In Deutschland wirkt die Einkommensteuer für die Personenunternehmen häufig ähnlich einer Unternehmensteuer. In Folge der hohen Bedeutung des deutschen Mittelstandes und damit auch der Rechtsform der Personenunternehmen war 2005 in den Koalitionsgesprächen ein politischer Wille zur steuerlichen Harmonisierung der Rechtsformen deutlich geworden. Deshalb hat sich der Gesetzgeber im Rahmen der Unternehmensteuerreform 2008 nicht nur auf eine Absenkung der Körperschaftsteuer um 10 % beschränkt, sondern auch im Sinne einer Rechtsformneutralität entsprechende Zugeständnisse bzgl. der Einkommensteuer gemacht. Ab 2008 liegt die maximale (Grenz-)Steuerbelastung des Gewinns von Personenunternehmen durch Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag bei 47,44 %. Somit ist es für ertragstarke Personenunternehmen im Vergleich zu Kapitalgesellschaften besonders schwer Gewinnrücklagen zu bilden.
Die neue Gewinnthesaurierungsbegünstigung für Personenunternehmen nach
§ 34a EStG ist eine Maßnahme, die im Rahmen der Unternehmensteuerreform 2008 für Belastungsneutralität bei der Gewinnverwendung sorgen soll. Inwieweit dieses Ziel erreicht wurde und welche Sonderfälle durch Personenunternehmen beachtet werden müssen, soll in meinen folgenden Ausführungen erläutert werden.
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird im zweiten Kapitel auf die ursprüngliche Zielsetzung des Gesetzgebers sowie auf die tatsächlich erreichten Ziele eingegangen. Im folgenden dritten Kapitel wird die Thesaurierungsvergünstigung für nicht entnommene Gewinne systematisch erläutert und es wird ein erster Vergleich zur Kapitalgesellschaft hergestellt. Die Voraussetzungen zur Anwendung der begünstigten Besteuerung von einbehaltenen Gewinnen sowie die Höhe der Besteuerung werden im Kapitel Vier erläutert. Das fünfte Kapitel wird dann näher auf den Antrag und die Antragstellung eingehen, bevor ich im folgenden sechsten Kapitel die Thesaurierung näher erläutere. Kapitel Sieben zeigt die Wirkungsweise von Entnahmen und Einlagen auf und erläutert die Gestaltungsmöglichkeiten von Einlagen. Die Nachversteuerungsphase wird im achten Kapitel erläutert, wobei auch auf Besonderheiten und Sonderfälle eingegangen wird. Außerdem erfolgt ein abschließender Belastungsvergleich zu den Kapitalgesellschaften.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ziele des Gesetzgebers
