Der Gegenstand dieser Arbeit ist eine theoretische Untersuchung zur Messung und zu den regionalökonomischen Wirkungen sozialer Investitionen Multinationaler Unternehmen (MNU).
Im Mittelpunkt dieser Ausarbeitung stehen Corporate Citizenship - Maßnahmen der Volkswagen AG, betrachtet als soziale Investitionen sowie die mögliche Steigerung ihrer Effizienz durch Untersuchungen und die Diskussion von Vorschlägen zur Messung ihrer regionalökonomischen Wirkungen.
Es geht vornehmlich um die Frage, welche Wirkungen auf der regionalen Ebene von MNUs ausgehen, wenn diese ihre gesellschaftliche Verantwortung im Sinne bürgerschaftlichen Engagements wahrnehmen und welche Gruppen regionaler Akteure auf die Richtung der Wirkungen Einfluss nehmen.
Durch Aufwendungen für gesellschaftliches Engagement kommt es zur Erhöhung des sozialen Kapitals im Investitionsgebiet. Im regionalen Maßstab entstehen dadurch vielfache Wirkungen, die mit den zur Verfügung stehenden Mitteln der Unternehmen allenfalls qualitativ beschrieben werden können und somit in ihrer Effektivität kaum vergleichend darzustellen sind. Dadurch kommt es häufig zu sozialen Investitionen, die einen stark philanthropischen Charakter aufweisen und in Ihrer Wirkungsweise eher diffus sind.
In den letzten Jahren hat das Konzept der Corporate Citizenship, der Wahrnehmung des Unternehmens als „unternehmerischer Bürger“, in diesem Zusammenhang einen Bedeutungszuwachs erfahren. Diese neue „Bürgerschaftlichkeit“ bedarf einer genaueren theoretischen Begutachtung, da die Verwendung der Begrifflichkeit noch uneinheitlich geschieht und sich aus dieser neuen Rolle neben den neuen Rechten und Chancen auch eine Reihe von Pflichten und Risiken für die Unternehmen ergeben.
Erschließen lässt sich die Bedeutung des Themenfeldes bürgerschaftlicher Verantwortung der Unternehmen, also der Corporate Citizenship, über die Betrachtung regionaler Kooperation. In der regionalwissenschaftlichen Forschung bietet sich das Konzept der „Regional Governance“ an, welches sich mit den Ausprägungen von Corporate Citizenship im regionalen Kontext verbinden lässt. Diese Arbeit soll einen Beitrag zur Integration der beiden Konzepte „Corporate Citizenship“ und „Regional Governance“, zu einer neu zu definierenden „Corporate Regional Responsibility“ (CRR) leisten und dabei die Implementierung von Corporate Citizenship in die strategische und operative Unternehmensführung unterstützen.[...]
Inhaltsverzeichnis
1 Forschungsbedarf, Gegenstand, Zielsetzung, Aufbau und Methodik der Arbeit
1. 1 Begründung des Forschungsbedarfes
1.2 Gegenstand der Arbeit
1.3 Zielsetzung
1.4 Aufbau und Methodik
2 Corporate Social Responsibility, Corporate Citizenship und Wirkungsanalyse
2.1 Corporate Social Responsibility
2.1.1 Definition
2.1.2 Historische Entwicklung unternehmerischer Verantwortung
2.1.3 Zur Begründung gesellschaftlicher Verantwortungsübernahme
2.1.3.1 Moral
2.1.3.2 Nachhaltigkeit
2.1.3.3 Gesellschaftliche Betriebslizenz
2.1.3.4 Reputation
2.1.4 Zwischenfazit
2.2 Corporate Citizenship
2.2.1 Corporate Citizenship als soziale Investitionen
2.2.2 Formen gesellschaftlichen Engagements
2.2.3 Inhalte des Konzepts der Corporate Citizenship
2.2.4 Aufgabenfelder der Corporate Citizenship
2.2.5 Die Anspruchsgruppen: Shareholder Value vs. Stakeholder Value
2.2.6 Resultierende „neue“ Aufgabenfelder
2.2.7 Zwischenfazit
2.3 Wirkungsanalyse
2.3.1 Überblick über die vorhandenen Instrumente
