Die Suche nach Authentizität ist etwas, was viele Touristen antreibt in immer
außergewöhnlichere Länder zu reisen und dies auf möglichst unkonventionelle
Weise. Im Idealfall bekommt der Tourist Einblicke in das „tatsächliche“ Alltagsleben der Einheimischen und fällt nicht als Tourist auf.
Wie sich die Einheimischen auf die Touristen einstellen und was daran dann noch
das „wahre“ Leben ist, ist eines der Themen, womit sich die vorliegende Arbeit
beschäftigt. Das Phänomen des Tourismus wird hier eng mit der Entwicklung der
Heritage-Industry verknüpft. Besonders in England hat sich dieses Phänomen weit
verbreitet. Die Gründe hierfür werden erläutert, denn auch in anderen europäischen Ländern und in den USA erfreuen sich diese Orte an immer größerer Beliebtheit.
Vergangenheit ist attraktiv und zu einer Sehenswürdigkeit geworden. Touristen
bereisen die unterschiedlichsten Orte und wollen von der Vergangenheit etwas
erfahren und für die Gegenwart mitnehmen. Wollen sie dabei tatsächlich wissen, wie es war oder geht es dabei um eine neue Art von Entertainment? Welche Rolle
spielen hierbei authentische Erfahrungen und was wird aus den Menschen vor Ort?
Auch dieser Frage widmet sich die vorliegende Arbeit.
Die Arbeit ist wie folgt gegliedert: Zunächst werden die Begriffe, die für die Thematik von Bedeutung sind näher erläutert. Um über Heritage sprechen zu können, ist es notwendig zu klären, was sich dahinter verbirgt, da die Übersetzung ins deutsche „Erbe“ nicht hinreichend erklärend ist. Ähnlich verhält es sich mit der Bedeutung von Tourismus, die auf die sozialwissenschaftliche Forschung bezogen wird und letztendlich noch die Erläuterung, was in diesem Zusammenhang mit Authentizität gemeint ist. Im zweiten Teil werden mögliche Gründe genannt wieso Menschen in fremde Länder reisen und welchen Einfluss sie dadurch auf Land und Leute üben.
Abschließend wird Heritage und Tourismus aufeinander bezogen und gezeigt, was
sie gemeinsam haben und worin sie sich unterscheiden.
[...]
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Theoretische Begrifflichkeiten
Heritage vs. History
Tourismus und die sozialwissenschaftliche Forschung
Authentizität vs. Staged Authentizität
Wieso reisen Menschen in fremde Länder?
Der Einfluss von Heritage und Tourismus auf Land und Leute
Großbritannien
Wirtschaftliche Faktoren
Heritage und die Hinterbühne
Abschließende Betrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Tourismus und der sogenannten Heritage-Industry, wobei der Fokus insbesondere auf dem Streben des Touristen nach Authentizität und den daraus resultierenden Auswirkungen auf die einheimische Bevölkerung liegt.
- Differenzierung zwischen den Begriffen Heritage und History.
- Analyse des Authentizitätsbegriffs und des Phänomens "staged authenticity".
- Untersuchung der soziologischen Beweggründe für touristische Reisen.
- Betrachtung der ökonomischen Einflüsse von Heritage-Stätten auf lokale Gemeinschaften.
- Erörterung der Trennung von Hinter- und Vorderbühne im Tourismuskontext.
Auszug aus dem Buch
Authentizität vs. Staged Authentizität
Was wollen Touristen erleben? Und mit welchen Vorstellungen bereisen Menschen fremde Kulturen und Länder? Wie noch weiter erläutert wird, kann darauf die Antwort nicht eindeutig ausfallen, da die Gründe für das Reisen individuell verschieden sind. Einige Gemeinsamkeiten sind jedoch erkennbar. Die Eindeutigste und für diese Arbeit Wichtigste, ist die Suche nach Authentizität (natürlich lässt sich dies auch nicht auf jeden Touristen beziehen). Das bedeutet, dass der Tourist die fremden Kulturen und das Leben der Menschen so erleben möchte, wie sie sich auch verhalten, wenn der Tourist nicht dabei ist (vgl. MacCannell 1976, S. 95). Die Touristen möchten bestenfalls nicht als Tourist auffallen, sondern in das Alltagsleben der Einheimischen integriert werden, um möglichst viel von deren Bräuchen sehen zu können.
