Diktate - Probleme und Herausforderungen im Rechtschreibunterricht


Hausarbeit, 2008

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Diktat im Deutschunterricht
2.1 Definition
2.2 Die Bedeutung des Diktats
2.3 Unterrichtspraxis
2.4 Die Problematiken des Diktats
2.4.1 Allgemeine Schwierigkeiten
2.4.2 Bewertung und Korrektur von Diktaten

3. Kritik am Diktat
3.1 Kritiken in der Fachwelt
3.2 Alternativformen
3.2.1 Das Eigendiktat
3.2.2 Das Stufendiktat

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis
5.1 Verwendete Literatur
5.2 Internet

1. Einleitung

Nur wenige Themen wurden in den letzen Jahren so kontrovers diskutiert, wie die Rechtschreibreform. Aufgrund immer neuerer Versionen wurde die Verwirrung nur vergrößert. Die mittlerweile dritte Fassung ist 2006 eingeführt worden. Verbindlich ist sie aber nur für Schulen und Behörden. Hier gilt es kritisch zu hinterfragen, welchen Sinn Orthographie und Grammatik im Deutschunterricht noch haben. Sind diese Formen der Leistungsmessung noch zeitgemäß?

Das Diktat ist eine der gebräuchlichsten und umstrittensten Formen dieser Leistungsmessung. Kritisiert wird dabei vor allem wird die Ergebnisorientierung. Zu fragen ist hier, ob es Äquivalente oder neuere Formen für das Diktat gibt, die im Deutschunterricht übernommen werden können.

Die Hauptfragestellung dieser Arbeit lautet, ob die Kritik an das Diktat gerechtfertigt ist und welche Ziele es erfüllen kann. Für eine Beantwortung dieser Frage wird im ersten Teil dieser Arbeit die Form und Rolle des herkömmlichen Diktates analysiert. Daran schließt sich eine Diskussion über Diktate im Unterricht an. Im letzten Teil der Arbeit werden die Kritikpunkte am klassischen Diktat erörtert. Dazu gehören die Vorstellung von alternativen Formen des Diktates und Modifikationen an der alten Form.

2. Diktat im Deutschunterricht

Das Diktat als Übungs- und Prüfungsform galt bis in den frühen 1980er Jahre als didaktisch anerkanntes Instrument für den Rechtschreibunterricht im Fach Deutsch. Demzufolge wird es schulartübergreifend sowie auch in beruflichen Eignungstestverfahren eingesetzt. Es wird sowohl über alle Schularten hinweg praktiziert als auch immer wieder für Berufseignungstests verwendet. Allerdings ist es besonders in den letzten Jahren stark in die Kritik geraten.

2.1 Definition

Zunächst gilt es jedoch, die klassischen Charakteristika des traditionellen Diktats zu betrachten. Ein Diktat[1] bezieht sich auf einen vorgesprochenen Text, der niedergeschrieben, also diktiert werden muss. Nach Bischoff ist das Diktat „eine phonologisch-phonetische Kodierung eines Textes“[2]. Ein Schreiber (Empfänger + Reproduzent) fixiert einen Text orthographisch richtig, den er vom Sprecher (Sender) empfangen hat. Es geht demnach um einen Kommunikationsprozess, in dem der Empfänger fähig sein muss, das Gesprochene in schriftlicher Form korrekt festzuhalten. In einer anderen Definition von Riehme wird das Diktat als eine Maßnahme verstanden, in der die Schüler aufgefordert werden „mündlich vorgetragenes Sprachmaterial als Übung oder Leistungskontrolle wortwörtlich aufzuschreiben“.[3] Diese Definition kommt dem allgemeinen Verständnis schon sehr nahe. Zusammengefasst lässt sich feststellen, dass es sich beim Diktat um eine Methode handelt, in dem die Schüler einen Text vorgesprochen bekommen und sie gemäß der Rechtschreibnorm aufschreiben müssen.

