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Digitalisierte Zivilgesellschaft aus feministischer Perspektive. Zwischen grenzenloser Emanzipation und Reproduktion männlicher Hegemonie

Titel: Digitalisierte Zivilgesellschaft aus feministischer Perspektive. Zwischen grenzenloser Emanzipation und Reproduktion männlicher Hegemonie

Hausarbeit , 2021 , 30 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Sophie-Eileen Gierend (Autor:in)

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Obgleich sich heute einige Arbeiten insbesondere der Fragen widmen, welche Bedeutung dem Internet für zivilgesellschaftliche Akteur*innen zukommt und ob das Internet als demokratieförderlich angesehen werden
sollte, wird die besondere Stellung von Frauen und feministischen Anliegen innerhalb dieser Gefüge weitestgehend
vernachlässigt. Geht es in Artikeln um Feminismus und Zivilgesellschaft, wie beispielsweise bei Sauer (2008) und Phillips (2002), so werden dort die Veränderungen seit der Digitalisierung ausgeklammert. Geht es in Arbeiten konkreter um das Verhältnis von Feminismus und Digitalisierung, so begrenzen sich diese häufig jedoch auf spezifische Internetphänomene. Gegenstand sind meist die zunehmenden aggressiven Attacken gegen Frauen und das Erstarken antifeministischer Bewegungen oder aber konkrete Strategien des feministischen Online-Aktivismus. Solche Beiträge bewegen sich in der Regel nur an der Oberfläche oder konzentrieren sich lediglich auf einzelne Aspekte, ohne dabei deren Zusammenhänge und oft zugrunde liegende, strukturbedingte Ursachen zu untersuchen. Nur wenige gehen darüber hinaus.

An dieser Stelle soll diese Arbeit ansetzen. Es wurde bereits deutlich, dass eine große Diskrepanz zwischen dem emanzipatorischen Potential des Internets und seiner tatsächlichen Ausgestaltung existiert. Doch stellt sich darüber hinaus die Frage, ob durch das Internet nicht vielmehr patriarchale Strukturen reproduziert und manifestiert, statt feministische Bestrebungen unterstützt werden. Und stellt eine digitalisierte Zivilgesellschaft aus feministischer Perspektive demnach nicht eine Verschlechterung dar?

Um diesen Fragen nachzugehen, werde ich ausgewählte positive Eigenschaften, die dem Internet zugeschrieben
werden, aus feministischer Perspektive diskutieren. Diese Eigenschaften fasse ich unter den Kategorien Offenheit, Gleichheit, Pluralismus und Konfliktivität, Permeabilität sowie Beschleunigung und Progress zusammen. Die Argumentation wird sowohl technische Merkmale des Internets, Aspekte der Ressourcen- und Wissensverteilung als auch gesellschaftliche und ökonomische Dynamiken mit einbeziehen. Dabei soll, wenn möglich, jeweils ein Vergleich mit der ‚analogen‘ Zivilgesellschaft stattfinden, um beurteilen zu können, ob es sich um eine positive oder negative Entwicklung der Zivilgesellschaft aus einer feministischen Argumentationsposition heraus handelt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

Digitalisierung der Zivilgesellschaft

Feminismus in einer digitalisierten Zivilgesellschaft

Fragestellung und Vorgehen

2 Feminismus und die (analoge) Zivilgesellschaft

Feminismus und der Begriff der Zivilgesellschaft

Feminismus und zivilgesellschaftliches Engagement

3 Offenheit

Freier Zugang aller zum Netz

Digital Gender Divide, die technische Exklusion

Offenheit gegenüber feministischen Themen und Zugang zu Informationen

Fehlende Filter: Antifeminismus, Hate Speech und Fake News

4 Gleichheit

Teilhabe aller zu gleichen Bedingungen und eine horizontale Machtverteilung

Digital Gender Divide, die technische Führung ist männlich

5 Pluralismus und Konfliktivität

Plurale Öffentlichkeit(en) als Chance für feministische Gegenöffentlichkeiten

Teilöffentlichkeiten als Triebfeder gesellschaftlicher Fragmentierung und Polarisierung

6 Permeabilität

Auflösen der Grenzen zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit

Auflösen der Grenzen zwischen Staat und Zivilgesellschaft

Auflösen der Grenzen zwischen Markt und Zivilgesellschaft

7 Beschleunigung und Progress

Eine dynamische und progressive digitalisierte Zivilgesellschaft

Die Flüchtigkeit und Oberflächlichkeit des digitalen Raums

Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, inwieweit die Digitalisierung der Zivilgesellschaft aus feministischer Perspektive als Chance für Emanzipation oder als Reproduktion patriarchaler Strukturen zu bewerten ist, und analysiert dabei das Spannungsfeld zwischen technischem Potenzial und realen Exklusionsmechanismen.

