Bei dieser Unterrichtsidee für eine Ethikstunde der achten Klasse eines Gymnasiums handelt es sich um eine projektorientierte Unterrichtseinheit mit dem Thema „Liebe geht uns alle an“. Mit dieser allgemeinen Überschrift lassen sich unter anderem die Themenbereiche Liebe, Partnerschaft, Sexualität und Gender abdecken. Am Ende der Unterrichtseinheit sollen die SuS moralische, ethische und religiöse Phänomene der eigenen Lebenswelt im Hinblick auf die Liebe, die Sexualität, die Genderidentität und die Partnerschaft problemorientiert beschreiben können.
Zeichen und Symbole der LGBTQI+ Community und des Liebesbegriffes sollen sie auffinden, beschreiben, sich selbstständig ihren Bedeutungszusammenhang erschließen und diesen unter Verwendung von Fachbegriffen formulieren können. Zudem sollen sie den Zusammenhang zwischen dem Wahrgenommenen und den eigenen Erfahrungen herstellen, zum Ausdruck bringen und mit den kulturellen und religiösen Hintergründen mithilfe von selbst recherchiertem und aufbereitetem Fachwissen darstellen können.
Inhaltsverzeichnis
1. Was ist selbstgesteuertes Lernen?
2. Didaktische Vorüberlegungen
3. Skizze einer Unterrichtsidee
4. Chancen und Risiken
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und methodischen Ansätze des selbstgesteuerten Lernens in der schulischen Praxis. Ziel ist es, eine konkrete Unterrichtseinheit zum Thema „Liebe geht uns alle an“ für eine 8. Klasse zu entwickeln, bei der die Lernenden durch projektorientierte Arbeit ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Autonomie bei der Gestaltung ihres Lernprozesses und ihrer Arbeitsergebnisse übernehmen.
- Grundlagen und Definitionen des selbstgesteuerten Lernens
- Didaktische Einordnung und Planung der Unterrichtseinheit
- Entwicklung und Strukturierung einer projektorientierten Lerneinheit
- Rolle der Lehrkraft als Lernbegleiter
- Reflektion von Chancen und Risiken bei der Öffnung von Unterrichtsstrukturen
Auszug aus dem Buch
1. Was ist selbstgesteuertes Lernen?
Für die Beantwortung dieser Frage lohnt es sich zuerst den Begriff „Selbststeuerung“ näher zu betrachten. Das Wort besteht aus den Wortteilen „Selbst“ und „Steuerung“. Das „Selbst“ ist als „Internal ablaufende Prozesse der Informationsverarbeitung, die in der Verantwortung und in Rahmen der Möglichkeiten des Lernenden liegen (...)“ (Konrad & Traub, 2009, S. 3) gemeint. Bei einer „Steuerung“ wird eine aktive Handlung in Richtung vollzogen. Häufig wird das Wort Regulation als dessen Synonym verwendet. Dabei ist bei der Steuerung der Informationsfluss in eine Richtung gemeint; bei der Regulation wird dieser durch Rückkopplungsmechanismen ergänzt (vgl. ebd. S. 4). Damit einhergehend kann die Selbstregulation als Teilaspekt des selbstgesteuerten Lernens verstanden werden. Es ist eine Form der Lernregulation, die sich in dem Eingreifen des ablaufenden Lernprozesses äußert, wenn eine Diskrepanz zwischen dem Ist- und dem Soll-Zustand festgestellt wird. Der Soll-Zustand stellt das vorher festlegte Ziel und der Ist-Zustand den aktuellen Lernstand dar. Allgemein lässt sich selbstgesteuertes Lernen in fünf Phasen unterteilen: Die Zielsetzung (Soll-Wert), Durchführung der Handlung, Überwachung der Handlung (Ist-Zustand), Evaluation des Lernprozesses und des Lernergebnisses mit der Zielsetzung sowie wenn nötig Anpassung (Regulation) der Maßnahmen (vgl. ebd. S. 6).
