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Die Europäische Strategische Autonomie als Ausdruck von Balancing in einem multipolaren System

Titel: Die Europäische Strategische Autonomie als Ausdruck von Balancing in einem multipolaren System

Bachelorarbeit , 2021 , 83 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Fabian Döbber (Autor:in)

Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Forschungsfrage dieser Arbeit lautet, inwieweit es bei der Forderung nach Europäischer Strategischer Autonomie (ESA) um einen Versuch von sicherheits- und verteidigungspolitischem Balancing in einem multipolaren System handelt? Seit Veröffentlichung der europäischen Globalstrategie 2016 spielt die Forderung nach Europäischer Strategischer Autonomie eine zentrale Rolle in der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Vor diesem Hintergrund untersucht die Arbeit aus Sicht des defensiven Neorealismus, inwieweit das Streben nach strategischer Autonomie angesichts einer zunehmenden internationalen Multipolarität eine Art von Balancing darstellt.

Die zugrundeliegende Hypothese lautet, dass es sich um ein Balancing-of-Threat handelt. Zur Überprüfung dieser Hypothese wurde die Ständige Strukturierte Zusammenarbeit und der Europäische Verteidigungsfond als Fallstudie untersucht. In beiden Fällen konnte die Hypothese nicht bestätigt werden. Stattdessen entspricht das Streben nach Europäischer Strategischer Autonomie eher einem Balancing-of-Power, welches auf die weiterhin dominante Machtposition der USA in Europa zurückzuführen ist. Ein indirekter Zusammenhang mit der zunehmenden Multipolarität besteht darin, dass der Fokus der USA verstärkt auf Asien liegt und die EU deshalb Fähigkeiten zur Verfolgung eigener sicherheitspolitischer Ziele in seiner Nachbarschaft entwickelt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Relevanz und Forschungsfrage

1.2. Methodik

1.3. Literaturübersicht und bisheriger Forschungsstand

2. Theoretischer Hintergrund: Neorealismus

2.1. Defensiver Ansatz nach Kenneth Waltz und Stephen Walt

2.2. Offensiver Ansatz nach John Mearsheimer

3. Thematischer Hintergrund

3.1 Europäische Strategische Autonomie (ESA)

3.2. Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP)

4. Fallstudien Strategische Autonomie und Balancing

4.1 Grundannahmen

4.2. Die Ständige Strukturierte Zusammenarbeit (SSZ)

4.3. Der Europäische Verteidigungsfond (EVF)

4.4. Einschränkungen und kritische Beurteilung

5. Zusammenfassung und Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht aus der Perspektive des defensiven Neorealismus, inwieweit das Streben der Europäischen Union nach strategischer Autonomie als Balancing-Maßnahme in einem zunehmend multipolaren internationalen System zu verstehen ist, wobei der Fokus auf den sicherheits- und verteidigungspolitischen Implikationen liegt.

  • Analyse der Europäischen Strategischen Autonomie (ESA) als neorealistisches Balancing.
  • Untersuchung der Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit (SSZ) als Fallstudie.
  • Evaluation des Europäischen Verteidigungsfonds (EVF) hinsichtlich industrieller Autonomie.
  • Einordnung der EU-Verteidigungspolitik im Kontext der globalen Machtverschiebung (USA, China, Russland).

Auszug aus dem Buch

1.1. Relevanz und Forschungsfrage

Verglichen mit anderen Politikfeldern der Europäischen Union (EU) wie dem Binnenmarkt gehört die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) sowie die ihr zugeordnete Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP) zu den am geringsten integrierten Feldern. Obwohl dieses intergouvernementale Politikfeld bereits seit den Anfangstagen der EU eine Rolle spielte, kam es nie zu einer größeren Umsetzung und vertieften Integration, da europäische Verteidigung primär als Aufgabe der NATO angesehen wird.

Jedoch ist der Bedarf nach einer verstärkten europäischen Handlungsfähigkeit im Bereich der Außenpolitik, Sicherheit und Verteidigung in den vergangenen 10 Jahren deutlich gewachsen. Die Gründe liegen zum einen in neuen Bedrohungen und Herausforderungen für die EU. Zu nennen sind hier die russische Annexion der Krim 2014 und der seitdem andauernde Konflikt in der Ostukraine, der Syrische Bürgerkrieg und hierdurch bedingte Fluchtbewegungen nach Europa sowie Terrorismus, allem voran in Form des Islamischen Staates (European External Action Service, 2016, S.33ff).

Zum anderen hat sich der globalpolitische Fokus der Vereinigten Staaten von Amerika (USA), welche der wichtigste Verbündete Europas ist, zunehmend auf den Indo-Pazifik verschoben. Bedingt dadurch können sich die europäischen Staaten im Krisenfall immer weniger auf Unterstützung durch die USA verlassen. Dieser Zustand wurde zusätzlich durch die Präsidentschaft Donald Trumps verschärft. Seine scharfe und häufige Kritik an EU und NATO sorgten während den vier Jahren seiner Präsidentschaft für deutliche Spannungen in den transatlantischen Beziehungen, welche trotz der Wahl des Transatlantikers Joe Bidens zum US-Präsidenten nicht vollständig abnehmen dürften (Hofmann, 2021, S.6f,9).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Problematik der europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik und Formulierung der zentralen Forschungsfrage zum Balancing.

