Die drei Prinzipien des Ichs in Fichtes Wissenschaftslehre


Hausarbeit, 2008

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erstes Prinzip des Ichs

3. Zweites Prinzip des Ichs

4. Drittes Prinzip des Ichs

5. Fazit

Literaturangabe:

Weitere Publikationen:

1. Einleitung

Johann Gottlieb Fichtes Philosophie nimmt eine bedeutende Stelle in der Geschichte der Weltphilosophie ein. Sie kann ganz allgemein als eine besondere Veherrlichung des Ichs als ein absolutes Prinzip der Realität, emazipiert und frei von allen äußerlichen Determinanten bestimmt werden. Deswegen ist Fichtes Konzeption vor allem humanistisch, soweit sie im sozialpolitischen Plan die Befreiung des Subjekts von den Dogmen, Vorurteilen und Autoritäten verlangt.

Was die Frage der Intuition in der philosophische Entwicklung Fichtes angeht, kann man zwei Perioden unterscheiden. In der frühen Redaktion der „Wissenschaftslehre“ und den mit ihr verbundenen vor 1804 geschriebenen Artikeln betrachtet Fichte die Intuition als eine Hauptmetode zum Handeln. Die Kritik an der unmittelbaren Kenntnis kann man in seinen Schriften nach 1804 finden.

Fichtes Philosophie entsteht als ein Versuch, den Rationalismus mit dem transzendentalen Kritizismus zu verbinden. Dieser Versuch entwickelt er mit der Schaffung einer Ontologie des Ichs, die frei von den Dogmen der vorigen Metaphysik ist. In dem Sinn kann man behaupten, dass Fichte eine entgegengesetzte Position der kantischen bezieht. Während der Königsberger Denker von den Fakten zu ihren Gründen geht, folgt Fichte den Gründen, um die Fakten herauszukriegen. Seine Richtung sind die Gründe, das „Müssen“ als das Primäre.

Der deutsche Denker stellt sich das Ziel, eine Ontologie neuen Typus zu schaffen – dialektische Ontologie des Ichs, als der Ursprung alles Existierenden an Stelle der dogmatischen Metaphysik des Wesens. Gleichzeitig muss, laut Fichte, die Philosophie als System von einem reinen Prinzip herausgehen – d.h. ein Prinzip idealer und nicht faktischer Art. Eben dieses Prinzip ist Ich.

2. Erstes Prinzip des Ichs

Laut Fichte verlangt die Stellung des Ichs als das erste Prinzip eine besondere Handlung seitens der Philosophen, durch welche Handlung das Ich entsteht. Dieses Handeln ist für Fichte nichts anderes als ein Akt des Selbstbewusstseins, in welchem das Ich sich erfindet.[1]

Nach Fichte muss der Anfang der Philosophie eine Abstraktion des Ichs von jedem Wesen sein. Folglich, das, was die Dogmatiker als „ursprungliches Wesen“ betrachten, muss beseitigt werden, indem das Ich sich als eine hohe Realität und bedingungsloses Prinzip zeigen kann. So hat das Ich im ersten Prinzip der Wissenschaftslehre keinen substanzionellen, sondern einen tätigen Charakter. Für Fichte hat die ontologische Operation zur Entstehung des Ichs einen gnoseologischen „Topos“, eine vorhistorische Stelle in der sogenannten „intellektuelen Anschauung“. Diese, von dem Philosophen verlangte, anscheinende Selbstpräsentation in der Erfüllung des Ichs wird die „intellektuelle Anschauung“ – Intuition genannt.[2]

In dem ersten Prinzip zeigt sich nicht nur eine onthologische Realität, sondern eine reine, bedingungslose Tätigkeit. Das Ich in seiner intellektuellen Anschauung ist eigentlich die Genesis, das Werden des Ichs, als „Ich ursprunglich für sich selbst wird“.

