Im Bereich der Nonprofitorganisationen entstanden die großen Verbände im Umfeld von Industrialisierung und Erstem Weltkrieg bzw. Nachkriegsrezession. Im Vordergrund stand die unmittelbare Hilfeleistung auf der Grundlage christlicher, humanistischer oder politischer Überzeugungen. Seit den frühen 1960er Jahren existiert ein ökonomisch relevanter „Dritter Sektor“ zwischen Staat und Wirtschaft. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Subsidiaritätsprinzip, die Verpflichtung der Gemeinschaft zur Hilfeleistung gegenüber ihren Mitgliedern, im Bundessozialhilfegesetz, im Kinder- und Jugendhilfegesetz sowie im Sozialgesetzbuch verankert. Dabei soll der Vorrang der Gewährung der Hilfeleistung der jeweils bürgernächsten Einheit zukommen. Durch diese Gesetzgebung wurde der Staat verpflichtet, mit den Nonprofitorganisationen zu kooperieren sowie ihnen finanzielle Unterstützung zu gewähren. Es entstand ein geschützter Markt, in dem vor allem Nonprofitorganisationen, die den sechs Spitzenverbänden angeschlossen waren, einen privilegierten Status hatten und kommerzielle Anbieter keinen Marktzutritt erhielten. Es erfolgte eine Ökonomisierung vor allem im Gesundheitswesen, bei sozialen Dienstleistungen, im Sport und weiteren Bereichen. Allein im Sozial- und Gesundheitswesen beschäftigen die Nonprofitorganisationen derzeit über eine Million hauptamtliche Mitarbeiter. Diese Ökonomisierung führte zu einer Zunahme wirtschaftlicher Risiken und erfordert eine Differenzierung der betrieblichen Organisation sowie eine Professionalisierung der Leitungsebene von Nonprofitorganisationen. Unterbleiben derartige Anpassungsprozesse, kommt es zu Insolvenzen oder wirtschaftlichen Schieflagen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Motivation
2 Begriffliche Grundlagen
2.1 Nonprofitorganisationen
2.1.1 Definition und Abgrenzung
2.1.2 Wirtschaftliche Bedeutung
2.2 Outsourcing
2.2.1 Definition und Formen
2.2.2 Motive und Risiken des „Outsourcing“ bei Nonprofitorganisationen
2.2.3 „Outsourcing-Felder“ der Nonprofitorganisationen
2.3 Geschäftsmodell
2.3.1 Begriffsbestimmung und Definition
2.3.2 Inhaltliche Schwerpunkte
2.3.3 „Outsourcing“ im Geschäftsmodell
3 Das Beispielunternehmen Rostocker Stadtmission Wirtschaftsdienste GmbH
3.1 Das Unternehmen – Geschichte und vertragliche Grundlagen
3.2 Weitere betriebswirtschaftliche Eckdaten
3.3 Betriebswirtschaftliche Herausforderungen
4 Problemlösungsansätze, Instrumente und Methoden zur Fundierung der Elemente des zu erstellenden Geschäftsmodells
4.1 Herausforderungen während des Umsetzungsprozesses des „Outsourcing“
4.1.1 Betriebsübergang nach § 613a Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)
4.1.2 Stammkapitalaufbringung für eine steuerpflichtige Kapitalgesellschaft
4.1.3 Umsatzsteuerliche Organschaft
4.2 Aktuell zu lösende Herausforderungen
4.2.1 Kostenstellenstruktur und verursachungsgerechte Verteilung von Kosten
4.2.2 Entwicklung einer konfliktfreien Managementgebühr
4.2.3 Kalkulation von Essenspreisen
4.2.4 Neue Ansätze der Budgetierung und Festlegung von Kennzahlen
5 Geschäftsmodell der Rostocker Stadtmission Wirtschaftsdienste GmbH
5.1 Externes Rahmenmodell
5.2 Produkt- und Dienstleistungsmodell
5.3 Akteursmodell
5.4 Kapital- und Kontrollmodell
5.5 Strategiemodell
6 Kritische Würdigung
7 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der Arbeit ist es, betriebswirtschaftliche Herausforderungen bei der Auslagerung von Unternehmensbereichen in einem Nonprofit-Unternehmen aufzuzeigen und ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Dabei stehen insbesondere die Konkretisierung von Instrumenten zur Fundierung des Modells sowie die Lösung praxisnaher Problemfelder wie Kostenkalkulation und steuerliche Aspekte im Vordergrund, um als Entscheidungshilfe für andere Organisationen zu dienen.