2.3.2 Social Return on Investment
2.3.3 Der Sustainable Value Ansatz
2.3.4 London Benchmarking Group
2.4 Zwischenfazit
3 Multinationale Unternehmen in der Regionalentwicklung
3.1 Die Übernahme bürgerschaftlicher Verantwortung im regionalen Kontext
3.1.1 Soziale Ordnung und die Überwindung von Koordinationsproblemen
3.1.2 Soziales Kapital als Standortfaktor
3.1.3 Ziele regionaler Kooperation
3.2 Entwicklungspartnerschaft als Perspektive der Nachhaltigkeit
3.2.1 Regionale Corporate Citizenship
3.2.2 Regional Governance
3.2.3 Business Case Corporate Citizenship
3.2.4 Identifikation strategischer Handlungsfelder
4 Empirische Befunde angewandter Corporate Citizenship
4.1 Regionale Akteure in der Region Braunschweig
4.1.1 Die Region Braunschweig
4.1.2 Akteure in der Entwicklungspartnerschaft
4.1.3 Handlungsfelder regionaler Kooperation
4.1.4 Regionale Herausforderungen
4.1.4.1 Infrastruktur
4.1.4.2 Kultur:
4.1.5 Zwischenfazit
4.2 Das Fallbeispiel Volkswagen
4.2.1 Das Unternehmen als Bürger mit lokalem und globalem Einfluss
4.2.2 Standortgeschichte Volkswagen
4.2.3 Das Management von Nachhaltigkeit bei Volkswagen
4.2.4 Corporate Citizenship bei Volkswagen
4.2.5 Systematisierung des bürgerschaftlichen Engagements
4.2.5.1 Philanthropie
4.2.5.2 Betriebliche Sozialleistungen
4.2.5.3 Globale Politik
4.2.5.4 Gesellschaftspolitik
4.2.6 Zwischenfazit
4.3 Corporate Citizenship im internationalen Vergleich
4.3.1 Analyse einer international vergleichenden Studie
4.3.2 Diskussion der Studie im Hinblick auf Volkswagen
4.3.3 Zwischenfazit
5 Handlungsempfehlungen
5.1 Corporate Citizenship als Managementproblem
5.2 Stand der Implementierung bei Volkswagen
5.3 Integration von Corporate Citizenship in strategisches und operatives Management
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, theoretische Grundlagen zur Messung und zu regionalökonomischen Wirkungen sozialer Investitionen multinationaler Unternehmen zu schaffen. Dabei steht die Frage im Fokus, welche Wirkungen bürgerschaftliches Engagement auf regionaler Ebene entfaltet und wie diese – unter Einbeziehung regionaler Akteure – strategisch in die Unternehmensführung integriert werden können.
- Konzeptionelle Abgrenzung zwischen Corporate Social Responsibility (CSR) und Corporate Citizenship (CC)
- Analyse von Instrumenten zur Wirkungsanalyse sozialer Investitionen (z.B. SROI, Sustainable Value Ansatz)
- Untersuchung der Bedeutung von Unternehmensnetzwerken und Regional Governance für die Regionalentwicklung
- Fallstudie zum gesellschaftlichen Engagement der Volkswagen AG in der Region Braunschweig
- Entwicklung von Handlungsempfehlungen zur strategischen Implementierung bürgerschaftlichen Engagements
Auszug aus dem Buch
2.3.2 Social Return on Investment
Social Return on Investment (SROI) ist eine Methode, die den Ertrag sozialer Investitionen misst. Die Methode kommt aus den Vereinigten Staaten und wird seit kurzem auch in europäischen Ländern eingeführt (SCHOLTEN o.J:1).
SROI geht von der Annahme aus, dass jeder Betrag eines Subventionsgebers (gemeinnützige Fonds, Staat oder Unternehmen) an ein sozial-gesellschaftliches Projekt faktisch eine Investition in dieses Projekt darstellt und als solche auch beurteilt werden kann. SCHOLTEN stellt fest, dass „dennoch bei der Zuteilung an eine Einrichtung oder an ein Projekt, selten eine solche Investitionsanalyse“ gemacht würde (ebd. 1).
