In der Arbeit liegt der Fokus also auf dem sozialen Handeln von Akteuren. Ich möchte anhand des symbolischen Interaktionismus verstehen und erklären, wie es zwischen verschiedenen Individuen oder Gruppen zu Konflikt oder Konsens kommt. Eine Besonderheit stellt bei diesem Ansatz das Herausheben des symbolischen Interaktionismus aus der Mikrosoziologie dar.
Aus einer intrinsischen Motivation heraus beschäftige ich mich schon länger mit der Entstehung, aber vor allem mit der Beendigung von Konflikten. Besonders faszinierend fand ich die Beendigung des Dreißigjährigen Krieges durch den Westfälischen Frieden. Diesen Frieden finde ich deswegen so faszinierend, weil mit so viel unterschiedlichen Akteuren verhandelt werden musste, um an eine gemeinsame Lösung zu kommen. Nicht nur der Westfälische Frieden ist aus konflikttheoretischer Perspektive interessant; interessant sind auch aktuelle Konflikte wie z. B. der Jugoslawien-Zerfall und der Nah-Ost-Konflikt.
All diese Konflikte und auch die Beendigung dieser Konflikte sind meiner Ansicht nach auf die wechselseitige Interaktion und Kommunikation von Individuen oder von kollektiven Akteuren zurückzuführen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoriegeschichte
2.1 Charles H. Cooley
2.2 George H. Mead
3. Symbolischen Interaktionismus nach Herbert Blumer
3.1 Die Prämissen des symbolischen Interaktionismus
3.2 Die Kernannahmen des symbolischen Interaktionismus
4. Theorieanschluss und Kritik der Theorie
4.1 Theorieanschluss des symbolischen Interaktionismus
4.1.1 Erving Goffman
4.1.2 Anselm Strauss
4.1.3 Ethnomethodologischer Ansatz
4.2 Kritik an der Theorie des symbolischen Interaktionismus
5. Ausblick: Konflikttheoretische Perspektive
5.1 Konflikttheoretische Reformulierung des Symbolischen Interaktionismus
5.2 Konflikte als dynamische Prozesse
5.3 Eskalationsprozesse
6. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das soziale Handeln von Akteuren mithilfe des symbolischen Interaktionismus, um zu erklären, wie zwischen Individuen und Gruppen Konflikte entstehen oder Konsens gefunden wird, wobei ein besonderer Fokus auf der Übertragung dieser mikrosoziologischen Perspektive auf komplexe Konfliktdynamiken liegt.
- Entwicklung und Kernkonzepte des symbolischen Interaktionismus
- Vergleich und Einordnung theoretischer Ansätze nach Mead, Blumer und Goffman
- Kritische Reflexion der methodologischen Grenzen der Theorie
- Erweiterung des Interaktionismus um konflikttheoretische Perspektiven (Lotta Mayer)
- Analyse von Eskalationsprozessen in sozialen Konfliktkonstellationen
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Prämissen des symbolischen Interaktionismus
Herbert Blumer formuliert drei simple Prämisse des symbolischen Interaktionismus. Die erste Prämisse beschreibt, dass Menschen Dinge auf Grund ihrer Bedeutung für sie in besonderer Weise behandeln. Blumer umfasst mit dem Begriff „Dinge“ alles was in der Wahrnehmung der Menschen liegt, dazu zählen also physische Gegenstände, andere Menschen, Institutionen, Ideale oder Situationen. Die zweite Prämisse besagt, dass die Bedeutung abhängig von der Interaktion mit den Dingen ist und aus ihr heraus entsteht. Die dritte Prämisse besagt, dass die Bedeutung, die aus der Interpretation der Dinge entstammt, in einem deutenden Verfahren in Bezug auf das Interaktionsobjekt verwendet, praktiziert und verändert wird. (Blumer, 1969/2013, S. 64)
Menschen verhalten sich nach Blumers erster Prämisse also nach der Bedeutung, die Dinge in einer konkreten Situation für sie haben. Das widerspricht grundsätzlich der bis dahin vertretenen These nach Verhalten durch Sozialisation. So simpel wie dieser Punkt klingen mag, so weitreichend ist er in seiner Aussage, denn es bedarf einer aktiven Leistung des Individuums, um mit seiner Umwelt zu interagieren. Nach der zweiten Prämisse Blumers, ist die Bedeutung eines Dings für das Individuum abhängig von der Art und Wiese, wie sich andere Individuen in Bezug auf dasselbe Ding verhalten. Es kommt zu einer Definitionsleistung in Bezug auf das Handeln der anderen Person. Blumer spricht hier von Bildung eines sozialen Produktes. Die dritte Prämisse von Blumer teilt sich in zwei Teile auf und beschäftigt sich mit der Interpretation der Bedeutung. Im ersten Teil kommuniziert und interpretiert die Person mit sich selbst über ihr Handeln und die beigemessene Bedeutung. Im zweiten Teil wird aus dem Interpretieren ein Handlungsprozess, das Individuum muss sich fragen, wie es ein Ding handhaben will und welche Bedeutung es ihm zukommen lassen will; die Interaktion mit sich selbst wird also zum Auslöser der Handlung. (Abels, 2020, S. 109f)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Der Autor erläutert seine Motivation, Konfliktentstehung und -beendigung soziologisch zu untersuchen, und führt den symbolischen Interaktionismus als methodisches Werkzeug ein.
