Interaktion auf der Social Media Plattform Instagram

Eine Untersuchung zu Kohärenz


Hausarbeit, 2018

22 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

l Einleitung

2 Theorie
2.1 Kohärenz in Computervermittelten Kommunikation (CMK) und deren Eigenschaften
2.1.1 Polylog
2.2 Diskurs Merkmale in Computervermittelten Kommunikation (CMK)
2.2.1 Partizipation und Adjazenz
2.2.2 Turn-management und Kohäsion

3 Methodisches Vorgehen

4 Ergebnisse
4.1 Analyse der Diskurs Merkmale: Partizipation und Adjazenz bei JU und FM Polylogen
4.2 Analyse der Diskurs Merkmale: Turn-Management und Kohäsion bei JU und FM Polylogen

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Instagram: Ohne Likes und Kommentare geht nichts“1

Das ist eines der Zitate, welches häufig in der Google-Suche zu finden ist, wenn man dabei den Begriff „Instagram“ eingibt. Es lässt sich beobachten, dass die Möglichkeiten der Interaktion einen hohen Stellenwert für die Nutzung sozialer-Medien-Plattformen darstellen. In diesem Zuge entwickeln sich ebenfalls zunehmend Untersuchungen über Instagram, deren Fokus vor allem im Bereich der Sprache und Interaktion liegt.

Im Grunde ist Instagram eine Plattform, auf der Bilder und Videos hochgeladen werden können. Darüber hinaus bietet Instagram Möglichkeiten, Kontakt mit anderen Nutzern aufzunehmen, zum Beispiel indem man Kommentare zu den geposteten Bildern und Videos anderer hinterlassen kann. Dadurch finden verschiedene Formen der Interaktion statt, die besonders interessant zu beobachten sind. Um Kommentare in Instagram analysieren zu können, ist es besonders lohnend und aufschlussreich, die Kohärenz und deren Formen zu untersuchen. Es gibt Studien zu Computervermittelten Kommunikation, deren Fokus auf der Kohärenz in den Kommentaren liegt. Zum Beispiel eine Studie, die BOU-FRANCH et al (2012) durchgeführt haben. In ihrer Untersuchung konzentrierten sie sich auf Konversationsanalyse und computergestützte Diskursanalyse zur Kohärenzforschung in Online- und Offline-Kontexten in Youtube-textbasierter Interaktion. Dabei haben sie einen vielschichtigen analytischen Rahmen konstruiert, der als Anhaltspunkt zur Kohärenz in Instagram für diese Hausarbeit dient.

Zunächst wird in dieser Arbeit die Kohärenz in Computervermittelter Kommunikation und deren Eigenschaften vorgestellt. Da es sich bei den Kommentaren um Multi-teilnehmer­Interaktionen oder sogenannte Polyloge handelt, wird dieser Begriff ebenfalls erläutert. Danach werden die Untersuchungs,-sowie Analysemethoden an den Daten durchgeführt, die vom Instagram Konto fotos.zum.nachdenken entnommen werden. Als Basis dazu werden zwei Bilder ausgewählt. Eins beschäftigt sich mit dem harten Leben des Menschen, das andere befasst sich mit der Unterschiedlichkeit der Gedankenwelt von Männern und Frauen im Bereich Liebe und Sexualität. Darauffolgend wird die Kohärenz in den Kommentaren überprüft und analysiert. Schließlich werden die Ergebnisse dieser Arbeit in einem Fazit übersichtlich zusammengefasst.

2 Theorie

2.1 Kohärenz in Computervermittelten Kommunikation (CMK) und deren Eigenschaften

In diesem Kapitel wird der Begriff Kohärenz erläutert. Darauffolgend werden die Eigenschaften der Kohärenz an einigen empirischen Studien betrachtet.

Greifen wir zunächst die Definition der Kohärenz auf, lässt es sich feststellen, dass Kohärenz mit Texten zusammenhängt. Dabei zählt DE BEAUGRANDE/DRESSLER (1981: 3ff) Kohärenz zu den sieben Kriterien der Textualität, neben Intentionalität, Akzeptabilität, Situationalität, Informativität und Intertextualität. Bei dem Kohärenzbegriff handelt es sich dabei vielmehr um die logisch-semantischen und wenigstens teilweise kognitiv­pragmatischen Aspekte „wie Kausalitäts-, Referenz-, und Zeitbeziehungen, also um rein inhaltliche (genauer: kognitive) Zusammenhänge“ (VATER 1994, zitiert nach LIM 2004: 57).