Dadurch, dass die Einheimischen aber nicht ihr Leben vorführen wollen, hat sich etwas entwickelt, dass MacCannell als „staged authenticity“ bezeichnet. Damit ist gemeint, dass die Einheimischen, um die Bedürfnisse der Touristen zu befriedigen, ihnen etwas vorspielen, was möglichst authentisch wirken soll. Das Paradoxe an dieser Entwicklung ist, dass z.B. Rituale oder handwerkliche Erzeugnisse viel übertriebener dargestellt werden als sie tatsächlich sind, nur um den Ansprüchen des Touristen an authentisches Erleben zu genügen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Thema der Authentizitätssuche im Tourismus sowie methodische Erläuterung der Arbeit.
Theoretische Begrifflichkeiten: Definition und Abgrenzung der Begriffe Heritage und History sowie tourismuswissenschaftliche Grundlagen.
Wieso reisen Menschen in fremde Länder?: Analyse der soziologischen Beweggründe und Typisierung von Reisenden hinsichtlich ihrer Authentizitätsansprüche.
Der Einfluss von Heritage und Tourismus auf Land und Leute: Untersuchung der sozioökonomischen Auswirkungen, speziell am Beispiel Großbritanniens.
Heritage und die Hinterbühne: Anwendung der Goffman’schen Theorie auf touristische Räume und das Phänomen der Mystifizierung von Hinterbühnen.
Abschließende Betrachtung: Zusammenfassende Diskussion über den Tourismus als globales System und die fortdauernde Relevanz klassischer Theorien.
Schlüsselwörter
Heritage, Tourismus, Authentizität, Staged Authenticity, History, Soziologie, Kultur, Identität, Hinterbühne, Erbe, Massentourismus, Reisemotive, Globalisierung, Konsum, Freizeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Verknüpfung von Tourismus und der Heritage-Industry und beleuchtet kritisch, wie das Streben nach authentischen Erlebnissen die touristischen Angebote und das Leben der Einheimischen beeinflusst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Geschichte und Erbe, die soziologische Tourismusforschung, der Authentizitätsbegriff sowie die ökonomischen Abhängigkeiten in Tourismusregionen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Mechanismen hinter der sogenannten "staged authenticity" zu verstehen und aufzuzeigen, wie Touristen und Einheimische in Bezug auf Heritage-Stätten interagieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen sozialwissenschaftlichen Ansatz, basierend auf Literaturanalysen bedeutender Tourismusforscher wie MacCannell, Cohen und Urry.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Begriffsbestimmungen, die Untersuchung von Reisemotiven, die Analyse der Einflüsse auf lokale Bevölkerungsgruppen und die Anwendung der Theorie der Hinter- und Vorderbühnen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Heritage, Authentizität, Staged Authenticity, Hinterbühne und Tourismusforschung.
Warum wird im Buch das Beispiel Calke Abbey angeführt?
Calke Abbey dient als Fallbeispiel für eine "Zeitkapsel", die als Hinterbühne fungiert und Besuchern Einblicke in private Räume gewährt, die sie als authentisches Erlebnis wahrnehmen.
Was bedeutet "staged authenticity" laut der Autorin?
Der Begriff beschreibt eine von Einheimischen inszenierte Authentizität, die dazu dient, die Erwartungen von Touristen zu befriedigen, ohne die eigene Privatsphäre vollständig aufgeben zu müssen.
Wie unterscheidet sich "Heritage" von "History"?
Während History die wissenschaftliche, quellengestützte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit bezeichnet, ist Heritage eine selektive, oft lückenhafte und identitätsstiftende Interpretation der Geschichte für heutige Zwecke.
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- Michèle Bernhard (Author), 2007, Heritage und Tourismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117178