Jeder Mensch hat Gewohnheiten. Er ist individuell in seinem Denken, in seinem Fühlen, in seinen körperlichen Reaktionen und seinem Verhalten. Gewohnheiten sind Automatismen oder Rituale. Der Mensch ist so konstruiert, dass er, automatisch Gewohnheiten entwickelt wenn er Denk- und Verhaltensweisen wiederholt.
Mit meiner Projektarbeit möchte ich einen Apell an all jene richten, die bereits mit der präklinischen Notfallmedizin (Behandlung eines Patienten außerhalb einer medizinischen Einrichtung) vertraut sind und Einsätze aus Gewohnheit routinemäßig abarbeiten. Analoges Abarbeiten der Einsätze ist kein negativer Aspekt. Viel entscheidender ist jedoch der Tunnelblick, der sich bei Mitarbeitern über Jahre hinweg in dieser Branche bildet. Mit meiner Arbeit möchte ich aufzeigen wie wichtig es ist, in der präklinischen Patientenversorgung immer auf dem neuesten Wissenstand zu sein. Auch festgelegte Algorithmen, sogenannte „Gedankenstützen“, können dem Mitarbeiter die erste Anamneseerhebung (Erfassung der Krankengeschichte eines Patienten im Rahmen einer aktuellen Erkrankung) erleichtern und Folgefehler können vermieden werden.
Wenn Einsätze zur Gewohnheit werden, werden oft winzige Aspekte vergessen, die im nachhinein große Auswirkungen auf die Sanitäter oder auch auf die Versorgung und Genesung des Patienten selbst haben können.
Jeder Einsatz ist individuell und muss auch so gehandhabt werden. Um dies zu erleichtern, gibt es das sogenannte ABCDE-‐Schema das dem Einsatzpersonal als kleine Gedankenstütze dient. Im Vordergrund meiner Projektarbeit steht die Anamneseerhebung ohne technische Hilfsmittel, denn die Basis einer jeden Erhebung sollte vorab objektiv und subjektiv erfolgen. Die diagnostischen Hilfsmitteldienen zwar als Unterstützung des Sanitäters, sollten aber sekundär wahrgenommen werden.
Eine ebenfalls nicht unwichtige Rolle bei der präklinischen Patientenanamnese nimmt dabei die Kommunikation mit dem Patienten ein. Es benötigt viel Empathie und gute Kommunikationskenntnisse um sich im Einsatz mit dem Patienten situationsgerecht verständigen zu können. Mir ist bewusst, dass ich bei meiner Projektarbeit nicht auf alle Aspekte der präklinischen Anamneseerhebung eingehen kann, denn das würde den Rahmen dieser Arbeit bei weitem sprengen.
