„Der Rhein ist der Fluss, von dem alle Welt redet und den niemand kennt“ („Le Rhin est le
fleuve dont tout le monde parle et personne n’étudie“).
Nach diesem Motto von Victor Hugo soll der Rhein aus einem etwas anderen als dem
gewohnten Blickwinkel betrachtet werden: Als Fluss, der Europa eint.
Die vorliegende Hausarbeit ist im Rahmen der Übung „Deutschland-Atlas“ entstanden.
Dort wurden exemplarische Erinnerungsorte in Deutschland anhand von Einführungen in
Texte vorgestellt, die diese repräsentieren. Zum Thema Rhein denkt man zunächst an Mythen
wie den der Loreley, der durch das Lied von Heine weltberühmt geworden ist, aber
weitergehend auch beispielsweise an das deutsch-französische Verhältnis und den Streit um
den Rhein als Grenze zwischen den beiden Nachbarländern.
Daher sollen in dieser Arbeit die deutschen und französischen Stimmen zum Thema
näher betrachtet werden, die zum Zeitpunkt der politischen Zuspitzung, der Rheinkrise im 19.
Jh., entstanden sind.
Um die politischen und historischen Hintergründe zu verstehen, wird zunächst kurz die
Geschichte des Rheins vorgestellt, um dann auf die deutsch-französischen Beziehungen
einzugehen. Hierbei ist vor allem Der Rhein und seine Geschichte von Febvre als
Standardwerk zu nennen. Auf dieser Grundlage folgt dann der Hauptteil der Arbeit, die
Analyse der beiden exemplarischen Texte Le Rhin von Victor Hugo und Die Wacht am Rhein.
Zitiert wird bei Hugo aus der französischen Originalausgabe. Als theoretischer Hintergrund
zu ersterem dient vor allem Victor Hugo und der Rhein von Wiegand. Zum Schluss werden
die Texte miteinander verglichen und die Ergebnisse in Hinsicht auf ihre politische Aussage
noch einmal zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
1 Der Rhein: Geschichte
2 Historischer Abriss der deutsch-französischen Beziehungen
4 Zwei Beispiele deutscher und französischer Rheinliteratur
4.1 Rheinromantik
4.2 Victor Hugo: Le Rhin. Lettres à un Ami (Der Rhein)
4.2.1 Biographie Victor Hugos
4.2.2 Entstehung von Le Rhin
4.2.3 Inhalt und Hugos Beziehung zum Rhein
4.2.4 Hugo zur Rheinkrise
4.3 Die Wacht am Rhein
4.3.1 Rheinliedbewegung
4.3.2 Entstehung und Inhalt
5 Vergleich und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die deutschen und französischen Wahrnehmungen des Rheins während der politischen Zuspitzung der Rheinkrise im 19. Jahrhundert anhand von zwei exemplarischen Textzeugnissen, um das wechselseitige Verhältnis und die unterschiedliche politische Instrumentalisierung des Flusses zu verdeutlichen.
- Historische Entwicklung der deutsch-französischen Grenzbeziehungen
- Analyse des Werkes "Le Rhin" von Victor Hugo
- Untersuchung des Liedes "Die Wacht am Rhein"
- Vergleichende Betrachtung von Rheinromantik und Rheinliedbewegung
- Rolle des Rheins als politisches Symbol und verbindendes Element
Auszug aus dem Buch
4.2.3 Inhalt und Hugos Beziehung zum Rhein
In der Einleitung, in der er interessanterweise von sich in der dritten Person schreibt („l’écrivain“), erklärt Hugo seinen Lesern das Zustandekommen seines Buches: Er habe bei seiner Reise die Briefe geschrieben und dann „vergessen“; erst durch die politischen Ereignisse sei er daran erinnert worden und fühlte sich veranlasst, sie zu veröffentlichen, um zur Diskussion beizutragen.
Der Roman besteht aus insgesamt 39 Briefen, an deren Anfang zuvor noch jeweils eine Zusammenfassung der erwähnten Orte und Ereignisse steht.
Bei Le Rhin ist zu beachten, dass es sich zwar um einen Briefroman handelt, die Briefe gehen jedoch teilweise chronologisch durcheinander und entsprechen nicht immer der authentischen Reise. Dies räumt der Autor selbst ein, rechtfertigt es jedoch dadurch, dass er alles aus dem Gedächtnis und sozusagen „im Eifer des Gefechts“, „au hasard de la plume“ niederschrieben habe.