2. Theoretischer Hintergrund: Neorealismus: Erläuterung der neorealistischen Grundlagen, insbesondere des defensiven und offensiven Ansatzes zur Analyse staatlichen Verhaltens.

3. Thematischer Hintergrund: Definition der Begriffe Europäische Strategische Autonomie und Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie deren historische Entwicklung.

4. Fallstudien Strategische Autonomie und Balancing: Empirische Untersuchung der SSZ und des EVF als konkrete Instrumente der europäischen Sicherheitsarchitektur.

5. Zusammenfassung und Fazit: Synthese der Ergebnisse und Beantwortung der Frage, ob ESA als Balancing-of-Power zu interpretieren ist.

Schlüsselwörter

Europäische Strategische Autonomie, Neorealismus, Balancing-of-Power, Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik, Ständige Strukturierte Zusammenarbeit, Europäischer Verteidigungsfonds, Multipolarität, transatlantische Beziehungen, Verteidigungspolitik, industrielle Autonomie, Sicherheitsinteressen, Machtgleichgewicht, EU-Integration, Rüstungsindustrie, Geopolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, ob die aktuellen Bemühungen der EU, im Bereich der Sicherheit und Verteidigung autonomer zu werden, als neorealistisches „Balancing“ (Ausgleich von Machtverhältnissen oder Bedrohungen) gegenüber einer sich verändernden globalen Ordnung interpretiert werden können.

Welche wissenschaftliche Theorie dient als analytischer Rahmen?

Als theoretisches Fundament dient der Neorealismus. Dabei liegt ein besonderer Schwerpunkt auf dem defensiven Neorealismus nach Kenneth Waltz und Stephen Walt, um zu erklären, warum Staaten in einem anarchischen System Kooperation suchen.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Die zentrale Forschungsfrage lautet, inwieweit die Forderung nach „Europäischer Strategischer Autonomie“ (ESA) als ein Versuch sicherheits- und verteidigungspolitischer Machtausbalancierung in einem multipolaren System zu verstehen ist.

Welche Fallstudien wurden zur Untersuchung gewählt?

Zur Überprüfung der Hypothese wurden die Ständige Strukturierte Zusammenarbeit (SSZ) und der Europäische Verteidigungsfonds (EVF) als zentrale Initiativen der EU-Verteidigungspolitik detailliert analysiert.

Welche Rolle spielt die aktuelle globale Machtverteilung?

Die Arbeit argumentiert, dass das internationale System sich in einer Transitionsphase hin zur Multipolarität befindet, was die EU vor neue Herausforderungen stellt, da die USA ihren Fokus zunehmend auf den Indo-Pazifik verlagern.

Was sind die wichtigsten Erkenntnisse der Untersuchung?

Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass das Streben nach ESA eher einem Balancing-of-Power gegenüber den USA entspricht, wenngleich in einer schwächeren Form, als dies die klassische Theorie vermuten ließe.

Welche Rolle spielt Frankreich im Kontext der strategischen Autonomie?

Frankreich wird als treibende Kraft identifiziert, die versucht, durch die SSZ und andere Initiativen europäische Fähigkeiten zu bündeln, um eine eigenständige Außenpolitik, insbesondere in seinen Interessenssphären wie Afrika, verfolgen zu können.

Wie bewertet der Autor die Rolle des Europäischen Verteidigungsfonds (EVF)?

Der EVF wird als wichtiges Instrument für industrielle Autonomie eingestuft, wobei seine Wirkung durch nationale Interessen und die protektionistische Ausrichtung der Rüstungsindustrie bisher nur marginale Fortschritte erzielen konnte.

Gibt es eine Bedrohungswahrnehmung durch Russland?

Ja, die Arbeit thematisiert die Unterschiede in der Bedrohungswahrnehmung, wobei insbesondere osteuropäische Staaten Russland als Hauptbedrohung sehen, während west- und südeuropäische Staaten andere sicherheitspolitische Schwerpunkte setzen.

Wird die Hypothese eines „Balancing-of-Threat“ bestätigt?

Nein, die zugrundeliegende Hypothese, dass es sich primär um ein „Balancing-of-Threat“ gegenüber Russland handelt, konnte in den Fallstudien nicht bestätigt werden; stattdessen dominiert das „Balancing-of-Power“ gegenüber der dominierenden, aber potenziell abnehmenden Machtposition der USA.

Ende der Leseprobe aus 83 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Europäische Strategische Autonomie als Ausdruck von Balancing in einem multipolaren System
Hochschule
Zeppelin University Friedrichshafen  (Fachbereich Staats- und Gesellschaftswissenschaften, Lehrstuhl Global Governance)
Note
1,3
Autor
Fabian Döbber (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2021
Seiten
83
Katalognummer
V1171135
ISBN (eBook)
9783346588715
ISBN (Buch)
9783346588722
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Europäische Union Neorealismus Strategische Autonomie PESCO Verteidigungsfond GSVP Balancing-of-Power
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Fabian Döbber (Autor:in), 2021, Die Europäische Strategische Autonomie als Ausdruck von Balancing in einem multipolaren System, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1171135
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Leseprobe aus  83  Seiten
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