Der Rhein - deutsche und französische Stimmen unter besonderer Berücksichtigung von "Le Rhin" und "Die Wacht am Rhein"


Seminararbeit, 2007

17 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 Der Rhein: Geschichte

2 Historischer Abriss der deutsch-französischen Beziehungen

3 Zwei Beispiele deutscher und französischer Rheinliteratur
3.1 Rheinromantik
3.2 Victor Hugo: Le Rhin. Lettres à un Ami (Der Rhein)
3.2.1 Biographie Victor Hugos
3.2.2 Entstehung von Le Rhin
3.2.3 Inhalt und Hugos Beziehung zum Rhein
3.2.4 Hugo zur Rheinkrise
3.3 Die Wacht am Rhein
3.3.1 Rheinliedbewegung
3.3.2 Entstehung und Inhalt

4 Vergleich und Fazit

Literaturverzeichnis

0 Einleitung

„Der Rhein ist der Fluss, von dem alle Welt redet und den niemand kennt“ („Le Rhin est le fleuve dont tout le monde parle et personne n’étudie“).[1]

Nach diesem Motto von Victor Hugo soll der Rhein aus einem etwas anderen als dem gewohnten Blickwinkel betrachtet werden: Als Fluss, der Europa eint.

Die vorliegende Hausarbeit ist im Rahmen der Übung „Deutschland-Atlas“ entstanden. Dort wurden exemplarische Erinnerungsorte in Deutschland anhand von Einführungen in Texte vorgestellt, die diese repräsentieren. Zum Thema Rhein denkt man zunächst an Mythen wie den der Loreley, der durch das Lied von Heine weltberühmt geworden ist, aber weitergehend auch beispielsweise an das deutsch-französische Verhältnis und den Streit um den Rhein als Grenze zwischen den beiden Nachbarländern.

Daher sollen in dieser Arbeit die deutschen und französischen Stimmen zum Thema näher betrachtet werden, die zum Zeitpunkt der politischen Zuspitzung, der Rheinkrise im 19. Jh., entstanden sind.

Um die politischen und historischen Hintergründe zu verstehen, wird zunächst kurz die Geschichte des Rheins vorgestellt, um dann auf die deutsch-französischen Beziehungen einzugehen. Hierbei ist vor allem Der Rhein und seine Geschichte von Febvre als Standardwerk zu nennen. Auf dieser Grundlage folgt dann der Hauptteil der Arbeit, die Analyse der beiden exemplarischen Texte Le Rhin von Victor Hugo und Die Wacht am Rhein. Zitiert wird bei Hugo aus der französischen Originalausgabe. Als theoretischer Hintergrund zu ersterem dient vor allem Victor Hugo und der Rhein von Wiegand. Zum Schluss werden die Texte miteinander verglichen und die Ergebnisse in Hinsicht auf ihre politische Aussage noch einmal zusammengefasst.

1 Der Rhein: Geschichte

Der Name „Rhein“ leitet sich vom keltischen Wort renos ‚fließendes Wasser’ ab, welches man auch im Altirländischen als ‚Fluss, Meer’ wiederfindet.[2] Die Wurzel des Wortes ist vermutlich das indogermanische rei, das auch im deutschen ‚rinnen’, im spanischen rio und im altgriechischen rhei (vgl. panta rhei – „alles fließt“) auftaucht. Von den Römern wurde er rhenus genannt.[3]

Der Rhein steht also als Prototyp für einen Fluss schlechthin und wurde schon immer als etwas von der Natur Gegebenes angesehen.

In der Antike wurde der Rhein zunächst als Handelsroute zum Transport von Waren, dann als militärische Grenze, später als Landesgrenze genutzt: erst wurde er als Verbin­dungslinie (trait d’union), dann als natürliche Grenze (frontière) zwischen Gallien und Germanien angesehen. Schon bei den antiken Autoren finden sich zahlreiche Hinweise auf den Rhein und die Bewohner seiner Ufer: Bei Christus von Diodor ist von Kelten und Galatern die Rede; Dionysos von Halikarnassos erwähnt Germanien und Galatien; Julius Caesar hingegen schreibt in seinen Comentarii von den Belgiern, „qui trans Rhenum incolunt", den Nachbarn der Germanen, „qui cis Rhenum incolunt“. An einigen Stellen ist der Rhein so flach, dass man ihn überschreiten kann: „transire Rhenum“. Bei Tacitus ist der Rhein ein Fluss mit festem Flussbett, der als Grenze dienen kann: „qui terminus esse sufficiat“, in der Germania dagegen bildet er keine Grenze (Germania, 32).[4]

Flüsse gelten im Allgemeinen als bequeme Grenzmarkierung, da sie durch die Land­schaft vorgegeben und meist schwer zu überqueren sind.