Inhaltsverzeichnis
1. SICHER IST SICHER – DIE BEURTEILUNG AN DER EINSATZSTELLE
1.1 Gefahren an der Einsatzstelle
1.1.1 Gefährdung durch Fahrzeuge jeglicher Art
1.1.2 Einsatz im Gleisbereich
1.1.3 Gefahr durch elektrischen Strom
1.1.4 Gefahr durch Feuer und Rauch
1.1.5 Gefährliche Stoffe
1.1.6 Tiere – eine mögliche Gefahr?
1.1.7 Kriminelle Handlungen
1.1.7.1 Gefährdung durch Waffen
2. DER KOMMUNIKATIONSPSYCHOLOGISCHE ASPEKT IM EINSATZ
2.1 Was ist Kommunikation – und was passiert dabei?
2.2 Die drei Kommunikationsarten
2.2.1 Die verbale Kommunikation
2.2.2 Die nonverbale Kommunikation
2.2.2.1 Die Körperhaltung
2.2.2.2 Die Mimik
2.2.2.3 Die Gestik
2.2.3 Die paraverbale Kommunikation
2.2.3.1 Die Stimmlage, Lautstärke und Modulation
2.2.3.2 Die Artikulation
2.2.3.3 Das Sprachtempo
2.2.3.4 Die Betonung
3. ABCDE – DIE INITIALE BEURTEILUNG
3.1 „A“ wie Airway – der Atemweg
3.2 „B“ wie Breathing – die Atmung
3.2.1 Wichtige Atemgrößen bei der Beurteilung der Atmung
3.2.2 Ursachen für Atemprobleme
3.2.3 Geläufige Atemformen
3.2.4 Patienten mit akuter Atemnot
3.2.5 Vorgehensweise der Beurteilung
3.3 „C“ wie Circulation – der Blutkreislauf
3.3.1 Der Blutkreislauf
3.3.2 Störungen des Blutkreislaufs
3.3.3 Wichtige Größen bei der Beurteilung des Kreislaufs
3.3.4 Vorgehensweise der Beurteilung des Kreislaufs
3.4 „D“ wie Disability – Defizite in der Neurologie
3.4.1 Das Bewusstsein
3.4.2 Folgende Bewusstseinszustände lassen sich Unterscheiden
3.4.3 Ursachen für Bewusstseinsstörungen
3.4.4 Vorgehensweise bei der Beurteilung des neurologischen Status
3.5 „E“ wie Expose – Erweiterte Untersuchung
4. RECHTLICHE GRUNDLAGEN IN ÖSTERREICH
4.1 Österreichisches Rettungswesen
4.2 Gesetze und interne Vorschriften
4.2.1 Rettungsdienstlich relevante Bundesgesetze
4.2.1.1 Das Sanitätergesetz (SanG)
4.2.2 Rettungsdienstlich relevante Landesgesetze
4.2.3 Rettungsdienst in Vorarlberg
4.2.4 Das Österreichische Rote Kreuz als Rettungsorganisation – interne Vorschriften
Zielsetzung & Themen
Die Projektarbeit zielt darauf ab, die Bedeutung einer strukturierten Anamneseerhebung in der präklinischen Notfallmedizin mittels des ABCDE-Schemas hervorzuheben und die Rolle der Kommunikation als essenziellen Bestandteil der Patientenversorgung zu analysieren.
- Strukturierte Beurteilung und Versorgung von Patienten nach dem ABCDE-Schema
- Kommunikationspsychologische Aspekte im Rettungseinsatz
- Sicherheitsrelevante Aspekte bei der Anfahrt und Beurteilung an der Einsatzstelle
- Physiologische Grundlagen der Vitalfunktionen (Atmung, Kreislauf, Neurologie)
- Rechtlicher Rahmen und Vorschriften für das Rettungswesen in Österreich
Auszug aus dem Buch
1. SICHER IST SICHER – DIE BEURTEILUNG AN DER EINSATZSTELLE
Das rettungsdienstliche Personal muss oft mit mehreren Gefahren an den verschiedensten Einsatzorten rechnen. Dabei kann es unter Umständen zur Gefährdung der eigenen Mitarbeiter oder des Patienten kommen. Es ist notwendig theoretische Wissen über die zähligen Gefahrenquellen an den unterschiedlichsten Einsatzlichkeiten zu besitzen. Häufig sind Sanitäter die ersten Einsatzkräfte an der Einsatzstelle und haben die Aufgabe der Informationsbeschaffung im Rahmen der Lageerkundung. Ziel ist es, potentielle Gefahrenquellen vorab zu erkennen und zu beseitigen, denn der Eigenschutz hat oberste Priorität und dient im weiterem Verlauf der positiven Genesung des Patienten. Sollten zusätzliche Facheinheiten (Polizei, Feuerwehr) benötigt werden, sind diese unverzüglich über die Leitstelle nachzufordern (vgl. Enke, 2009, S.263).
1.1 Gefahren an der Einsatzstelle
Der Eigenschutz steht an erster Stelle. Die Einsatzkräfte haben das Recht auf den nötigen Schutz im Einsatz. Mitunter kann es leicht passieren, dass der Drang zum Helfen überhand gewinnt und der Helfer in eine Art Tunnelblick verfällt und mögliche Gefahren über kurz oder lang aus den Augen verliert (vgl. Luiz, 2010, S.36 f).