Diese Idee von Fichte verzeichnet eine entscheidende Veränderung in der philosophischen Geschichte, die mit dem kantischen kopernikanischen Wende verglichen werden kann. Die Neuerfindung Fichtes wird meistens in der Auffassung expliziert, dass das erste Prinzip nicht etwas fertiges, sondern etwas werdenedes, prozessuales und von dem Handeln bedingtes ist. Fichte selbst unterstreicht die Unrechtmäßigkeit der Frage, was eigentlich das Ich war, bevor es bewusst geworden ist, weil vor diesem Akt das Ich ja gar nicht existierte, wie bereits betont wurde, dass das erste Prinzip Fichtes die Tätigkeit und nicht das Wesen ist. Nur ein Dasein, das als „etwas in sich“ verstanden wird, kann existieren, bevor der Bewusstseinsakts vollzogen wird, aber wie bekannt, verwirft Fichte jede transzendentale, d.h. außer des tätigen Ichs gezeigte Realität.

In dem ersten Prinzip entsteht das Ich nicht als existierend, sondern als absolut tätig. Fichte unterstreicht, dass es hinter dem tätigen Ich kein substanzionelles Ich geben kann, soweit seine Tätigkeit komplett und restlos sein „Leben“ ausschöpft. Mit anderen Worten, außer dem Akt seiner Tätigkeit existiert das Ich gar nicht, hat keine eigene immanente ontologische Realität, die von der Aktivität verhältnisunmäßig ist.[3]

Das Ich wird in dem ersten Prinzip als ein spontanes und tätiges Subjekt dargestellt. Fichte interpretiert das Ich nicht substanzionell, sondern ähnlich wie in der kantischen regulativen Dialektik. So wird „das Ich als eine Idee“ das Endziel, ein ewig unerreichbares Telos des eigentlich tätigen Subjektes. D.h. „das Ich für sich selbst“ kann nicht mit dem absolut tätigen Ich identifiziert werden, weil „die Selbststellung des Ichs in der intellektuellen Anschauung ist kein Selbststellung Gottes“, soweit der Gott die reine Form unseres Ichs ist.

Gemäß der von Kant festgesetzten Korrelation zwischen dem Denken und dem Sein, wäre die Wissenschaftslehre eine Lehre des Seins und die Logik – eine Lehre des Denkens und genau an dieser Stelle, laut ihm, wird die Wissenschaftslehre von der Logik gar nicht berührt. Auf diese Weise betrachtet, kann die Wissenschaftslehre nicht „Fichtes Wissenschaftslehre“ sein, weil die letzte, laut Fichte, sowohl etwas von dem Sein, als auch etwas von dem Denken enthält und kann sowohl die Form, als auch den Inhalt des Wissens begründen. Laut Fichtes Wissenschaftslehre trennt sich die Form nie von dem Inhalt und der Inhalt geht immer mit der Form zusammen. Sie sind in jedem ihrer Gesetze verbunden. In der Logik aber gelten die Gesetze der Form jeder möglichen Wissenschaft und ohne Inhalt können und dürfen die logischen Prinzipien nicht gleichzeitig Prinzipien der Wissenschaftslehre sein, sie unterscheiden sich davon. Folglich kann die Wissenschaft, die von diesen Prinzipien geleitet ist, weder mit der gesamten Wissenschaftslehre vergliechen werden, noch mit nur einem Teil davon. Das wäre viel mehr eine komplett begründete Lehre – ein Fall, der den ganzen Begriff „Wissenschaftslehre“ beseitigen würde, weil eine voll abgesonderte und von der Wissenschaftslehre unabhängige aber zugleich gültige Wissenschaft, ist gleich opfern der Einheit des Prinzip, d.h. des Hauptgesetzes. Das wäre etwas, was das Klären der Aufgaben der Erkenntnis unmöglich macht. Die Wissenscshaftslehre soll existieren und alle Aussagen bezüglich ihrer Beziehung zu der einzelnen Wissenschaft in Bezug auf ihren Inhalt sind vollig richtig. So muss die Behauptung, dass sich in der Logik auch die Freiheit des menschlichen Geistes festigt, zugelassen werden.

In der Wissenschaftslehre sind der Inhalt und die Form miteinander verbunden, zugleich ist in der formale Logik die Form komplett von dem Inhalt getrennt. Diese Trennung ist aber gar nicht nötig, weil sie sich durch die Freiheit aüßert. Genau an dieser Stelle soll der Unterschied zwischen der Logik und Fichtes Wissenschaftslehre gesehen werden. Außerdem nennt Fichte die Abgesonderheit der Form von jedem Inhalt eine „Abstraktion“. Hier ergibt sich aber die Frage, ob wir uns von jeglichem Inhalt der menschlichen Kenntinis abstrachieren können. Die logischen Gesetze als Abstraktionen würden nur einfache Formulierungen sein, weil nach der Wissenschaftslehre selbst der Begriff „Gesetz“ voraussetzt, dass er sowohl aus Inhalt als auch aus Form besteht. Folglich muss das, was in der Wissenschaftslehre Form und Inhalt ist, in der Logik auch Form und Inhalt sein. Dazu noch ist die Begründung des Inhalts eine Folge des gasamten Inhalts der Wissenschaftslehre, was jetzt als der Inhalt des logischen Gesetzes betrachtet wird.