3. Überblick über die Thesaurierungsvergünstigung
3.1. Allgemeiner Überblick
3.2. Komponenten der Gesamtbelastung
3.3. Besteuerungsvergleich: Thesaurierung in Personengesellschaft / Kapitalgesellschaft
3.3.1. Grundsätzliche Unterschiede der Besteuerung
3.3.2. Beispielrechnung für thesaurierte Gewinne
4. Anwendung der Tarifbegünstigung nach § 34a EStG
4.1 Anwendungsberechtigung
4.1.1 Persönliche Anwendung
4.1.2 Zeitliche Anwendung
4.2 Begünstigte Einkünfte
4.3 Nicht begünstigungsfähige Einkünfte
4.4 Steuersatz
5. Antrag
5.1 Antragstellung
5.1.1 Allgemein
5.1.2 Antragstellung bei Einzelunternehmern
5.1.3 Antragstellung bei Mitunternehmern
5.1.4 Änderung des Antrages
5.2 Bindungswirkung
5.3 Wann sollte das Wahlrecht ausgeübt werden?
6. Thesaurierung
6.1 Begünstigungsfähiger, nicht entnommener Gewinn
6.1.1 Ausgangspunkt: Steuerlicher Gewinn
6.1.2 Gewerbesteuer – eine nicht abziehbare Betriebsausgabe
6.1.3 Steuerfreie Gewinnanteile
6.2 Begünstigungsbetrag
6.3 Verluste aus anderen Einkunftsarten
6.3.1 Verlustausgleich
6.3.2 Verlustabzug
7. Entnahmen und Einlagen
7.1 Allgemein
7.2 Laufende Entnahmen und steuerfreie Gewinnanteile
7.3 Gestaltungsmöglichkeiten mittels Einlage
8. Nachversteuerung
8.1 Grundsatz
8.2 Nachversteuerungspflichtiger Betrag
8.2.1 Ermittlung im Entstehungsjahr
8.2.2 Ermittlung zum Ende jeden Veranlagungszeitraumes
8.2.3 Schema für Ermittlung und Fortschreibung
8.3 Verwendungsreihenfolge
8.4 Übertragung des nachversteuerungspflichtigen Betrags
8.5 Ausnahmen von der Nachbesteuerung
8.5.1 Nachbelastungsfreie Entnahme betrieblicher Erbschaftsteuer
8.5.2 Entnahmewirkung der Thesaurierungssteuerzahlung
8.6 Nachversteuerung in Sonderfällen
8.6.1 Allgemein
8.6.2 Betriebsveräußerung oder Betriebsaufgabe
8.6.3 Betriebseinbringung / Einbringung eines Mitunternehmeranteils
8.6.4 Wechsel der Gewinnermittlungsart
8.6.5 Antrag auf Nachversteuerung durch den Steuerpflichtigen
8.7 Abschließendes Beispiel mit Vorteilhaftigkeitsüberlegung
8.8 Vergleich: Gesamtsteuerlast in Personengesellschaft / Kapitalgesellschaft
9. Thesaurierung oder Regelbesteuerung?
9.1 Allgemein
9.2 Individuelle Strategie für den Einzelfall
10. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der mit der Unternehmensteuerreform 2008 eingeführten Thesaurierungsbegünstigung gemäß § 34a EStG für Personenunternehmen. Das Ziel besteht darin, die steuerlichen Voraussetzungen, Wirkungsweisen sowie Möglichkeiten und Grenzen dieser Regelung darzulegen, um zu prüfen, inwieweit das gesetzgeberische Ziel einer Belastungsneutralität gegenüber Kapitalgesellschaften erreicht wurde.
- Steuerliche Harmonisierung zwischen Personen- und Kapitalgesellschaften
- Systematik der Thesaurierungsvergünstigung und der Nachversteuerung
- Anwendungsvoraussetzungen und Antragstellung für Einzel- und Mitunternehmer
- Einfluss von Entnahmen und Einlagen auf das Thesaurierungsvolumen
- Entscheidungsstrategien zur Vorteilhaftigkeit der Tarifvergünstigung
Auszug aus dem Buch
3.2. Komponenten der Gesamtbelastung
Die Gesamtsteuerbelastung von Einzelunternehmern/Mitunternehmern im Fall der Gewinnthesaurierung setzt sich künftig aus vier Komponenten zusammen:
1. Tarifliche Einkommensteuerbelastung,
2. Gewerbesteuerbelastung,
3. Minderung der tariflichen Einkommensteuerbelastung durch Anrechnung der Gewerbesteuer nach § 35 EStG und
4. Solidaritätszuschlag.
Zu 1.: Tarifliche Einkommensteuerbelastung
Neben der bisherigen von der Gewinnverwendung unabhängigen, sofortigen Versteuerung gewerblicher Gewinne im Rahmen des progressiven Tarifs (mit einer Einkommensteuerspitzenbelastung von 45 %) ist es künftig nach § 34a EStG im Rahmen eines alternativen Wahlrechtes möglich, die nicht entnommenen Gewinne auf Antrag ganz oder teilweise mit einem ermäßigten Steuersatz von 28,25 % zu versteuern (Thesaurierungsbegünstigung).
Zu 2.: Gewerbesteuerbelastung
Bei Inanspruchnahme der Thesaurierungsbegünstigung nach § 34a EStG fällt die Gewerbesteuer zusätzlich zur Einkommensteuer an. Bei einem beispielhaften Hebesatz von 400 % beträgt die GewSt 14 % des Gewinns.
Zu 3.: Anrechnung der Gewerbesteuer
Nach § 35 EStG ist wie bisher eine fiktive Anrechnung der Gewerbesteuer zur Minderung der tariflichen Einkommensteuerbelastung möglich. Sie beträgt das 3,8-fache des Gewerbesteuer-Messbetrages und bewirkt eine Entlastung in Höhe von 13,3 % des Gewinns. Bei einem angenommenen Hebesatz von 400 % (14 % Gewerbesteuer) läge die verbleibende Gewerbesteuerbelastung somit bei 0,7 % des Gewinns.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die steuerliche Reformlandschaft ab 2008 und die Zielsetzung der Arbeit bezüglich des § 34a EStG.
