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Tragische Daseinssicht und Gesellschaftstheorie. Konstruktion der Knechtschaft in der Moderne bei Alexis de Tocqueville und Max Weber

Title: Tragische Daseinssicht und Gesellschaftstheorie. Konstruktion der Knechtschaft in der Moderne bei Alexis de Tocqueville und Max Weber

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 41 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Dominik Sommer (Author)

Sociology - Politics, Majorities, Minorities
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Wo ich in meiner vorherigen Arbeit Tocqueville durch die Weberische Dichotomie von verantwortungs- und gesinnungsethischem Handeln analysiert und anschließend im Schluss über Gemeinsamkeiten frei „raisonniert“ habe, werde ich hier versuchen, eine tragische Daseinssicht bei Alexis de Tocqueville und Max Weber zu etablieren und diese mit der jeweiligen gesellschaftlichen Vision der beiden Theoretiker, sowie deren Zustandekommen und die jeweiligen Abhilfen daraus, zu verbinden.

Dem hier skizzierten Vorhaben folgt auch der Aufbau der Arbeit. Zuerst werde ich einen Begriff des Tragischen etablieren, um dann darauf aufbauend Tocqueville und Weber sowohl als Gesellschaftstheoretiker mit tragischer Daseinssicht, als auch als tragisch handelnde Personen vorzustellen. In diesem ersten Punkt soll Spuren von Tragik sowohl im Werk als auch im Leben von Alexis de Tocqueville und Max Weber nachgegangen werden, ohne sogleich explizite oder endgültige Verbindungen zwischen einer tragischen Daseinssicht der beiden Autoren und ihrem Werk herstellen zu wollen. Es handelt sich um eine generelle Eruierung tragischer Sachverhalte in Leben und Werk.

Um am Ende der Arbeit Aussagen über eine Verbindung zwischen tragischer Daseinssicht und Werk der beiden Theoretiker herstellen zu können, werde ich die aufgezeigten Wege der beiden Theoretiker in und aus der politischen Knechtschaft skizzieren.

Abschließend sollen dann die Gesellschaftstheorien der beiden Theoretiker als Resultat persönlichen tragischen Empfindens etabliert werden. Die These der Arbeit lautet also: Die Gesellschaftstheorien von Alexis de Tocqueville und Max Weber können als Resultat einer Sensibilisierung für tragisches gesellschaftliches Geschehen auf Grund von persönlichem tragischen Empfinden gesehen werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1.1 Alexis de Tocqueville, Max Weber und ich

1.2 Aufbau und Thesen

Hauptteil

2.1 Der Begriff des Tragischen

2.2 Das Tragische und Alexis de Tocqueville

2.2.1 Alexis de Tocqueville als Objekt tragischen Empfindens

2.2.2 Alexis de Tocqueville als Subjekt tragischen Handelns

2.3 Das Tragische und Max Weber

2.3.1 Max Weber als Objekt tragischen Empfindens

2.3.2 Max Weber als Subjekt tragischen Handelns

2.4 Zusammenfassung

3. Der Weg in die Knechtschaft

3.1 Tocquevilles Weg zu politischer Knechtschaft

3.2 Webers Weg zur gesellschaftlichen Knechtschaft

3.3 Unterschiede und Gemeinsamkeiten

4. Der Weg aus der Knechtschaft

5. Tragisches Empfinden und Gesellschaftstheorie

Schluss

6. Beurteilung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Verbindung zwischen einer tragischen Daseinssicht und den Gesellschaftstheorien von Alexis de Tocqueville und Max Weber. Ziel ist es aufzuzeigen, dass die Konzepte beider Theoretiker als Resultat einer persönlichen Sensibilisierung für gesellschaftliche Krisen und das Scheitern von Freiheitsidealen in der Moderne verstanden werden können.

  • Analyse des Tragikbegriffs im Kontext gesellschaftstheoretischer Reflexion.
  • Untersuchung der biographischen Hintergründe von Tocqueville und Weber hinsichtlich ihrer tragischen Daseinssicht.
  • Gegenüberstellung der Visionen von politischer und gesellschaftlicher "Knechtschaft" durch Gleichheit und Rationalisierung.
  • Evaluierung von Strategien zur Bewahrung individueller Freiheit gegenüber zentralistischen Tendenzen.

Auszug aus dem Buch

2.2.1 Alexis de Tocqueville als Objekt tragischen Empfindens

Nach Hayden White gründet Tocquevilles „Idee von der Geschichte (...) in einem Dualismus, dessen Glieder dialektisch miteinander verbunden sind, für die es aber nicht die Möglichkeit einer bestimmbaren letzten Synthese gibt“ (White 1991: 300). Tocquevilles Beweisführung sei „nicht substantiell (d.h. sie ist undogmatisch), und die Verheißungen, die sie dem Menschen bietet, sind distanziert und ungewiss (...)“ (ebd.). Dieses dialektisch-manichäistische Geschichtsbild, nach dem der Mensch zwei gegensätzlichen Kräften ausgeliefert ist und die Erlösung aus der Finsternis zum Licht anstrebt, lässt Tocqueville, „der Aussicht auf einen schnellen Sieg beraubt, (...) all sein Talent und alle Kraft, die ihm seine Überzeugung verleiht, an die Arbeit am Guten, wie er es sieht“ (ebd.) verwenden. Seine Argumentationsfigur für die Bewahrung der gleichen Freiheit ist die der doppelten Negation. Er will Gegenargumente zur Schaffung der individuellen Freiheit entkräften. Solange sein Blick dabei auf Amerika und dessen demokratischer Gesellschaft ruht, sieht er die individuelle Freiheit, durch Anarchie einerseits und die Tyrannei der Mehrheit andererseits, gefährdet. Sobald er aber seinen Blick auf Europa, unter dem Eindruck einer ‚unaufhaltsamen Umwälzung, nämlich der ‚allmählichen und fortschreitenden Entwicklung zur Gleichheit’ wendet, ergreift ihn ein ‚religiöses Erschaudern’ beim visionären Anblick eines zentralisierten Verwaltungsdespotismus. Die Regierenden im Europa seiner Zeit haben nämlich den schnell fortschreitenden Demokratisierungsprozess noch nicht erkannt und verlieren dadurch die Möglichkeit zu dessen Gestaltung, natürlich besonders auf die Sicherung der gleichen Freiheit bezogen.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Vorstellung des Forschungsinteresses an den Analogien zwischen Tocqueville und Weber sowie Darlegung der These, dass ihre Theorien auf persönlichem tragischen Empfinden basieren.

