Wissenschaftliche Grundlage der Arbeit von Ecarius sind sozialwissenschaftliche Analysen, die Lebensformen heute pluralisiert und individualisiert beschreiben (9). Dabei geht es darum, dass sich Lebensformen von einem festen Bild und festen Regeln lösen, z.B. wann „man“ Kinder bekommt, in den Beruf eintritt, wie lange „man“ einer Firma treu bleibt etc. Das bedeutet eine Zunahme von Freiheit, aber auch Orientierungslosigkeit und, in gewissem Rahmen, eine erhöhte Chance zu scheitern, weil „man“ eben nicht unbedingt mehr weiß, welches Handeln und welche Einstellung
wirklich zielführend sind.
Spannend ist der generationsübergreifende Ansatz von Ecarius, der mehrere Generationen zusammenfasst und in der Gesamtsicht analysiert. Damit geht es nicht mehr „um eine Abgrenzung der Generationen oder Generationskonflikte“ (9). Dies wird besonders relevant aufgrund gestiegener Lebenserwartung (s.a. 11) - immer mehr Heranwachsende erleben ihre Großeltern, weil diese eben noch leben. Die
Dreigenerationenfamilie ist nach Ecarius These eine typische Familienform in unserer Zeit (s.a. 11).
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Inhaltsverzeichnis
1. Ansatz
2. Grundfragen
3. Datenbasis
4. Methodischer Ansatz
5. Familie – begriffliche Verortung
6. Erziehung heute
7. Analyse
8. Erziehungsmuster
9. Zeitgeschichtlicher Hintergrund
10. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert kritisch das Werk von Jutta Ecarius über die Familienerziehung im historischen Wandel. Ziel der Untersuchung ist es, den generationsübergreifenden Ansatz und die empirische Datenbasis von Ecarius zu hinterfragen, die methodische Herangehensweise zu bewerten sowie die Einbettung der Erziehungsstile in den zeitgeschichtlichen Kontext zu beleuchten.
- Generationsübergreifende Erziehungsprozesse
- Einfluss gesellschaftlicher und historischer Umbrüche auf Familienstrukturen
- Qualitative und quantitative Analyse von Familiendynamiken
- Reflexion der Rolle des Staates und externer Sozialisationsagenten
- Identifikation und Kategorisierung von Erziehungsmustern
Auszug aus dem Buch
1. Ansatz
Wissenschaftliche Grundlage der Arbeit von Ecarius sind sozialwissenschaftliche Analysen, die Lebensformen heute pluralisiert und individualisiert beschreiben (9). Dabei geht es darum, dass sich Lebensformen von einem festen Bild und festen Regeln lösen, z.B. wann „man“ Kinder bekommt, in den Beruf eintritt, wie lange „man“ einer Firma treu bleibt etc. Das bedeutet eine Zunahme von Freiheit, aber auch Orientierungslosigkeit und, in gewissem Rahmen, eine erhöhte Chance zu scheitern, weil „man“ eben nicht unbedingt mehr weiß, welches Handeln und welche Einstellung wirklich zielführend sind.
Spannend ist der generationsübergreifende Ansatz von Ecarius, der mehrere Generationen zusammenfasst und in der Gesamtsicht analysiert. Damit geht es nicht mehr „um eine Abgrenzung der Generationen oder Generationskonflikte“ (9). Dies wird besonders relevant aufgrund gestiegener Lebenserwartung (s.a. 11) - immer mehr Heranwachsende erleben ihre Großeltern, weil diese eben noch leben. Die Dreigenerationenfamilie ist nach Ecarius These eine typische Familienform in unserer Zeit (s.a. 11).
Die geografische Flexibilität scheint dabei nicht so hoch wie angenommen (s.a. 36):
• In mehr als jeder fünften Familie wohnen die Großeltern nicht mehr als 15 min. Fußweg entfernt.
• Bei 82% der 18-55-jährigen ist zumindest ein Elternteil in weniger als einer Stunde zu erreichen.
• Bei 78% der 18-55-jährigen sind Geschwister in weniger als einer Stunde zu erreichen.
Damit stehen zumindest potenziell Ressourcen für horizontale wie vertikale Unterstützung zur Verfügung.
Mich erinnert der generationsübergreifende Ansatz vobn Ecarius an das Verfahren der Familienaufstellung in der Psychologie, in der durch intergenerationeller Sicht therapeutisch relevante Erkenntnisse gewonnen werden können.