2. Ziele des Gesetzgebers: Analyse der politischen Motivation hinter der Reform und das angestrebte Ziel der Rechtsform- und Finanzierungsneutralität.
3. Überblick über die Thesaurierungsvergünstigung: Systematischer Überblick über das Instrument, die Belastungskomponenten und ein erster Vergleich zur Kapitalgesellschaft.
4. Anwendung der Tarifbegünstigung nach § 34a EStG: Erläuterung der persönlichen und zeitlichen Anwendungsvoraussetzungen sowie der begünstigten Einkünfte.
5. Antrag: Darstellung des Antragsverfahrens für Einzel- und Mitunternehmer sowie der Bindungswirkung der Entscheidung.
6. Thesaurierung: Detaillierte Betrachtung der Ermittlung des begünstigungsfähigen Gewinns unter Berücksichtigung von Gewerbesteuer, Verlusten und steuerfreien Gewinnanteilen.
7. Entnahmen und Einlagen: Erklärung der Wirkungsweise von Entnahmen und Einlagen sowie deren Rolle als Gestaltungsmöglichkeit.
8. Nachversteuerung: Umfangreiche Analyse der Nachversteuerungsphase, der Verwendungsreihenfolge und der Behandlung in Sonderfällen.
9. Thesaurierung oder Regelbesteuerung?: Diskussion der strategischen Entscheidung für den Einzelfall unter Abwägung der steuerlichen Vor- und Nachteile.
10. Zusammenfassung: Abschlussbetrachtung und Resümee zu den Ergebnissen der Untersuchung.
Schlüsselwörter
Thesaurierungsbegünstigung, § 34a EStG, Personenunternehmen, Unternehmensteuerreform 2008, Nachversteuerung, Gewerbesteueranrechnung, Rechtsformneutralität, Mitunternehmer, Gewinnverwendung, Einkommensteuer, Steuerbelastung, Thesaurierung, Besteuerung, Steuerplanung, Steuergestaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit im Wesentlichen?
Die Arbeit untersucht die 2008 eingeführte Thesaurierungsbegünstigung für Personenunternehmen nach § 34a EStG und analysiert deren steuerliche Wirkung.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Anwendungsvoraussetzungen, die Ermittlung des thesaurierungsfähigen Gewinns, die Nachversteuerung von Entnahmen sowie ein Belastungsvergleich mit Kapitalgesellschaften.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Möglichkeiten und Grenzen der Thesaurierungsbegünstigung zu erläutern und zu bewerten, ob das Ziel einer Belastungsneutralität zwischen den Rechtsformen erreicht wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Es handelt sich um eine betriebswirtschaftlich-steuerrechtliche Analyse, die gesetzliche Bestimmungen durch Erläuterungen, schematische Darstellungen und Beispielrechnungen veranschaulicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten Systematik der Begünstigung, der Antragstellung, der Behandlung von Entnahmen/Einlagen sowie den komplexen Regeln der Nachversteuerung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Thesaurierungsbegünstigung, § 34a EStG, Belastungsneutralität, Nachversteuerung, Gewerbesteuer und Personengesellschaft.
Wie wirkt sich die Gewerbesteuer auf die Thesaurierungsbegünstigung aus?
Da die Gewerbesteuer keine abziehbare Betriebsausgabe mehr ist, beeinflusst sie die Gesamtbelastung und die Berechnung des nachversteuerungspflichtigen Betrags maßgeblich.
Warum ist die Wahl zwischen Thesaurierung und Regelbesteuerung oft komplex?
Die Entscheidung hängt von vielen Faktoren wie dem persönlichen Steuersatz, der zeitlichen Planung der Gewinnentnahme und der gesellschaftsrechtlichen Struktur ab, was eine individuelle Vergleichsrechnung erforderlich macht.
- Citation du texte
- Bachelor of Arts (B.A.) Volker Meyer (Auteur), 2008, Die Besteuerung der Gewinnverwendung bei Personengesellschaften im Rahmen der Unternehmensteuerreform 2008 , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117015