Die „Germani“ werden erstmals im Jahre 73 v. Chr. bei Sallust erwähnt, auf Griechisch bei 80 v. Chr. bei Poseidonios, die Namen Belgier und Germanen werden oft bei den Autoren oft synonym gebraucht.[5] Man kann allerdings nicht von den Germanen als Ganzes sprechen, da sie sich in mehrere verstreute Stämme unterteilen. Als „Germania“ bezeichnete man vor allem das Gebiet zwischen Rhein, Weichsel und Donau. Das Wort „Germane“ stammt aus dem Lateinischen germanus ‚echt, natürlich’.

Das Urgermanische war in Zentraleuropa verbreitet und die Germanen selbst werden bei Tacitus als Nation, nicht als Rasse bezeichnet: „Germani, nationis nomen, non gentis“.[6]

Die Gallier waren Kelten, die auf dem Gebiet des heutigen Frankreich und Belgien wohnten: „(...) qui ipsorum lingua Celtae, nostra Galli appellantur.“[7] Durch die Romanisie­rung Galliens (125-118 v. Chr. und 58-51 v. Chr.) und der Unterteilung in Provinzen wurde Latein zur Staatsprache, aus deren Volkssprache, dem so genannten Vulgärlatein, die romanische Sprache Französisch entstand.[8]

2 Historischer Abriss der deutsch-französischen Beziehungen

Für das bessere Verständnis der Rheinkrise ist eine Kenntnis der vorhergehenden geschichtlichen Ereignisse notwendig. Diese sollen im folgenden Kapitel kurz zusammen­gefasst werden.

Von Deutschen und Franzosen in unserem heutigen Verständnis kann zwar noch nicht die Rede sein, jedoch sind ihre Vorfahren, die Gallier und Germanen, bereits im letzten Kapitel erwähnt worden. Mit der römischen Expansion kann man erstmals von einer politischen Unterteilung, der Gründung von heutigen Städten (z.B. Köln) und einer Vereinigung der Völker unter dem römischen Imperium sprechen.

Ab dem 1. Jh. v. Chr. versuchten die Römer, das rechtsrheinische Gebiet zur Provinz zu machen. Mit der Varusschlacht (auch bekannt als Schlacht im Teutoburger Wald oder Hermannsschlacht) 9 n. Chr. wurde diesem ein Ende gesetzt und der Limes als fester Grenzwall gegen die Germanen errichtet.[9] An diese Schlacht erinnert auch das Hermannsdenkmal bei Detmold, das Schwert des Arminius (Hermann der Cherusker) weist gen Westen gegen den alten Feind.[10]

Die Grundlagen der beiden Staaten wurden dann mit dem nachrömischen Reich Karls des Großen (800) gelegt. In den Straßburger Eiden (842) werden erstmals die beiden Sprachen französische Volkssprache (romana lingua) und deutsche Sprache (teudisca lingua) schriftlich dokumentiert. Als ein Jahr später durch den Vertrag von Verdun (843) das Frankenreich unter den Enkeln Karls des Großen aufgeteilt wurde (Ludwig der Deutsche: Gebiet östlich vom Rhein und Mainz, Worms und Speyer – Francia Orientalis; Lothar: Lothringen – Media Francia, zwischen Rhein und Mosel; Karl der Kahle: Westteil bis Spanien – Francia Occidentalis), entsprachen diese Gebiete fast den heutigen Grenzen.

Der Ort Verdun hat auch insofern historische Bedeutung, als dass dort im Jahr 1916, während des ersten Weltkriegs, die Schlacht von Verdun stattfand, welche traurige Be­rühmtheit erlangt hat, weil dabei ca. 300.000 Soldaten fielen. Febvre deutet dieses Ereignis als direkte Folge des Vertrages.[11]

Mit der Krönung Kaiser Ottos im Jahre 962 wurde das Heilige Römische Reich gegründet, das bis 1806 Bestand hatte.

Im 30jährigen Krieg standen sich Deutsche und Franzosen als direkte Gegner auf deutschem Boden gegenüber. Die Folge war, dass Frankreich seitdem ein festes Staatsgefüge hatte, ob als Republik oder Monarchie, Deutschland jedoch aus einzelnen Reichen und Fürstentümern bestand.

1763 forderten Rheinländer die Ausweitung der französischen Republik. Während der Französischen Revolution, die zu Umwälzungen und Veränderungen nicht nur in Frank­reich, sondern in ganz Europa führte, wurde auch das Rheinland besetzt.

Napoleon gründete den Rheinbund der aus dem deutschen Reich ausgetreten Fürsten und trug damit zu dessen Ende bei.

In der Epoche der Restauration wurde die Bourbonenmonarchie in Frankreich wiederhergestellt, um dann mit der Julirevolution (1830) wieder gestürzt zu werden.

1815 besetzte Preußen die Rheinlande, durch die Verträge des Wiener Kongresses erhielten diese es offiziell, was zur Entstehung der Rheinprovinz führte.