- Outsourcing-Strategien im Nonprofit-Sektor
- Rechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen (Betriebsübergang, Organschaft)
- Entwicklung von Kostenstellenstrukturen und Umlageschlüsseln
- Management-Vergütungsmodelle und Anreizsysteme
- Strategische Ausrichtung durch Geschäftsmodellierung
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Definition und Formen
Der Begriff „Outsourcing“ ist eine Wortschöpfung aus den englischen Begriffen „outside“ (außerhalb), „resource“ (Mittel) und „using“ (Nutzung). Ins Deutsche übersetzt bedeutet diese Wortzusammensetzung Übertragung von Aufgabenbereichen oder Wertschöpfungsaktivitäten an Drittunternehmen, d. h. es erfolgt eine Nutzung von „Außen-Mitteln“. In der Verwendung implizierte der Begriff „Outsourcing“ ursprünglich immer den Bezug einer Leistung, die einmal innerhalb des Unternehmens erstellt wurde. Beim heutigen Gebrauch trifft dies nicht mehr zwangsläufig zu, so dass eine Leistung ebenso von vornherein im Rahmen eines „Outsourcing“ bezogen werden kann. Auch wurde der Begriff zunächst nur auf die IT-Infrastruktur oder IT-intensive Prozesse angewendet, da er in den 80er Jahren im Zusammenhang mit großen EDV-Auslagerungsverträgen von General Motors und Eastman Kodak bekannt wurde. Seit dieser Zeit steht „Outsourcing“ immer wieder in der Diskussion, da ein zentraler Aspekt der Unternehmensgestaltung, ob Eigenerstellung oder Fremdbezug, tangiert wird. Inzwischen wird der Begriff in Dienstleistungs- und Produktionsfirmen aller Branchen verwendet.
Wesentliches Merkmal von „Outsourcing“ ist, dass an ein rechtlich selbstständiges Unternehmen nicht nur allein eine Aufgabe übertragen wird, sondern es die Verantwortung für eine bestimmte Funktion bzw. einen Prozess übernimmt. Die Aufgabenübertragung kann beispielsweise durch eine Ausgliederung oder eine Auslagerung erfolgen. Die Ausgliederung, der Leistungsbezug innerhalb eines finanziell abhängigen Verbundes rechtlich selbstständiger Unternehmen, wird auch als „internes Outsourcing“ oder „Outsourcing im weiteren Sinne“ bezeichnet. Beispiele hierfür sind die Verlagerung der Aktivitäten auf eine Tochtergesellschaft, eine Beteiligungsgesellschaft oder ein Gemeinschaftsunternehmen. Die Auslagerung dagegen, die Aufgabenübertragung an völlig fremde „Dritte“, wird auch als „externes Outsourcing“ oder „Outsourcing im engeren Sinne“ bezeichnet. Wichtiges Entscheidungskriterium zwischen „internem und externem Outsourcing“ ist aufgrund des Grades der finanziellen Abhängigkeit die Möglichkeit der direkten Einflussnahme auf die Unternehmensentscheidungen des „outgesourcten Bereiches“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Motivation: Umreißt die ökonomische Situation von Nonprofitorganisationen und begründet die Relevanz von Outsourcing-Entscheidungen als Reaktion auf Kostendruck.
2 Begriffliche Grundlagen: Definiert zentrale Begriffe wie Nonprofitorganisation, Outsourcing und Geschäftsmodell, um ein theoretisches Fundament für die Untersuchung zu legen.