Als eine der Eigenschaft eines Textes spielt Kohärenz bzw. semantisch-kognitive Verknüpfungen eine wichtige Rolle, um einen Sinnzusammenhang eines Textes herzustellen (BUßMANN, 1983: 343). Im Vergleich dazu legen DE BEAUGRANDE/DRESLER (1981, zitiert nach LIM, 2004:56) Kohärenz als einen prozedualen, konzeptionellen ,Sinnzusammenhang‘ fest.

GONZÄLEZ (2010, zitiert nach BOU-FRANCH et.al 2012:502) beschreibt die Definition der Kohärenz ferner, in dem er feststellt, dass die Re (Konstruktion) der Kohärenz oft auf expliziten linguistischen Signalen im Text selbst basiert, obwohl Kohärenzphänomene kognitiv sein können. Daher kann Kohärenz als Verbindungsaufbau in und durch Diskurs angesehen werden (BOU-FRANCH et al.2012: 502).

Betrachten wir zweitens die Eigenschaften der Kohärenz, finden wir heraus, dass Kohärenz über besondere Eigenschaften verfügt, die die Kohärenzprobleme in der CMK verursachen, und zwar Multitasking und Autorität in Instant Messaging sowie mehrfache Teilnahme in Chatrooms, Diskussionsforen, Textnachrichten im interaktiven Fernsehen und Twitter (HERRING 1999, zitiert nach BOU-FRANCH et al. 2012: 502). Dabei behauptet HERRING (1999, zitiert nach BOU-FRANCH et al. 2012: 502), dass CMK zum größten Teil inkohärent ist. Der Grund dafür ist, dass sie einen Mangel an gleichzeitiger Rückmeldung und unterbrochene Adjazenz in ihrer Studie feststellt. Hinsichtlich dieser Probleme nähern BOU- FRANCH et.al (2012) sich bei der Analyse der Kohärenz in text-basierten Youtube Polyloge. 4

Daraus betrachten sie Eigenschaften des Diskurs: Partizipation und Adjazenz sowie Turnmanagement und Kohäsion, mit denen potentielle Probleme eingesetzt werden könnten.

Eine weitere Eigenschaft ist, dass Kohärenz einen vielschichtigen, aktivitätsspezifischen Prozess enthält, wodurch die meisten Studien über diskursive Ressourcen beeinflusst werden können, um Kohärenz in Online-Umgebungen zu erreichen und aufrechtzuhalten (KOROLIJA 2000, zitiert nach BOU-FRANCH et al. 2012: 503).

Schließlich lässt es sich feststellen, dass Kohärenz ebenfalls abhängig von der Struktur der Partizipation ist (BOU-FRANCH et al. 2012: 503). Einige Wissenschaftler kategorisieren solche Partizipation in drei verschiedenen Formen, und zwar (1) eins-zu-eins Kommunikation; (2) eins-zu-viele-Interaktion und (3) Intergruppendiskussion (Vgl. BARON 1998, HERRING 1996; 2007, YATES 2000, zitiert nach BOU-FRANCH et al. 2012: 503). Laut KERBRAT.ORECCHIONI 2004 & MARCOCCIA (2004, zitiert nach BOU-FRANCH et al. 2012: 503) gehört die zweite und die dritte Form der Partizipation zu ,Polylog‘ die in den nächsten Kapitel ausführlich erklärt wird.

2.1.1 Polylog

Das Wort Polylog stammt von griechieschem Wort, heißt poly - und logos. Während poly - als ,viel‘ übersetzt werden kann, verfügt das Wort logos über wichtige Bedeutungen wie ,Wort‘ und ,Grund‘. Zusammengesetzt bedeutet Polylog Schwachsinn, Gesprächigkeit oder Geschwätzigkeit (Vgl. CHEN 2010: 55). CHEN (2010) in ihrer Studie über das Konzept von Polylog beschreibt sie diesen Begriff als einen Zustand, in dem alle Teilnehmer gleichzeitig sprechen, während niemand wirklich zuhört. Wenn Polylog zur Beschreibung einer Person benutzt wird, dann könnte sie sich auch auf jemanden beziehen, der ohne Nachdenken spricht (CHEN 2010: 55).

