„It´s time for the Creative Class to grow up and take responsibility. But first, we must understand who we are.” (Florida 2004: XXX) Mit diesem Satz beendet Richard Florida seine Einleitung zur Paperback Ausgabe „The Rise of the Creative Class“. Es waren Floridas Thesen zur kreativen Klasse, welche die bisherigen Ansätze über Wirtschaftswachstum revolutionierte oder zumindest zum Nachdenken ermunterten. Durch ihn wurden verschiedene Untersuchungen angeregt, die die Interdependenz von kreativen Menschen auf das Wirtschaftswachstum erforschen. Florida postuliert, dass kreative Menschen überwiegend in Großstädten leben. Genau in diesen Städten liegt der Ursprung von Entrepreneurship, sozialer und technischer Innovationen und damit wirtschaftlichen Wachstums. Für ihn stellen kreative Städte sozusagen Brutkästen für künftiges Wachstum dar (vgl. Fritsch/Stützer 2007: 15). Durchdenkt man Floridas These, so werfen sich einem verschiedene Fragen auf: Wer sind die kreativen in einem Land? Wie sind diese räumlich angesiedelt? Durch welche Faktoren wird die geographische Verteilung beeinflusst? Diese Fragen werden in Verlauf der hier vorliegenden Hausarbeit geklärt und beantwortet. Ziel der Arbeit ist es, Floridas Theorie über die Kreative Klasse zu erläutern, deren Verteilung in Deutschland aufzuzeigen und zu versuchen aus den vorliegenden Theorien und empirischen Untersuchungen Rückschlüsse auf die Innovationsregion Jena zu schließen. Hierzu wird im ersten Teil der Arbeit Floridas Theorie erklärt, um anschließend die drei, in der Fachliteratur maßgeblichen Faktoren zu erläutern, die einen Einfluss auf die Verteilung der kreativen Klasse haben. Nachdem Richard Florida die räumliche Verteilung dieser Klasse für die Vereinigten Staaten untersucht hat, werden dem Leser Studien vorgestellt, die sich mit der kreativen Klasse und deren geografischen Aufteilung in Deutschland beschäftigten. Nach diesem Überblick über die theoretischen Grundlagen und die Situation in Deutschland wird versucht, Schlüsse für die derzeit noch wachsende Technologieregion Jena zu ziehen. Hierbei soll erklärt werden, wie sich die aktuelle Situation der kreativen Klasse in Jena darstellt, wie sich die genannten Faktoren in Jena auswirken und auswirken könnten. Den Abschluss der Arbeit bildet ein persönliches Fazit, in dem der Ansatz Floridas kritisch gewürdigt und versucht wird, einen Ausblick in die kreativabhängige Zukunft der Region Jena zu geben.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE THEORIE RICHARD FLORIDAS
2.1 DIE NOTWENDIGKEIT UND ARTEN DER KREATIVITÄT
2.2 DIE KREATIVE KLASSE UND IHRE UNTERKLASSEN
2.3 GRUNDLEGENDE FORSCHUNGSERGEBNISSE FLORIDAS ZU DIESER THEMATIK
3. THEORIEANSÄTZE ZUR VERTEILUNG DER KREATIVEN KLASSE
3.1 VORBEMERKUNGEN
3.2 TOLERANZ UND OFFENHEIT
3.3 URBAN AMENITIES
3.4 UNIVERSITÄTEN
4. DIE KREATIVE KLASSE IN DEUTSCHLAND
4.1 VORBEMERKUNGEN
4.2 STUDIE: „DIE GEOGRAPHIE DER KREATIVEN KLASSE IN DEUTSCHLAND“
4.2.1 Herangehensweise und Fragestellungen
4.2.2 Ergebnisse
4.3 STUDIE: „TALENTE, TECHNOLOGIE UND TOLERANZ“
4.3.1 Herangehensweise und Fragestellungen
4.3.2 Ergebnisse
5. AUSSAGEN ZUM STANDORT JENA
5.1 ERLÄUTERUNGEN
5.2 TECHNOLOGIE
5.3 TALENT
5.4 TOLERANZ
5.5 AUSBLICK
6. SCHLUSSBEMERKUNGEN
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die Theorie der „kreativen Klasse“ von Richard Florida zu erläutern und ihre Anwendbarkeit auf den Innovationsraum Jena zu prüfen, wobei die zentralen Einflussfaktoren Technologie, Talent und Toleranz im Mittelpunkt stehen.
- Grundlagen der Theorie von Richard Florida und die Definition der kreativen Klasse.
- Wissenschaftliche Theorieansätze zur räumlichen Verteilung kreativer Milieus.
- Analyse und Vergleich empirischer Studien zur kreativen Klasse in Deutschland.
- Untersuchung der wirtschaftlichen Stabilität und Zukunftsaussichten des Standorts Jena.
- Kritische Würdigung der Übertragbarkeit US-amerikanischer Konzepte auf deutsche Regionen.