Dies ist zunächst schon deshalb unverständlich, weil ein Unternehmer im Allgemeinen vor dem Start eines Projektes oder einer Geschäftstätigkeit zunächst einen Geschäftsplan formulieren muss, um damit bei einem Finanzier, meist einer Bank, einen Kredit für die Realisierung seines Vorhabens beantragen zu können.
Der Kreditgeber beurteilt dann neben den Fähigkeiten des Unternehmers und Grundlagen wie etwa einem vernünftigen Marketing vor allem auch die Notwendigkeit der zu tätigenden Investitionen und die Prognose für zukünftige Umsätze des Unternehmens. Diese Einschätzung verhilft dem Geldgeber zu seiner Entscheidung über Risiko und Nutzen des neu gegründeten Unternehmens und seine damit verbundene Sicherheit, dass das verliehene Kapital nebst der üblichen Verzinsung wieder zurückfließen wird (vgl.: BMU 2007).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Forschungsbedarf, Gegenstand, Zielsetzung, Aufbau und Methodik der Arbeit: Einführung in die Problemstellung des bürgerschaftlichen Engagements multinationaler Unternehmen und Darlegung der methodischen Vorgehensweise.
2 Corporate Social Responsibility, Corporate Citizenship und Wirkungsanalyse: Theoretische Einordnung der Konzepte CSR und CC sowie Vorstellung verschiedener Instrumente zur Messung sozialer Wirkungen.
3 Multinationale Unternehmen in der Regionalentwicklung: Analyse der Interaktion zwischen Unternehmen und Region sowie der Bedeutung von Netzwerken und Regional Governance.
4 Empirische Befunde angewandter Corporate Citizenship: Untersuchung der Akteure in der Region Braunschweig und detaillierte Fallstudie zum Engagement der Volkswagen AG.
5 Handlungsempfehlungen: Ableitung strategischer Empfehlungen zur Integration von Corporate Citizenship in das Management von Nachhaltigkeit.
6 Fazit: Zusammenfassung der Kernergebnisse und Ausblick auf zukünftige Forschungsnotwendigkeiten.
Schlüsselwörter
Corporate Citizenship, Corporate Social Responsibility, Volkswagen AG, Regionalentwicklung, Regional Governance, soziale Investitionen, Social Return on Investment, nachhaltige Unternehmensstrategie, bürgerschaftliches Engagement, Standortfaktor, Stakeholder, Wirkungsanalyse, Multinationale Unternehmen, Region Braunschweig, Netzwerke.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Konzept des bürgerschaftlichen Engagements (Corporate Citizenship) multinationaler Unternehmen und deren Bedeutung als regionalökonomische Akteure.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die theoretische Abgrenzung von CSR und Corporate Citizenship, Methoden zur Messung sozialer Wirkungen sowie die Einbettung von Unternehmen in regionale Entwicklungsprozesse.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, Handlungsempfehlungen für eine strategische und effiziente Implementierung von Corporate Citizenship in die Unternehmensführung zu erarbeiten, gestützt durch das Fallbeispiel Volkswagen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer umfangreichen Literaturanalyse, ergänzt durch Experteninterviews mit Verantwortlichen der Volkswagen AG.
Was wird im theoretischen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Corporate Citizenship, der Messung von sozialer Wirkung durch Instrumente wie SROI und SVA sowie der Rolle von Regional Governance.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Corporate Citizenship, Nachhaltigkeitsmanagement, regionale Akteure, soziale Investitionen und strategische Unternehmensführung.
Wie bewertet die Arbeit das soziale Engagement von Volkswagen?
Die Arbeit identifiziert Volkswagen als ein Unternehmen, das in vielen Aufgabenfeldern der Corporate Citizenship aktiv ist, jedoch besteht noch Optimierungspotenzial bei der messbaren Evaluierung des Erfolgs.
Welche Bedeutung spielt die Region Braunschweig für die Fallstudie?
Die Region dient als exemplarischer Untersuchungsraum, um das Zusammenspiel zwischen einem multinationalen Konzern, lokalen Akteuren und dem Entstehen von Clusterstrukturen aufzuzeigen.
- Arbeit zitieren
- Dipl. Geogr. Erik Lindner (Autor:in), 2008, Corporate Citizenship in Multinationalen Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117166