Das zeigt, dass die Lernenden Initiatoren und Verantwortliche ihres eigenen Lernens sind und ein hohes Ausmaß des Selbstbestimmungs- und Selbststeuerungsanteils aufweisen. Es muss nicht vollkommen sein, da eine gewisse Fremdsteuerung durch externe Faktoren, sei es durch den Lerngegenstand selbst, immer gegeben ist. Schließlich ist Lernen in jeglicher Form immer sowohl selbst- als auch fremdgesteuert. Der Frontalunterricht beispielsweise kann nicht vollständig fremdgesteuert sein, denn eine gewisse Eigeninitiative ist notwendig, um den vermittelten Inhalt zu verstehen und zu verinnerlichen. Je nach Unterrichtsform verschiebt sich der Fokus entweder in Richtung Fremdsteuerung oder Autonomie (vgl. ebd. S.5).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Was ist selbstgesteuertes Lernen?: Dieses Kapitel definiert den Begriff des selbstgesteuerten Lernens als aktiven Prozess und erläutert dessen fünf grundlegende Phasen sowie die Balance zwischen Fremd- und Selbststeuerung.
2. Didaktische Vorüberlegungen: Hier wird der theoretische Rahmen in den schulinternen Lehrplan eingebettet und das Setting einer 8. Gymnasialklasse für die Unterrichtseinheit „Liebe geht uns alle an“ beschrieben.
3. Skizze einer Unterrichtsidee: Dieses Kapitel skizziert den konkreten Ablauf der Unterrichtseinheit über sieben Doppelstunden, inklusive der Einführung, der projektorientierten Arbeitsphasen und der Produktentwicklung.
4. Chancen und Risiken: Es erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit der methodischen Öffnung des Unterrichts, wobei sowohl der Freiraum für die Lernenden als auch die Anforderungen an deren Selbstorganisation beleuchtet werden.
5. Fazit: Das Fazit resümiert das Potenzial der Unterrichtseinheit, betont jedoch, dass der Übergang zum selbstgesteuerten Lernen für Schüler und Lehrkräfte einen gewissen Lernprozess erfordert.
Schlüsselwörter
Selbstgesteuertes Lernen, Projektorientierter Unterricht, Eigenverantwortung, Autonomie, Lehrplan, Didaktik, Kompetenzentwicklung, Lernkultur, Unterrichtsplanung, Selbstregulation, Lernprozess, Motivation, Schülerschaft, Partizipation, Gruppenarbeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Herleitung und der praktischen Anwendung von selbstgesteuertem Lernen im Ethik- bzw. Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde-Unterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die Definition von Selbststeuerung, die pädagogische Praxis, die didaktische Planung eines Projekts sowie die Reflektion über die Veränderung von Unterrichtskulturen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist die Erstellung einer konkreten Unterrichtsidee, die Schüler befähigt, sich das Thema „Liebe“ eigenverantwortlich in Form eines Projekts zu erschließen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch Fachliteratur sowie einer didaktischen Konzeption und Planung basierend auf den Vorgaben des brandenburgischen Rahmenlehrplans.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition, die didaktischen Rahmenbedingungen für eine 8. Klasse, den konkreten Ablaufplan der Unterrichtseinheit sowie die Analyse der Chancen und Risiken.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Zu den prägenden Begriffen zählen Selbstgesteuertes Lernen, Projektunterricht, Eigenverantwortung, Didaktik und Kompetenzentwicklung.
Warum wurde das Thema „Liebe geht uns alle an“ gewählt?
Das Thema entspringt dem Bedürfnis, lebensnahe Inhalte (Sexualität, Gender, Partnerschaft) projektorientiert und fächerübergreifend im LER-Unterricht zu bearbeiten.
Welche zwei Produktvarianten werden den Schülern als Arbeitsergebnis vorgeschlagen?
Die Schüler können entweder ein Gesellschaftsspiel entwickeln oder einen Videobeitrag inklusive Skript erstellen.
Welche Rolle nimmt die Lehrkraft während der Projektphase ein?
Die Lehrkraft tritt von der dozierenden Rolle zurück und fungiert als unterstützender Berater und Begleiter, der den Lernprozess durch Beratungsgespräche unterstützt.
Wie werden die Leistungen der Schüler während der Projektarbeit bewertet?
Die Bewertung erfolgt über zwei Noten: eine für die Planung (inklusive Dokumentation) und eine für das am Ende stehende Produkt, wobei Bewertungsbögen für Transparenz sorgen.
- Citar trabajo
- Aleksandra Lemp (Autor), 2021, Selbstgesteuertes Lernen anhand des Themas Liebe. Eine Unterrichtsidee zu Partnerschaft, Sexualität und Gender, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1168667