Um das Jahr 1840 kam es schließlich zur berühmten Rheinkrise, welche für die vorliegende Arbeit besonders relevant ist: Frankreich unter Premierminister Thiers beanspruchte den Rhein als seine Ostgrenze gegen den Deutschen Bund, um von der Orientkrise abzulenken. Man war der Meinung, dass Frankreich „historischen Anspruch“ auf diese Gebiete habe. Bei den Streitgebieten handelte es sich um das linksrheinische Ufer, also um Elsass-Lothringen, das Saarland und das Rheinland. Das zugrunde liegende Dogma behauptet, dass der Rhein von der Natur als Grenze vorgegeben sei, so wie die Alpen und die Pyrenäen. Dies führte auf französischer Seite in der Politik zu einem ausgesprochen negativen Deutschlandbild, auch unter Einfluss des Napoleonkults.

Im Gegenzug entstanden in Deutschland durch das erwachende Nationalgefühl der Rheinmythos und später die Rheinpropaganda. Einer der bekanntesten ist der Mythos vom „deutschen Rhein“, der besagt, dass dieser nur zu Deutschland gehöre.

Auch die Rheinliedbewegung wurde von der Krise inspiriert, das berühmteste Beispiel hierfür ist Die Wacht am Rhein. (s. Kap. 4.3) Einige beliebte Slogans der damaligen Zeit lauteten „Der Rhein, Teutschlands Strom, aber nicht Teutschlands Gränze“ (aus einer Broschüre von Arndt, 1813) und „Der Rhein könnt freier sein“. Parallel dazu entstand der Mythos von der deutsch-französischen „Erbfeindschaft“. Ein anderer Aspekt dieser Zeit ist aber auch der der Rheinromantik (vgl. Kap. 4.1).

Im Zuge der Feindseligkeiten kam es schließlich zum deutsch-französischen Krieg (genauer: preußisch-französischer Krieg) (1870/71): Preußen unter Bismarck besetzte Elsass-Lothringen. Die Franzosen waren darauf nicht vorbereitet und militärisch gerüstet.

Frankreich verlor den Krieg und musste Elsass-Lothringen schließlich abtreten. Nach dem Ersten Weltkrieg musste Deutschland das Gebiet gemäß des Versailler Vertrages (1919) zurückgeben. Ebenfalls wurde durch den Vertrag von Locarno (1925) festgelegt, dass das Rheinland entmilitarisiert wurde, d.h. weder von Deutschland noch von Frankreich besetzt werden durfte. Dagegen verstieß Hitler im Jahre 1936, als er Truppen dort einmarschieren ließ. Während des Zweiten Weltkrieges war Frankreich von 1940 bis ‘44 von deutschen Truppen besetzt, wobei es in eine besetzte Zone und eine kollaborierende freie Zone aufgeteilt war. Nach dem Krieg fiel durch Volksabstimmung das Rheinland an Deutschland und das Elsass an Frankreich, was bis heute Bestand hat.

Nach dieser über 1000 Jahre währenden Periode der Krisen und Kriege waren auf beiden Seiten ein durch Vorurteile und Klischees geprägtes Feindbild sowie der Mythos von der Erbfeindschaft eingebrannt. Erst 1963 wurde durch die Elysée-Verträge zwischen de Gaulle und Adenauer die deutsch-französische Freundschaft offiziell besiegelt.

Der Rhein ist heute immer noch innerdeutsche Grenze zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz, südrheinisch zwischen Frankreich und Deutschland.

[...]


[1] Hugo 1884 Vol.1:1

[2] vgl. Febvre 2006:18

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Rhein 18.09.07

[4] vgl. Febvre 2006:25-27

[5] vgl. Febvre 2006:31-42

[6] ebd.

[7] Gaius Iulius Caesar: Comentarii de bello gallico, zitiert nach http://de.wikipedia.org/wiki/De_Bello_Gallico 18.09.2007

[8] vgl. Klare 1998:17-26

[9] http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Römer_in_Germanien 18.09.2007

[10] http://de.wikipedia.org/wiki/Varusschlacht

[11] vgl. Febvre 2006:57-66

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Rhein - deutsche und französische Stimmen unter besonderer Berücksichtigung von "Le Rhin" und "Die Wacht am Rhein"
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Institut für Deutschlandforschung)
Veranstaltung
Deutschland-Atlas. Ein kulturhistorischer und literarischer Reiseführer
Note
2,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V117101
ISBN (eBook)
9783640195084
ISBN (Buch)
9783640195930
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rhein, Stimmen, Berücksichtigung, Rhin, Wacht, Deutschland-Atlas, Reiseführer, deutsch-französisch
Arbeit zitieren
B.A. Anna Theodorou (Autor), 2007, Der Rhein - deutsche und französische Stimmen unter besonderer Berücksichtigung von "Le Rhin" und "Die Wacht am Rhein", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117101

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