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Die Genese des Homunkulus und ihre Bedingung für die Wiederauferstehung der Helena

Title: Die Genese des Homunkulus und ihre Bedingung für die Wiederauferstehung der Helena

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 27 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Student Angela Kunze (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Die vorliegende Arbeit versucht eine Deutung des Entstehungsdranges der
Homunkulusfigur, in Hinblick auf seine Bedeutung innerhalb der Antezedentien der
Helena und folgt dabei der These, dass die Genese des künstlichen Menschleins
unmittelbare Bedingung für das Herüberziehen der von Faust innig Geliebten in die
Wirklichkeit ist.
Im ersten Akt des zweiten Teils gelingt es Faust zwar, das Bild der Helena aus dem
Reich der Mütter mit zurückzubringen, doch die Berührung, das Festhalten der Idee
zerstört den Zauber und lässt den Werber paralysiert und handlungsunfähig zurück.
Das rein Geistige kann das Körperhafte nicht ersetzen, wie auch das Dilemma des
Homunkulus verdeutlicht, und so bleibt die Frage: wie „ins Leben ziehen die einstige
Gestalt? (V. 7439)“ Wie etwas Vergangenes aus dem Reich des Todes zurückholen?
Und so wagt sich Faust im zweiten Akt im Rahmen der klassischen Walpurgisnacht,
dem Orpheus gleich, in den Hades hinab – doch eben diese Szene, das Losbitten der
Geliebten von Persephoneien, enthält uns Goethe – obwohl in den Entwürfen zur
Ankündigung in den Paralipomena skizziert – in der entgültigen Dichtung vor.
Anstatt also diesem Erzählstrang konsequent zu folgen, wird vor unseren Augen ein
künstlicher Mensch gemacht, der den gesamten zweiten Akt weitgehend bestimmt.
Sein Ziel ist es, einen Weg zu finden, auf dem er „entstehen“ kann. Er ist nun also
neben Helena die zweite Figur, die nicht ganz die Kriterien eines realen Menschen
erfüllt, nicht weil seine Zeit wie die ihre schon wieder vergangen, sondern weil er
„gar wundersam nur halb zur Welt gekommen“ (V. 8248) ist.
Scheinbar besteht zwischen der Art und Weise, wie beide sich im Endeffekt
verkörpern, „keine Parallelen, sondern die dezidiertesten Gegensätze“, denn Helenas
Werden, „ihr schneller Weg zu einer von Magie bewirkten und rasch vergänglichen ,
phantasmagorischen Existenz“, ist im wesentlichen Resultat einer verrufenen Nacht.
Die einstige historische Helena erscheint wieder als Wesen der Kunst, als künstlich.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

2. Homunkulus und Helena

2.1. Homunkulus: Künstlichkeit des Genius und Entelechie

2.2. Helena: Wiederauferstehung der Vergangenheit

3. Reise durch die Nacht

3.1. Ungestalten

3.2. Schöpfung im Meer

3.3. Das Ideal vom „wackeren Mann“

4. Ziel des Werdens

4.1. Der Traum von der Zeugung Helenas

4.2. Die Kunst der künstlichen Erzeugung

4.3. Eingang ins Element

5. Ergebnis: „Das Was bedenke, mehr bedenke Wie?“

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den Entstehungsdrang der Homunkulus-Figur in Goethes "Faust II" und stellt die These auf, dass die Genese dieses künstlichen Wesens eine notwendige Bedingung für die Wiederauferstehung Helenas in der Wirklichkeit darstellt.

  • Analyse der Homunkulus-Figur als künstlich erzeugtes Wesen und als personifizierte Entelechie.
  • Untersuchung der Bedeutung der "Klassischen Walpurgisnacht" für den Entstehungsprozess.
  • Kritische Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Forschungsmeinungen zu den Antezedentien Helenas.
  • Prüfung des Zusammenhangs zwischen der Existenzsuche des Homunkulus und der Wiederbelebung Helenas.

Auszug aus dem Buch

2.1. Homunkulus: Künstlichkeit des Genius und Entelechie

Wagner, der einstige Schüler des Faust, hat die natürliche Zeugung abgeschafft. Der Mensch muss in Zukunft „höhern, höhern Ursprung haben“ (V.6847), der zarte Eros ist seiner Würde entsetzt (V.6844) und das Zeugen, wie es sonst Mode war, kann den Tieren überlassen bleiben (V.6845). Während selbst Mephisto spöttelnd ein verliebtes Paar der Zeugung voraussetzt, sind dem Professor Liebesverlangen und Liebesvollzug tierische Relikte, den Menschen aber verpflichten seine „großen Gaben“ (V. 6856) mehr als Tier zu sein. Das geglückte Retortenexperiment ist der Triumph der Ratio über die Natur – ein Wesen, das „durch eine vollkommene Menschwerdung noch nicht verdüstert und beschränkt“ worden ist. Zu diesem Zwecke ist das Menschlein in der Phiole auch kein organisches, natürlich gewachsenes Gebilde, sondern ein künstliches und mechanisch erzeugtes Konstrukt, welches aus „viel hundert Stoffen“ zum „Menschenstoff“ (V.6849-51) komponiert wurde.