Hier ist es notwendig, eine neue Handlung des menschlichen Geistes aus der Position der Freiheit einzuführen – nähmlich die Reflexion.[4] Alle beide (die Abstaktion und die Reflexion) sind freie Handlungen des Geistes, oder der Freiheit, die sich nacheinander so äußern, dass wenn die eine zustande kommt, zeigt sich die andere von sich selbst. Daraus folgt für die Wissenschaftslehre, dass obwohl sich die Logik nur mit der Form beschäftigt, sich immer ein Inhalt dazu zeigt, den sie nicht erklären kann. Auf diese Weise stellen wir fest, dass die logischen Gesetze nur dann gültig sind, wenn sie durch die Wissenschaftslehre als Gesetze mit einer wirklichen Form und einem wahren Inhalt bewiesen werden können. Dazu noch kann die Logik die Lehre der Wissenschaftslehre nicht begründen aber die Wissenschaftslehre begründet sie, weil die Formen der Logik von der Wissenschaftslehre hervorgegangene Abstraktionen sind. Und die Wissenschaftslehre beinhaltet die miteinanderverbundenen Form und Inhalt.

Sich dessen bewusst zu werden, dass die Tätigkeit, der Akt die Erkenntnis der Wissenschaftslehre selbst ist. Oder anders gesagt: der menschliche Geist handelt, aber er kann auch seine Handlungen überlegen, um sie als eigene zu erkennen: die Erkenntnis, die genau den Geist und das Handeln treibt, stellt die Wissenschaftslehre selbst dar.

Während der Geist sich die Aufgabe stellt, diese Erkenntnis zu entwickeln, beobachtet er was er macht, nähmlich, dass er handelt. In dieser Beobachtung zeigt sich seine Кraft. Zu beobachten bedeutet zu handeln, ein System von Taten – so ein System ist „die Wissenschaftslehre“.

Wenn der Geist handeln würde, ohne zu wissen, dass er tätig ist, dann wäre die Aufgabe der Wissenschaftslehre, den Weg zur Befestigung des Akts des Selbstbewusstseins zu finden. Die Suche nach dieser Tätigkeit würde aber die Tätigkeit selbst elliminieren. Deswegen kann das höchste Verhalten des Geistes nichts anderes sein, als das Begreifen der eigenen Existenz. Dann würde die Wissenschaftslehre eine Lehre über die Stellung dieser Existenz sein.

[...]


[1] Siemek, Marek J.: Wissen und Tun. Zur Handlungsweise der transzedentalen Subjektivität in der ersten Wissenschaftslehre Fihtes; in: Schrader, Wolfgang H.: Die Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre von 1794 /95 und der transzedentale Standpunkt Band 10 ( Amsterdam, 1997) ; S. 243

[2] Brüggen, Michael: Fichtes Wissenschaftslehre. Das System in den seit 1801/02 entstandenen Fassungen (Hamburg, 1979); S. 12

[3] Rath, Michael: Selbstbewussesin und Wille. Untersuchungen zu Fichtes Wissenschaftslehe nova methodo (Doktorarbeit aus der Universität Heidelberg, 1985); S. 71

[4] Schindler, Ingrid: Reflexion und Bildung in Fichtes Wissenschaftslehre von 1794 (Düsseldorf, 1966); S. 60ff

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die drei Prinzipien des Ichs in Fichtes Wissenschaftslehre
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V117047
ISBN (eBook)
9783640192083
ISBN (Buch)
9783640192175
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Prinzipien, Ichs, Fichtes, Wissenschaftslehre
Arbeit zitieren
Evelina Kirilova (Autor), 2008, Die drei Prinzipien des Ichs in Fichtes Wissenschaftslehre, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117047

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