Im Jahre 1983 gelang es der erst drei Jahre zuvor gegründeten Partei der GRÜNEN, in den Deutschen Bundestag einzuziehen: In ihrer Entwicklung von einer radikal-systemoppositionellen Bewegung zu einer pragmatisch-reformerischen Regierungspartei konnte sich Bündnis 90/DIE GRÜNEN - wie die Partei seit der Fusion von ostdeutschem Bündnis und westdeutschen Grünen im Jahre 1993 heißt1 - zu einer etablierten Größe im deutschen Parteiensystem entwickeln.
Obwohl die Partei bei Wahlen auf allen Ebenen überwiegend mit Ergebnissen nur knapp über der ‚existentiellen’ 5%-Hürde abschneidet, erzielt die zur drittstärksten Kraft avancierte Partei der Bundesrepublik Deutschland in Großstädten der alten Bundesländer oftmals überdurchschnittlich hohe Stimmenanteile.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Theoretischer Bezugsrahmen
1.3 Hypothesen
1.4 Methodenauswahl
2 Wertewandel in Großstädten
2.1 Werte
2.2 Wertewandel
2.3 Wertewandel in Großstädten
2.4 Träger des Wertewandels
2.5 Indikatoren eines Wertewandels
2.5.1 Themenpräferenzen
2.5.2 Bürgerschaftliches Engagement
2.5.3 Zufriedenheit und Lebensbedingungen
2.6 Zwischenfazit
3 Wahlverhalten in Großstädten – Die GRÜNEN als starke Kraft
3.1 Die GRÜNEN – Repräsentanten des Wertewandels
3.2 Wahlergebnisse bei Bundestagswahlen von 1980-2002
3.3 Wahlverhalten nach altersspezifischen Gesichtspunkten
3.4 Wahlverhalten nach sozialstrukturellen Merkmalen
3.4.1 Bildung
3.4.2 Beruf
3.5 Zusammenhang zwischen Wertewandel und Wahlverhalten
3.6 Zwischenfazit
4 Gründe für die Stärke der GRÜNEN – eine empirische Studie am Beispiel der Großstadt Freiburg im Breisgau
4.1 Grüne Hochburg
4.2 Bundestagswahl 2002
4.3 Sozialstrukturanalyse
4.4 Individualdatenanalyse
4.4.1 Stichprobe und Rücklauf
4.4.2 Bürgerumfragen in Freiburg
4.4.2.1 Bürgerumfrage 1999
4.4.2.2 Bürgerumfrage 2001
4.5 Zwischenfazit
5 Die Stärke der GRÜNEN im urbanen Kontext
5.1 Frankfurt am Main
5.2 Stuttgart
5.3 Hannover
5.4 Köln
5.5 Zwischenfazit
6 Zusammenfassung
7 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, warum die Partei der GRÜNEN in westdeutschen Großstädten überdurchschnittlich erfolgreich ist und inwieweit dies auf den gesellschaftlichen Wertewandel zurückzuführen ist. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob postmaterialistische Wertorientierungen, insbesondere bei jungen und hochgebildeten Bevölkerungsgruppen, als maßgebliche Triebfeder für das Wahlverhalten fungieren und ob sich diese Präferenzen in der Parteibindung widerspiegeln.
- Analyse des gesellschaftlichen Wertewandels und seiner theoretischen Grundlagen (Inglehart vs. Klages)
- Untersuchung der sozialstrukturellen Zusammensetzung der Wählerschaft in urbanen Milieus
- Empirische Einzelfallstudie am Beispiel der Stadt Freiburg im Breisgau
- Vergleichende Analyse urbaner Wahlergebnisse und kommunaler Bürgerumfragen
- Evaluation der Parteigeschichte und Anpassungsstrategien der GRÜNEN zur Etablierung im Parteiensystem
Auszug aus dem Buch
1.1 Fragestellung
Aus politikwissenschaftlicher Sicht ergibt sich daraus die interessante Fragestellung, weshalb die GRÜNEN gerade in Großstädten wie Freiburg, Stuttgart, Hannover, Köln oder Frankfurt besonders erfolgreich sind.
Hohe Stimmenanteile erhält die Partei in den Wohnquartieren der gehobenen Sozialmilieus, in den Wohnstandorten in Universitätsnähe und in den Innenstadtbezirken mit starken Anteilen jüngerer Bevölkerung. Parteiensoziologisch ausgedrückt, erreichen die GRÜNEN in Gebieten mit einer starken Bevölkerungsdichte den Status einer Mittelpartei.
Bei der Bundestagswahl 2002 erzielte die Partei in Großstädten überwiegend Ergebnisse über 10% der Zweitstimmen: Hamburg (16,2%), Bremen (16,0%), Stuttgart (16,2%), Köln (16,5%), Frankfurt am Main (18,5%) und Freiburg (20,4%).