Kristallisation, also das plötzliche Festwerden, steht im Gegensatz zum organisch Lebendigen, nicht im Sinne von „versteinern“ sondern als Belebung eines Stoffes von außen. Mephisto ist solch „kristallisiertes Menschenvolk“ (V. 6863-4) wohl bekannt: auch Adam und Eva, als erstes Menschenpaar, sind nicht auf organischem Wege, also durch „Übertragung von Lebensenergie von einem mit ihr bereits erfüllten Stoffe entstanden“, sondern durch „unmittelbare Übertragung von Seiten eines überirdischen Wesens“. Dafür muss die Lebensenergie von einer Kraft kommen, die der natürlichen Zeugung nicht bedarf: Mephistopheles!

Kann der Lebensfunke von einem der Zerstörung gewidmeten Wesen überspringen? Offensichtlich ist er zur Schöpfung von niederem Käfergetier befähigt (V. 6604-7), doch ob der Teufel tatsächliche Beihilfe zur Entstehung des Phiolengeistes geleistet hat, oder nur sein Auftreten zum „Stern der Stunde“ (V. 6832) führte, ist kontrovers diskutiert worden. Ein Indiz auf eine Einwirkung auf das Experiment von Außen ist Wagners ängstliche Warnung, „Wort und Atem fest im Munde“ zu „halten“ (V. 6833).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung und Fragestellung: Diese Einführung legt die Forschungsfrage zur Bedeutung der Homunkulus-Figur für die Wiederkehr Helenas dar und umreißt den methodischen Ansatz.

2. Homunkulus und Helena: In diesem Kapitel werden die Entstehungsgeschichte des Homunkulus und die mythologischen sowie dramatischen Voraussetzungen für Helenas Rückkehr analysiert.

3. Reise durch die Nacht: Die Untersuchung der "Klassischen Walpurgisnacht" zeigt auf, wie Homunkulus die Gesetze der Schöpfung erfährt und sich durch Begegnungen mit mythologischen Wesen seinem Ziel nähert.

4. Ziel des Werdens: Dieser Abschnitt beweist, dass das Streben des Homunkulus nicht auf eine allgemeine Menschwerdung gerichtet ist, sondern spezifisch auf die Vereinigung mit Helena abzielt.

5. Ergebnis: „Das Was bedenke, mehr bedenke Wie?“: Das Fazit fasst zusammen, dass Homunkulus durch seine Selbstaufgabe die notwendigen Bedingungen schafft, um die Wiederbelebung Helenas in der Wirklichkeit zu ermöglichen.

Schlüsselwörter

Goethe, Faust II, Homunkulus, Helena, Klassische Walpurgisnacht, Entelechie, Menschwerdung, Antezedentien, Schöpfung, Metamorphose, Künstlichkeit, Lebensenergie, Mythologie, Naturphilosophie, Ideal

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Funktion der Figur des Homunkulus in Goethes "Faust II" und analysiert deren zentrale Rolle als Bedingung für die Wiederauferstehung der Helena.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den Schwerpunkten zählen die künstliche Erzeugung von Leben, der Begriff der Entelechie, das Zusammenspiel von Geist und Element sowie die Bedeutung der klassischen Mythologie in Goethes Faust-Dichtung.

Welches ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Autorin stellt die These auf, dass die Genese des Homunkulus nicht nur ein alchemistisches Experiment ist, sondern eine notwendige dramatische Voraussetzung, um Helena aus der Vergangenheit in die Gegenwart zu holen.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Bearbeitung verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text auf Basis von Entwürfen (Paralipomena), Tagebucheinträgen und existierender Faust-Forschung interpretiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil folgt dem Weg des Homunkulus durch die "Klassische Walpurgisnacht", analysiert das Verhältnis von Thales und Proteus und untersucht die notwendigen Bestandteile für eine künstliche Schöpfung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Homunkulus, Helena, Entelechie, Metamorphose und Schöpfungskraft definieren.

Welche Rolle spielt die "Klassische Walpurgisnacht" für das Ziel des Homunkulus?

Sie dient als Raum, in dem Homunkulus die Gesetze der natürlichen Schöpfung erlernt und erkennt, dass seine eigene Vervollständigung untrennbar mit der Wiederkehr Helenas verbunden ist.

Warum zerschellt der Homunkulus am Ende am Muschelthron?

Dieser selbstzerstörerische Akt vollzieht die "Hieros Gamos" (heilige Hochzeit) mit dem Element Wasser, wodurch er seine Begrenztheit als reiner Geist aufgibt und als schöpferische Kraft zur Existenz der Helena beiträgt.

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Details

Title
Die Genese des Homunkulus und ihre Bedingung für die Wiederauferstehung der Helena
College
University of Paderborn  (Germanistik)
Course
Faust II
Grade
1,0
Author
Student Angela Kunze (Author)
Publication Year
2007
Pages
27
Catalog Number
V117142
ISBN (eBook)
9783640195404
ISBN (Book)
9783640195527
Language
German
Tags
Genese Homunkulus Bedingung Wiederauferstehung Helena Faust
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Student Angela Kunze (Author), 2007, Die Genese des Homunkulus und ihre Bedingung für die Wiederauferstehung der Helena, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117142
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