Eine humoristische Sicht auf die Wahrheiten Sozialer Arbeit


Seminararbeit, 2008

12 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Warum sich die Soziale Arbeit mit Humor beschäftigen sollte
2.1 Lachen erlaubt?
2.2 Der kreative Umgang mit vermeintlichen Wahrheiten
2.3 Humor, die konstruktive Liebe zur Mehrdeutigkeit: Ein Exkurs in die Philosophie
2.4 Lachen erlaubt!

3. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Hausarbeit befasst sich mit dem humoristischen Umgang mit Widersprüchlichkeiten in der Sozialen Arbeit. Ich habe mich auf dieses Teilgebiet des großen Themas Humor in der Sozialen Arbeit beschränkt, da es im vorgegebenen Rahmen von zehn bis zwölf Seiten gut zu bearbeiten ist.

Ein sehr interessantes und neues Themengebiet, da Humor in der Sozialen Arbeit eine bisher eher weniger genutzte Ressource darstellt.

Zunächst kurz die einleitende Frage, ob es überhaupt legitim ist, in einer so ernsthaften Disziplin wie der Sozialen Arbeit, Humor als ein Medium der Kommunikation zu benutzen. Anschließend befasse ich mich mit den vermeintlichen Wahrheiten Sozialer Arbeit und mache deutlich, dass es auch innerhalb der gesteckten Grenzen noch Möglichkeiten gibt, sich kreativ zu entfalten. Weiterhin betrachte ich, in einem Exkurs, was uns Philosophen zum Thema Humor und Widersprüchlichkeiten sagen können. Danach führe ich die beiden zuletzt genannten Themen zusammen und stelle die These auf, dass Humor in der Sozialen Arbeit sehr wohl angebracht ist.

2. Warum sich die Soziale Arbeit mit Humor beschäftigen sollte

2.1 Lachen erlaubt?

Humor und Soziale Arbeit, passt das zusammen? Die Soziale Arbeit ist eine ernstzunehmende Disziplin, deren Berufspflicht es doch ist, Betroffenheit, Identifikation und Mitleid dem Klientel gegenüber zu haben. Humor, zumindest wenn man ihn auf das Rezitieren von Witzen oder auf das gelegentliche „miteinander Lachen“ beschränkt, erscheint wenig hilfreich, und letzteres sollte ein Medium der Sozialen Arbeit doch erfüllen.

Dass Humor jedoch mehr ist als zunächst vermutet werden könnte, sehen wir in den weiteren Abhandlungen.

2.2 Der kreative Umgang mit vermeintlichen Wahrheiten

„Der Versuch [...] Verwirrung zu meiden, entstammt meist dem Wunsch, umfassend zu beherrschen. Und dieser Wunsch, so hoffnungslos er auch stets vom Leben widerlegt wird, hat doch einen hohen Preis: Er verhindert wirkliches Leben.“[1]

Wahrheit, also Eindeutigkeit und Gewissheit über die Dinge in der Wirklichkeit, soll uns Ordnung, Sicherheit und Orientierung geben und uns helfen, nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten. So finden wir beispielsweise in der Theorie und Praxis Sozialer Arbeit viele solcher „Wahrheiten“, die jedoch selten so klar und eindeutig daherkommen wie sie sollten.

So bemüht man sich, Verwirrungen, die aus (oft unvermeidlichen) Ambivalenzen, Widersprüchen und Paradoxien entstehen, möglichst zu vermeiden. Dies ist zwar verständlich wie auch notwendig, führt aber zu vorschnellen Vereinfachungen und zum Ausblenden von Widersprüchen, die sich real nicht abstellen lassen.[2] Ein Festhalten also an unseren gewohnten, vermeintlichen Wahrheiten (Eindeutigkeiten) hat erfahrungsgemäß fortwährend Widersprüche und letztendlich Konflikte zur Folge.