3 Das Beispielunternehmen Rostocker Stadtmission Wirtschaftsdienste GmbH: Stellt die Geschichte und die strukturelle Ausgangssituation des Beispielunternehmens sowie die daraus resultierenden Herausforderungen vor.
4 Problemlösungsansätze, Instrumente und Methoden zur Fundierung der Elemente des zu erstellenden Geschäftsmodells: Analysiert konkrete rechtliche und betriebswirtschaftliche Instrumente wie den Betriebsübergang nach § 613a BGB, die umsatzsteuerliche Organschaft sowie Methoden zur Kostenstellen- und Managementvergütungsplanung.
5 Geschäftsmodell der Rostocker Stadtmission Wirtschaftsdienste GmbH: Systematisiert die Erkenntnisse in ein schlüssiges Modell, gegliedert in Rahmen-, Produkt-, Akteurs-, Kapital- und Strategiemodell.
6 Kritische Würdigung: Reflektiert die angewendeten Lösungsansätze und diskutiert die Grenzen der Übertragbarkeit sowie die Auswirkungen der gewählten Strategien.
7 Fazit und Ausblick: Fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und bewertet die zukünftige Bedeutung des Outsourcings für den sozialen Sektor.
Schlüsselwörter
Outsourcing, Nonprofitorganisationen, Geschäftsmodell, Rostocker Stadtmission, Betriebsübergang, § 613a BGB, umsatzsteuerliche Organschaft, Kostenstellenrechnung, Managementgebühr, Verpflegungsleistung, Budgetierung, Kosteneffizienz, Sozialwirtschaft, Gemeinnützigkeit, Unternehmensführung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die betriebswirtschaftlichen Herausforderungen bei der Entwicklung eines Geschäftsmodells für ein Tochterunternehmen eines gemeinnützigen Vereins, das durch Outsourcing entstanden ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Kerngebiete umfassen rechtliche Aspekte wie den Betriebsübergang (§ 613a BGB) und die umsatzsteuerliche Organschaft, sowie betriebswirtschaftliche Themen wie Kostenstellenstrukturierung und Managementvergütung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, ein tragfähiges Geschäftsmodell für die ausgegliederte "Rostocker Stadtmission Wirtschaftsdienste GmbH" zu entwickeln und dabei Entscheidungshilfen für andere Nonprofitorganisationen bereitzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse und Fallstudien-Methodik am Beispiel der Rostocker Stadtmission, um theoretische Konzepte in die betriebliche Praxis zu übertragen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Unternehmens, die detaillierte Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die Entwicklung von Instrumenten zur Budgetierung, Kalkulation und zur leistungsgerechten Vergütung des externen Managements.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Outsourcing, Nonprofitorganisationen, Gemeinnützigkeit, Kostendeckungsprinzip, Steuerrecht und moderne Budgetierungsansätze.
Warum ist die umsatzsteuerliche Organschaft für dieses Unternehmen so wichtig?
Da der Verein als Hauptabnehmer gemeinnützig und somit meist vorsteuerabzugsunberechtigt ist, verhindert die Organschaft eine zusätzliche, nicht abzugsfähige Umsatzsteuerbelastung auf die Dienstleistungen der GmbH.
Was ist das Problem bei der bisherigen Managementvergütung und wie löst der Autor es?
Die bisherige prozentuale Vergütung auf den Umsatz bietet keinen Anreiz zur Kostenersparnis. Der Autor schlägt eine leistungsbezogene Vergütung vor, die sich an Beköstigungstagen (BKT) und Reinigungsstunden sowie an erzielten Kosteneinsparungen orientiert.
Warum ist der Betriebsübergang nach § 613a BGB ein zentrales Thema?
Der Übergang von Arbeitsverhältnissen hat weitreichende personal- und arbeitsrechtliche Konsequenzen, insbesondere bei der Harmonisierung von Tarifverträgen und der Kostensicherheit, was ein zentrales Motiv für das Outsourcing darstellt.
- Quote paper
- Diplom-Kaufmann Marco Scheffler (Author), 2007, Outsourcing bei NPO - Betriebswirtschaftliche Herausforderungen bei der Entwicklung des Geschäftsmodells, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117162