Das Umsetzen von Lauten in Schriftzeichen während des Diktierens erscheint auf dem ersten Blick als ein rein äußerliches Verfahren. Das schließt aber nicht alle Prozesse ein, die die Schüler bewältigen müssen, da die deutsche Sprache keine reine Phonem-Graphem-Beziehung aufweist. Analogbildungen, Wortverwandtschaften, Morphemstrukturen und gelernte Regularitäten stellen die Schüler vor zusätzlichen Herausforderungen. Beim Diktat wird nicht der Prozess, sondern nur das Produkt geprüft (siehe hierzu Kap. 3.1). Für die meisten Lehrer ist es jedoch bis heute das favorisierte Mittel, die Rechtschreibfähigkeit zu prüfen.[4] Unterstützt werden sie durch die Lehrpläne, die trotz aller Kritik am Diktat festhalten. Exemplarisch kann der neue Lehrplan für Gymnasien in Bayern genannt werden. Im Fachlehrplan der fünften Jahrgangsstufe für Deutsch werden die Ziele wie folgt benannt: „Die Schüler erlernen wesentliche Methoden der Grammatik und erweitern ihre Rechtschreibkenntnisse. [...] Sie üben und vertiefen das Gelernte systematisch an zusammenhängenden Texten und in Form von Diktaten.“[5] Auch wenn das Diktat nicht ausdrücklich als Prüfungsform genannt wird, bildet es im Rechtschreibunterricht dennoch einen herausragenden Bestandteil von Prüfungen. Das gilt in Bayern auch bei Vergleichsarbeiten und Prüfungen für den Übertritt an das Gymnasium oder die Realschule.[6] In der Fachwelt wird immer öfter eine Aufgabe des Diktats gefordert. Die in dieser Arbeit genannten Beispiele zeigen jedoch, dass das Thema Diktat nichts an seiner Aktualität eingebüßt hat. Man darf die Relevanz des Diktats für den Rechtschreibunterricht jedoch nicht unterschätzen. Im folgenden Abschnitt soll die Bedeutung des Diktats im Rechtschreiblernprozess genauer erläutert werden.

2.2 Die Bedeutung des Diktats

Bis vor zwei Jahrzehnten war das Hauptanliegen im Rechtschreibunterricht, die korrekte Verschriftlichung von Wörtern zu lehren, um eine größtmögliche Sicherheit mit orthographischen Normen zu erreichen. Das ständige Wiederholen eines Wortes sollte die Schüler diesem Ziel näher bringen. Damit avancierte das Diktat zu einem wichtigen Instrument im Rechtschreibunterricht. Es wurde sowohl zur Übung als auch zur Prüfung von Schülern eingesetzt. Die Objektivität der Messung und damit die Fehlerermittlung und die Bewertung der Orthographie schienen gewährleistet.

In den vergangenen Jahren hat sich aber eine neue Einstellung gegenüber diesem Vorgehen durchgesetzt. Das Diktat ist immer noch vorhanden, wird aber mittlerweile eher als „ein Element des komplexen schriftsprachlichen Handlungsprozesses“[7] verstanden. Der Schüler lernt nun nicht mehr nur die Wörter auswendig. Es kommt zu einem kognitiven Prozess, bei dem auch orthographische Strukturen und Muster erlernt werden. Dies befähigt den Schüler Transferleistungen zu erbringen. Das soll heißen, dass die Schüler mit seinem so erlernten prozeduralem Wissen Analogbildungen vollführen und damit auch unbekannte Wörter richtig aufschreiben kann.

Das Ziel dieser Bestrebungen ist also nicht mehr nur Orthographieregeln zu vermitteln, sondern vielmehr neue Wege zum Verständnis von Strukturen und Denkprozessen zu ermöglichen. In der modernen Sprachdidaktik ist die Förderung der individuellen Rechtschreibfähigkeiten ein wichtiges Anliegen. Begründet wird diese Forderung mit zu großen Leistungsunterschieden der Lernenden, die mit einem Diktat nur oberflächlich aufgezeigt werden können.

Es geht nicht mehr ausschließlich um das Ergebnis des Diktats. Diese Auffassung hat sich gewandelt. Im modernen Rechtschreibunterricht wird daher ein Umdenken gefordert. Die herkömmliche ergebnisorientierte Form bleibt zwar immer noch in Verwendung. Sie ist aber nur eine zusätzliche Methode als Ergänzung zu lerndifferenzierenden Verfahren zu betrachten. Bei der Korrektur des Diktats leistet die Fehleranalyse einen wichtigen Beitrag. Ein Diktat kann gute Impulse für einen differenzierten Unterricht geben, wenn die Fehler als Möglichkeit gesehen werden, die Fehlerstrukturen der jeweiligen Schüler individuell zu analysieren (siehe hierzu Kap. 3.2).

2.3 Unterrichtspraxis

Nach diesen theoretischen Ausführungen geht es in diesem Kapitel um die empirische Beobachtung der Unterrichtspraxis. Vorgestellt werden zunächst die verschiedenen Formen des herkömmlichen Diktats. Anschließend wird ein möglicher Ablauf von Diktaten skizziert.