Diese Ambivalenzen und Paradoxien werden beispielsweise deutlich, wenn man sich des doppelten Mandats (der im sozialen Bereich Tätigen) für soziale Hilfeleistungen von Gesellschaft und Adressaten bewusst wird. Also meist einer Nicht-Eindeutigkeit der Auftragslage, die es erfordert, verschiedene Interessen zu erfüllen. Doch dies kann auch einen Vorteil bedeuten, der sich kreativ nutzen und Handlungsmöglichkeiten offen lässt.[3]

Es käme also eigentlich darauf an, Handlungsspielräume zu nutzen und „[...] sich mit unauflösbaren Mehrdeutigkeiten konstruktiv auseinander zu setzen.“[4] Also einer Vorstellung von theoretischer Erklärung und praktischem Handeln zu folgen, die ihren Sinn darin sieht, die Möglichkeiten des Denkens, Wahrnehmens, Fühlens und Handelns zu erweitern.[5]

2.3 Humor, die konstruktive Liebe zur Mehrdeutigkeit: Ein Exkurs in die Philosophie

“Das Komische ist in jedem Lebensstadium zur Stelle (nur daß die Stellung verschieden ist), denn überall, wo Leben ist, ist Widerspruch, und wo Widerspruch ist, ist das Komische zur Stelle. Das Tragische und das Komische sind dasselbe, insofern als beide den Widerspruch bezeichnen, aber das Tragische ist der leidende Widerspruch, das Komische der schmerzlose Widerspruch.“[6] - S. Kierkegaard –

Auch Philosophen haben sich mit dem Humor, der Liebe zum Lachen[7], auseinandergesetzt. So z.B. Wilhelm Schmid, der führende Vertreter der Philosophie der Lebenskunst[8], der nicht den Begriff des Humors, sondern den der Heiterkeit verwendet. In seinem Buch Mit sich selbst befreundet sein[9], schreibt er von der Kunst heiter und gelassen zu leben[10]. Er beschreibt die Heiterkeit nicht etwa als einen Affekt, sondern als geistige Haltung[11], die von der Integrität desjenigen kündet, der mit sich „im Reinen“ ist.[12] Eine erträgliche Leichtigkeit des Seins ist diese Heiterkeit, die nicht ausschließlich den Kontrast zur Schwere, zu Angst, Schmerz, Leid und Tod darstellt, sondern aus der Konfrontation aus eben dieser Schwere resultiert. Also auf einer Haltung beruht, die sich der Existenz der Schwere stets bewusst ist und sie nicht zu negieren versucht, sich allerdings auch nicht von ihr niederdrücken lässt[13], sondern die Abgründigkeit menschlicher Existenz anerkennt und ausbalanciert.[14] „Der Lebenskünstler weiß um die Schwere, er weiß, wie abgründig, brüchig, widersprüchlich, zerbrechlich und fragwürdig von Grund auf alles Sein ist, und er akzeptiert es; das macht ihm das Leben leichter.“[15]

Wenn Heiterkeit ein Weg ist, das Leben leichter zu machen, dann deshalb, weil sie sich der grundlegenden Tragik von Leben und Welt nicht entzieht, darin jedoch auch nicht untergeht. Sie versucht sich in der Gratwanderung zwischen unversöhnlichen Widersprüchen und am Rande von Abgründen, und gerade dort, wo deren Unaufhebbarkeit bewusst ist, kann sie sich entfalten.[16]

Schmid schreibt also über ein Leben, das aus der Polarität in allen Dingen seine Spannung bezieht, aus der das Selbst dann die Angst vor dem Abgrund verliert und es zu einem symmetrischen Leben kommt, einer Harmonie, die auch unvereinbare Gegensätze[17] „[...] in sich zusammenspannt.“[18]

[...]


[1] Sparrer & Varga von Kibed, 2000, 156

[2] vgl. Effinger, 2008, 10

[3] vgl. Effinger, 2008, 18

[4] Ebd. 10

[5] Ebd. 10

[6] 1910, zitiert nach Geier, 2006, 166

[7] Ebd. 288

[8] vgl. http://www.wilhelm-schmid.de, 12.08.08

[9] Schmidt, 2004

[10] Ebd. 351

[11] Ebd. 354

[12] vgl. Schmid, 2004, 353

[13] Ebd.

[14] Ebd. 354

[15] Ebd.

[16] Ebd.

[17] Ebd.

[18] Ebd. 356

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Eine humoristische Sicht auf die Wahrheiten Sozialer Arbeit
Hochschule
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen; Münster
Veranstaltung
Leben lernen. Philosophische Positionen von der Antike bis zur Gegenwart
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
12
Katalognummer
V117078
ISBN (eBook)
9783640194414
ISBN (Buch)
9783640194438
Dateigröße
388 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eine, Sicht, Wahrheiten, Sozialer, Arbeit, Leben, Philosophische, Positionen, Antike, Gegenwart
Arbeit zitieren
Thorsten Regelmann (Autor), 2008, Eine humoristische Sicht auf die Wahrheiten Sozialer Arbeit , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117078

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