Möglicherweise verfügen die GRÜNEN vorzugsweise in Universitätsstädten und Dienstleistungsmetropolen mit ihren hohen Anteilen junger und besser gebildeter Bürger über ein beachtliches Potential verlässlicher Stammwähler. Dieser These gilt es nachzugehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Ausgangslage der GRÜNEN im deutschen Parteiensystem und definiert die Forschungsfrage sowie die theoretischen und methodischen Ansätze der Untersuchung.
2 Wertewandel in Großstädten: Hier werden die theoretischen Konzepte des Wertewandels und dessen Indikatoren, wie Themenpräferenzen und bürgerschaftliches Engagement, im urbanen Raum beleuchtet.
3 Wahlverhalten in Großstädten – Die GRÜNEN als starke Kraft: Dieses Kapitel analysiert die Entwicklung der GRÜNEN von einer Protest- zur etablierten Reformpartei und deren Wahlergebnisse sowie die Bedeutung sozialstruktureller Merkmale.
4 Gründe für die Stärke der GRÜNEN – eine empirische Studie am Beispiel der Großstadt Freiburg im Breisgau: Eine detaillierte empirische Fallstudie, die Sozialstrukturdaten und Bürgerumfragen nutzt, um die spezifischen Wählerstrukturen in Freiburg zu erklären.
5 Die Stärke der GRÜNEN im urbanen Kontext: Ein vergleichender Blick auf andere Großstädte (Frankfurt, Stuttgart, Hannover, Köln), um die Freiburger Erkenntnisse im bundesweiten urbanen Kontext einzuordnen.
6 Zusammenfassung: Dieses Kapitel fasst die wichtigsten Ergebnisse der Arbeit zusammen und bewertet die Hypothesen vor dem Hintergrund der empirischen Befunde.
7 Ausblick: Der letzte Abschnitt reflektiert die zukünftigen Herausforderungen für die GRÜNEN, insbesondere im Hinblick auf das Altern ihrer Stammwählerschaft und die Notwendigkeit programmatischer Anpassungen.
Schlüsselwörter
Wertewandel, Postmaterialismus, GRÜNEN, Wahlverhalten, Großstädte, Sozialstruktur, Freiburg, Umfrageforschung, Parteibindung, Politische Soziologie, Stadtsoziologie, Wählerpotential, Reformpartei, Lebenszyklusthese, Sozialisationsthese.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Magisterarbeit untersucht die Ursachen für das überdurchschnittliche Abschneiden der Partei Bündnis 90/DIE GRÜNEN in deutschen Großstädten und setzt dieses in den Kontext des gesellschaftlichen Wertewandels.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen der Zusammenhang zwischen postmaterialistischen Wertorientierungen, der sozialstrukturellen Zusammensetzung der Wählerschaft und dem tatsächlichen Wahlverhalten in städtischen Gebieten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu erklären, warum die GRÜNEN vorzugsweise in Universitätsstädten und Dienstleistungsmetropolen erfolgreich sind und ob dies auf ein stabiles Stammwählerpotential aus der "Generation der Neuen Sozialen Bewegungen" zurückzuführen ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor führt eine Kontextanalyse durch, die sowohl aggregierte Wahldaten als auch Individualdaten aus kommunalen Bürgerumfragen kombiniert, um Kausalitäten zwischen Sozialstruktur und Parteineigung zu prüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Wertewandels, eine Analyse des Wahlverhaltens nach demografischen Kriterien und eine umfassende empirische Studie der Stadt Freiburg, ergänzt durch einen Vergleich mit weiteren deutschen Großstädten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Postmaterialismus, Sozialisationsthese, Lebenszyklusthese, Segregation, Parteibindung und das Konzept der "Neuen Politik".
Was unterscheidet das Wählerverhalten in Freiburg von anderen Städten?
Freiburg dient als "grüne Hochburg" und weist eine besonders ausgeprägte subkulturelle alternative Milieustruktur auf, die durch einen hohen Anteil an Studenten und Akademikern geprägt ist, was den Erfolg der GRÜNEN begünstigt.
Wie bewertet der Autor den Erfolg der GRÜNEN bei der Bundestagswahl 2002?
Der Autor führt den Erfolg teilweise auf die Personalisierung des Wahlkampfes und ein taktisches Stimmensplitting zurück, weist aber darauf hin, dass die Partei gleichzeitig mit einem schleichenden "Ergrauen" ihrer Wählerschaft konfrontiert ist.
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- M.A. Clemens Ott (Author), 2003, Die Stärke der Grünen in deutschen Großstädten - Postmaterielle Werte im urbanen Kontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117014