungdeutschen nach neuen ästhetischen Grundlagen suchen.
2. Goetheverehrung im 19. Jahrhundert: Dieses Kapitel thematisiert die heroische Überhöhung Goethes durch Biographen und seine eigene Selbststilisierung als Repräsentant einer überzeitlichen Kunst.
2.1. Goethes Selbststilisierung: Hier wird analysiert, wie Goethe durch sein Werk und die Inszenierung seines Wohnhauses gezielt an seinem eigenen Mythos als Dichterfürst arbeitete.
2.2. Das Verhältnis zu jungen Schriftstellern: Dieses Kapitel beschreibt die zwiespältige Verehrung und das ambivalente Ansehen Goethes bei jüngeren Autoren seiner Zeit.
3. Goethe-Kritik im Jungen Deutschland: Das Hauptkapitel untersucht die theoretischen und polemischen Ansätze der Jungdeutschen, sich von Goethes ästhetischem Vorbild abzugrenzen.
3.1. Die Jahre des Jungen Deutschland: Es wird der zeitliche und programmatische Rahmen der Bewegung sowie das Streben nach einer Literatur der politischen Gegenwart beschrieben.
3.2. Wolfgang Menzel: Die Untersuchung befasst sich mit der radikalen und nationalistisch motivierten Kulturkritik Menzels an Goethe.
3.3. Ludwig Börne: Hier wird Börnes politisch motivierte Ablehnung Goethes als unpolitischer Aristokrat detailliert analysiert.
3.4. Karl Gutzkow: Dieses Kapitel widmet sich Gutzkows differenziertem Versuch, eine objektive Auseinandersetzung mit dem "Grenzstein" Goethe zu führen.
3.5. Ludolf Wienbarg: Wienbarg wird als einer der wohlwollenderen Kritiker vorgestellt, der versuchte, Goethes Kunstmaximen organisch in eine neue Theorie zu integrieren.
3.6. Goethe und die Positionen jungdeutscher Schriftsteller: Eine Synthese der verschiedenen Kritiken und der gemeinsamen Forderung nach einer Wirklichkeit zugewandten Literatur.
4. Schlussbemerkungen: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert das Scheitern der jungdeutschen Ansätze an einer zunehmenden Ästhetisierung.
Schlüsselwörter
Goethe, Junges Deutschland, Goethe-Rezeption, Literaturgeschichte, Vormärz, Wolfgang Menzel, Ludwig Börne, Karl Gutzkow, Ludolf Wienbarg, politische Literatur, Ästhetik, Dichterfürst, Patriotismus, Literaturkritik, Selbststilisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rezeption von Johann Wolfgang von Goethe durch die literarische Gruppierung des "Jungen Deutschland" in der Zeit des Vormärz.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Spannungen zwischen der Verehrung Goethes als Klassiker und der literarischen sowie politischen Notwendigkeit, sich von seinem übermächtigen Erbe zugunsten einer zeitgenössischen, engagierten Literatur zu emanzipieren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Es soll geklärt werden, inwieweit die Goethe-Kritik der Jungdeutschen als Ausgangspunkt für die Entwicklung einer neuen Poetik und Literaturauffassung diente.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturhistorische Analyse, die zentrale Texte und Kritiken (etwa von Menzel, Börne, Gutzkow und Wienbarg) gegenüberstellt und kontextualisiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die spezifischen Argumentationsmuster der verschiedenen jungdeutschen Schriftsteller, von Menzels extremer Polemik bis zu Gutzkows theoretisch fundierter Auseinandersetzung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Goethe-Rezeption, politisches Engagement, Ästhetik des Vormärz, Literaturkritik und das Verhältnis von Kunst und Leben.
Wie unterschied sich die Kritik von Wolfgang Menzel von der von Karl Gutzkow?
Während Menzel Goethe aus einer nationalistischen und polemischen Perspektive als "bösen Genius" angriff, bemühte sich Gutzkow um eine objektivere Einordnung Goethes als historische Figur, an deren Werk das "Alte" endete und das "Neue" begann.
Warum sahen die Jungdeutschen in Goethe ein Hindernis für ihren literarischen Fortschritt?
Goethe wurde als übermächtiger Literaturtitan wahrgenommen, dessen kultische Verehrung die Freiheit junger Autoren einschränkte und die Forderung nach einer Literatur, die sich mit den drängenden Problemen der Gegenwart befasst, blockierte.
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- Oliver Wagner (Author), 1999, Das Goethebild des Jungen Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1168063