Wie oben bereits erwähnt wird, gehört Polylog zur Struktur der Kohärenz. Im Vergleich zu dieser Feststellung, beschreibt LEWINSKI & BLAIR (2011: 7) diesen Begriff als eine Form der verbalen Interaktion, oder Dialoge, welche mehr Teilnehmer beinhalten. Darüber hinaus nennt BOU-FRANCH et al. (2012: 503) Polylog in ihrer Studie zu den textbasierten Youtube als die sogenannte doppelte Artikulation der Interaktion. Dazu gehört zum einen active message-sending Youtubers, die innerhalb eines einzigen Polylogs als Teil von eins-zu-eins­Interaktionen oder Intergruppendiskussionen miteinander kommunizieren. Zum anderen beinhaltet Interaktion auch Nutzer, die keine Kommentare hinterlassen bzw. eine passive Beteiligung an Polylogen.

2.2 Diskurs Merkmale in Computervermittelten Kommunikation (CMK)

In Anlehnung von BOU-FRANCH et al. (2012) werden in dieser Hausarbeit das System der Analyse der Kohärenz in den Kommentaren anhand von Diskursmerkmalen analysiert. In diesem Kapitel wird zunächst die Erklärung der vier Hauptdiskursmerkmale in CMK erläutert, und zwar Partizipation und Adjazenz sowie Turn-Management und Kohäsion. Dabei werden ebenfalls die Beispiele jeder Eigenschaft von den ausgewählten Daten dargelegt.

2.2.1 Partizipation und Adjazenz

Um die Kohärenz in der polylogischen Interaktion untersuchen zu können, ist es zu allererst sehr wichtig, die Anzahl der Partizipanten bzw. Teilnehmer zu analysieren (Vgl. BRUXELLES & KERBAT-ORECCHIONI 2004; HERRING et al., 2009; HONEYCUTT & HERRING 2009; ZELENKAUSKAITE & HERRING 2008, zitiert nach BOU-FRANCH et.al 2012: 504). GROSJEAN (2004, zitiert nach BOU-FRANCH et al. 2012: 504) ist der Meinung, dass alle Individuen, die an einer polylogischen Interaktion beteiligt sind, unabhängig davon, ob sie Nachrichtensender oder -leser sind, den Status des Polyloge­Teilnehmers teilen. Demnach behauptet HERRING (2007, zitiert nach BOU-FRANCH et al. 2012:505), dass alle Individuen eine Rolle in der partizipativen Strukturen spielen. Dabei ist es auch wichtig, die Anzahl der aktiven (message-sending) Nutzer sowie die Anzahl der Kommentare zu beachten, da sie sich die Interaktion der Teilnehmern beschränken (HERRING 1999; HERRING & NIX 1997; HERRING et al., 2009; GROSJEAN 2005: ZELENKAUSKAITE & HERRING 2008, zitiert nach BOU-FRANCH et al. 2012: 505). Die Analyse der Partizipation werden im vierten Kapitel dargestellt.

Zweitens wird auf die zweite Eigenschaft der Kohärenz: Adjazenz bzw. Nachbarschaft eingegangen. Dazu greifen wir auf eine Feststellung von Adjazenz von SCHEGLOFF (1998;1990, zitiert nach BOU-FRANCH et al. 2012: 505) ein, in der er gesagt hat, dass Adjazenz ihrerseits die Grundlage für die sequentielle Organisation in der Interaktion bildet und trägt zur Kohärenz bei. Zu diesem Punkt wird diese Eigenschaft durch das System der Kodierung von geposteten Bilder und Videos gemäß einer Taxonomie der turn relations verwendet, die BOU-FRANCH et.al (2012: 505) in fünf Kriterien erstellt und kategorisiert haben, und zwar: (1) adjacent turn (AT); (2) non-adjacent Turn (NAT); (3) video turn (VT); (4) multiple turn (MT) und (5) mixed turn (MXT). Die Analyse der Partizipation wird mit dieser Kodierungsschema durchgeführt und somit kann die Analyse der Arbeit vereinfachen. Sie werden ausführlicher mit der folgenden Tabelle dargestellt.

[...]


1 Dschaak, Maria (2017): „Instagram: alle Formen der Interaktion“. https://www.giga.de/downloads/instagram/specials/instagram-alle-formen-der-interaktion/ (abgerufen am 12.09.2018)

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Interaktion auf der Social Media Plattform Instagram
Untertitel
Eine Untersuchung zu Kohärenz
Hochschule
Universität Hamburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
22
Katalognummer
V1169537
ISBN (Buch)
9783346587459
Sprache
Deutsch
Schlagworte
soziale Medien, Instagram, Polylog, Kohärenz, Youtube, Kommentaren
Arbeit zitieren
Melin Sibarani (Autor:in), 2018, Interaktion auf der Social Media Plattform Instagram, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1169537

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