Auch dient hier ein fiktiver Freund als Adressat („un ami profond et cher“, im zweiten Band nennt er auch seinen Namen, „Louis“) statt des wahren Empfängers, seiner Frau. Somit mischen sich Wahrheit und Fiktion.
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Die Arbeit führt in die Bedeutung des Rheins als Erinnerungsort ein und formuliert die Zielsetzung, die literarische Auseinandersetzung während der Rheinkrise zu analysieren.
1 Der Rhein: Geschichte: Dieses Kapitel skizziert die etymologische und historische Entwicklung des Rheins als Handelsweg und politische Grenze von der Antike bis zur Entstehung des Germanenbegriffs.
2 Historischer Abriss der deutsch-französischen Beziehungen: Hier werden die historischen Meilensteine von der Varusschlacht über den Vertrag von Verdun bis zur Rheinkrise dargestellt, um den Kontext für das deutsch-französische Spannungsfeld zu schaffen.
4 Zwei Beispiele deutscher und französischer Rheinliteratur: Dieses Kapitel leitet zur vergleichenden Analyse über und ordnet die Werke in die Traditionen der Rheinromantik und Rheinliedbewegung ein.
4.1 Rheinromantik: Es wird die geistesgeschichtliche Entwicklung der Rheinromantik als Reaktion auf die Industrialisierung und als Bildungsreisephänomen beschrieben.
4.2 Victor Hugo: Le Rhin. Lettres à un Ami (Der Rhein): Ein ausführliches Kapitel zur Person Victor Hugos, zur Entstehung seines Werkes, dessen Inhalt und seiner persönlichen Haltung zur Rheinkrise.
4.3 Die Wacht am Rhein: Dieser Abschnitt behandelt die Entstehung und den nationalistischen Kontext des berühmten Rheinliedes sowie dessen Bedeutung als Propaganda-Instrument.
5 Vergleich und Fazit: Die Arbeit schließt mit einer vergleichenden Gegenüberstellung der zwei gegensätzlichen Textgattungen und resümiert die unterschiedliche politische Funktion der Werke.
Schlüsselwörter
Rhein, Rheinkrise, Victor Hugo, Le Rhin, Die Wacht am Rhein, Rheinromantik, Rheinliedbewegung, Deutsch-französische Beziehungen, Nationalismus, Grenzkonflikt, Erinnerungsort, Literaturanalyse, Geschichte, Europa, Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die unterschiedliche literarische Wahrnehmung und politische Instrumentalisierung des Rheins im 19. Jahrhundert durch deutsche und französische Stimmen.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen, der Romantik und dem aufkommenden Nationalismus in der sogenannten Rheinkrise.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu analysieren, wie der Rhein in den Werken "Le Rhin" und "Die Wacht am Rhein" als politisches und kulturelles Symbol verhandelt wurde und welche unterschiedlichen Perspektiven die Autoren einnahmen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin kombiniert eine historische Einordnung mit einer textanalytischen Untersuchung zweier ausgewählter Quellen und vergleicht diese hinsichtlich ihrer politischen Kernaussage.
Was wird im Hauptteil der Hausarbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Hinführung, eine detaillierte Analyse von Victor Hugos Reisebericht sowie eine Untersuchung des Liedes "Die Wacht am Rhein" unter Berücksichtigung ihrer Entstehungsgeschichte.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Rheinmythos, Erbfeindschaft, nationale Identität und grenzüberschreitende Literatur verknüpfen.
Wie unterscheidet sich Hugos Blick auf den Rhein von der damals vorherrschenden Meinung?
Hugo betrachtet den Rhein differenzierter als viele seiner Zeitgenossen; er verbindet seine eigene Reiseerfahrung mit einer Vision Europas und plädiert für eine versöhnliche Lösung des Konflikts, statt rein nationalistisch zu agieren.
Welche Rolle spielte "Die Wacht am Rhein" in der deutschen Propaganda?
Das Lied diente als Inbegriff der Rheinliedbewegung, wurde als Symbol gegen die französische Expansion genutzt und sogar in das deutsche Militär-Repertoire als propagandistisches Erkennungsmerkmal integriert.
- Citation du texte
- B.A. Anna Theodorou (Auteur), 2007, Der Rhein - deutsche und französische Stimmen unter besonderer Berücksichtigung von "Le Rhin" und "Die Wacht am Rhein", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117101