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Das Biedermeieridyll im wilhelminischen Kaiserreich. Die Realität der Frau in Zeiten von Kaiser Wilhelm II.

Titel: Das Biedermeieridyll im wilhelminischen Kaiserreich. Die Realität der Frau in Zeiten von Kaiser Wilhelm II.

Hausarbeit , 2021 , 23 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Alina Garbers (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - 1848, Kaiserreich, Imperialismus
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Zentrale Fragestellung dieser Arbeit ist, inwiefern ein Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Ideal und der Lebenswirklichkeit der Frau in Zeiten des wilhelminischen Kaiserreichs bestand. Im ersten Teil dieser Arbeit werden deshalb die gesellschaftlichen Strukturen im Kaiserreich vorgestellt, um daran im zweiten Teil der Analyse die gesellschaftlichen Normen verständlich ableiten zu können. Der zweite Teil gliedert sich in vier Unterkapitel, von denen jedes einen Unterbereich des Ehe- und Familienlebens umfasst.

Dieser Teil der Analyse fokussiert sich aufgrund des hohen Erkenntnisgewinns besonders auf die bürgerliche und arbeitende Klasse, um darin den Widerspruch zwischen Ideal und Realität am Beispiel des Ehe- und Familienlebens aufzudecken. Die Begründung hierfür liegt zum einen im beschränkten Umfang der Arbeit und zum anderen in der gebotenen breiten Interpretationsfläche. Insgesamt wird neben der wissenschaftlichen Literatur auch auf rechtliche Texte wie das Bürgerliche Gesetzbuch von 1900, das damit auch den zeitlichen Untersuchungsrahmen festlegt, sowie Originaltexte der damaligen Frauenrechtlerinnen zurückgegriffen. Abschließend werden die Ergebnisse vorgestellt und diskutiert.

Die Erinnerung an das wilhelminische Kaiserreich von 1871 – 1918 ist seit der Abdankung Kaiser Wilhelms II. im Jahr 1918 bei vielen mit Nostalgie verbunden. Zeitzeug:innen nahmen das Kaiserreich durch seine einheitliche Währung und denselben Kaiser für 30 Jahre als eine sichere und stabile Struktur wahr. Auf der anderen Seite befand sich das Kaiserreich, bedingt durch das rasante Wirtschaftswachstum und die damit verbundene Umwälzung der Lebensverhältnisse der Bürger:innen, in einer Umbruchphase. Ergänzt durch ein Aufblühen der Naturwissenschaften, des künstlerischen Lebens und der wachsenden Überzeugung, Deutschland könne aufgrund seiner militärischen und wirtschaftlichen Stärke zur Weltmacht aufsteigen. Ein Widerspruch, der sich auch auf die nachhaltige Interpretation der Rolle des Kaisers ausdehnte.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 GESELLSCHAFT IM KAISERREICH

2.1 DIE KLASSENGESELLSCHAFT

2.2 DIE FOLGEN DER HIERARCHIE

3 FAMILIE IM KAISERREICH

3.1 DIE ROMANTISIERTE EHE

3.2 ERZIEHUNG IM KAISERREICH

3.3 DIE ARBEITER:INNENFAMILIE

3.4 DIE SCHEIDUNG

4 SCHLUSS

Zielsetzung & Themen

Das primäre Ziel dieser Arbeit besteht darin, den Widerspruch zwischen dem gesellschaftlich propagierten Ideal der biedermeierlichen Kleinfamilie und der tatsächlichen Lebenswirklichkeit der Frau im wilhelminischen Kaiserreich zu analysieren und aufzuzeigen.

  • Struktur der Klassengesellschaft und deren Auswirkungen auf soziale Rollenbilder.
  • Analyse des bürgerlichen Familienideals im Kontext rechtlicher Rahmenbedingungen.
  • Vergleichende Untersuchung der Lebensumstände bürgerlicher und arbeitender Frauen.
  • Einfluss von Erziehungsmethoden und Geschlechternormen auf die familiäre Dynamik.
  • Die Rolle des Bürgerlichen Gesetzbuches als Instrument zur Festschreibung patriarchaler Strukturen.

Auszug aus dem Buch

3.1 Die romantisierte Ehe

Die Ehe im Kaiserreich sollte von Liebe und Zuneigung bestimmt sein (vgl. Ullrich 1997: S. 317). Dies war jedoch nicht viel mehr als ein romantisiertes Ideal, denn „wo die romantische Liebe beschworen wurde, war nicht selten geschäftsmäßiges Kalkül im Spiel.“ (ebd.). Familien mit eigenem Unternehmen nutzen ihre Töchter als sogenannte „Investitionsfonds“, um das Unternehmen aufzuwerten (ebd.). Hier zeigt sich, dass die Frau bereits in jungen Jahren einer gezielten Objektifizierung – diesmal durch ihren Vater – unterlag, indem ihre Wünsche nach einem für sie passenden Partner missachtet wurden.

In bildungsbürgerlichen Familien galt die gesicherte, berufliche Existenz des potenziellen Schwiegersohnes als unverzichtbar, sodass im Vorhinein sogar Nachforschungen angestellt wurden (vgl. ebd). Die Ehe war dadurch vielmehr eine soziale Praxis als eine romantische Beziehung und leistet damit einen weiteren Widerspruch im Idyll des Kaiserreichs. Romantisch intendierte Ehen bildeten also keineswegs die Norm, sondern wurden „auf sehr materialistischen Grundlagen vorbereitet und eingeleitet.“ (Weber-Kellermann 1998: S. 105).