2. Theoriegeschichte: Dieses Kapitel zeichnet die soziologischen Vorläufer des symbolischen Interaktionismus anhand der Werke von Charles H. Cooley und George H. Mead nach.
3. Symbolischen Interaktionismus nach Herbert Blumer: Hier werden die theoretischen Grundpfeiler, bestehend aus drei zentralen Prämissen und sechs Kernannahmen, detailliert dargelegt.
4. Theorieanschluss und Kritik der Theorie: Es werden verschiedene interaktionistische Schulen sowie die wesentlichen Kritikpunkte an der Theorie, insbesondere hinsichtlich der empirischen Anwendbarkeit, diskutiert.
5. Ausblick: Konflikttheoretische Perspektive: Unter Einbeziehung der Arbeit von Lotta Mayer wird aufgezeigt, wie sich der Interaktionismus auf dynamische Konflikte und Eskalationsprozesse übertragen lässt.
6. Schlussfolgerung: Das Kapitel reflektiert den Nutzen der Theorie trotz ihrer methodischen Schwächen und betont ihre Bedeutung für das Verständnis zwischenmenschlicher und kollektiver Interaktionsprobleme.
Schlüsselwörter
Symbolischer Interaktionismus, Herbert Blumer, George H. Mead, Soziale Interaktion, Handeln, Bedeutung, Identität, Konflikttheorie, Eskalationsprozess, Mikrosoziologie, Sozialbehaviorismus, Situationsdefinition, Kommunikation, Soziale Genese, Handlungslinie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die soziologische Theorie des symbolischen Interaktionismus, ihre historischen Wurzeln und ihre Anwendung auf Konfliktsituationen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder sind die Theorieentwicklung des symbolischen Interaktionismus, die Analyse menschlichen Handelns sowie die Erweiterung dieser Ansätze um eine konflikttheoretische Dimension.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das Zustandekommen von Konflikt und Konsens durch die wechselseitige Interpretation und Interaktion zwischen Akteuren auf Basis des symbolischen Interaktionismus zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verfolgt einen theoretisch-analytischen Ansatz, bei dem bestehende soziologische Literatur und Konzepte (insbesondere von Blumer und Mayer) kritisch aufgearbeitet und in einen neuen Kontext gesetzt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung durch Cooley und Mead, die Weiterentwicklung durch Blumer, eine kritische Diskussion der Methodik und die Anwendung auf Eskalationsdynamiken in Konflikten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Symbolischer Interaktionismus, Konfliktdynamik, Interaktion, Handeln, Situationsdefinition und Eskalationsprozess.
Wie unterscheidet sich der Ansatz von Herbert Blumer von klassischen Theorien?
Blumer lehnt normativ-deterministische Erklärungsmodelle ab und betont stattdessen die interpretative Leistung des Individuums sowie die ständige Aushandlung von Bedeutung in sozialen Situationen.
Warum ist das Konzept der "Rollenübernahme" nach Mead entscheidend?
Die Rollenübernahme ermöglicht es dem Individuum, sich selbst aus der Perspektive des Gegenübers zu betrachten, was für die Ausbildung eines Selbst und einer Identität essenziell ist.
Inwiefern lassen sich Konflikte als dynamische Prozesse beschreiben?
Konflikte sind keine statischen Zustände, sondern folgen einer Logik wechselseitiger Reaktionen auf Basis interpretierter Handlungen, die sich durch Polarisierung und Fragmentierung eskalierend weiterentwickeln können.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2021, Die Theorie des symbolischen Interaktionismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1170590