Der Begriff des Tragischen: Etablierung eines offenen Tragikbegriffs, der als dialektische Struktur den Untergang eines Helden im Kontext veränderter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen beschreibt.

Das Tragische und Alexis de Tocqueville: Analyse von Tocquevilles Werk und Leben, wobei er sowohl als Beobachter einer "verkehrten Welt" als auch als tragisch handelnder Akteur im Kontext des Niedergangs seiner Klasse dargestellt wird.

Das Tragische und Max Weber: Untersuchung von Webers Leben und Werk unter Einbeziehung ödipaler Konflikte und der rationalisierungsbedingten Herausforderungen, die ihn zum tragischen Protagonisten werden lassen.

Zusammenfassung: Synthese der Erkenntnisse über die Rolle beider Theoretiker als sprachhandelnde Gesellschaftstheoretiker, die auf die Krise ihrer Zeit reagieren.

Der Weg in die Knechtschaft: Darstellung der Visionen zur Knechtschaft bei Tocqueville (Gleichheit/Verwaltungsdespotismus) und Weber (Rationalisierung/Bürokratie) sowie deren Unterschiede.

Der Weg aus der Knechtschaft: Diskussion der Lösungsansätze beider Denker zur Bewahrung von Freiheit mittels institutioneller Arrangements oder charismatischer Führerschaft.

Tragisches Empfinden und Gesellschaftstheorie: Fazit über den Zusammenhang zwischen persönlicher Tragiksensibilität und der Genese ihrer jeweiligen Gesellschaftstheorien.

Beurteilung: Reflexion über die Grenzen der vorliegenden Untersuchung und die intellektuelle Hinterlassenschaft beider Theoretiker.

Schlüsselwörter

Alexis de Tocqueville, Max Weber, Tragik, Gesellschaftstheorie, Freiheitsverlust, Gleichheit, Rationalisierung, Knechtschaft, Verwaltungsdespotismus, Bürokratie, Individualismus, Charisma, Moderne, Politik, Sozialwissenschaften.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der persönlichen, tragischen Daseinssicht von Alexis de Tocqueville und Max Weber und ihrer jeweiligen gesellschaftstheoretischen Vision der Moderne.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Dialektik von Fortschritt und Freiheitsverlust, die Rolle des Individuums im Schatten zentralisierter Staatsmacht und die Bedeutung biographischer Krisen für theoretisches Schaffen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die Etablierung der These, dass die Gesellschaftstheorien beider Denker als Resultat einer Sensibilisierung für tragische gesellschaftliche Prozesse auf Grundlage persönlicher Erfahrungen gesehen werden müssen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, bei der mittels eines offenen Tragikbegriffs biographische Aspekte und theoretische Werke beider Autoren zueinander in Bezug gesetzt werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst der Begriff des Tragischen und die Tragik von Tocqueville und Weber analysiert, bevor die Visionen der Knechtschaft durch Gleichheit und Rationalisierung sowie mögliche Auswege daraus diskutiert werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Tragik, Rationalisierung, Freiheitsverlust, Bürokratie, Verwaltungsdespotismus und politische Führerschaft charakterisiert.

Wie unterscheidet sich Webers Konzept der Knechtschaft von dem Tocquevilles?

Während Tocqueville die Knechtschaft primär aus der gesellschaftlichen Gleichheit und dem damit verbundenen Verwaltungsdespotismus ableitet, sieht Weber die Ursache in der unaufhaltsamen, formalen Rationalisierung und Bürokratisierung aller Lebensbereiche.

Welche Rolle spielt der Tod des Vaters für Webers Theorie?

Der Tod des Vaters wird als entscheidender Auslöser für Webers psychische Krise und die anschließende analytische Flucht nach vorne interpretiert, was maßgeblich zur Entwicklung seiner Diagnose des "stahlharten Gehäuses" beitrug.

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Details

Title
Tragische Daseinssicht und Gesellschaftstheorie. Konstruktion der Knechtschaft in der Moderne bei Alexis de Tocqueville und Max Weber
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Sozialwissenschaften)
Course
Seminar: Alexis de Tocqueville und John Stuart Mill
Grade
1,3
Author
Dominik Sommer (Author)
Publication Year
2003
Pages
41
Catalog Number
V11691
ISBN (eBook)
9783638177764
ISBN (Book)
9783668296091
Language
German
Tags
Max Weber Alexis de Tocqueville Tragik Peter Szondi griechische Tragödie Freiheit Gleichheit Kapitalismus Bürokratie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dominik Sommer (Author), 2003, Tragische Daseinssicht und Gesellschaftstheorie. Konstruktion der Knechtschaft in der Moderne bei Alexis de Tocqueville und Max Weber, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11691
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