Wenn eine Ehe geschlossen werden sollte, bedurfte es der Zustimmung des Brautvaters sowie der Abmachung über die Aussteuer, Mitgift und Hochzeitsreise (vgl. Ullrich 1997: S. 317). Die Zustimmung des Brautvaters war allerdings kein rein gesellschaftlicher Anspruch, sondern vielmehr rechtlich fixiert. § 1305 BGB regelte, dass ein eheliches Kind bis zur Vollendung des 21. Lebensjahrs eine Einwilligung des Vaters für die Eheschließung bedurfte. Während die Bürgersöhne in der Regel mit Ende zwanzig, Anfang dreißig heirateten, waren die Bräute häufig zehn Jahre jünger, sodass § 1305 BGB regelmäßig Anwendung fand (vgl. ebd.). Der große Altersunterschied stütze das von Grund auf gegebene Autoritätsgefälle zusätzlich.

Zusammenfassung der Kapitel

1 EINLEITUNG: Es wird die nostalgische Wahrnehmung des Kaiserreichs dem realen Umbruch und der widersprüchlichen Rolle Wilhelms II. gegenübergestellt, um die Diskrepanz zwischen gesellschaftlichem Ideal und Lebenswirklichkeit der Frau als Forschungsfrage einzuleiten.

2 GESELLSCHAFT IM KAISERREICH: Dieses Kapitel analysiert die starre Klassengesellschaft und die aus der Industrialisierung resultierende Urbanisierung, welche die soziale Ungleichheit und geschlechtsspezifische Normen räumlich und gesellschaftlich manifestierte.

3 FAMILIE IM KAISERREICH: Der Hauptteil untersucht das Ideal der romantischen Ehe und die Erziehung sowie die spezifische Situation der Arbeiter:innenfamilie, wobei aufgezeigt wird, wie rechtliche Vorgaben wie das BGB patriarchale Rollenzuweisungen und die Unterdrückung der Frau zementierten.

4 SCHLUSS: Die Ergebnisse werden zusammengeführt, um zu konstatieren, dass das Ideal einer harmonischen Kleinfamilie für beide betrachteten Klassen aufgrund ökonomischer und struktureller Zwänge unerreichbar blieb und durch eine patriarchale Rechtsordnung weiter untergraben wurde.

Schlüsselwörter

Deutsches Kaiserreich, Frauenrolle, Klassengesellschaft, Patriarchat, Bürgerliches Gesetzbuch, Ehe, Familie, Industrialisierung, Geschlechterordnung, Biedermeieridyll, Arbeiterinnen, Soziale Ungleichheit, Emanzipation, Rollenzuweisung, Rechtsgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Widerspruch zwischen dem gesellschaftlich propagierten Ideal der Familie und der tatsächlichen Lebensrealität von Frauen im Deutschen Kaiserreich zwischen 1871 und 1918.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themenfelder umfassen die soziale Schichtung des Kaiserreichs, die rechtliche Verankerung patriarchaler Strukturen im Bürgerlichen Gesetzbuch sowie die Analyse der Ehe, Kindererziehung und Scheidungspraxis.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, nachzuweisen, dass das Idealbild einer "romantischen Ehe" und der Frau als "Zierde des Hauses" in der Realität aufgrund wirtschaftlicher Notwendigkeiten und rechtlicher Diskriminierung weitgehend unhaltbar war.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die primär auf wissenschaftlicher Literatur, soziologischen Einordnungen und einer juristischen Auswertung des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) von 1900 basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die gesellschaftlichen Strukturen des Kaiserreichs beleuchtet, bevor in vier Unterkapiteln Ehe, Erziehung, die Situation der Arbeiterfamilien und das Scheidungsrecht detailliert analysiert werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Kaiserreich, Klassengesellschaft, Patriarchat, Bürgerliches Gesetzbuch, Frauenemanzipation und die Diskrepanz zwischen Ideal und Realität.

Welchen Einfluss hatte das Bürgerliche Gesetzbuch auf das Leben der Frauen?

Das BGB wirkte als rechtliche Fixierung der männlichen Vorherrschaft, indem es dem Ehemann die Entscheidungsgewalt über das eheliche Leben übertrug und die Frau primär auf die Rolle der Haushaltsleitung und Kindererziehung festlegte.

Wie unterschied sich die Situation der Arbeiterin von der bürgerlichen Frau?

Obwohl das bürgerliche Ideal auch auf die Arbeiterklasse ausstrahlte, konnte dort das "traute Heim" aus materiellen Gründen meist nicht realisiert werden, was viele Arbeiterinnen zu einer (Neben-)Erwerbstätigkeit zwang, die oft mit extremer Erschöpfung einherging.

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Details

Titel
Das Biedermeieridyll im wilhelminischen Kaiserreich. Die Realität der Frau in Zeiten von Kaiser Wilhelm II.
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
1,0
Autor
Alina Garbers (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2021
Seiten
23
Katalognummer
V1169882
ISBN (PDF)
9783346580795
ISBN (Buch)
9783346580801
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kaiserreich Politik Feminismus Frauenrechte Wilhelm II. Politikwissenschaft Erste Frauenbewegung BGB 1900 Frauen Biedermeier Idyll
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Alina Garbers (Autor:in), 2021, Das Biedermeieridyll im wilhelminischen Kaiserreich. Die Realität der Frau in Zeiten von Kaiser Wilhelm II., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1169882
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Leseprobe aus  23  Seiten
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