Was mir bei dem Ansatz von Ecarius allerdings fehlt, ist der Bezug auf Patchwork Familien, die es ja nicht nur heute, wo dieser Begriff modern geworden ist, sondern auch in der Mitte des letzten Jahrhunderts gab: Durch die Verheiratung von Witwern und Witwen besonders auch durch die Kriegsfolgen gab es ja auch damals schon etliche Familien, die aus mehreren „Rumpffamilien“ zusammengesetzt waren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ansatz: Einleitende Betrachtung der sozialwissenschaftlichen Grundlage, die den Wandel von Lebensformen und den generationsübergreifenden Untersuchungsfokus von Ecarius erläutert.
2. Grundfragen: Zusammenstellung der zentralen Forschungsfragen von Ecarius, die sich mit dem generationsübergreifenden Erziehungswandel und der Rolle der Familienmitglieder befassen.
3. Datenbasis: Erläuterung der empirischen Grundlage, bestehend aus der Analyse von 27 Dreigenerationenfamilien aus der Region Halle durch ein vierstufiges Interviewverfahren.
4. Methodischer Ansatz: Einordnung der Arbeit in das interpretative Paradigma und die historische Sozialisationsforschung unter Einbezug hermeneutischer Verfahren.
5. Familie – begriffliche Verortung: Definition von Familie als dauerhaftes Beziehungsgeflecht und Darstellung von Erziehungshandlungen als soziales Interaktionsgeschehen.
6. Erziehung heute: Diskussion zeitgenössischer Erziehungskonzepte, geprägt von Emanzipationsansprüchen der Kinder und einer Reflexion der Rolle externer Sozialisationsagenten.
7. Analyse: Kritische Auseinandersetzung mit der methodischen Umsetzung von Ecarius, insbesondere hinsichtlich der Vermischung von Beschreibung, Interpretation und persönlicher Bewertung.
8. Erziehungsmuster: Identifikation und Differenzierung der drei Muster "Verweilen im Befehlen", "Erziehung durch Verhandeln" und "Vom Befehlen zum Verhandeln".
9. Zeitgeschichtlicher Hintergrund: Untersuchung der Einflüsse historischer Wendepunkte wie Nationalsozialismus, Weltkrieg und DDR-Vergangenheit auf die Erziehungsstile.
10. Zusammenfassung: Abschließende Würdigung des Werkes, verbunden mit Kritik an der methodischen Schärfe und dem Wunsch nach einer stärkeren theoretischen Einbettung.
Schlüsselwörter
Familienerziehung, Generationsbeziehungen, Historischer Wandel, Sozialisation, Erziehungsmuster, Dreigenerationenfamilie, Interpretatives Paradigma, Qualitative Forschung, Interaktion, Sozialwissenschaft, Lebensformen, Biografie, Familiendynamik, Erziehungsstil, Zeitgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit einer kritischen Rezension des Buches "Familienerziehung im historischen Wandel" von Jutta Ecarius aus dem Jahr 2002.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse generationsübergreifender Familienstrukturen, dem Wandel von Erziehungsmustern und der Einbettung dieser Entwicklungen in historische Kontexte.
Was ist die primäre Forschungsfrage des rezensierten Werks?
Die Arbeit untersucht, wie Familienerziehung zwischen den Generationen gestaltet wird und welchen Wandlungsprozessen diese über das letzte Jahrhundert unterlag.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Ecarius nutzt einen empirisch-qualitativen Ansatz, der auf dem interpretativen Paradigma und hermeneutischen Verfahren basiert, um Interviews mit Dreigenerationenfamilien auszuwerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Datenbasis, theoretischer Verortung des Familienbegriffs, Analyse von Erziehungsmustern sowie die historische Kontextualisierung durch verschiedene gesellschaftliche Wendepunkte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Familienerziehung, Generationsbeziehungen, Sozialisationsforschung, Erziehungsmuster und die historische Entwicklung der Familienstrukturen.
Welche Kritik übt der Rezensent an der methodischen Transparenz?
Der Rezensent bemängelt, dass Ecarius die Trennung zwischen beobachteten Fakten, fremden Einschätzungen und eigenen Bewertungen nicht immer offenlegt, was die Nachvollziehbarkeit der Schlüsse erschwert.
Wie bewertet der Rezensent die Einbeziehung der DDR-Lebenswelt?
Er kritisiert, dass die spezifische geografische und kulturelle Positionierung der Stichprobe in der ehemaligen DDR zu wenig reflektiert und in ihrer Bedeutung für die Erziehungsstile zu wenig expliziert wurde.
- Quote paper
- Dr. Phil. Kathrin Kiss-Elder (Author), 2003, Familienerziehung im historischen Wandel , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117185