  • Feministische Analyse digitaler Zivilgesellschaft
  • Strukturelle Auswirkungen der Digitalisierung auf Machtverhältnisse
  • Digital Gender Divide und technische Exklusion
  • Potenziale und Gefahren feministischen Online-Aktivismus
  • Fragmentierung der Öffentlichkeit und antifeministische Gegenbewegungen

Auszug aus dem Buch

Freier Zugang aller zum Netz

In der personellen Offenheit des Webs lässt sich gerade für Frauen ein Vorteil vermuten. Zwar sind Frauen zumindest in westlichen Ländern auch aus der analogen Zivilgesellschaft nicht ausgeschlossen, ihre Sichtbarkeit und Beteiligung an öffentlichkeitswirksamen Debatten ist jedoch unverhältnismäßig gering (vgl. Fraser 1990: 63f., 67). Der Zugang zum Web und dort öffentlich geführten Diskussionen ist dagegen niedrigschwelliger und im Grundsatz unabhängig von Geschlecht, Ethnizität, Alter usw. Zudem herrscht durch die globale Dimension des Internets keine territoriale Begrenzung (vgl. Ritzi/Zierold 2020: 33). Aufgrund der Vielfalt an Plattformen und Optionen der direkten Veröffentlichung wie eigene Webseiten und Blogs, müssen keine – meist männlich-dominierten – Instanzen durchlaufen werden, bevor etwas publiziert werden kann. Bis auf bestimmte autoritär regierte Staaten mit staatlich reguliertem und begrenztem Intranet, steht der Großteil des Internets der internationalen Gemeinschaft zur Verfügung, die sich über Ländergrenzen hinweg vernetzen kann. Durch das einfache Teilen und aufeinander Verweisen bieten digitale Kommunikationskanäle zudem selbst Individuen ohne etablierte Zuhörerschaft und ohne gut aufgestellte Hintergrundorganisation die Möglichkeit der Sichtbarmachung ihrer Anliegen.

So sind digitale Medien heute für feministische Gruppen wichtige Instrumente, „in order to stay connected and to engage new participants in their actions“ (Fotopoulou 2016: 40). Selbst kleinere feministische Gruppen haben so die Möglichkeit, sich untereinander zu vernetzen und sich an größeren Debatten zu beteiligen (vgl. ebd.: 43). Neue Formen des Feminismus sind entstanden, die logistisch weniger aufwendig sein können als analoge, die selbst von zuhause aus betrieben werden können und dennoch eine vergleichbare bis größere Reichweite erlangen (vgl. Ritzi/Zierold 2020: 35). Feministischer Online-Aktivismus erfordert so nicht notwendigerweise langfristige Beteiligung, was ihn gerade für jüngere Generationen attraktiver macht (vgl. Fotopoulou 2016: 40), bei denen kurzfristiges Engagement und Ad-Hoc-Aktivismus immer populärer werden (vgl. Bluhm/Malowitz 2012: 216).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Digitalisierung der Zivilgesellschaft ein und beleuchtet das ambivalente Potenzial des Internets für feministische Anliegen unter Berücksichtigung der Fragestellung.

2 Feminismus und die (analoge) Zivilgesellschaft: Dieses Kapitel verortet das Verhältnis zwischen Feminismus und Zivilgesellschaft vor der Digitalisierung und diskutiert klassische theoretische Definitionen sowie deren feministische Kritikpunkte.

3 Offenheit: Es wird die prinzipielle Offenheit des Netzes untersucht, wobei sowohl die Vorteile eines leichten Zugangs für feministische Gruppen als auch Probleme wie der Digital Gender Divide und das Erstarken antifeministischer Netzgemeinschaften beleuchtet werden.

4 Gleichheit: Hier steht die Hypothese der horizontalen Machtverteilung im Netz zur Diskussion, wobei aufgezeigt wird, wie technische Führungsstrukturen und männlich dominierte Plattformen die Gleichheit einschränken.