Um kritische Situationen möglichst schnell zu erkennen gibt es unzählige Gedankenstützen und Tabellen, eine davon ist die „4A-1C-4E Merkhilfe der Gefahrenerkennung“ (vgl. Enke, 2009, S.263).
Zusammenfassung der Kapitel
1. SICHER IST SICHER – DIE BEURTEILUNG AN DER EINSATZSTELLE: Das Kapitel erläutert die Bedeutung des Eigenschutzes und der professionellen Lageerkundung durch das Rettungspersonal bei unterschiedlichsten Gefahrenszenarien.
2. DER KOMMUNIKATIONSPSYCHOLOGISCHE ASPEKT IM EINSATZ: Hier werden die Grundlagen und die verschiedenen Arten menschlicher Kommunikation dargelegt und deren entscheidende Rolle für eine erfolgreiche Patientenbehandlung unterstrichen.
3. ABCDE – DIE INITIALE BEURTEILUNG: Dieser Abschnitt beschreibt das ABCDE-Schema als methodische Gedankenstütze für die schnelle und systematische Erstbeurteilung kritisch kranker oder verletzter Patienten.
4. RECHTLICHE GRUNDLAGEN IN ÖSTERREICH: Das Kapitel bietet einen Überblick über das österreichische Rettungswesen sowie die gesetzlichen Rahmenbedingungen und Vorschriften, die die Arbeit von Sanitätern definieren.
Schlüsselwörter
Präklinik, Anamneseerhebung, ABCDE-Schema, Rettungswesen, Notfallmedizin, Kommunikation, Eigenschutz, Vitalfunktionen, Patientensicherheit, Sanitäter, Österreich, Erste Hilfe, Notfallmanagement, Monitoring, Patientenversorgung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Projektarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der systematischen Anamneseerhebung in der präklinischen Notfallversorgung und der zentralen Bedeutung einer professionellen Patientenbeurteilung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Sicherheit an der Einsatzstelle, die kommunikationspsychologischen Grundlagen im Einsatz und die Anwendung des ABCDE-Schemas zur klinischen Erstbeurteilung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie wichtig ein strukturierter Ansatz durch das ABCDE-Schema sowie eine empathische Kommunikation für eine effektive Patientenversorgung im Rettungsdienst sind.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit genutzt?
Es handelt sich primär um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Aufarbeitung bestehender medizinischer und rechtlicher Standards basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in sicherheitsrelevante Aspekte am Einsatzort, die Bedeutung nonverbaler und verbaler Kommunikation sowie die detaillierte klinische Beurteilung der Patienten nach den Prioritäten A bis E.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe umfassen das ABCDE-Schema, präklinische Anamnese, Notfallmedizin, Rettungsdienst und professionelles Kommunikationsmanagement.
Warum ist das ABCDE-Schema so wichtig für Sanitäter?
Es dient als strukturierte Gedankenstütze, die hilft, lebensbedrohliche Zustände schnell zu erkennen und priorisiert zu behandeln, um Fehler zu vermeiden und die Genesung des Patienten zu fördern.
Welche Rolle spielt die Kommunikation in dieser Arbeit?
Kommunikation wird als wesentlicher Baustein für eine vertrauensvolle Patientenbeziehung betrachtet, die es ermöglicht, Symptome besser zu erfassen und Ängste beim Patienten gezielt abzubauen.
Was besagt die 7-38-55-Regel in diesem Kontext?
Diese Regel nach Albert Mehrabian unterstreicht die hohe Bedeutung der nonverbalen Kommunikation (Mimik, Gestik, Körperhaltung) im Vergleich zur reinen Wortwahl für die Wirkung der menschlichen Interaktion.
Welchen Stellenwert nimmt die rechtliche Basis in Österreich ein?
Das Kapitel zu den rechtlichen Grundlagen verdeutlicht die gesetzlichen Pflichten und Aufgabenbereiche von Sanitätern, insbesondere in Bezug auf die Dokumentation, die Verschwiegenheit und das Sanitätergesetz.
- Quote paper
- B.Sc. Mario Konrad (Author), 2017, ABCDE-Schema. Die präklinische Anamneseerhebung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1169913