Zunächst muss ein Unterschied zwischen Prüfungs- und Übungsdiktaten gemacht werden. Mit einem Prüfungsdiktat lässt sich erkennen, wie weit die Klasse in ihrer Rechtschreibleistung ist. Bei einem Übungsdiktat besteht aber zusätzlich die Möglichkeit zu testen, wo noch Übungsbedarf ist. Diese Form ist von großer Bedeutung für den Rechtschreibunterricht. Die Orthographiekenntnisse können ohne Leistungsdruck erprobt und die entstandenen Fehler mit individueller Hilfestellung verbessert werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich die Kinder an die Art des Diktierens gewöhnen können. Im Prüfungsdiktat wird im Gegensatz dazu der aktuelle Fortschritt sichtbar gemacht. Die Schülerleistungen scheinen sich damit relativ objektiv vergleichen zu lassen. Es muss jedoch zwischen geübten und ungeübten Diktaten differenziert werden. Nach Menzel darf ein Diktat kein Wort enthalten, „das zuvor nicht geübt wurde und das nicht verstanden wird, und dass es den Schreibenden keine Strategie abverlangen darf, die nicht vorher gelernt wurde“[8]. Ungeübte Diktate werden jedoch schon ab dem 4. Schuljahr überwiegend eingesetzt. Dabei sollten aber nur Inhalte überprüft werden, die zuvor auch im Unterricht behandelt worden sind. Es kommt nicht darauf an, dass jedes Wort vorher geübt wurde. Die Schüler sollten jedoch befähigt werden eigenständig Lösungen für die Problemfälle zu entwickeln.

Trotz immer neueren Ideen wird bei den meisten Prüfungsdiktaten ähnlich vorgegangen. In einem ersten Schritt werden die Diktate vorgelesen. Die Schüler können sich auf diese Weise mit dem Text vertraut machen. Der Lehrer markiert dabei unbekannte Wörter und die Eigennamen. Im nächsten Schritt wird der Text Satz für Satz vorgelesen. Je nach Jahrgangsstufe wird auch die Interpunktion mitdiktiert. Zum Schluss wird der Text noch einmal vorgelesen. Dabei bekommen die Kinder die Möglichkeit, die Lücken mit überhörten oder nichtverstandenen Wörtern zu füllen. Die nach der Überprüfung entdeckten Fehler können mit den Kindern individuell, in der Gruppe oder in der Klasse gemeinsam verbessert werden.

Eine individuelle Betreuung lässt sich leider nicht für jeden Schüler realisieren. Der Lehrkörper muss fallweise entscheiden, wie er mit dem unflexiblen System umgeht. Im nächsten Kapitel werden die Problematiken des Diktats genauer erörtert. Dies erscheint für ein neues Bewusstsein der Pädagogen nicht unwichtig.

[...]


[1] Der Begriff stammt vom lateinischen Wort dictare (diktieren) bzw. dicere (sagen, sprechen, bestimmen) ab.

[2] Bischoff, Paul: Das Rechtschreibdiktat – Formen der Übung, Kontrolle und Prüfung. Wolfenbüttel: Georg Kallmeyer Verlag 1978, S. 5.

[3] Riehme, Joachim: Rechtschreibunterricht – Probleme und Methoden. Frankfurt a. M.: Diesterweg Verlag 1987, S. 145.

[4] Menzel, Wolfgang: Diktieren und Diktiertes aufschreiben. In: Praxis Deutsch 142 (1997), S. 15.

[5] http://www.isb.bayern.de: Lehrplan für das bayerische Gymnasium. Fachlehrplan Deutsch – 5. Jahrgangsstufe, S. 1.

[6] Vgl. http://www.isb.bayern.de: Vergleichsarbeiten/Prüfungen.

[7] Hanke, Petra: Methoden des Rechtschreibunterrichts. In: Didaktik der deutschen Sprache. Hrsg. von Ursula Bredel u.a. Paderborn/München: Schöningh Verlag 2003, S. 785.

[8] Menzel, Wolfgang: Diktieren und Diktiertes aufschreiben, S. 24.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Diktate - Probleme und Herausforderungen im Rechtschreibunterricht
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Deutsche und Niederländische Philologie )
Veranstaltung
Einführung in die Didaktik der deutschen Sprache und Literatur Wintersemester 07/08
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V116968
ISBN (eBook)
9783640187652
ISBN (Buch)
9783640188963
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Diktate, Probleme, Herausforderungen, Rechtschreibunterricht, Einführung, Didaktik, Sprache, Literatur, Wintersemester
Arbeit zitieren
Sahar Mahmood Chopan (Autor), 2008, Diktate - Probleme und Herausforderungen im Rechtschreibunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116968

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Diktate - Probleme und Herausforderungen im Rechtschreibunterricht



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden