Die präventive Sanierung als Antwort auf steigende Restrukturierungsfälle bedingt durch die COVID-19-Pandemie


Projektarbeit, 2021

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen von Sanierung und Restrukturierung
2.1 Zweck und Ziele von Sanierungs- und Restrukturierungsmaßnahmen
2.2 Verfahren bei Sanierungs- und Restrukturierungsmaßnahmen
2.3 Relevanz von Sanierungs- und Restrukturierungsmaßnahmen

3. Die präventive Restrukturierung nach dem StaRUG
3.1 Entstehung und Verabschiedung
3.2 Ziel der präventiven Restrukturierung
3.3 Wesentliche Inhalte der präventiven Restrukturierung des StaRUG

4. Die präventive Restrukturierung als Antwort auf steigende Restrukturierungsfälle bedingt durch die Covid-19 Pandemie
4.1 Anwendbarkeit der präventiven Restrukturierung
4.2 Geeignetheit der präventiven Sanierung
4.3 Folgefragen

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Galeria Kaufhof Karstadt, Esprit, Hallhuber – all diese Unternehmen mussten sich im Jahr 2020 insolvenzlicher Verfahren wie etwa der Insolvenz in Eigenverwaltung oder des sogenannten Schutzschirmverfahrens bedienen.1 Zwar sinkt die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland seit 2015 stetig und erreicht 2020 ein Rekordtief von 16.300 Fällen seit Einführung der Insolvenzordnung im Jahr 1999.2 Jedoch stehen einige Branchen wie insbesondere der Einzelhandel vor großen Herausforderungen durch Strukturwandel, Digitalisierung und die Covid-19-Pandemie.3 Betroffene Unternehmen geraten in eine Krisensituation bedingt durch den Rückgang der Nachfrage, Liquiditätsengpässe sowie die vorübergehenden Schließungen von Betriebsteilen oder des gesamten Betriebs.4 Der deutsche Gesetzgeber reagiert auf die Fälle betroffener Schuldner im Kontext der Covid-19-Pandemie mit der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht, welche zuletzt durch den § 1 Abs. 1, 3 COVID-19-Insolvenzaussetzungsgesetz bis 30.April 2021 verlängert wurde. Zwar scheint dies grundsätzlich eine Option zu bieten, unverschuldet in die Krise geratenen Unternehmen eine langfristige Überlebensperspektive zu geben. Jedoch erhöht diese Maßnahme auch die Gefahr für sogenannte Zombie-Unternehmen, welche durch die ausbleibende Insolvenzantragsstellung weitere Geschäftspartner und sonstige Beteiligte in Mitleidenschaft ziehen.5 Hier setzt der präventive Restrukturierungsrahmen des StaRUG an. Dieses soll Unternehmen Instrumente zur vorinsolvenzlichen Sanierung und Restrukturierung bieten und damit drohende Insolvenzen abwenden.6 Inwiefern sich die Instrumente der präventiven Restrukturierung nach dem StaRUG als geeignete Maßnahmen für Krisen der Covid-19-Pandemie eignet wird im Folgenden untersucht.

2. Grundlagen von Sanierung und Restrukturierung

2.1 Zweck und Ziele von Sanierungs- und Restrukturierungsmaßnahmen

Sanierung und Restrukturierung stellen Maßnahmen dar, um das Überleben sowie die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens in der Krise sicherzustellen. Die sogenannte Nachhaltige Unternehmenssanierung zielt ferner nicht nur auf das kurzfristige Fortbestehen des Unternehmens ab, sondern vielmehr auf die Schaffung und Ausschöpfung nachhaltiger Erfolgspotenziale des Unternehmens. Maßnahmen zur Restrukturierung (auch Turnaround) können bereits in einem sehr frühen Krisenstadium ansetzen und der Abwendung einer voraussichtlich bevorstehenden Krise dienen.7 Die Sanierung hingegen bietet Maßnahmen für Unternehmen in der Krise, welche sich kurz vor dem Vorliegen eines Insolvenzgrundes befinden. Somit liegt für die Sanierung in der Regel bereits eine sehr konkrete Problemphase im Krisenstadium des Unternehmens vor.8 Im Folgenden werden sowohl Maßnahmen der Restrukturierung als auch der Sanierung im Kontext von Restrukturierungsmaßnahmen erfasst.

Restrukturierungs- und Sanierungsmaßnahmen können aufgrund einer Vielzahl an Gründen notwendig sein. Im Wesentlichen lassen sich diese Gründe in externe Gründe (etwa Marktveränderungen, Finanzkrise, politische Rahmenbedingungen, gesamtwirtschaftliche Rezession, Inflation, Währungsschwankungen), sowie interne Gründe (etwa Strategie-, Ertrags-, Liquiditätskrise des Unternehmens, Verlust von Marktanteilen, rückläufige Nachfrage, Veränderungen im Wettbewerb oder steigende Kosten) aufteilen.9

2.2 Verfahren bei Sanierungs- und Restrukturierungsmaßnahmen

Obwohl es kein standardisiertes Verfahren für Sanierungs- und Restrukturierungsmaßnahmen gibt, zeichnen sich jedoch Grundregeln, Strukturen und Erfolgsfaktoren für den Erfolg der Sanierung und Restrukturierung ab. Demnach ist das ganzheitliche Sanierungs- und Restrukturierungskonzept, welches kurzfristig das Überleben und langfristig die Wettbewerbsfähigkeit des Krisenunternehmens sichert, wesentlicher Ausgangspunkt jeglicher Maßnahmen. Dieses ganzheitliche Sanierungs- und Restrukturierungskonzept umfasst Maßnahmen zur strategischen Neuausrichtung sowie Verbesserung der operativen und finanziellen Performance des Unternehmens.10 Beispielhafte Maßnahmen dieser drei Bereiche des Sanierungs- und Restrukturierungskonzeptes finden sich in der folgenden Abbildung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Eigene Darstellung in Anlehnung an: Kraus, K., Sanierungs- und Restrukturierungskonzept, 2014, Rn. 12.

Die Maßnahmen dieses Restrukturierungskonzeptes müssen ferner im Rahmen eines konsequenten Umsetzungsmanagements hinsichtlich einzelner Schritte, Verantwortlichkeiten, zeitlichen Ablaufs sowie Effekte und Auswirkungen der Maßnahmen über die gesamte Projektorganisation hinweg gesteuert werden.11

In der Praxis hat sich aufgrund der Dringlichkeit durch Zeitdruck und Komplexität von Sanierungs- und Restrukturierungsmaßnahmen der strukturierte Ansatz von Roland Berger Strategy Consultants (RBSC-Ansatz) etabliert. Dieser basiert auf den vier Schritten Transparenz, Grobkonzept, Detailkonzept und Umsetzung. Zunächst wird im ersten Schritt die Transparenz über die Ausgangslage des Krisenunternehmens hergestellt. Dabei wird ein klares Bild hinsichtlich relevanter Faktoren wie etwa Cash Drain, Eigenkapital, etwaiger Überschuldung und Ursachen erstellt und der weitere Handlungsbedarf analysiert. Basierend auf diesem Handlungsbedarf wird im Rahmen des Grobkonzeptes die Sanierungsfähigkeit und Sanierungswürdigkeit geprüft. Dies dient zur Entscheidungsvorlage für Investoren und weitere Stakeholder sowie als Masterplan für die Umsetzung eventueller weiterer Maßnahmen. Das Detailkonzept folgt dem Grobkonzept. Im Rahmen des Detailkonzeptes werden konkrete Maßnahmen im Rahmen der einzelnen Bereiche der strategischen Neuausrichtung (Bereinigung und Neuausrichtung des Geschäftsportfolios, Markt- und Wettbewerbsstrategien der Geschäftsfelder), der operativen Restrukturierung (kurzfristige, operative oder strukturelle Umsatzsteigerung, operative oder strukturelle Kostensenkung) sowie der finanziellen Restrukturierung (Innenfinanzierung etwa im Rahmen der Optimierung des Anlagevermögens und Umlaufvermögens sowie Außenfinanzierung über Eigenkapitalgeber, Fremdkapitalgeber oder sonstige Maßnahmen wie Stundungen) abgeleitet und im Rahmen einer integrierten Businessplanung gesteuert und kommuniziert. Zuletzt wird diese integrierte Businessplanung dann in die Umsetzungsphase überführt. Priorisiert werden zunächst Sofortmaßnahmen, um den Cash Drain zu stoppen und Quick-Wins zu erzielen, sowie das Aufsetzen der Projektorganisation.12 Danach werden die Maßnahmen umgesetzt und im Rahmen des Maßnahmenmanagements regelmäßig gesteuert und überprüft, sowie im Rahmen des Change Managements hinsichtlich der Veränderungsprozesse begleitet.13

2.3 Relevanz von Sanierungs- und Restrukturierungsmaßnahmen

Die Anzahl an Insolvenzen und Restrukturierungsfällen von Unternehmen ist in Deutschland seit 2009 rückläufig. Gegenüber dem Jahr 2019 sind die Insolvenzfälle im Jahr 2020 um 15,5% auf 15.841 Fälle gesunken.14 Im Januar 2021 sind es im Vergleich zum Vorjahr sogar 31,3% weniger Unternehmensinsolvenzen.15 Die durch die Covid-19-Pandemie bedingten negativen wirtschaftlichen Auswirkungen spiegeln sich in diesen Zahlen nicht wider. Vielmehr scheint dieses Ergebnis maßgeblich durch die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für überschuldete Unternehmen beeinflusst zu sein.16 Abseits dieses verzerrten Bildes kann die Zahl der eröffneten Regelinsolvenzverfahren jedoch einen Hinweis auf die zukünftige Entwicklung von Unternehmensinsolvenzen geben. Diese Zahl ist in 2020 stetig gesunken, bis sich im November und Dezember eine Trendwende abzeichnet. Seither ist diese Zahl mit Ausnahme des Januar 2021 stetig stark gestiegen. So steigt die Anzahl der eröffneten Regelinsolvenzverfahren im Februar und März 2021 jeweils um 30% und 37% im Vergleich zum Vormonat. Infolgedessen liegt die Zahl der eröffneten Regelinsolvenzverfahren im März 2021 18% höher als noch im März 2020.17 Diese Indikation wird ferner bestätigt durch die Entwicklung der Auswirkung von Insolvenzfällen auf Gläubiger und Arbeitnehmer. Die offenen Forderungen von Gläubigern insolventer Unternehmen sind von 23,5 Milliarden Euro in 2019 auf 34 Milliarden Euro im Jahr 2020 angestiegen. Weiter sind im Jahr 2020 etwa 332.000 Arbeitnehmer von Unternehmensinsolvenzen betroffen und damit deutlich mehr als im Vorjahr mit 218.000 Beschäftigten.18 In Summe zeigen diese Faktoren die hohe Relevanz von Sanierungs- und Restrukturierungsmaßnahmen auf.

[...]


1 Vgl. Redaktionsnetzwerk Deutschland, Insolvenzen Modeketten, 2021, o.S.

2 Vgl. Creditreform, Insolvenzen Deutschland, 2020, o.S.

3 Vgl. Business Insider Deutschland, Herausforderungen Einzelhandel, 2020, o.S.

4 Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Unternehmen Corona-Krise, 2020, o.S.

5 Vgl. Römermann, V., Aussetzung Insolvenzantragspflicht, 2020, S. 1108.

6 Vgl. Proske, S., Präventive Sanierung, 2020, o.S.

7 Vgl. Evertz, D., Krystek, U., Maßnahmen Restrukturierung, 2014, S. 9.

8 Vgl. Graewe, D., Gößmann, A., Definition Sanierung, 2019, S. 974.

9 Vgl. Graewe, D., Gößmann, A., Definition Sanierung, 2019, S. 974.

10 Vgl. Kraus, K., Sanierungs- und Restrukturierungskonzept, 2014, Rn. 3.

11 Vgl. Kraus, K., Sanierungs- und Restrukturierungskonzept, 2014, Rn. 3.

12 Vgl. Kraus, K., Sanierungs- und Restrukturierungskonzept, 2014, Rn. 14-35.

13 Vgl. Kraus, K., Sanierungs- und Restrukturierungskonzept, 2014, Rn. 38.

14 Vgl. Statistisches Bundesamt (Destatis), Unternehmensinsolvenzen 2020, 2021, o.S.

15 Vgl. Statistisches Bundesamt (Destatis), Unternehmensinsolvenzen Januar 2021, 2021, o.S.

16 Vgl. Statistisches Bundesamt (Destatis), Unternehmensinsolvenzen 2020, 2021, o.S.

17 Vgl. Statistisches Bundesamt (Destatis), Unternehmensinsolvenzen Januar 2021, 2021, o.S.

18 Vgl. Creditreform, Insolvenzen Deutschland, 2020, o.S.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die präventive Sanierung als Antwort auf steigende Restrukturierungsfälle bedingt durch die COVID-19-Pandemie
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Frankfurt früher Fachhochschule
Veranstaltung
Unternehmenssanierung und -restrukturierung
Note
1,3
Autor
Jahr
2021
Seiten
23
Katalognummer
V1170721
ISBN (Buch)
9783346590602
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Präventive Sanierung, Restrukturierung, Sanierung, Insolvenzrecht, COVID-19, COVID-19-Pandemie, StaRUG
Arbeit zitieren
Dennis Kronig (Autor:in), 2021, Die präventive Sanierung als Antwort auf steigende Restrukturierungsfälle bedingt durch die COVID-19-Pandemie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1170721

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