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Notwendigkeit und Arten der Kreativität
„If one wanted to select the best novelist, artist, entrepreneur, or even chief executive officer, one would most likely want someone who is creative.” (Sternberg/Lubart 1999: 3) Durch dieses Zitat wird zum Ausdruck gebracht, dass Kreativität in unserer Wissensgesellschaft nicht nur mehr und mehr an Bedeutung gewinnt, sondern ein Faktor ist, mit dem kalkuliert wird.
Kreativität wird als eine Fähigkeit verstanden, neues Wissen zu erzeugen und vorhandenes Wissen erfolgreich umzusetzen um z.B. Probleme, also neue unbekannte Aufgaben ohne bekannten Lösungsweg, erfolgreich zu bearbeiten (vgl. Stützer/Fritsch 2007: 15). In welchem Zusammenhang steht Kreativität mit regionalem, wirtschaftlichem Wachstum? Hierzu schreibt Florida (vgl. 2003: 39ff), dass es genau dieser Faktor ist, der das Unternehmertum, oder auch Entrepreneurship, positiv beeinflusst. Seine Theorie basiert dabei auf der These, dass regionales, wirtschaftliches Wachstum auf drei Grundsäulen fußt, den „drei T´s“.
Hierbei handelt es sich um Technologie, Talente und Toleranz, diese Faktoren stehen in einem wechselseitigen Bezug zueinander und betten die kreative Klasse sozusagen in sich ein (vgl. Florida 2003: 45). Florida (vgl. 2003: 39f) erklärt, dass die Unternehmer- bzw. Gründerkultur in den Vereinigten Staaten im Grunde genommen ein sozialer Prozess ist, der aus einem breiten Spektrum sozialer und kultureller Zusammenhänge herrührt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der kreativen Klasse und Definition des Ziels, die Florida-Theorie auf die Innovationsregion Jena zu beziehen.
2. DIE THEORIE RICHARD FLORIDAS: Vorstellung der zentralen Thesen Floridas, insbesondere der „drei T's“ (Technologie, Talent, Toleranz) und der Untergliederung der kreativen Klasse.
3. THEORIEANSÄTZE ZUR VERTEILUNG DER KREATIVEN KLASSE: Vertiefende Auseinandersetzung mit den Einflussfaktoren Toleranz, Urban Amenities und Universitäten auf die Ansiedlung von Talenten.
4. DIE KREATIVE KLASSE IN DEUTSCHLAND: Darstellung und Analyse zweier empirischer Studien, die den Wandel zur kreativen Ökonomie in Deutschland untersuchen.
5. AUSSAGEN ZUM STANDORT JENA: Anwendung der theoretischen Erkenntnisse auf den Standort Jena zur Bewertung von dessen Status als Innovationszentrum.
6. SCHLUSSBEMERKUNGEN: Kritische Reflexion der Theorie und ein Ausblick auf die Bedeutung der Lebensbedingungen für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung von Regionen.
Schlüsselwörter
Kreative Klasse, Richard Florida, regionale Entwicklung, Innovation, Technologie, Talent, Toleranz, Jena, Humankapital, Urban Amenities, Entrepreneurship, Wissensgesellschaft, Wirtschaftsstandort, Kreativwirtschaft, Standortanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Konzept der „kreativen Klasse“ von Richard Florida und analysiert, wie die Faktoren Technologie, Talent und Toleranz das wirtschaftliche Wachstum in Regionen beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der theoretischen Begründung der kreativen Klasse, der Verteilung dieser Akteure in Deutschland sowie der speziellen Situation des Innovationsstandorts Jena.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, Floridas Theorie zu erläutern, ihre empirische Evidenz in Deutschland zu prüfen und daraus Schlüsse für die zukünftige Entwicklung der Region Jena zu ziehen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer Literaturauswertung sowie der Analyse vorliegender empirischer Studien und statistischer Daten zur Region Jena basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen nach Florida, die Diskussion von Standortfaktoren wie Universitäten und „Urban Amenities“ sowie die Anwendung dieser Konzepte auf deutsche Studien und das Beispiel Jena.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Kreative Klasse, Innovation, Toleranz, Humankapital, Entrepreneurship und Regionalentwicklung.
Inwieweit lässt sich die Florida-Theorie auf Deutschland übertragen?
Die Arbeit zeigt, dass die Theorie zwar wertvolle Impulse liefert, aber aufgrund struktureller Unterschiede, wie der industriellen Prägung und anderer politischer Rahmenbedingungen, nicht eins zu eins übertragen werden kann.
Warum wird Jena als Fallbeispiel herangezogen?
Jena gilt als „Leuchtturm des Ostens“ mit einem ausgeprägten Innovationsmilieu, weshalb es sich als Modellregion eignet, um die Anwendbarkeit der Theorie auf ein konkretes, wachsendes deutsches Cluster zu untersuchen.
- Quote paper
- Steffen Deckert (Author), 2008, Die kreative Klasse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117136