5 Pluralismus und Konfliktivität: Das Kapitel behandelt das Potenzial digitaler Räume für feministische Gegenöffentlichkeiten einerseits und die Gefahr gesellschaftlicher Fragmentierung in Echokammern andererseits.

6 Permeabilität: Die Analyse konzentriert sich auf die Durchlässigkeit von Grenzen zwischen privat und öffentlich, Staat und Zivilgesellschaft sowie Markt und Zivilgesellschaft und deren ambivalente Folgen für Aktivistinnen.

7 Beschleunigung und Progress: Das abschließende inhaltliche Kapitel erörtert die Beschleunigung gesellschaftlichen Wandels durch das Internet, stellt diese aber der Flüchtigkeit und Oberflächlichkeit digitaler Debatten gegenüber.

Schlüsselwörter

Digitalisierte Zivilgesellschaft, Feminismus, Netzfeminismus, Digital Gender Divide, Internet Governance, Öffentlichkeit, Gegenöffentlichkeit, Emanzipation, Antifeminismus, Machtverhältnisse, Partizipation, Online-Aktivismus, Fragmentierung, Hate Speech, Genderzuschreibungen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, inwiefern die Digitalisierung der Zivilgesellschaft aus einer feministischen Perspektive sowohl Möglichkeiten der Emanzipation als auch neue Formen der Reproduktion patriarchaler Strukturen bietet.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit dem Einfluss des Internets auf die Sichtbarkeit von Frauen, dem Digital Gender Divide, der Dynamik feministischer Gegenöffentlichkeiten und der Auswirkung digitaler Netzstrukturen auf Machtverhältnisse.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu erörtern, ob die Digitalisierung der Zivilgesellschaft ein emanzipatorisches Potenzial für feministische Akteurinnen bereithält oder ob sie tendenziell bestehende gesellschaftliche Ungleichheiten und Diskriminierungen verstärkt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine theoretische Auseinandersetzung und eine vergleichende Perspektive, wobei sie technische Merkmale des Internets sowie gesellschaftliche und ökonomische Dynamiken in einem Vergleich zur analogen Zivilgesellschaft diskutiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in sieben Kategorien – Offenheit, Gleichheit, Pluralismus und Konfliktivität, Permeabilität sowie Beschleunigung und Progress –, anhand derer die Auswirkungen der Digitalisierung auf feministische Anliegen detailliert analysiert werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Digitalisierte Zivilgesellschaft, Feminismus, Digital Gender Divide, Öffentlichkeit, Gegenöffentlichkeit, Emanzipation, Antifeminismus und Machtverhältnisse.

Inwiefern beeinflusst der "Digital Gender Divide" die Möglichkeiten von Frauen im Netz?

Der Digital Gender Divide beschreibt sowohl den ungleichen Zugang zur Infrastruktur, der Frauen in bestimmten Weltregionen exkludiert, als auch die ungleiche Verteilung von technischem Know-how, was dazu führt, dass Plattformen überwiegend von Männern gestaltet und beherrscht werden.

Warum wird die "Permeabilität" der Grenzen zwischen Privatem und Öffentlichem als zweischneidiges Schwert bezeichnet?

Während die Auflösung dieser Grenzen es Frauen ermöglicht, bisher private Themen in die öffentliche Debatte zu tragen, führt sie gleichzeitig zu einer erhöhten persönlichen Vulnerabilität, da Aktivistinnen im Netz zunehmend als Individuen angreifbar werden.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Digitalisierte Zivilgesellschaft aus feministischer Perspektive. Zwischen grenzenloser Emanzipation und Reproduktion männlicher Hegemonie
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Theorien der Zivilgesellschaft und des bürgerlichen Engagements
Note
1,0
Autor
Sophie-Eileen Gierend (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2021
Seiten
30
Katalognummer
V1170805
ISBN (PDF)
9783346589200
ISBN (Buch)
9783346589217
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zivilgesellschaft Politische Theorien Feminismus Internet Digitalisierung Digitale Zivilgesellschaft Civil Society Digital Civil Society Digitalisierte Zivilgesellschaft Frauen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sophie-Eileen Gierend (Autor:in), 2021, Digitalisierte Zivilgesellschaft aus feministischer Perspektive. Zwischen grenzenloser Emanzipation und Reproduktion männlicher Hegemonie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1170805
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Leseprobe aus  30  Seiten
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